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Philologenverband macht gegen Noteninflation im Abitur mobil – „Politisch gewollt, gute Noten für weniger Leistung zu geben“

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BERLIN. Das Abitur verliere an Aussagekraft, wenn fachliche Defizite ausgeglichen und Leistungsanforderungen abgesenkt würden. Mit dieser Warnung geht der Deutsche Philologenverband kurz vor der nächsten Bildungsministerkonferenz in die Offensive. Verbandschefin Susanne Lin-Klitzing spricht von einer politisch gewollten Entwicklung hin zu besseren Noten bei geringeren Anforderungen. Im Kern geht es um einen Vorwurf, der die Bildungspolitik seit Jahren begleitet: Noteninflation.

„Die Politik dreht an der Notenschraube“: Philologen-Bundesvorsitzende Susanne Lin-Klitzing. Foto: DPhV

Kurz vor der nächsten Bildungsministerkonferenz fordert der Deutsche Philologenverband (DPhV) strengere Regeln für das Abitur. Der Verband kritisiert sowohl die Zulassungsvoraussetzungen zur Abiturprüfung als auch die Notenschlüssel für gute und sehr gute Leistungen. Aus Sicht der Gymnasiallehrkräfte begünstigen die aktuellen Regelungen eine Noteninflation, weil fachliche Defizite ausgeglichen und Spitzennoten leichter erreicht werden könnten.

Nach den geltenden Vorgaben der Kultusministerkonferenz (KMK) dürfen bis zu 20 Prozent der in die Abiturwertung eingebrachten Kurse mit weniger als fünf Punkten bewertet sein. Das kann nach Angaben des DPhV dazu führen, dass Schülerinnen und Schüler während der gesamten Oberstufe in einem Fach wie Mathematik oder Deutsch unterhalb der Bestehensgrenze bleiben und dennoch zum Abitur zugelassen werden, wenn die fehlenden Punkte in anderen Fächern ausgeglichen werden.

„Die Hochschulzugangsberechtigung muss mehr gewährleisten als einen fächerübergreifenden Durchschnittswert. Wer vier Semester lang in einem Kernfach kontinuierlich unterhalb der Bestehensschwelle bleibt, hat in diesem Fach keine ausreichende fachliche Grundlage erworben – unabhängig davon, wie stark Punkte in anderen Fächern dies kompensieren“, erklärt DPhV-Bundesvorsitzende Susanne Lin-Klitzing.

Der Verband fordert deshalb eine fachbezogene Mindestbestehensregelung. Künftig soll bei Beibehaltung der 20-Prozent-Quote in jedem belegten Fach mindestens die Hälfte der eingebrachten Kurse mit fünf Punkten oder mehr bewertet worden sein. Dies wäre nach Auffassung des DPhV eine zielgenaue Ergänzung der bestehenden Regelung.

Noch schärfer fällt die Kritik an den Bewertungsmaßstäben im Abitur aus. Nach den aktuellen KMK-Regelungen gelten Abiturprüfungen bereits ab 45 Prozent der erreichbaren Leistung als bestanden. Eine 1− wird ab 85 Prozent der Punkte vergeben, die Note 1,0 ab 90 Prozent und die Bestnote 1+ ab 95 Prozent.

„Das Ergebnis für den Bildungsstandort Deutschland ist verheerend: weniger Anspruch, weniger Leistung, dafür mehr Durchschnitt und weniger Exzellenz“

Der Philologenverband sieht darin eine politisch bewusste Verschiebung der Bewertungsmaßstäbe. „Die Politik dreht an der Notenschraube. Es ist politisch gewollt, gute Noten für weniger Leistung zu geben. Mutmaßlicher Grund: Die Durchfallquoten sollen gering gehalten und bessere Abschlüsse vergeben werden“, sagte Lin-Klitzing der „Bild“-Zeitung. Die Folgen für das Bildungssystem beschreibt sie drastisch: „Das Ergebnis für den Bildungsstandort Deutschland ist aber verheerend: weniger Anspruch, weniger Leistung, dafür mehr Durchschnitt und weniger Exzellenz.“

In seiner offiziellen Stellungnahme argumentiert der Verband ähnlich. Die politisch gewünschte Konsequenz der veränderten Notenschwellen sei eine rechnerische Zunahme von Spitzenabschlüssen – nicht als Folge besserer Leistungen, sondern aufgrund veränderter Bewertungsgrenzen. „Noten sind dann aussagekräftig, wenn sie der hinter ihnen stehenden Leistung entsprechen. Wer die Anforderungen für gute Bewertungen politisch bewusst senkt, verändert nicht die Leistungen der Schülerinnen und Schüler – er verändert die Bedeutung der Note“, so Lin-Klitzing.

