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Schulbarometer: Lehrkräfte nutzen KI bereits intensiv (aber vor allem für sich selbst, noch nicht für den Unterricht)

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BERLIN. Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz gehört für viele Lehrkräfte inzwischen zum Berufsalltag. Das zeigt das neue Deutsche Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung. Innerhalb nur eines Jahres hat sich der Anteil der Lehrkräfte, die KI-Tools wie ChatGPT regelmäßig beruflich nutzen, deutlich erhöht. Gleichzeitig bleibt die Unsicherheit groß: Noch immer fühlt sich etwa jede zweite Lehrkraft im Umgang mit den neuen Werkzeugen nicht sicher. Die Autoren der Studie sehen deshalb einen erheblichen Qualifizierungsbedarf – und stellen fest, dass der pädagogische Einsatz der Technik mit ihrer rasanten Verbreitung bislang nicht Schritt hält.

Helferlein. Illustration: News4teachers

ChatGPT ist noch keine drei Jahre öffentlich verfügbar – und hat den Arbeitsalltag vieler Lehrkräfte bereits grundlegend verändert. Mehr als jede zweite Lehrkraft nutzt Künstliche Intelligenz inzwischen regelmäßig für berufliche Aufgaben. Mit dem rasanten Tempo dieser Entwicklung hält die Schule allerdings nur teilweise Schritt. Das Deutsche Schulbarometer untersucht die Folgen erstmals ausführlich und beschreibt eine Profession, die sich neue Werkzeuge in kurzer Zeit angeeignet hat, deren pädagogischer Einsatz aber vielerorts noch am Anfang steht.

Die Autoren ordnen diese Entwicklung in den größeren Zusammenhang der Veröffentlichung von ChatGPT Ende 2022 ein. Generative KI-Systeme eröffneten neue Möglichkeiten für schulische Lehr- und Lernprozesse, stellten das Bildungssystem zugleich aber vor neue Herausforderungen. Bereits 2024 habe eine repräsentative Befragung der Vodafone Stiftung gezeigt, dass die Mehrheit der Jugendlichen KI-Anwendungen nutze – meist auf eigene Initiative und nicht angeregt durch Lehrkräfte.

Seitdem hätten sich die technischen Möglichkeiten nochmals erheblich weiterentwickelt. Für Lehrkräfte werde der kompetente Umgang mit KI deshalb immer wichtiger. Generative KI könne unter anderem bei der Erstellung von Unterrichtsmaterialien, der Differenzierung von Aufgaben oder bei individuellem Feedback unterstützen. Voraussetzung dafür sei allerdings, „dass Lehrkräfte über ein grundlegendes Verständnis der Funktionsweise sowie der Potenziale und Grenzen von KI-Systemen verfügen“. Deshalb fordere auch die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz einen „raschen und systematischen Ausbau von Fortbildungen zu generativer KI für Lehrkräfte“.

„Im Vergleich zum Vorjahr berichten Lehrkräfte häufiger von eigenen Erfahrungen mit KI-Anwendungen und nutzen entsprechende Tools insgesamt regelmäßiger für ihre berufliche Tätigkeit“

Die Dynamik dieser Entwicklung zeigt sich besonders im Vergleich zum Vorjahr. Während im Schulbarometer 2025 erst knapp ein Drittel der Lehrkräfte angegeben hatte, KI mindestens mehrmals im Monat beruflich zu nutzen, liegt dieser Anteil inzwischen bei 52 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil derjenigen, die sich im Umgang mit KI sicher fühlen, von 38 auf 48 Prozent. „Die Ergebnisse des Schulbarometers 2026 zeigen, dass der Einsatz von KI im schulischen Kontext in kurzer Zeit deutlich an Bedeutung gewonnen hat. Im Vergleich zum Vorjahr berichten Lehrkräfte häufiger von eigenen Erfahrungen mit KI-Anwendungen und nutzen entsprechende Tools insgesamt regelmäßiger für ihre berufliche Tätigkeit. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass sich generative KI zunehmend als Werkzeug in der professionellen Praxis von Lehrkräften etabliert.“

Trotz dieser Entwicklung fühlt sich weiterhin etwa die Hälfte der Lehrkräfte im Umgang mit KI-Tools unsicher. „Diese Befunde weisen darauf hin, dass trotz einer zunehmenden Verbreitung entsprechender Anwendungen weiterhin ein erheblicher Unterstützungs- und Qualifizierungsbedarf besteht.“ Angesichts der hohen Dynamik technologischer Entwicklungen im Bereich generativer KI sei davon auszugehen, dass Lehrkräfte auch künftig vor der Herausforderung stünden, neue Anwendungen und Nutzungsmöglichkeiten kontinuierlich zu erschließen. Dazu passt, dass 52 Prozent der Befragten einen persönlichen Fortbildungsbedarf zum Einsatz von KI angeben.

