MÜNCHEN. Zum Ende des Schuljahres warnen die Bayerischen Lehrerverbände vor einer weiteren Verschärfung der Personalsituation an den Schulen. Angesichts wachsender pädagogischer und sozialer Herausforderungen könne die von der Staatsregierung angekündigte Stellenbremse die Widerstandsfähigkeit der Schulen schwächen. Die Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrerverbände (abl) fordert deshalb verlässliche Rahmenbedingungen und ausreichend Personal, um den steigenden Anforderungen gerecht werden zu können.

„Schulen sind der Ort, an dem sich die gesellschaftlichen Entwicklungen unmittelbar zeigen“, erklärt abl-Präsident Michael Schwägerl. „Die zunehmende Heterogenität der Schülerschaft, steigende psychische Belastungen, ein spürbarer Anstieg von Gewaltvorfällen sowie immer komplexere pädagogische Anforderungen verlangen den Lehrkräften und dem gesamten schulischen Personal täglich Höchstleistungen ab.“ Sie begleiteten Kinder und Jugendliche in Krisen, lösten Konflikte und stärkten den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gleichzeitig nähmen die Belastungen im Schulalltag weiter zu.
Vor diesem Hintergrund bedanken sich die vier in der Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossenen Lehrerverbände – der Bayerische Philologenverband (bpv), der Bayerische Realschullehrerverband (brlv), der Verband der Lehrkräfte an beruflichen Schulen in Bayern (VLB) und die Katholische Erziehergemeinschaft Bayern (KEG) – zum Schuljahresende bei Lehrkräften, Schulleitungen sowie dem weiteren schulischen Personal für deren Einsatz.
Aus Sicht der Verbände reicht Anerkennung allein jedoch nicht aus. Schulen seien heute weit mehr als reine Lernorte. „Fast jede Familie ist direkt oder indirekt auf funktionierende Schulen angewiesen, denn Schulen sind längst weit mehr als Lernorte. Sie sind Schutzräume, Integrationsorte und Stabilitätsanker für Kinder, Jugendliche und Familien. Gerade deshalb muss ihre Krisenresilienz nachhaltig gestärkt werden. Erwartungen allein reichen dafür nicht aus – vielmehr braucht es verlässliche Rahmenbedingungen und ausreichend Personal“, betont Schwägerl.
Besonders kritisch bewerten die Lehrerverbände das von der bayerischen Staatsregierung angekündigte Stellenmoratorium für das kommende Schuljahr. Schon heute arbeiteten viele Schulen nach ihrer Einschätzung an der Belastungsgrenze. Größere Klassen, unbesetzte Stellen, zunehmende Vertretungsbedarfe und zusätzliche Aufgaben erschwerten individuelle Förderung, Präventionsarbeit und den Aufbau tragfähiger Beziehungen zu Schülerinnen und Schülern.
„Wer Schulen widerstandsfähiger machen will, darf ihnen nicht gleichzeitig Personal entziehen oder notwendige Verstärkungen ausbremsen. Bereits heute arbeiten viele Schulen an der Belastungsgrenze. Größere Klassen, fehlende Lehrkräfte, steigende Vertretungsbedarfe und wachsende Aufgaben führen dazu, dass individuelle Förderung, Präventionsarbeit und Beziehungsarbeit immer schwieriger zu leisten sind“, so Schwägerl.
Die Vorsitzenden der vier abl-Mitgliedsverbände – Michael Schwägerl (bpv), Ulrich Babl (brlv), Pankraz Männlein (VLB) und Martin Goppel (KEG) – sehen deshalb Investitionen in Bildung als Voraussetzung für gesellschaftliche Stabilität. Gerade angesichts wachsender gesellschaftlicher Spannungen brauche es ausreichend Personal, multiprofessionelle Teams sowie mehr Zeit für Prävention, individuelle Förderung und Beziehungsarbeit. News4teachers
Stellenmoratorium: Lücke wächst um nochmal eine Vollzeit-Lehrkraft pro Gymnasium