STUTTGART. Es sind Zahlen, die Eltern, Lehrkräfte und Politik aufrütteln müssen: Die JIM-Studie 2025 dokumentiert nicht nur eine weiter steigende Smartphone-Nutzung unter Jugendlichen – sie zeigt auch, wie sehr Heranwachsende mit problematischen Inhalten und Selbstregulationsproblemen kämpfen. Während sie KI längst selbstverständlich im Alltag einsetzen (für die Schule also), geraten sie gleichzeitig immer tiefer in digitale Risiken hinein. Die Rede ist bereits von „Bildschirmautismus“.

Die tägliche Bildschirmzeit liegt im Durchschnitt bei knapp vier Stunden, bei den älteren Jugendlichen sogar bei weit über viereinhalb Stunden. Besonders alarmierend ist jedoch nicht die reine Nutzungsdauer, sondern die mangelnde Selbstkontrolle: Ein Großteil der Jugendlichen gibt an, regelmäßig die Zeit am Handy aus den Augen zu verlieren und deutlich länger online zu bleiben als eigentlich geplant.
Fast ein Drittel räumt ein, morgens oft müde zu sein, weil das Smartphone abends nicht zur Seite gelegt wurde. Gleichzeitig zeigt sich ein widersprüchliches Bild: Viele genießen durchaus Phasen ohne Handy und Internet, schaffen es jedoch trotzdem selten, das Gerät konsequent auszuschalten. Die Studienautorinnen und -autoren bringen das Problem auf den Punkt: Zwei Drittel der Befragten hätten Schwierigkeiten, ihre Bildschirmzeit zu regulieren.
Die Ergebnisse sind relevant: Die JIM-Studie wird seit 1998 jährlich vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest durchgeführt und gilt als wichtigste Langzeituntersuchung zum Medienverhalten Jugendlicher in Deutschland. Sie basiert 2025 auf den Angaben von 1.200 Jugendlichen im Alter von zwölf bis 19 Jahren und ermöglicht dadurch ein präzises und repräsentatives Bild der digitalen Lebenswelt junger Menschen.
Kinderärztin warnt: „fatale Folgen“ – und spricht von Bildschirmautismus
Die Göttinger Kinderärztin Tanja Brunnert beobachtet in ihrer Praxis die Auswirkungen hoher Mediennutzung drastisch. Der exzessive Konsum digitaler Medien habe „fatale“ Folgen, sagt sie. Vor allem die Sprachentwicklung leidet, aber auch grob- und feinmotorische Fähigkeiten seien auffällig häufig verzögert. Viele Kinder schlafen schlecht, können sich nur schwer konzentrieren und zeigen deutliche Auffälligkeiten im Sozialverhalten. Brunnert spricht von einem Phänomen, das sie als „Bildschirmautismus“ bezeichnet.
Besonders die über Zwölfjährigen sind betroffen: Laut Brunnert zeigt bis zu jede vierte Person dieser Altersgruppe ein problematisches Mediennutzungsverhalten. Immer mehr Jugendliche verbringen inzwischen mehr als sechs Stunden täglich vor digitalen Geräten – was dazu führe, so die Ärztin, dass sie „nach der Schule praktisch nichts anderes mehr“ tun. Die Folgen seien gravierend: die Fähigkeit, Freundschaften aufzubauen, gehe verloren, und soziale Ängste nähmen spürbar zu.
Digitale Risiken nehmen zu – Fake News, Hass, Extremismus und sexuelle Belästigung
Neben der übermäßigen Nutzung ist vor allem der Anstieg problematischer Inhalte ein zentrales Ergebnis der JIM-Studie. Jugendliche berichten zunehmend von Fake News, extremen politischen Positionen und gezielten Desinformationsversuchen. Ebenso häufig begegnen sie Beleidigungen, Hassbotschaften und Verschwörungstheorien. Viele haben zudem ungewollt pornografische Inhalte gesehen, und fast ein Drittel berichtet sogar von sexueller Belästigung im Netz – Mädchen deutlich häufiger als Jungen.