Der DPhV fordert deshalb, Abiturprüfungen künftig erst ab 50 Prozent der erreichbaren Leistung als bestanden zu werten. Zusammen mit verbindlichen Mindestanforderungen in jedem Fach solle so verhindert werden, dass die Allgemeine Hochschulreife zunehmend über rechnerische Ausgleichsmechanismen statt über fachliche Standards definiert werde.

Die Kultusministerkonferenz verweist dagegen auf die gemeinsame Beschlusslage der Länder. Gegenüber der „Bild“-Zeitung erklärte ein Sprecher, die Länder hätten sich „in einem einstimmigen Beschluss“ auf die geltenden Grenzen verständigt. Die Bewertungstabelle stehe zudem „in Zusammenhang mit dem gemeinsamen Abituraufgabenpool, um einen einheitlichen Bewertungsmaßstab über alle Länder hinweg zu sichern“.

Mit Blick auf die Beratungen der Bildungsministerinnen und Bildungsminister am 11. und 12. Juni in Bayern fordert der Deutsche Philologenverband nun eine Überarbeitung der Regelungen. Aus Sicht des Verbands steht dabei mehr auf dem Spiel als einzelne Notenschlüssel. Es gehe um die Frage, ob das Abitur vor allem eine rechnerisch erreichbare Abschlussqualifikation bleibt oder weiterhin als Nachweis fachlicher Leistungsfähigkeit verstanden wird. News4teachers 

“Einser-Abi-Flut”: Hat Deutschland eine Bestnoten-Inflation? Bildungminister hält die Diskussion für beleidigend

 

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34 Kommentare
unfassbar
7 Tage zuvor

Leider beschränkt sich der Artikel überwiegend auf die Notenstufung und nicht auf die deutlich abgesenkten inhaltlichen Anforderungen. Das reicht von Computeralgebrasystemen als Taschenrechner über zweisprachige Wörterbücher bis hin zu Romanen in einfacher Sprache.

Küstenfuchs
6 Tage zuvor
Antwortet  unfassbar

Computeralgebrasysteme sind keine Absenkung inhaltlicher Anforderungen, das ist schlicht und einfach Unfug.

unfassbar
4 Tage zuvor
Antwortet  Küstenfuchs

Doch, weil die Algebrakenntnisse weniger gebraucht werden.
Für gute Mathematiker sind gute CAS’e durchaus praktisch. An den Schulen gibt es allerdings nur wenige gute Mathematiker und keine guten CAS’e, weil in ihrer Leistungsfähigkeit zu stark eingeschränkt.

tozitna
6 Tage zuvor

„ Wer vier Semester lang in einem Kernfach kontinuierlich unterhalb der Bestehensschwelle bleibt, hat in diesem Fach keine ausreichende fachliche Grundlage erworben“

Wenn Schüler (und das können sie in allen Bundesländern) aus dem Fächerkanon die für ihr Abitur relevanten auswählen können, ist das Gerede vom „Kernfach“ Unsinn. Die Forderung nach einer fachbezogenen Mindestbestehensregelung halte ich für richtig, sie muss aber für alle Fächer gelten.

unfassbar
6 Tage zuvor
Antwortet  tozitna

Mit „Kernfach“ sind die (früheren) Hauptfächer gemeint, also insbesondere Deutsch, Mathematik und erste Fremdsprache.

tozitna
4 Tage zuvor
Antwortet  unfassbar

Das ist mit formal schon klar, nur was soll sich daraus ableiten lassen? Sind die anderen Fächer dann Nebenfächer? Also eher so „damit kann man sich auch mal beschäftigen“? Natürlich nur, wenn man hinreichend Zeit für die Hauptfächer aufgewendet hat?!!