Am häufigsten nutzen Lehrkräfte KI zur Erstellung von Unterrichtsaufgaben (64 Prozent), zur Unterstützung der Unterrichtsplanung (58 Prozent) sowie für die Kommunikation, etwa beim Formulieren von E-Mails (33 Prozent). „Die Ergebnisse verweisen zudem darauf, dass sich der Einsatz von KI derzeit vor allem auf unterstützende Tätigkeiten im Zusammenhang mit der Unterrichtsvorbereitung konzentriert, etwa bei der Erstellung von Aufgaben oder der Planung von Unterricht. Andere Formen der Nutzung, etwa im direkten Unterrichtsgeschehen oder zur Unterstützung von Lernprozessen der Schüler:innen, spielen bislang eine deutlich geringere Rolle.“

„Dies könnte auch damit zusammenhängen, dass der pädagogisch-didaktische Einsatz von KI im Unterricht für viele Lehrkräfte noch mit Unsicherheiten verbunden ist oder entsprechende Anwendungen noch nicht in der Schule verfügbar sind“, heißt es weiter.

Gleichzeitig verändert KI den Unterricht bereits. Erstmals wurde erhoben, ob Lehrkräfte Schülerinnen und Schüler KI-Tools im Unterricht einsetzen lassen. Das Ergebnis: 29 Prozent tun dies bereits. Damit nutzt inzwischen knapp ein Drittel KI auch unmittelbar im Unterrichtsgeschehen.

Differenziert fällt auch die Einschätzung der pädagogischen Folgen aus. Besonders große Chancen sehen Lehrkräfte bei der individualisierten Lernunterstützung. 59 Prozent erwarten hier eher oder sehr positive Auswirkungen, lediglich neun Prozent überwiegend negative.

„Deutlich kritischer fallen die Einschätzungen hinsichtlich verschiedener fachlicher und überfachlicher Kompetenzen aus. Für mehrere dieser Bereiche überwiegen negative Erwartungen“, heißt es in der Studie. So erwarten jeweils 67 Prozent negative Auswirkungen auf das kritische Denken sowie auf soziale und kommunikative Fähigkeiten. 62 Prozent befürchten Nachteile für die Problemlösefähigkeit, 57 Prozent für Sprach- und Schreibkompetenzen. Auch Kreativität (55 Prozent) und Selbstständigkeit (53 Prozent) werden häufiger mit negativen als mit positiven Folgen in Verbindung gebracht.

Zwischen einzelnen Lehrkräftegruppen zeigen sich zudem Unterschiede. Jüngere Lehrkräfte und Kolleginnen und Kollegen mit geringerer Berufserfahrung nutzen KI häufiger und fühlen sich im Umgang mit den Anwendungen sicherer als ältere Lehrkräfte. Auch zwischen den Schulformen gibt es Unterschiede; insbesondere an beruflichen Schulen ist die Nutzung weiter verbreitet.

„Wer von Schulen den reflektierten und verantwortungsvollen Einsatz von KI erwartet, muss Lehrkräfte endlich besser unterstützen“

Für den Verband Bildung und Erziehung (VBE) zeigen die Ergebnisse vor allem eines: Die Schulen sind beim Einsatz Künstlicher Intelligenz schneller als die Bildungspolitik. „Künstliche Intelligenz ist in den Schulen längst angekommen. Während sich die Politik noch damit beschäftigt, Richtlinien zu verfassen, nutzen Lehrkräfte KI bereits selbstverständlich im Alltag, vor allem zur Unterrichtsvorbereitung, für die Planung und für organisatorische Aufgaben. Das ist kein Zukunftsthema mehr, sondern gelebte Praxis im Schulalltag“, erklärt Bundesvorsitzender Tomi Neckov.

Daraus folge ein klarer Handlungsauftrag an die Bildungspolitik: „Für den VBE ist klar: Wer von Schulen den reflektierten und verantwortungsvollen Einsatz von KI erwartet, muss Lehrkräfte endlich besser unterstützen. Es braucht verlässliche Fortbildungsangebote, klare pädagogische Orientierung und rechtliche Rahmenbedingungen, die den Schulen Sicherheit geben, statt sie zu bremsen. KI kann Unterricht und Schulorganisation sinnvoll entlasten – aber nur, wenn die Politik die nötigen Voraussetzungen schafft.“

Auch der Deutsche Philologenverband sieht in den Ergebnissen einen Beleg dafür, dass Lehrkräfte die Digitalisierung der Schulen derzeit weitgehend aus eigener Initiative vorantreiben. „Lehrkräfte haben KI längst in ihren Arbeitsalltag integriert – oft ohne ausreichende kultusministerielle Leitplanken, ausreichende Infrastruktur oder rechtlich zureichende Begleitung. Die Bildungspolitik hat hier einen Batzen Hausaufgaben zu erledigen“, erklärt die Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Prof. Susanne Lin-Klitzing, „um das aktuelle Missverhältnis von kommerziellen und staatlichen Angeboten flächendeckend sicher und bildungsgerecht weiterzuentwickeln.“

Die Studie beschreibt eine Entwicklung, die erst am Anfang steht. Künstliche Intelligenz hat den Arbeitsalltag vieler Lehrkräfte bereits grundlegend verändert. Im Unterricht selbst bleibt ihr Potenzial dagegen bislang vielfach ungenutzt. Ob sich das ändert, hängt nach Einschätzung der Autoren weniger von der technischen Entwicklung als von der Qualifizierung der Lehrkräfte ab. Fort- und Weiterbildungsangebote könnten deshalb „eine wichtige Rolle dabei spielen, Lehrkräfte beim reflektierten und pädagogisch sinnvollen Einsatz dieser Technologien zu unterstützen“. News4teachers

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