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Schulministerium erlaubt nun Hitzefrei für alle Schüler – GEW verlangt Investitionen

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DÜSSELDORF. Die Hitzewelle bringt viele Schulen in Nordrhein-Westfalen an ihre Grenzen. Das Schulministerium reagiert nun und ermöglicht erstmals auch Schülerinnen und Schülern der gymnasialen Oberstufe unter bestimmten Voraussetzungen Hitzefrei und verkürzten Unterricht. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßt die Entscheidung als überfälligen Schritt beim Gesundheitsschutz, verweist aber zugleich auf ein grundlegenderes Problem. Denn mit einzelnen Erlassen lasse sich die wachsende Belastung durch den Klimawandel nicht lösen.

Viele Schulgebäude sind sanierungsbedürftig – das ist bei Hitze deutlich zu spüren (Symbolfoto). Foto: Shutterstock

Hitzefrei ist jetzt für alle Schüler in Nordrhein-Westfalen unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Für die älteren Schüler an den Gymnasien, Gesamtschulen und Berufskollegs in NRW besteht ab sofort ebenfalls diese Möglichkeit, hieß es im Schulministerium des Landes. Für alle anderen Schüler im Land gebe es bereits Regelungen zu Hitzefrei.

Angesichts der anhaltend hohen Temperaturen seien den Schulen kurzfristig zusätzliche Handlungsmöglichkeiten für den Unterricht in der Sekundarstufe II eingeräumt worden. Die Dauer der Unterrichtsstunden könne verkürzt werden, beispielsweise auf 30 Minuten bei Beibehaltung des regulären Stundenplans.

Außerdem sei es zulässig, «Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe II „Hitzefrei“ am Nachmittag zu erteilen, insbesondere wenn das Unterrichtsende durch Kurzunterricht vorgezogen wurde». Diese Regelung zur Sekundarstufe II gelte ab sofort zunächst befristet bis zum Ende des Schuljahres am 31. Juli.

Ob die Möglichkeit zum Hitzefrei genutzt wird, das regele eigenverantwortlich jede Schule für sich, hieß es im Schulministerium. In welchem Umfang hitzefrei beispielsweise in den Grundschulen in NRW angesichts der Hitzewelle bereits genutzt wird, ist landesweit nicht bekannt. Eine Statistik dazu gebe es nicht.

„Wir sollten aus der Corona-Pandemie unsere Lehren ziehen und vorausschauend handeln“

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW NRW) wertet die Entscheidung des Schulministeriums als wichtigen Schritt, sieht darin aber ausdrücklich nur eine kurzfristige Antwort auf ein strukturelles Problem. Die Ausweitung der Hitzefrei- und Kurzunterrichtsregelungen auf die gymnasiale Oberstufe greife eine Forderung der Gewerkschaft auf, die angesichts der aktuellen Temperaturen verstärkt auf den Gesundheitsschutz von Schülerinnen und Schülern sowie Beschäftigten aufmerksam gemacht hatte.

„Wir alle wissen, dass sich Belastungen durch Hitze nicht an Jahrgangsstufen orientieren. Daher ist es erfreulich, dass das Schulministerium in dieser Frage schnell reagiert hat. Das ist ein wichtiges Signal für Beschäftigte, Schüler*innen und ihre Familien“, erklärte die GEW-Landesvorsitzende Ayla Çelik.

Nach Darstellung der Gewerkschaft habe sie mit ihrer Forderung nach klaren Hitzefrei-Regeln auch für die Oberstufe dazu beigetragen, das Thema auf die politische Agenda zu setzen. „Die nun erfolgte Anpassung zeigt, dass der Dialog zwischen Beschäftigten, Gewerkschaft und Politik konkrete Verbesserungen bewirken kann“, so Çelik weiter.

Zugleich verbindet die GEW ihre Zustimmung mit grundsätzlicher Kritik an der mangelnden Vorbereitung vieler Bildungseinrichtungen auf zunehmende Hitzewellen. Die aktuellen Temperaturen machten deutlich, dass Schulen langfristig besser auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet werden müssten. Die Gewerkschaft fordert deshalb verbindliche Hitzeschutzkonzepte, bauliche Maßnahmen wie Verschattung und Kühlung sowie Investitionen in klimaresiliente Schulgebäude.