Walter Hasenbrot
6 Tage zuvor
Antwortet  tozitna

Es gibt Kernfächer, die von allen Schüler:innen belegt werden müssen und die auch auf jeden Fall in die Abiturnote eingehen. Deutsch, Mathe und eine weitergeführte Fremdsprache. So ist das zumindest in NRW, wenn ich mich nicht irre.

tozitna
4 Tage zuvor
Antwortet  Walter Hasenbrot

Wenn (in Brandenburg) von 40 Kurshalbjahren 38 eingebracht werden müssen, stellt sich die Frage nach Kernfächern nicht. Dann gibt es ab 12 Prüfungsfächer, die überdurchschnittlich wertig in die Gesamtbewertung eingehen und das war es schon.
Bei allem Respekt vor Deu/Ma/Eng, sollte der Bildungswert der Fächer außerhalb der Qualifikation als „Kern“ nicht so abgewertet werden. Denn hinter diesem Begriff versteckt sich meistens eine Geringschätzung aller anderen Fächer.
Die Schulgesetze der Länder (und die nachgelagerten Verordnungen) geben jedenfalls keine derartige Unterteilung her.

Walter Hasenbrot
3 Tage zuvor
Antwortet  tozitna

Von den 38 Kursen sind aber die meisten keine Pflichtkurse. Die Kernfächer zu belegen und ins Abitur einzubringen ist aber eine Pflicht. Diese Fächer sind zumindest in NRW auch schriftlich zu belegen, wa sie von vielen Wahlpflichtfächern unterscheidet.

Ich kenne die Situation in Brandeburg nicht, gehe aber davon aus, dass wie in anderen Bundesländern die Kernfächer auch eine besondere Stellung bei den Fächern spielen, die in den Abiturprüfungen belegt werden müssen. Etwa, dass auf jeden Fall eine Fremdsprache oder Deutsch eines der Prüfungsfächer sein muss.

Insofern ist es korrekt von Kernfächern zusprechen.

Hysterican
6 Tage zuvor
Antwortet  tozitna

Ich bin jedes Jahr erneut erschrocken und entsetzt, dass SuS zum Abitur zugelassen sind, die noch mehr als die eh schon extrem großzügig festgelegten zulässigen 7 Defizite in der Q-Phase eingefahren haben.
In diesem Jahr hat einer den Vogel abgeschossen: 12 Defizite, von denen er 5!!! nicht einbringen musste … und damit allen Ernstes in die Abiprüfungen eingestiegen ist… die ersten Klausurergebnisse zeigen wieder eher schmale bis defizitäre Ergebnisse, sodass zu erwarten ist, dass das Abi in diesem Anlauf nicht bestanden wird, weil zu den notwendigen 100 Punkten eine erklegliche Anzahl fehlen wird.
Ich weiß auch schon, was kommen wird:
Bestehensprüfung – angetreten mit 75 bis 80 Pkt … in drei Fächern … wofür die LuL nochmal Prüfungen vorbereiten und durchführen müssen. Ergo: haufenweise Zusatzarbeit …
So macht das keinen Sinn …. und keinen Spaß.

447
4 Tage zuvor
Antwortet  Hysterican

Doch doch, es macht durchaus Sinn:

So verwandelt man langfristiges gesamtkulturelles Kapital (Bildungsnation u.ä. Schlagworte) in politisches Kapital (Wähler eingelullt und zufrieden) sowie reales Kaiptal (Steuergeld erwirtschaften der Eltern als abhängige AN begünstigen).

Die Folgen treten erst viele Jahre später und auch indirekt nicht messbar auf – win-win-win.

Bis zum Aufschlag.

Hysterican
3 Tage zuvor
Antwortet  447

Kaaaahhhhh…….wuuuuuuhhhhhmmmmm!
Fertig! Abbuzze!

