Plötzlich Distanzunterricht: Schlechte Vorbereitung? Nach dem Glatteis wird nun gestritten

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DÜSSELDORF. Der Regen kam und vielerorts bildete sich Glatteis. Die Schülerinnen und Schüler blieben im ganzen Land Nordrhein-Westfalen zu Hause. Um den stattdessen anberaumten Distanzunterricht wird nun gestritten. 

Autsch. (Symbolfoto.) Foto: Shutterstock

Mulmige Erinnerungen an die Corana-Pandemie werden plötzlich wach. Für landesweit etwa 2,5 Millionen Schüler heißt es von einem Tag auf den nächsten: Distanzunterricht. Die Schulen blieben mit Ausnahme einer Notbetreuung am Montag geschlossen. Was bleibt von dem Tag hängen?

«Passwort vergessen» dürfte eine häufige Rückmeldung gewesen sein, als es um die digitalen Formate des Unterrichts ging. Die Routine aus der Pandemie ist verflogen, der eine oder andere empfand das Verfahren als «eingerostet». Für viele Grundschüler flatterten Aufgabenpakete ins Postfach.

An manchem Küchentisch drohte schlechte Stimmung, wenn das eine Kind nur wenige Blätter und das andere gleich einen dicken Stapel an Aufgaben zu erledigen hatte. Auch so manches Elternteil geriet ins Stöhnen, weil der Tag kurzfristig neu organisiert werden musste, um die Kinder zu betreuen.

Warum gab es nicht früher Informationen? Fehlende Vorwarnung an Eltern in der Kritik

NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) verteidigte die Schulschließung wegen Glatteisgefahr, die anhand einer Unwetterwarnung erfolgt sei. Es gehe um die Sicherheit auf dem Schulweg. Am Freitag seien die Schulen sensibilisiert worden, dass die Entscheidung kommen könnte, sagte sie im WDR2.

Die Landeselternschaft der Grundschulen fordert frühere Informationen über drohende Schulschließungen. Wenn die Schulen bereits am Freitag auf ein solches Szenario hingewiesen worden seien, wäre es sinnvoll gewesen, auch die Eltern einzubinden, sagte Vorsitzende Josephine Behrens.

Dann hätten Eltern die Möglichkeit gehabt, schon einmal über einen Plan B für die Betreuung der Kinder nachzudenken. So sei die Information über den landesweiten Distanzunterricht erst mit der Entscheidung der Landesregierung am Sonntagnachmittag erfolgt. Das sei gerade für berufstätige Eltern zu spät.

Distanzunterricht ist nicht gleich Distanzunterricht

Für den Distanzunterricht müssen nach Ansicht der Gewerkschaft GEW mehr Geld in die Hand genommen und bessere, nachhaltige Konzepte vorgelegt werden. Einheitliche, verbindliche Qualitätskriterien, klare didaktische Leitlinien und realistische Lernziele seien bislang nicht konsequent genug verankert.

«Trotz vorhandener Standards bestehen weiterhin große Unterschiede bei technischer Ausstattung, Endgeräten sowie der Qualität von Internet- und WLAN-Zugängen – sowohl an Schulen als auch in den Haushalten der Lernenden», erklärte die GEW-Landesvorsitzende Ayla Celik.

Sowohl die Landeselternschaft der Grundschulen als auch die GEW bewerten die Entscheidung zum Distanzunterricht als nachvollziehbar. Kritik von der FDP: «Haben wir nicht aus der Pandemie gelernt? Was ist mit milderen Mitteln? Ausfall der ersten Stunde? Regulärer Unterricht ohne Präsenzpflicht statt Notbetreuung?», schrieb Landeschef Henning Höne auf der Plattform X.

«Es ist uns bewusst, dass das für jeden eine neue Herausforderung ist, aber wir haben uns letztendlich für die Sicherheit der Kinder und der Schülerinnen und Schüler entschieden, wie im Übrigen ja auch andere Bundesländer», sagte Feller im WDR2. Sie sei beim Distanzunterricht offen für Optimierungsvorschläge.

Regen ja, Glatteis-Katastrophe nein – Entwarnung für die nächsten Tage

Regen sorgte auf den gefrorenen Böden in weiten Teilen von NRW für gefährlich glatte Straßen. Im Berufsverkehr ging es auf mehreren Autobahnen etwa im Oberbergischen Land und im Sauerland nur sehr langsam voran. Die Polizei wurde zu einigen Unfällen alarmiert. Der Winterdienst war im Dauereinsatz.