Die Studie zeigt, dass vor allem Social-Media-Plattformen wie Instagram, TikTok und Snapchat Schauplätze solcher Vorfälle sind. Marc Jan Eumann, Direktor der Medienanstalt Rheinland-Pfalz, betont, dass 67 Prozent der Jugendlichen im vergangenen Monat mit Fake News konfrontiert gewesen seien – ein Trend, der sich durch KI-basierte Inhalte weiter verstärke. Aus Sicht der Landesmedienanstalten müssen die Plattformbetreiber viel stärker in die Pflicht genommen werden, um schädliche und illegale Inhalte zu löschen und Heranwachsende zu schützen. „Mit großer Reichweite geht große Verantwortung einher“, mahnt Eumann.
WhatsApp bleibt unverzichtbar – Social Media wird zur Nachrichtenquelle
Auch 2025 ist WhatsApp die wichtigste App der Jugendlichen. Die Nutzung bleibt jedoch längst nicht auf einfache Textnachrichten beschränkt: Sprachnachrichten, Emojis und GIFs prägen die Alltagskommunikation. Der Messenger dient vielen Jugendlichen inzwischen als zentrale Plattform des Austauschs. Gleichzeitig wächst die Bedeutung von Social Media als Informationsquelle. Vor allem ältere Jugendliche folgen Influencerinnen und Influencern, die über aktuelle Themen berichten – beinahe die Hälfte der 16- bis 19-Jährigen tut dies bereits regelmäßig. Das Interesse gilt dabei besonders dem weltpolitischen Geschehen, dem Klimawandel sowie politischen Entwicklungen in den USA.
KI ist längst Alltag – aber noch immer kaum Thema im Unterricht
Die Verbreitung von KI-Anwendungen hat innerhalb kurzer Zeit einen bemerkenswerten Sprung gemacht. Während 2023 nur knapp vier von zehn Jugendlichen ChatGPT und ähnliche Tools genutzt hatten, sind es 2025 bereits mehr als acht von zehn. KI kommt inzwischen vor allem bei schulischen Aufgaben zum Einsatz. Jugendliche lassen sich Hausaufgaben erklären, recherchieren Informationen oder nutzen KI, um sich komplexe Zusammenhänge erläutern zu lassen.
Thomas Rathgeb von der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg warnt in der FAZ davor, dass die Schule mit dieser Entwicklung kaum Schritt hält. Jugendliche müssten verstehen, wie KI-Ergebnisse zustande kommen, wie Algorithmen funktionieren und weshalb die Ergebnisse kritisch geprüft werden sollten. „KI ist längst Teil der Schularbeiten zu Hause. Sie sollte daher auch Thema des Unterrichts sein“, mahnt Rathgeb. Gleichzeitig betont er die Verantwortung der Eltern: Es sei ihre Aufgabe, insbesondere für jüngere Kinder Vorbild zu sein und klare Leitplanken für den Medienkonsum zu setzen.
Zwischen Vorfreude und Zukunftsangst
Die Studie zeigt auch, wie ambivalent Jugendliche auf ihre Zukunft blicken. Auf der einen Seite freuen sie sich auf wichtige Schritte in ihrer persönlichen Entwicklung, etwa den nächsten Bildungsabschnitt, den Schul- oder Berufsabschluss oder den Beginn eines Studiums sowie auf mehr Selbstständigkeit und persönliche Gestaltungsmöglichkeiten. Auf der anderen Seite sorgen sich viele um die weltpolitische Lage, die anhaltenden Konflikte und die zunehmende Unsicherheit im In- und Ausland. Schule und Beruf spielen ebenfalls eine Rolle, wenn auch deutlich nachgeordnet.