447
1 Stunde zuvor
Antwortet  Hysterican

*schwebt surrend herbei*
*fährt Handfegerchen aus*
„Möchten Sie zum Aufkehrservice noch andere Dienstleistungen buchen?
Andere Kunden kauften auch: Kehrschäufelchenservice, Plastiktüte-to-go, Mülltrennungsupgrade.“

Katze
6 Tage zuvor

Das eigentlich Erschreckende an der aktuellen Debatte ist nicht nur die Noteninflation selbst, sondern die Verwechslung von Niveauverlust mit Fortschritt. Wenn heute ein 1,2‑Abitur als „exzellent“ gilt, dann nur, weil man vergessen hat, dass ein naturwissenschaftliches 2,8‑Abi früher auf einem Fundament stand, das diesen Namen verdiente: Inhalte, Methoden, wissenschaftspropädeutische Tiefe.
Der Vergleich ist nicht nostalgisch, sondern nüchtern:
Damals musste man etwas können. Heute muss man etwas „können sollen“.
Die Lehrpläne – äh, die Leerpläne – haben diesen Prozess zuverlässig begleitet. Wo früher Stoff stand, steht heute „Kompetenz“. Wo früher Anforderungen formuliert wurden, stehen heute pädagogische Absichtserklärungen, die so vage sind, dass man sie problemlos auf ein Teelicht drucken könnte.
Das Ergebnis ist ein Schulsystem, das sich selbst in eine Art pädagogische Selbstentkernung manövriert hat. Man wollte Bildung modernisieren und hat stattdessen die Inhalte verdampft. Man wollte Schüler entlasten und hat die Anforderungen verdünnt. Man wollte Chancengerechtigkeit – und hat am Ende nur die Messlatte abgesenkt, bis sie niemand mehr sieht.
Viele der heutigen 1,…‑Abiturienten sind nicht dümmer, aber sie sind ein Produkt eines Systems, das lieber die Wand einreißt, als die Latte höher zu legen, das Belastbarkeit durch Befindlichkeit ersetzt hat und Können durch Selbstwirksamkeit – eine Generation, die oft mehr (überhöhtes) Selbstvertrauen als Substanz mitbringt.
Genau jene Entwicklung eben, die Zümrüt Gülbay‑Peischard in Akadämlich – Warum die angebliche Bildungselite unsere Zukunft verspielt so präzise beschreibt.

Aber lieber Philologenverband: Als die fachliche Talfahrt an den Gymnasien vor über zwanzig Jahren langsam, aber stetig begann, habt ihr auch eher auf dem Beifahrersitz gehockt, statt gegenzusteuern. Versucht habt ihr es – aber viel zu leise um am Ende doch meist zeitgeistkonform einzulenken.

Götz
6 Tage zuvor
Antwortet  Katze

Das sehe ich auch so. In Bayern hat der Philologenverband alles abgenickt – bestes Beispiel: der Umstieg von G9 auf G8 und wieder zurück, immer schön harmonisch begleitet.

ed840
6 Tage zuvor
Antwortet  Katze

Vor zwanzig Jahren müsste in den meisten Bundesländern vermutlich die Umstellung auf kompetenzorientierte Lehrpläne und Unterrichtsmethoden erfolgt sein.

Dazu würde vermutlich auch folgender Artikel passen, der sich mit den Kompetenzen von SuS der aktuellen Generation beschäftigt.

https://www.news4teachers.de/2026/06/wenn-schueler-formeln-beherrschen-aber-naturphaenomene-nicht-erklaeren-koennen/

Realist
6 Tage zuvor
Antwortet  Katze

Wenn heute ein 1,2‑Abitur als „exzellent“ gilt, dann nur, weil man vergessen hat, dass ein naturwissenschaftliches 2,8‑Abi früher auf einem Fundament stand, das diesen Namen verdiente..“

Ok, Boomer…

Nee, jetzt mal ohne Witz: Fachwissen anhäufen und abspulen, das kann die KI mittlerweile besser. Das Abitur heutzutage ist anders aber nicht unbedingt schlechter als früher. Mit den Kompetenzen, die wir damals vor mehreren Jahrzehnten in den Schule mitbekommen haben. würden wir in der heutigen Berufswelt und Gesellschaft ziemlich alt aussehen…

Cornelia
4 Tage zuvor
Antwortet  Realist

Damals hatten wir schlechtere Schulbücher, also man musste schon suchen, bis man Erklärungen zu neuen Themen fand, und die waren dann sehr spärlich, wenn überhaupt vorhanden.
Es wurden auch gerne in Klassenarbeiten Kompetenzen abgefragt, die man weder im Unterricht noch aus dem Schulbuch erlernen konnte.
Die nächste Bibliothek war weit weg, und schnelle Antworten aus dem Internet gab schon gar nicht.

