Schärfere Handy-Regeln: “Heute wird auf dem Schulhof wieder miteinander gesprochen”

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DÜSSELDORF. Nahezu alle öffentlichen Schulen in Nordrhein-Westfalen verfügen inzwischen über verbindliche Regelungen zur Handynutzung. Das geht aus einer landesweiten Umfrage des Schulministeriums hervor. Demnach haben rund 98 Prozent aller Schulen entsprechende Vorgaben beschlossen, bei den weiterführenden Schulen liegt der Anteil bei 100 Prozent. An den Grundschulen hatten bis zum Herbst 96 Prozent verbindliche Regelungen verabschiedet. Die Schulministerin stellt schon Auswirkungen fest: „Wo vorher auf dem Schulhof aufs Display geschaut wurde, wird heute wieder miteinander gesprochen.“

Und tschüss… Illustration: Shutterstock

Ausgangspunkt war ein landesweiter Aufruf des Schulministeriums im Frühjahr 2025. Die Schulen wurden aufgefordert, bis zum Herbst eigene, verbindliche Handyordnungen zu entwickeln. Dabei setzte das Ministerium bewusst auf einen partizipativen Ansatz und gab zugleich klare Leitlinien vor. Für Grundschulen galt die Erwartung, dass die private Nutzung von Handys und Smartwatches grundsätzlich nicht erlaubt sein soll. Weiterführende Schulen sollten altersgerechte, verbindliche Regelungen erarbeiten, die von der Schulgemeinschaft getragen werden und im Schulalltag praktikabel sind. Unterstützt wurde der Prozess durch Handlungsempfehlungen und Musterordnungen des Landes.

Schulministerin Dorothee Feller wertet die Ergebnisse als Bestätigung dieses Vorgehens. „Wir haben sehr viel positives Feedback auf unsere Musterordnungen verbunden mit dem partizipativen Weg erhalten. Wir haben den Schulen unsere Erwartungshaltung klar kommuniziert und ihnen bewusst zugetraut, gute und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Und sie haben dieses Vertrauen eindrucksvoll bestätigt“, erklärte sie. Der landesweite Aufruf habe Diskussionen angestoßen, Entscheidungen beschleunigt und für Klarheit gesorgt. Entstanden seien klare Regeln, „die im Schulalltag wirken, weil sie von den Schulen vor Ort selbst entwickelt und gemeinsam getragen werden“.

Die Umfrage zeigt zudem, dass viele Schulen erstmals verbindliche Vorgaben zur Handynutzung beschlossen oder bestehende Regelungen deutlich verschärft haben. „Schule muss ein Ort sein, an dem Kinder und Jugendliche lernen, sich begegnen und konzentrieren können. Unsere Schulen teilen diese Einschätzung“, so Feller. Selbst entwickelte und für alle verbindliche Regeln schafften Orientierung, sorgten für mehr Konzentration im Unterricht und förderten ein gutes soziales Miteinander.

„Freiheit braucht Regeln. Und genau diese Balance haben unsere Schulen gefunden: mehr Verantwortung mit wachsendem Alter, aber immer klare Leitplanken“

An den weiterführenden Schulen dominieren differenzierte, altersgerechte Konzepte. 79 Prozent der Gesamtschulen und 86 Prozent der Gymnasien unterscheiden ihre Regelungen nach Jahrgangsstufen. Andere Schulen regeln die Nutzung zeitlich oder nach bestimmten Bereichen auf dem Schulgelände. Etwa die Hälfte aller Schulen untersagt die Handynutzung während des Schulbetriebs vollständig, die andere Hälfte erlaubt eine klar begrenzte Nutzung. Mit zunehmendem Alter der Schülerinnen und Schüler werden die Freiräume größer. „Freiheit braucht Regeln. Und genau diese Balance haben unsere Schulen gefunden: mehr Verantwortung mit wachsendem Alter, aber immer klare Leitplanken“, sagte Feller.

Ein zentrales Element des Vorgehens war die Beteiligung der Schulgemeinschaften. Lehrkräfte, Eltern sowie Schülerinnen und Schüler waren in den Entwicklungsprozess eingebunden, an weiterführenden Schulen wurden die Regelungen in der Regel durch die Schulkonferenz beschlossen. Das Ministerium sieht darin einen wichtigen Grund für die breite Akzeptanz der Beschlüsse. Beteiligung führe zu weniger Widerstand und zu Lösungen, die im Schulalltag tatsächlich funktionieren. Zugleich, so Feller, würden auf diese Weise auch demokratische Kompetenzen gestärkt, da sich Schülerinnen und Schüler mit einer sie unmittelbar betreffenden Frage auseinandersetzen und Verantwortung für gemeinsam getroffene Entscheidungen übernehmen.

Über alle Schulformen hinweg verfolgten die Handyregelungen laut Ministerium dieselben Ziele: den Schutz der Schülerinnen und Schüler, einen konzentrierten Unterricht und ein respektvolles Miteinander. In der Praxis dürfen Handys meist mitgebracht werden, ihre Nutzung ist jedoch eingeschränkt oder untersagt. Bei Verstößen greifen abgestufte Konsequenzen – welche, dazu äußert sich das Schulministerium nicht.

Besonders eindeutig fällt das Bild an den Grundschulen aus. Dort haben sich die Schulen größtenteils für ein generelles Handyverbot während des Schulbetriebs entschieden und folgen damit der Musterordnung des Landes. Ziel ist es, die jüngeren Kinder konsequent vor Ablenkung zu schützen. „Gerade die Jüngsten brauchen Schutzräume ohne Ablenkung“, betonte die Ministerin. Dass die Grundschulen hier weitgehend geschlossen handelten, wertete sie als klares Signal an Kinder, Eltern und Lehrkräfte.

Dort, wo bislang noch keine verbindlichen Regelungen bestehen, liegt dies nach Angaben des Ministeriums vor allem daran, dass Beteiligungsprozesse – insbesondere mit Eltern – zum Zeitpunkt der Umfrage noch nicht abgeschlossen waren. Insgesamt sieht das Schulministerium den eingeschlagenen Weg bestätigt und geht davon aus, dass die selbst entwickelten Handyordnungen dauerhaft zur Stabilisierung des Schulalltags beitragen. News4teachers

“Unterrichten hat sich deutlich vereinfacht” – ein Schulleiter berichtet, was ein Handy-Verbot in der Praxis bringt (viel!)

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Rainer Zufall
14 Stunden zuvor

Es überrascht mich, dass dies erst jetzt “festgestellt” wird. Was als Nächstes? Die Erkenntnis, dass es weiterhin Probleme mit Smartphones und Medienkonsum gibt?

Aber sicher unterscheiden sich die Handynutzungsregeln zwischen den Schulen der selben Schulart fundamental, zum Glück wurde denen die Arbeit (und Verantwortung) zugeschoben -__-