Was bedeutet das für Schulen? – Eine Einordnung
Für Schulen und Bildungspolitik ergeben sich aus der JIM-Studie klare Handlungsfelder. Jugendliche nutzen digitale Technologien längst selbstverständlich – gleichzeitig stehen sie ohne ausreichende Unterstützung vor denselben Risiken, die Erwachsene seit Jahren diskutieren. Lehrkräfte erleben die Folgen täglich: Müdigkeit im Unterricht, Konzentrationsprobleme, Konflikte aufgrund von Online-Streitigkeiten oder Mobbing, und eine Informationslage, die zunehmend von Desinformation und emotional aufgeladenen Narrativen geprägt ist. Medienkompetenz muss daher weit über praktische Fertigkeiten hinausgehen. Nicht das Bedienen eines Smartphones ist das Problem, sondern die Bewertung von Informationen, der Schutz der eigenen Daten, der Umgang mit KI und das Erkennen manipulativer Inhalte. Schulen brauchen Zeit, Material und systematische Unterstützung, um diese Aspekte im Unterricht zu verankern.
Zugleich wird Elternarbeit wichtiger: Der digitale Alltag der Kinder kann nur gemeinsam gestaltet werden. News4teachers / mit Material der dpa
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Ach, da sollte doch die Schule mal was machen.//
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Und die Neuigkeit ist…?
Wir brauchen keine Verbote oder gesetzliche Regelungen. Die Schule wirds schon richten. Einfach noch mal ein paar Experten fragen, die erklären das schon.
„KI kommt inzwischen vor allem bei schulischen Aufgaben zum Einsatz. Jugendliche lassen sich Hausaufgaben erklären, recherchieren Informationen oder nutzen KI, um sich komplexe Zusammenhänge erläutern zu lassen.“
Da macht sich der/die/das Verfassende was vor: Den beschriebenen Umgang mit KI pflegt nach Aussage meiner SuS genau einer von zehn, die KI nutzen. Der Rest lässt die KI die Hausaufgaben machen, recherchieren und komplexe Zusammenhänge für die Lehrkraft aufbereiten. Zum: „Ich will es verstehen, erkläre es mir!“ nutzt es kaum jemand – da lockt Social Media viel zu sehr.
Ich will es verstehen-ein Traum von Vorstellung.
Kann ich bestätigen!
“Gleichzeitig zeigt sich ein widersprüchliches Bild: Viele genießen durchaus Phasen ohne Handy und Internet, schaffen es jedoch trotzdem selten, das Gerät konsequent auszuschalten.”
IST es widersprüchlich? Erfreuen sich Alkoholabhängige/ Nikotinsüchtige nicht ebenfalls der Vorteile eines gesunden Lebens und kämpfen gleichzeitig gegen das “Laster” an? :/
Um den Versuch eines konstruktiven Vorschlages zu unterbreiten: Eine Social-Media-Sprechstunde (bspw. als AG) von Schüler*innen für Schüler*innen könnte ein sinnvolles Angebot sein, problematische Inhalte anzusprechen und ggf. neue “Trends” zu erfassen
Hmmm, man könnte die “Medienscouts” nennen. Revolutionäre Idee, da ist der Rainer etwas ganz großem auf der Spur. Das da noch keiner drauf gekommen ist…
Ne, ich wollte eine bekannte Maßnahme anführen, anstatt mich fruchtlos darüber zu beschweren, dass sich die Schule heutiger Probleme annehmen muss.
Wenn Sie eigene Vorschläge ergänzen möchten, fühlen Sie sich eingeladen 🙂
Hmmm, mal überlegen … war wäre denn, mal ganz crazy gedacht, wenn die ganzen “bekannten” Maßnahmen schon ausprobiert wurden und nicht funktioniert haben? Aber das ist ja für den Förderschulguru total unvorstellbar. Ich warte auf Vorschläge…
“Maßnahmen schon ausprobiert wurden und nicht funktioniert haben?”
Quellen dazu?