Stiller Beobachter
5 Tage zuvor
Antwortet  Katze

In welchen Jahrhundert soll das denn gewesen sein?

2.8 als Notenschnitt im Abi waren schon vor 20 Jahren nicht gut und vor allem auch nicht „wissenschaftspropädeutisch“….

Cornelia
4 Tage zuvor

Im letzten Jahrtausend

Cornelia
6 Tage zuvor

Leider hat das schon begonnen mit der Einführung des numerus clausus in vielen Studiengängen und der Reformierten Oberstufe, um 1976. Es wurden Schnitte erwartet, die bis dahin überhaupt kein Schüler erreichen konnte, denn die Leistungen aller Fächer zählten im Abitur, und die Anforderungen waren sehr hoch.

Also lag es in der Reformierten Oberstufe nahe, dass man half, den benötigten Schnitt zu erreichen, wenn bekannt war, dass derjenige z. B. Medizin studieren wollte, auch dafür geeignet schien, aber eben in ein oder zwei Fächern nicht die volle Punktzahl erreichte.

Grob unfair, wenn man überlegt, wie heutzutage IMMER NOCH Grundschulkinder aussortiert werden in die Sonderschule, zur Klassenwiederholung, und in manchen Bundesländern noch mit verbindlicher Grundschulempfehlung auf unterschiedliche Schularten!

Diese Auseinanderdröselung muss aufhören! Soweit liegen die Begabungen nicht auseinander! Das sieht man schon in den Familien!
Man staunt dann zum Beispiel, wenn jemand mit einem 1,0 Abitur nicht weiß, was eine Inflation ist!

Rüdiger Vehrenkamp
6 Tage zuvor

„Kein Kind bleibt ohne Abschluss“ – ein wirklich gut ausgegebenes und politisch gewolltes Ziel, das man sich allerdings durch Niveausenkung an allen Orten erkauft. Mein Sohn schrieb dieses Jahr auf der Realschule in BW die Abschlussprüfungen. Er sagte, in Deutsch und Englisch wäre sie einfacher gewesen als jede Klassenarbeit. Von der Hauptschulprüfung in Deutsch weiß ich, dass mittlerweile einfachste Aufgaben zum Ankreuzen bepunktet werden und Rechtschreibung im Grunde gar nicht mehr zählt.

Nicht umsonst beklagen Firmen mangelnde Fähigkeiten von Schulabgängern, Universitäten beschreiben Jahr für Jahr, dass Studierenden etliche Fertigkeiten fehlen, obgleich sie sich mit guten Abiturnoten einschreiben. Hier passt hinten und vorne nichts mehr zusammen. Große Betriebe reagieren darauf mit rigiden Einstellungstests und Assessment Centern, Universitäten stellen in unterschiedlichen Studiengängen knallharte Klausuren in den ersten beiden Semestern, um auszusieben. Die Verwunderung ist dann natürlich groß, wenn in der Schule Schongang gefahren wurde und plötzlich die Anforderungen der Realität auf einen herniederprasseln. Während man an den Unis eventuell noch auf einen ähnlichen Zug aufspringen kann, nämlich Anforderungen zu senken, um die Bestehensquoten zu erhöhen, suchen sich Firmen gezielter die wirklich Besten aus – notfalls werben sie Fachkräfte aus dem Ausland an oder ziehen gleich ganz dort hin. Niveausenkungen sind eine Gefahr für den Standort Deutschland, an dem persönliche Befindlichkeiten inzwischen mehr zählen als das Erbringen von Leistung. Es hilft nichts, die Kinder in den Schulen jahrelang durchzupampern, um sie danach auflaufen zu lassen. Die Niveaus müssen wieder hoch und es braucht deutlichere Zeichen und Konsequenzen für nicht erbrachte Leistungen.

Rainer Zufall
6 Tage zuvor

„Der DPhV fordert deshalb, Abiturprüfungen künftig erst ab 50 Prozent der erreichbaren Leistung als bestanden zu werten.“
Von wie vielen Schüler*innen wird da konkret gesprochen?

Grillsportler
3 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Sie meinen, wenn es nicht viele Schüler betrifft, dann ist es auch nicht weiter wichtig?