Dabei verweist die GEW auf Parallelen zu den Erfahrungen während der Corona-Pandemie. „Wir sollten aus der Corona-Pandemie unsere Lehren ziehen und vorausschauend handeln“, mahnt Çelik. „So unvorbereitet wie damals dürfen wir im Umgang mit der Klimakrise und ihren Folgen nicht sein. Wir müssen unsere Schulgebäude und Kitas so ausstatten, dass sie krisenfest und zukunftssicher sind. Dazu gehört, jetzt Lern- und Arbeitsbedingungen zu schaffen, die auch an heißen Tagen gesundes Lernen und Arbeiten ermöglichen. Wir dürfen nicht erst reagieren, wenn Belastungen da sind; wir müssen vorsorgen, bevor sie zum Problem werden.“ News4teachers / mit Material der dpa

Deutschland unter einer Hitzeglocke – Schulen im Ausnahmezustand! Wir bitten Lehrkräfte: Dokumentieren Sie die Temperaturen in Ihrem Klassenraum!

 

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13 COMMENTS

  1. Als im Frühjahr ein Unterrichtstag in NRW wegen Sturm ausgefallen ist, gab es viel Kritik. Jetzt fallen wegen Hitze über einen Zeitraum von zwei Wochen täglich 2-3 Stunden aus. Gleichzeitig müssen wir an den Grundschulen trotz hitzefrei zahlreiche Schüler bis zum Nachmittag in denselben heißen Räumen betreuen. Wann passiert endlich was? Auch Neubauten werden nicht mit Klimaanlagen oder wirksamen Beschattungen ausgestattet.

    • Das Frage ich mich auch. Bei uns gibt es nun einen Neubau, es gibt dort keine Jalousien, pro Klassenraum lassen sich zwei schmale Fenster kippen und es ist schon an normalen Sommertagen wie in der Sauna. Der Schulhof ist durch den Neubau viel kleiner und eine reine Asphaltfläche, sprich es wird dadurch noch mehr Hitze abgestrahlt. Zur Zeit ist es schon mit Schulbeginn nicht auszuhalten. Aber da die Kommunen kein Geld haben, ist man froh, wenn man genügend Klassenräume hat, alles andere interessiert nicht.

    • „Auch Neubauten werden nicht mit Klimaanlagen oder wirksamen Beschattungen ausgestattet.“
      Unverantwortlich!

      • Bei uns im Ort wurde kürzlich eine KiTa neu gebaut. Als die dort Beschäftigten den Bauleiter nach einer Klimaanlage fragten, hieß es nur, die wäre finanziell für die Gemeinde nicht mehr drin. Kann man dich nicht ausdenken, sowas!

        • Wie reagierten die Elten diesbezüglich? Gab es Beschwerden bei Träger und Stadt?

          „Kann man dich nicht ausdenken, sowas!“
          In einem anonymen Forum würde mich das nicht wundern 😉

  2. „Die Dauer der Unterrichtsstunden könne verkürzt werden, beispielsweise auf 30 Minuten bei Beibehaltung des regulären Stundenplans.“
    Ausfälle regeln, aber nicht als solche anerkennen, genial. Den Rest können die SuS zu Hause bitte eigenverantwortlich aneignen. Wer braucht schon (solche) Schulen? 🙁

    • Solche Scheinlösungen passen zu Scheinschulen.
      „Deus vult“ – der Wähler will es so.

      Mit dieser typisch deutschen Lösung (Moralanspruch auf Level 5000, aber keine zwo fuffzig dafür ausgeben wollen,niemand will irgendwas verantworten) wird der gesellschaftlichen Lage erstaunlich genau Rechnung getragen.

      Wie gesagt – „Zwo-fuffzig!“-„Muss das so teuer sein?“

      • Stimme Ihrer Beurteilung und Kritik der Situation zu.
        Meine Sorge ist, dass (wie immer) der Iststand zur Rechtfertigung seiner selbst herangezogen wird. Sonst müsste man am Ende noch etwas ändern -___-

  3. An meiner ehemaligen Schule sind die Räume sind seit Tagen überhitzt. Alle Räume? Nein! Es gibt neuerdings einen Raum, für den der Schulträger eine Klimaanlage spendiert hat: Der Raum, der ausschließlich von der Brandmeldeanlage bewohnt wird. Die Tadition im Land der Schrauber*innen gebietet es schließlich, zunächst die Produkte der Ingenier*innenkunst vor dem Hitzeschock zu bewahren.

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