Das die Maßnahme an Ihrer Schule nicht erfolgreich war, sagt ja erstmal nichts über deren Wirksamkeit an anderen aus
“Ne, ich wollte eine bekannte Maßnahme anführen,…”
Also haben Sie solch eine “Social-Media-Sprechstunde” schon mal durchgeführt? Wo, wie lange und mit welchen Erfahrungen/Erfolgen?
Oder ist das wieder eine rain zufällige Idee, nach dem Motto: “man (= die Anderen) könnte, müsste, sollte mal …” ?
Für Hand Malz ist die wohl ein alter Hut 😉
Das Beispiel nahm ich von “Die Schule brennt” auf.
Da wurde sie als durchaus wirksam beschrieben.
Danke!
Das ist unter Lehrkräften seit Jahren klar und hätte auch ohne Studie bereits Beachtung finden können, wenn man aus den Beobachtungen logische Schlussfolgerungen gezogen hätte.
Studien sind wichtig und gut, aber eine gute Statistik hat man erst ab 10 hoch 6 Ereignissen. Das schafft keine Studie.
Man sollte deshalb zwischenzeitlich einfach sinnvoll und logisch denken und auf das Personal hören, das immerzu mahnt, aber nicht gehört wird … stattdessen eher belächelt und immer weiter belastet wird!
“Man sollte deshalb zwischenzeitlich einfach sinnvoll und logisch denken und auf das Personal hören, das immerzu mahnt, aber nicht gehört wird”
Ihr Vorschlag hat nur ein Problem: Er würde unzählige Stellen für “Bildungsexperten” überflüssig machen und vielen “Bildungspolitikern” die Karrieremöglichkeiten durch fehlende Profilierungen versauen…
Wieso?
Dann könnte weiteres Personal, das vorher anders gebunden war, das aber sehr klare Vorstellungen von der Vorgehensweise hat, in der Schule eingesetzt werden und das vorgeschlagene Vorgehen dort aktiv umsetzen … das spart im Endeffekt Geld, weil nicht neu rekrutiert werden muss und die frei werdenden Personen bereits ausgebildet sind!
Win – Win sozusagen …
Vorschlag:
Wäre ein neues Pflichtfach für SuS sinnvoll, das von Psychologen unterrichtet wird und zusätzlich eine Art verpflichtender Erste-Hilfe-Kurs mit Verfallsdatum für Eltern, der im Team von Psychologen und Cyber-Crime- Personal der Polizei angeboten wird (und bei Nichtteilnahme zu einem Strafzettel führt)?
“.. müssen die Plattformbetreiber viel stärker in die Pflicht genommen werden, um schädliche und illegale Inhalte zu löschen und Heranwachsende zu schützen ..”
Nee, es ist Elternaufgabe die Kinder zu schützen. Das ist seltsamerweise irgendwie nicht gewollt. Es wird nicht darüber gesprochen, dass den Kindern im Internet natürlich Inhalte präsentiert bekommen, die nicht für Kinder bestimmt sind. Man tut stattdessen ganz überrascht und empört. Ein überheblicher, selbstgefälliger Anspruch das Social-Media Unternehmen dafür sorgen sollen deutschen Kindern ein sauberes Internet zu präsentieren. Contentmoderatoren in Indien, den Phillipienen oder sonstwo sollen das gefälligst regeln, egal, Hauptsache man hat selbst nichts damit zu tun und im deutschen Wunschland gehts so weiter wie bisher.
Naja ganz so einfach ist es aber nicht.
Es ist ja auch nicht erlaubt, Dass Kinder Jugendliche im Geschäften Zugriff auf jugendgefährdende Medien haben.
Und auch Drogen wie Alkohol und andere Dinge sind nicht erlaubt. Auch hier sind die Betreiber in der Pflicht.
Die Eltern natürlich auch, aber ich denke schon dass die Betreiber hier auch eine Verantwortung übernehmen müssen.