Rainer Zufall
1 Tag zuvor
Antwortet  Grillsportler

Sie meinen, es würde nicht viele Schüler*innen betreffen? Ich persönlich weiß es nicht, daher fragte ich.

Wenn Sie sich um Minderheiten sorgen, freue ich mich aber sehr um Ihren künftigen Zuspruch für bessere Inklusion, Schulbegleitungen und mehr Ressourcen für die Schulsozialarbeit 😀

blau
6 Tage zuvor

Ergebnis auch: zu wenig Personal für kognitiv weniger anspruchsvolle Jobs wie Friseur. Alle wollen Abi machen und studieren.

GymNrw
5 Tage zuvor

Leider stimmt das.
Und: eine überlastete Lehrkraft unterrichtet schlechter (manchmal auch seltener) und bewertet die schlechten Ergebnisse dann höher. Man könnte argwöhnen, dass diese Überlastung auch irgendwie gewollt sein könnte.

digitalebildung
5 Tage zuvor

Alle Jahre wieder fordert der Lehrkräftelobbyverband, dass andere mehr Leistung bringen sollen. Bei der eigenen Klientel wird das mit der Leistung allerdings nicht so eng gesehen – dort gilt der Berufsethos, das viele mit ihrem Job grundsätzlich viel zu stark belastet sind (also nicht in der Lage sind, die Leistungsanforderungen ihres Jobs, den sie bei klarer Ausgangslage freiwillig selbst ausgesucht haben, zu erfüllen). Wie würde der Verband eigentlich reagieren, wenn die Schüler*innenvertreter öffentlich höhere Leistungsanforderungen für die Lehrkräfte fordern würden?

ed840
4 Tage zuvor
Antwortet  digitalebildung

Alle Jahre wieder fordert der Lehrkräftelobbyverband, dass andere mehr Leistung bringen sollen.“

Wird das tatsächlich gefordert?

Ich habe bisher nur Forderungen gelesen, dass die Aussagekraft der Noten im Hinblick auf die tatsächliche Leistungsfähigkeit verbessert werden sollte.

ed840
4 Tage zuvor

Wenn die Abiturschnitte tatsächlich den Leistungsstand der Abiturient*innen wiederspiegeln, müssen die Lehrkräfte an der gymnasialen Oberstufe in Bremen nahezu übermenschliche Leistungen erbringen.

Rainer Zufall
1 Tag zuvor
Antwortet  ed840

Go, Bremen! 😀

Mr. Smith
4 Tage zuvor

In vielen Schularten wurden die Anforderungen gesenkt und zudem noch die Notenschlüssel zusätzlich angepasst.

Die Taktik ist gut, denn die Eltern bleiben ruhig.

dickebank
4 Tage zuvor
Antwortet  Mr. Smith

Tja, aber leider überproportional an den GY. Deshalb ist man Eltern- und Schülerschaft ja bei der Rückkehr zum G9 so entgegengekommen.
Der Murx am G8 in NRW ist der Fehler gewesen, auf der dreijährigen GOSt zu bestehen und dafür die SekI um ein Jahr zu verkürzen. Letzteres hat den GE allerdings höhere Anmeldezahlen beschert, worüber ich nicht unglücklich gewesen bin.

Anders Leo Castor
17 Stunden zuvor

Der Verband fordert deshalb eine fachbezogene Mindestbestehensregelung. Künftig soll bei Beibehaltung der 20-Prozent-Quote in jedem belegten Fach mindestens die Hälfte der eingebrachten Kurse mit fünf Punkten oder mehr bewertet worden sein. […]
Noch schärfer fällt die Kritik an den Bewertungsmaßstäben im Abitur aus. Nach den aktuellen KMK-Regelungen gelten Abiturprüfungen bereits ab 45 Prozent der erreichbaren Leistung als bestanden. Eine 1− wird ab 85 Prozent der Punkte vergeben, die Note 1,0 ab 90 Prozent und die Bestnote 1+ ab 95 Prozent. […]
Der Philologenverband sieht darin eine politisch bewusste Verschiebung der Bewertungsmaßstäbe. „Die Politik dreht an der Notenschraube. Es ist politisch gewollt, gute Noten für weniger Leistung zu geben. […] Die Folgen für das Bildungssystem beschreibt sie drastisch: „Das Ergebnis für den Bildungsstandort Deutschland ist aber verheerend: weniger Anspruch, weniger Leistung, dafür mehr Durchschnitt und weniger Exzellenz.“
In seiner offiziellen Stellungnahme argumentiert der Verband ähnlich. Die politisch gewünschte Konsequenz der veränderten Notenschwellen sei eine rechnerische Zunahme von Spitzenabschlüssen.

