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Brandbrief-Schule kommt nicht zur Ruhe: Drei Dienstaufsichtsbeschwerden gegen den Schulleiter – aus dem Kollegium!

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LUDWIGSHAFEN. Die Karolina-Burger-Realschule plus in Ludwigshafen kommt nicht zur Ruhe. Nach Reizgasattacken, Polizeieinsätzen und einem Brandbrief des Kollegiums richten sich nun auch formelle Beschwerden gegen den Schulleiter. Personalrat, Teile der Schulleitung und eine Lehrkraft haben Dienstaufsichtsbeschwerden eingereicht. Bildungsministerium und Schulaufsicht bestätigen die Vorgänge – äußern sich jedoch nicht zu Details.

Es brennt (im übertragenen Sinn, Symbolbild). Illustration: Shutterstock

Der Konflikt an der Karolina-Burger-Realschule plus in Ludwigshafen hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Nach Angaben der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) liegen inzwischen drei Dienstaufsichtsbeschwerden gegen den Schulleiter der Schule vor. Sie stammen nach Informationen des Südwestrundfunks vom Personalrat, aus dem Schulleitungsteam sowie von einer einzelnen Lehrkraft.

ADD und rheinland-pfälzisches Bildungsministerium bestätigten auf Anfrage lediglich den Eingang der Beschwerden. Weitere Angaben machten die Behörden nicht. Man äußere sich grundsätzlich nicht zu „internen Vorgängen“, teilten sie mit.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert eine sorgfältige Prüfung der Vorwürfe. Die Landesvorsitzende Christiane Herz sagte dem SWR, die Beschwerden müssten „mit aller Sorgfalt bearbeitet und bewertet werden“. Je nach Ergebnis könnten daraus auch Konsequenzen folgen. Der betroffene Schulleiter selbst äußerte sich auf Anfrage des Senders bislang nicht.

Die Beschwerden fallen in eine Phase anhaltender Konflikte an der Ludwigshafener Schule, die in den vergangenen Monaten wiederholt wegen Gewaltvorfällen in die Schlagzeilen geraten war. Ende Januar versprühten Schüler an drei aufeinanderfolgenden Tagen Reizgas im Schulgebäude. Insgesamt wurden dabei nach Angaben der Polizei 41 Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler verletzt.

„Dass sich Teile des Lehrerkollegiums nun offensiv gegen den Schulleiter stellen, hebt die Problematik auf eine neue Eskalationsstufe“

Tatverdächtig sind zwei Jugendliche im Alter von 14 und 15 Jahren sowie ein 13-Jähriger. Gegen die beiden älteren Schüler ermittelte die Polizei wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung. Der 13-Jährige gilt als strafunmündig. Nach Angaben der Schule wurden alle drei inzwischen von der Schule verwiesen. Die Entscheidung sei in einer Gesamtkonferenz getroffen worden, berichtete die „Rheinpfalz“. Die ADD bestätigte lediglich, dass „Ordnungsmaßnahmen beschlossen und umgesetzt“ worden seien.

Die strafrechtlichen Ermittlungen der Polizei sind nach Angaben einer Sprecherin abgeschlossen. Nun entscheidet die Staatsanwaltschaft Frankenthal über das weitere Vorgehen. In allen Fällen wurde zudem das Jugendamt eingeschaltet.

Die Reizgasattacken sind nur ein Teil einer längeren Reihe von Vorfällen. Bereits zuvor hatte es an der Schule mehrfach Fehlalarme der Brandmeldeanlage gegeben, die wiederholt Feuerwehr- und Polizeieinsätze auslösten. Seit Ende Januar sind Polizeistreifen rund um das Schulgelände regelmäßig präsent. Nach Angaben der Polizei ist es seitdem deutlich ruhiger geworden.

Die Gewaltvorfälle hatten bereits im vergangenen Jahr eine breitere Debatte über die Situation an der Schule ausgelöst. Auslöser war ein Brandbrief des Kollegiums an die Schulaufsicht. Darin schilderten Lehrkräfte eine Atmosphäre von Gewalt und Bedrohung im Schulalltag und forderten Unterstützung. Vorausgegangen war unter anderem ein Messerangriff im Mai 2025: Eine 17-jährige Schülerin war damals mit einem Messer in das Lehrerzimmer eingedrungen und bedrohte eine Lehrerin. Kolleginnen und Kollegen konnten die Jugendliche überwältigen und entwaffnen; verletzt wurde niemand. Ein Gericht ordnete später die Unterbringung der Schülerin in einem psychiatrischen Krankenhaus an.

Nach Darstellung der ADD wurden daraufhin mehrere Unterstützungsmaßnahmen angeboten. Dazu gehören unter anderem Coaching für die Schulleitung, pädagogische Begleitung durch externe Fachkräfte, Präventionsprogramme in Zusammenarbeit mit der Polizei sowie Beratungsangebote durch einen pensionierten Polizeibeamten.

Nach Einschätzung der Behörde sollten diese Maßnahmen zur Stabilisierung der Situation beitragen. Innerhalb des Kollegiums wird die Wirkung jedoch offenbar unterschiedlich bewertet. Eine Lehrkraft der Schule kritisierte gegenüber dem SWR anonym, dass zentrale Forderungen bislang nicht umgesetzt worden seien. So seien Klassen seit Beginn des zweiten Schulhalbjahres teilweise „größer als 30 Kinder“. Auch ein überarbeiteter Maßnahmenkatalog für verbindliche Regeln im Schulalltag sei „trotz mehrfacher Forderung des Kollegiums“ noch nicht erarbeitet worden.

Die GEW berichtet ebenfalls von anhaltender Unzufriedenheit im Kollegium. Lehrkräfte hätten der Gewerkschaft geschildert, dass sie sich von Schulaufsicht und Bildungsministerium nicht ausreichend unterstützt fühlten, sagte Landesvorsitzende Herz.

„Eine normale Schule, die mit ihrem schlechten Ruf zu kämpfen hat“

Auch politisch wird der Konflikt inzwischen aufgegriffen. Die bildungspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion in Rheinland-Pfalz, Jenny Groß, erklärte, die Situation an der Schule zeige die Folgen einer über Jahre verfehlten Bildungspolitik. „Dass sich Teile des Lehrerkollegiums nun offensiv gegen den Schulleiter stellen, hebt die Problematik auf eine neue Eskalationsstufe“, sagte sie. Die Entwicklung sei „das Ergebnis jahrelanger landespolitischer Untätigkeit im Schulsektor“.

Der Landeselternbeirat bewertet die Situation vorsichtiger. Carsten Stobbe, Mitglied des Gremiums, sagte dem SWR, aktuell sei die Schule „eine normale Schule, die mit ihrem schlechten Ruf zu kämpfen hat“. Nach seinen Angaben hat sich die Lage seit der verstärkten Polizeipräsenz zunächst beruhigt. News4teachers 

Brandbrief-Schule: Lehrkraft schildert Zustände im Unterricht (“unverletzt rauskommen”)

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