Ja genau, in Geschäften dürfen sie Kindern keinen Schnaps verkaufen. Wenn die Eltern aber ihren Kindern ein Handy, bzw die SIM-Karte beschaffen ( auf ihren Namen, nicht auf den Namen des Kindes, denn das dürfte keine SIM-Karte bestellen), kaufen sie sozusagen den Schnaps für ihre Kinder. So sieht es aus, muss man so deutlich sagen.
Mich hat übrigens Oma, da war ich 12 oder 13, mit Schnaps und Zigaretten versorgt. War damals so, wird man später sagen.
Ich bin im übrigen ganz liberal, wenn andere ihren Kindern das antun mögen, bitte. Meine gehen auf eine Handyfreie Schule und Glotze haben wir auch nicht.
Es ist gar nicht mehr möglich, dass Eltern allein das hinbekommen.
Tatsächlich sollten diese Unternehmen (!Die verdienen damit richtig viel Geld!) sich darum kümmern. Ich finde es viel zu lasch, wie das hierzulande gehandhabt wird. Da werden irgendwelche Strafgelder verhängt oder Klagen eingereicht … Das ist komplett nutzlos.
Mich nerven diese Diskussionen inzwischen immer mehr.
Kinder sind gefährdet und wir diskutieren? Dabei ist die Lösung ganz einfach. China kriegt das ja auch hin. Abschalten. Wer hier Geld verdienen will, muss sich an Regeln halten. Wer das nicht tut, ist raus.
Kinder- und Jugendschutz sollte wichtiger sein als freier Zugang Erwachsener zu allen Inhalten.
Wenn etwas nachgewiesenermaßen nicht funktioniert, kann man es doch nicht einfach fortsetzen.
Wenn man die totale Freiheit will, darf man sich über die negativen Folgen nicht beschweren, sondern muss sie hinnehmen, anstatt massenhaft Geld für etwas (zahnlose Ermittlungs- und Strafverfolgungsbehörden) auszugeben, dass Null Effekt hat.
Für sowas bin ich zu liberal. Ausserdem, ich glaube nicht das abschalten möglich ist. Da müssten sie ja alles mögliche abschalten, also auch VPNs etc., oder das ganze Internet abklemmen, wie in Afganistan.
Wieso bekommen die Eltern das nicht hin? Das ist doch im Grude ganz einfach. Kein Smartphone, fertig. Mein Bengel hat kürzlich irgendwo eins aufgetrieben, aber meine Ex hat es gleich einkassiert. In der Sache sind wir uns zum Glück einig.
Genau, das ist ganz einfach: Kids unter 14, ach was unter 18 einfach keine Handys geben. Das ist bestimmt viel leichter umsetzbar als diejenigen Provider die gegen Regeln verstoßen, abzuschalten.
” .. die gegen Regeln verstoßen .. ” Gegen welche Regeln verstoßen die Dienstanbieter (oder Provider) denn? Regeln ist wohl auch bewusst als schwammiger Begriff gewählt, so in Richtung Moral ?
Sollten TikTok, Insta und Co gegen Gesetze im Heimatland (USA, China) verstoßen wird der Rechtsstreit dort ausgetragen.
Deutschland könnte, aber wenn wohl auf EU-Ebene, z.B. TikTok verbieten seine Dienste in hier anzubieten, das schon.
Ich finde nichts dabei den Kids unter 14, oder unter 18 einfach keine internetfähigen Handys zu geben. Wenn die schon drauf sind ist das schwierig, das sehe ich ein. Wenn die Kinder älter werden sind sie sicher auch clever genug sich ihren Stoff selbst zu besorgen. Müssen die Eltern aber nicht noch unterstützen.