Der Philologenverband mit Frau Lin-Klitzing betreibt hier eine merkwürdige Desinformationskamapgne oder ist erstaunlich uninformiert.

Es wird bewusst an mehreren Stellen der Eindruck erweckt, die genannten Notenschwellen seien jüngst auf politische Veranlassung geändert worden. Das stimmt aber gar nicht. Sie bestehen seit – mindestens – 2016 unverändert. Weiter habe ich in der KMK-Oberstufenvereinbarung nicht zurückgeblättert, womöglich sind sie noch um einiges älter.

Vielleicht ist der Philologenverband aber auch nur beleidigt, weil er mit seiner fachbezogenen Mindestbestehensregelung schon seit über einem Jahr vergeblich hausieren geht. Es gibt auch nicht wirklich Anlass, Schüler mit einer selektiven Schwäche in Mathematik den Weg zum Abitur unbedingt verbauen zu wollen.

Um in der Abiturprüfung wenigstens einen Notenpunkt zu erreichen, sind immerhin 20 % der Bewertungseinheiten erforderlich, was für schwache Schüler schon eine ganze Menge ist (s. hierzu weiter unten).

Dabei gäbe es genügend Baustellen, wo der Philologenverband mal aktiv werden könnte, um Bildungsqualität zu sichern und gleiche Bestehensbedingungen herbeizuführen:

  • Die Länder schaffen es weiterhin nicht, sich überhaupt darauf zu einigen, ob es 4 oder 5 Abiturprüfungsfächer geben soll.
  • In RP beharrt man weiterhin auf seinem merkwürdigen Konstrukt der Mainzer Studienstufe mit einem G8,5 und nimmt nur mit einer Handvoll von G8-Gymnasien am IQB-Aufgabenpool teil, tut aber offiziell so, als würde man sich den anderen Ländern angleichen. Ich vermute, man lacht im Mainzer Ministerium täglich über die Deppen der anderen Länder, die alle KMK-Vereinbarungen brav mitmachen.
  • In 10 von 16 Bundesländern dürfen in der Abiturprüfung auch 0 Punkte geschrieben werden, lediglich in den bösen, leistungsaffinen Südländern BW, BY, SN und HE sowie in BB muss mindestens 1 Punkt erreicht werden (Stand 2021). Da muss man jetzt nicht wirklich über Kursnoten diskutieren.
  • Nach der neuen KMK-Rahmenvereinbarung wird die Anzahl der Klausuren in der Kursstufe stark begrenzt und (zum Entsetzen von BW und BY) in der Gewichtung auf gerade mal 30 % reduziert, wenn eine Klausur vorgesehen ist (Im 4. Kurshalbjahr muss erst gar keine Klausur mehr geschrieben werden). Die Lehrkräfte sollen ja bekanntlich nach progressiver Meinung auch keine Kurztests schreiben, keine Schülys abfragen oder unaufgefordert aufrufen und sich überhaupt nur noch als Lernbegleiter sehen. Man kann sich vorstellen, wie dann künftig in der Oberstufe Noten gebildet werden. Womöglich reicht es für 5 Punkte dann schon aus, wenn man eine binomische Formel tanzen kann.

Die Forderung des Philologenverbands nach einer fachbezogenen Mindestleistung erledigt sich von selbst, weil gleichzeitig ohnehin immer mehr die fachlichen und inhaltlichen Anforderungen zurückgeschraubt werden. Durch die geringere Anzahl und Gewichtung von schriftlichen Leistungsnachweisen werden sich die Schülerleistungen wundersamerweise deutlich verbessern und die KMK kann sich selbst auf die Schulter klopfen, dass man die Bildungswende geschafft habe.

Es wäre also viel wichtiger, wenn der Philologenverband den Finger in die eigentliche Wunde legen würde, anstatt an ziemlich irrelevanten Formalien herumzumosern.

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