BERLIN. Angesichts der anhaltend hohen Temperaturen fordern Verbände aus dem Bildungsbereich verbindliche Hitzeschutzmaßnahmen an Schulen. Sowohl der Verband Bildung und Erziehung (VBE) als auch der mitgliederstärkste Elternverband in Deutschland, die Landeselternschaft der Gymnasien in Nordrhein-Westfalen (LE Gym NRW), sehen angesichts zunehmender Hitzeperioden Handlungsbedarf. Neben kurzfristigen organisatorischen Maßnahmen verlangen sie langfristige Investitionen in Schulgebäude und Schulhöfe.

Der Bundesvorsitzende des VBE, Tomi Neckov, betont, Schulen seien Arbeits- und Lernorte, an denen der Gesundheitsschutz uneingeschränkt gelten müsse. „Angesichts zunehmender Hitzeperioden ist es nicht länger hinnehmbar, dass Lehrkräfte sowie Schüler unter Bedingungen arbeiten und lernen, die ihre Gesundheit gefährden“, erklärt Neckov.
Der Verband fordert bundesweit verbindliche Regelungen zu Raumtemperaturen, ausreichenden Sonnenschutz, funktionierende Lüftungssysteme sowie die Möglichkeit, pädagogische Settings an extreme Temperaturen anzupassen. Darüber hinaus seien Investitionen in eine klimagerechte und hitzeresiliente Schulbaupolitik erforderlich. „Hitzeschutz ist kein Privileg, sondern eine Frage des Arbeits- und Gesundheitsschutzes sowie der Bildungsgerechtigkeit“, so Neckov.
Der VBE verweist darauf, dass Hitzeszenarien zwischen Mai und September künftig regelmäßig und in wachsendem Umfang auftreten dürften. Deshalb seien Maßnahmen erforderlich, die sich an den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen orientierten. Im Mittelpunkt stehen nach Angaben des Verbandes bauliche Veränderungen zur Sicherung angemessener Innenraumtemperaturen, etwa durch Klimatisierung von Schulgebäuden, sowie ausreichend beschattete Bereiche auf Schulhöfen.
„Kinder reagieren deutlich stärker auf Hitze, da ihr Körper die Temperatur noch nicht so effizient regulieren kann“
Als Orientierung könnten bestehende Regelungen des Arbeitsschutzes dienen. Die Arbeitsstättenverordnung und die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A3.5 empfehlen ab 26 Grad Celsius Außentemperatur Maßnahmen wie Sonnenschutz, flexible Arbeitszeiten, technische Kühlung oder angepasste Bekleidungsvorschriften. Ab 30 Grad Celsius Raumtemperatur sind entsprechende Maßnahmen verpflichtend, ab 35 Grad gilt ein Raum als für Arbeit ungeeignet.
Aus Sicht des VBE reichen diese Vorgaben für Schulen jedoch nicht aus. „Kinder reagieren deutlich stärker auf Hitze, da ihr Körper aufgrund geringerer Schweißproduktion und einer erhöhten Stoffwechselrate bei körperlicher Aktivität die Temperatur noch nicht so effizient regulieren kann“, erklärte Neckov. Deshalb müssten bestehende Arbeitsschutzregelungen an die Bedürfnisse von Schülerinnen und Schülern angepasst und verschärft werden. Zugleich spricht sich der Verband für eine bundeseinheitliche Regelung aus. „Schließlich hält sich weder die Sonne noch das Hitzeempfinden an die Grenzen der Bundesländer“, sagte Neckov.
„Wir müssen uns darauf einstellen, dass längere Hitzephasen künftig zur Normalität gehören werden“
Auch die Landeselternschaft der Gymnasien in Nordrhein-Westfalen fordert Anpassungen des Schulalltags an zunehmende Hitzeperioden. Sie spricht sich insbesondere für flexible Kurzstundenmodelle aus, die ausdrücklich auch für die gymnasiale Oberstufe gelten sollen.
„Wir brauchen praktikable Lösungen, die sowohl den Gesundheitsschutz als auch die Unterrichtsversorgung im Blick behalten“, erklärte der Vorsitzende der LE Gym NRW, Oliver Ziehm. Gerade Schülerinnen und Schüler der Oberstufe verbrächten häufig bis in den Nachmittag hinein viele Stunden in aufgeheizten Klassenräumen. Ein flexibles Kurzstundenmodell könne Lehrkräfte und Lernende gleichermaßen entlasten.
In Phasen extremer Hitze sollten Unterrichtsstunden demnach auf 30 Minuten verkürzt werden. Ziel sei es, Unterrichtsausfälle zu vermeiden und gleichzeitig die Belastung für die Schulgemeinschaft zu verringern. „Statt Unterricht ersatzlos ausfallen zu lassen, sollten Schulen die Möglichkeit haben, flexibel auf extreme Wetterlagen zu reagieren“, sagte Ziehm. Kurzstundenmodelle, angepasste Pausenzeiten, digitale Arbeitsphasen oder die Nutzung geeigneterer Räume könnten dazu beitragen, auch während längerer Hitzeperioden möglichst viel Unterricht aufrechtzuerhalten.
Wie der VBE verweist auch die Landeselternschaft auf den langfristigen Anpassungsbedarf. Der Klimawandel werde die Schulen dauerhaft vor neue Herausforderungen stellen. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass längere Hitzephasen künftig zur Normalität gehören werden“, erklärte Ziehm. Deshalb seien neben organisatorischen Lösungen Investitionen in die Infrastruktur notwendig. Verschattungssysteme, außenliegende Jalousien, moderne Belüftungsanlagen und eine hitzeresistente Bauweise dürften nicht länger als Luxus betrachtet werden, sondern seien Voraussetzungen für gesundes Lernen und Arbeiten.
Die LE Gym NRW fordert das Land Nordrhein-Westfalen und die Schulträger auf, gemeinsam verbindliche Rahmenbedingungen für den Hitzeschutz an Schulen zu entwickeln. Gleichzeitig sollten die Schulen ausreichend Spielräume erhalten, um auf ihre jeweiligen baulichen und organisatorischen Voraussetzungen reagieren zu können. „Nicht jede Schule steht vor denselben Herausforderungen. Deshalb brauchen wir keine starren Vorgaben, sondern flexible Modelle, die den unterschiedlichen Bedingungen gerecht werden. Unser Ziel muss sein, Gesundheitsschutz, Verlässlichkeit und Unterrichtsqualität miteinander zu verbinden“, sagte Ziehm. News4teachers
„Statt Unterricht ersatzlos ausfallen zu lassen, sollten Schulen die Möglichkeit haben, flexibel auf extreme Wetterlagen zu reagieren.“
Und am Ende müssen sich die Schulen gegenseitig belauern, bloß nicht „versehentlich“ zu früh, hitzefrei auszusprechen und (bald) zu viele Stundenausfälle zu verzeichnen, was ein Überdenken des stumpfen Erwartens von Leistungserwartungen erfordert.
Nene, schickt die SuS die letzten zwei Monate schön nach 12 Uhr heim (als hätten die vorher effizient arbeiten können) und immer schön empfehlen, viel zu trinken und keine Hitze in die Wohnung zu lassen – das reicht locker noch für zwei Jahre…
Einfach Wahnsinn, aber anscheinend wollen wir es uns locker leisten, tausende Unterrichtsstunden ausfallen zu lassen 🙁
https://www.der-postillon.com/2022/07/sommer.html
Normalerweise schreiben die Satire, aber da ist die aktuelle Politik denen wohl voraus…