Ich denke :
a) Gefährliche Zonen sollten als solche auch in der digitalen Welt vor ungewolltem Betreten geschützt werden.
b) Kindern hatten in öffentlichen Stadtbibliotheken selbstständigen Zutritt ohne Begleitung ab einem bestimmten Alter, jedoch noch lange nicht Zutritt zu allen Bereichen der Bibliothek.
c) Eine Handy-Nummer als Altersverifikation für das Erzeugen einer E-Mail-Adresse ist absolut nicht-hilfreich, denn schon Grundschüler sind inzwischen häufig mit Smartphones ausgestattet. (Früher hatte man das Theater wegen falschen Anziehsachen, heute wegen uncooler technischer Ausstattung. – Es soll sogar Eltern geben, die ihre Kids tracken, auch während der Schulzeit und auch sonst im Leben. Mag eine Reaktion auf unpassenden ÖPNV sein oder mangelnde Pausen-Aufsicht bzw. zuviele Kinder in einer Schule.)
d) Viele Eltern haben definitiv keine Lust / Zeit sich neben die Kinder während deren “Internet-Bildschirmzeiten” zu setzen. (Ich erinnere mich an meine Kindheit: Fernsehen ja, aber nur bestimmte Sendungen zu bestimmten Uhrzeiten. Das war kein “schau was gerade kommt”.)
e) Hausaufgaben wie “Suche im Internet…”, “Schaue auf youtube” macht das Domain-Sperren auf dem Router unmöglich.
Ich bin für ein freies Internet, aber Kinder sind besonders schutzbedürftig.
Es kam einer meiner Jungs und beschwerte sich über die unsinnigen Beiträge im Klassen-Chat. Dass man da die wichtigen Themen nicht ohne Zeitaufwand von den Anfeindungen wegfiltern kann.
Mein Rat war, er soll es in der nächsten Stunde mit der Klasse diskutieren, wofür der Chat da sein soll und wofür eben nicht.
Zu Aufgabe a) : Ja aber wie denn? Das ist technisch gesehen nicht so einfach. Ausserdem ist das wieder die typisch deutsche Überheblichkeit, zu glauben US- oder chinesische Anbieter würden extra für den deutschen Markt so einen Eiertanz aufführen.
Gott ja, dieser Klassen- und Elternchat BS, da bin ich raus. Ich kann mich auch so mit den Leuten unterhalten, wenn es das braucht.
Anbieter sollten für jeden Markt diesen “Eiertanz” aufführen – oder für den hiesigen Markt verboten sein bzw. per Vertragssperre auf passende Nutzergruppe
eingeschränkt bleiben.
TOP – technische dann organisatorische und zuletzt persönliche Maßnahmen.
Das Prinzip TOP gilt bei Arbeits- und Betriebssicherheit sowie Datenschutz, Informationssicherheit und auch beim Gesundheitsschutz.
Erst muss das System passend gemacht werden, dann die Anwendungsprozesse und ganz am Ende erst die tatsächliche Nutzung und das persönliche Verhalten.
Klar, auf einer deutschen Social Media Plattform würde das bestimmt so laufen. Nur die gibt es nicht glaube ich, oder? Ich meine das ZDF wollte mal eine entwickeln, hab seitdem aber nichts mehr davon gehört. Vielleicht haben die gemerkt das das in etwa so anziehend wäre wie ihr Fernsehgarten.
Und warum sollte man Plattformen, die sich an hiesige Regelungen nicht halten wollen/können/dürfen zur Nutzung hier freischalten?
Es ist auch bei sonstigen technischen Produkten üblich, dass selbige eine Sicherheitsfreigabe erhalten.
Im Bereich der Software-Entwicklung gibt es einige Vorschriften, die für unterschiedliche Einsätze zubeachten sind.
Erfüllt die Software – oder ihre Dokumentation – diese Vorschriften nicht, dann ist sie für den Zweck in dem Kontext nicht nutzbar.
Eine Plattform, die explizit Kinder und Jugendliche nicht ausschließt, muss sich an Kinderschutz und Jugendschutz halten, oder der Betreiber ist dahingehend zubewegen, dass er es macht.
Internet Anwendungen laufen nicht im rechtsfreien Raum.
Und ja, Aussagen und Handlungen, die anderen Orts im Rahmen des Erlaubten liegen, können in Deutschland strafbar sein – und auch umgekehrt.