Nach der Glätte am Montagmorgen wurde das Wetter mild und regnerisch. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) könnten die Temperaturen am Dienstag und Mittwoch sogar auf bis zu elf Grad steigen. Es bleibe bewölkt und grau, immer wieder gebe es leichte Regenschauer. News4teachers / mit Material der dpa

Distanzunterricht gesetzlich verankern – Schulleitungen: Aber nicht als Billig-Lösung!

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Tina
2 Stunden zuvor

Warum üben wir das nicht und warum verankern wir Distanzunterricht nicht in unserem Stundenplan? Alle machen Homeoffice und Schule schafft es nur analog?
Es gibt vorbildliche Beispiele in unserem Land, da wird es geprobt, da gibt es ihn anteilig und da wird bei Winterwetter von zuhause gearbeitet.
Diese Minusstundengeschichte ist ein Unding, weil Lehrer auch im Homeoffice arbeiten und auch Aufgaben geben! 🙂

Ruhrqueen
2 Stunden zuvor

komme auf 12 Minusstunden, ein Wahnsinn 🙁
wir müssen diesen Distanzunterricht endlich etablieren und üben.
überall gibt es schon online Formate und Konferenzen auch mit Kameras.
Winter und heiße Sommertage muss es andere Möglichkeiten geben, online.
So ein Mist 🙁

Tanya
1 Stunde zuvor
Antwortet  Ruhrqueen

Ganz genau!

Realistin
1 Stunde zuvor

Gerade im Winter ist die Sicherheit wichtig. Wie viele andere bleiben in der dunklen Jahreszeit im Homeoffice, viele jeden Freitag und Montag, arbeiten von zuhause und flexibel.
Ich hoffe, es wird jetzt klar, dass wir das ausbauen und üben müssen.
4-Tage Woche, 30 % Homeschoolinganteil, Gehälter rauf und auch DB‘s und GK‘s online!

Hans Malz
1 Stunde zuvor

Naja, gestern Mittag waren sowohl LogineoLMS, als auch LogineoNRW offline. Ging erst irgendwann abends wieder. “Bildungsland NRW” halt…

dickebank
1 Stunde zuvor
Antwortet  Hans Malz

Landessoftware halt. Denk ich an mein Bundesland bei der Nacht, bin ich – vor Lachen – um den Schlaf gebracht.
Hat vor Jahren ein ehemaliger Düsseldorfer so oder zumindest so ähnlich formuliert. Und dem können vermutlich sogar die Kölner zustimmen, obwohl bei denen noch weniger klappt.

Mamahoch3
1 Stunde zuvor

Bei unshaben längst nicht alle SuS digitale Endgerät ausser dem privaten Handy. Um Distanzunterricht sinnvoll durchführen zu können, müssen erstmal alle SuS sinnvoll ausgestattet sein.
Trotzdem denke ich, dass es richtig war Vorsicht walten zu lassen, auch wenn eine frühere Information vieles erleichtert hätte.

Tanya
1 Stunde zuvor
Antwortet  Mamahoch3

Dann müssen diese dringend angeschafft werden!
Homeschooling muss klappen

Berlinade
1 Stunde zuvor

In Berlin wird nun gestritten, dass das völlig unnötig war. Und dass man das am Abend, als die Nachricht vom Senat kam, aber schon absehen konnte. Allerdings hatten einige/manche/viele Schulen bist dahin ja schon selbst den Eltern freigestellt, ihr Kind zur Schule zu schicken oder nicht.

Berlinade
1 Stunde zuvor

Wie gerade geschrieben, wenn Distanzunterricht, also Onlineunterricht verordnet wird, muss auch garantiert werden, dass ALLE Kinder ein Tablet oder so haben, um teilnehmen zu können. Das bedeutet, der Staat muss allen Kinder, die keins haben, eins zur Verfügung stellen. Da können Sie sicher sein, plötzlich haben die meisten angeblich kein eigenes Gerät.

Die Dienstlaptops der Lehrer sollen rund 500 Millionen gekostet haben. Schüler gibt es doch wohl 20x mehr?