Es wird Zeit, dass wir eine Weltregierung bekommen, und das gleiche Regelwerk für das gesellschaftliche und wirtschaftliche Miteinander für alle Menschen gilt.
Hat irgend jemand ernsthaft etwas anderes erwartet?
“Bildungsexperten reißen Schulen aus dem Dornröschen-Schlaf: Mediennutzung unter Jugendlichen viel stärker als von Lehrkräften erwartet. Jetzt kann kein Lehrer mehr so tun als ginge ihn das alles nichts an.”
Lustig, denn die Lehrkräfte haben ja den Kindern die Geräte gekauft, oder etwa nicht?! Wirklich?? Eigentlich könnte man das Prinzip noch ordentlich ausdehnen: Die Eltern kaufen dem Kind ein Auto, und die Lehrkräfte sorgen dafür, dass es richtig verwendet wird!
Die Eltern besorgen die Badehose, und die Lehrer bringen das Schwimmen bei…
Bestimmt gibt’s noch mehr solcher “Verantwortungspartnerschaften”, die dafür sorgen, dass die Schulen nicht unter Langeweile leiden.
Ich ziehe einen anderen Schluss: Die Schüler wissen schon, dass ihnen das Smartphone schadet und TROTZDEM nutzen sie es, können nicht aufhören. Sie sind süchtig.
Da hilft keine Info. Da hilft Entzug.
Und trotz all dieser Tatsachen soll vor allem die Schule schuld an der psychischen Belastung der Jugendlichen sein… Glaub ich kaum. Wenn ich mir vier Stunden täglich meine Dopamindosis durch das Handy abhole, doomscrolle, bunte, teils brutale und abartige Bilder reinziehe und mich ständig mit Fakeinfluencern und deren Traumleben vergleiche, dann bleibe ich mental gewiss nicht gesund. Da scheint es natürlich leichter, die Verantwortung dafür nicht auf meine Freizeitbeschäftigung Nummer eins zu schieben, sondern die unliebsame Schule dafür herzuziehen, die bitte jegliche Leistung auf null fahren soll, Noten abschaffen soll und am besten auch Hausaufgaben abschaffen soll, damit ich noch mehr Zeit für den Bildschirm in der Hand habe. Gekrönt wird das Ganze mit angedachten Schulreformen, die für das individuelle Arbeiten ein iPad absolut notwendig machen, sodass zu den vier Stunden Bildschirmzeit am Nachmittag zusätzliche sechs Stunden während der Schulzeit aufaddiert werden können. Macht also mindestens 10 Stunden digitale Berieselung täglich.
Hier muss dringend gegengesteuert werden – aber nicht, indem man schulische Anforderungen obsolet macht, sondern indem man die angewachsenen Handys operativ entfernt und den Jugendlichen mal wieder das echte Leben schmackhaft macht.
Keiner, auch die Schulen nicht, werden dieses Problem in den Griff bekommen.Man hat, wie immer und bei allem, zu lange zugeschaut, Eltern waren stolz, wenn ihre KIinder noch vor dem Schulalter ein Handy bedienen konnten, die Kontrolle ist total verloren gegangen und lässt sich auch nicht wieder herstellen. Die Schulen bemühen sich, Schadensbegrenzung zu bewirken, aber jeder weiß, dass die Kids, die von zuhause aus keine Regeln bekommen, in der Schule noch weniger auf die Lehrkräfte hören. Man kann diese Bemühungen schlichtweg abhaken. Es geht seinen Gang. Und irgendwann wird man zugeben müssen, das die “ewig Gestrigen” Recht gehabt haben.
Die Kinder zu schützen wird nicht als politische Aufgabe verstanden.
In den letzten Wochen habe ich die (wieder einmal) die Erfahrung gemacht, dass die Hoffnung, dass “digital natives” super mit Computern umgehen können, sich nicht erfüllt. Ich hatte zwei neue studentische Hilfskräfte eingelernt und beide wussten nicht, wie man einen Screenshot erstellt oder mehrere Dateien auf einmal markiert. Davon, dass sie nicht einmal das Zehn-Finger-System beherrschen, ganz zu schweigen.
Na da muss die Schule natürlich endlich mal ihrer Pflicht nachkommen und mehr Medienbildung machen! Weil: Schule ist DAS Allheilmittel schlechthin für alles, was Eltern und Politik nicht auf die Kette kriegen!
Ressourcen dafür? Gibt’s nicht.
Und natürlich kann Schule locker wuppen, Kindern und Jugendlichen einen vernünftigen Umgang mit Social Media beizubringen, entgegen dem, was sie von Politik (ich sag nur Tictoc) und Eltern tagtäglich und 24/7 vorgemacht bekommen. So ne Dreiviertelstunde Medienbildung pro Woche schafft das problemlos! Also zumindest, wenn die Lehrkräfte das wollen. Ist alles nur ne Frage der Haltung!
Schüler hängen am Handy und stolpern über gefährliche Inhalte.
Wie wäre es stattdessen mit: Schüler und Lehrer, alle Schulen haben freien Zugang zu seriösen Medien und können sich über transparente redaktionell geprüfte Nachrichten umfassend und sicher informieren. Kostenlos.!Ohne Bezahlschranke!
Wenn man Jugendlichen einen umfassenden Zugang zu seriösen Inhalten verwehrt, darf man sich nicht wundern, wenn sie sich woanders informieren.
Tagesschau.de, kika.de etc. sind alle frei zugänglich.
DAS, was Sie als Problem ausmachen, ist kein wirklich großes.
Sehe ich anders. Um sich umfassend zu informieren und eine eigene Meinung bilden zu können, benötigen Schüler Zugang zu vielfältigen seriösen Medien, nicht nur zu Inhalten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.
Seriöse Medien? Da gehen die Meinungen ja stark auseinander.;-)
Außerdem bezweifle ich sehr, dass die Schülys tatsächlich spiegel.de oder Lokalnachrichten online in ihrer Freizeit lesen. Dort kann man durchaus auch wichtige Nachrichten so lesen. Tue ich ja auch.
Was die Arbeit im Unterricht angeht, geht ja vieles über die Schulen.
War so klar, dass hier irgendeiner die Arbeit seriöser Medien anzweifeln wird… Nunja. Liegt vielleicht auch bei Ihnen an der Bezahlschranke. 😉
Auch die Verallgemeinerung, dass Schüler und Schülerinnen kein Interesse daran haben, Lokalnachrichten oder andere Nachrichtenseiten zu lesen, kann ich nicht bestätigen. Ein Großteil der Jugendlichen sucht durchaus fundierte Informationen, landet dann aber oft nur bei Überschriften und kann so weder Fakten überprüfen noch Wissen vertiefen. Wäre schon sinnvoll, wenn Schüler auch in ihrer Freizeit die Möglichkeit hätten, Fakten von Fake News zu unterscheiden.
Hört sich eher an, als ob Sie „alternative“ Medien meinen. Welche seriösen Portale schweben Ihnen denn so vor?
Schon Grundschulkinder zeigen sich auf dem Schulhof per Smartphone gegenseitig Pornos,
unsere Schüler zeigen sich gegenseitig Erschießungsvideos wie das von Charlie Kirk (“Wir haben das XY gezeigt, der musste sich übergeben!”) oder Enthauptungsvideos,
auf asozialen Medien werden ihnen dank KI die vermeintlich relevanten Videos gezeigt, mit denen sie sich radikalisieren,
und kleine Kinder sind auf Spieleplattformen wie Roblox Cybergrooming ausgesetzt!
Sowas wollen Sie echt damit begründen, dass die Kinder und Jugendlichen eben keinen Zugang zu kostenlosen/seriösen Medien haben?