DRESDEN. „Eine Schule ist mehr als eine Stundentafel. Sie ist ein gewachsenes System, ein Kollegium, eine Gemeinschaft – mit Rollen, Verantwortlichkeiten und Vertrauensverhältnissen, die sich nicht von einem Tag auf den anderen ersetzen lassen.“ Mit diesen Sätzen wendet sich der Sächsische Lehrerverband (SLV) unmittelbar vor dem Schuljahresstart an Kultusminister Conrad Clemens (CDU) persönlich. Der Konflikt dahinter dürfte Sachsens Schulen auch 2026/27 prägen: Es fehlen weiterhin Lehrkräfte – und das Kultusministerium will sie deshalb noch stärker dorthin verschieben, wo der Mangel besonders groß ist. Deutlich mehr als 5.000 Lehrerinnen und Lehrer sollen dafür abgeordnet werden. Die Gewerkschaften warnen: Damit werde der Mangel nicht behoben, sondern nur auf immer mehr Schulen verteilt.

„Wird eine Lehrkraft abgeordnet, verschwindet mit ihr nicht nur eine Zahl aus der Stundentafel der Stammschule“, heißt es in dem offenen Brief des SLV. „Es verschwindet die Klassenleitung, die eine Klasse über Jahre begleitet hat. Es verschwindet die Fachkonferenzleitung, die Vertrauensperson für Schülerinnen und Schüler, die eingespielte Zusammenarbeit im Kollegium.“ Was an der einen Schule zusätzlich zur Verfügung stehe, müsse die andere Schule auffangen – „ohne zusätzliche Zeit, ohne zusätzliches Personal, ohne jeden Ausgleich“.
Die Verschiebung von Lehrkräften bildet erneut einen Kern der Personalstrategie, mit der Sachsen am 17. August ins neue Schuljahr startet. Kultusminister Clemens setzt darauf, die vorhandenen Lehrerinnen und Lehrer gleichmäßiger über das Land und zwischen den Schulen zu verteilen. Sein Ziel: weniger Unterrichtsausfall. Schon im vergangenen Schuljahr wurden dafür rund 5.000 Lehrkräfte abgeordnet. Im neuen Schuljahr rechnet das Kultusministerium mit weit mehr.
Aus Sicht des Ministers hat sich das Instrument bewährt. An den Oberschulen sei der Stundenausfall im vergangenen Schuljahr um 26 Prozent gesunken. „Deshalb bleibt weiter das oberste Gebot, dass mehr Unterricht an unseren Schulen stattfindet, weniger Unterricht ausfällt“, sagte Clemens bei der Vorstellung des neuen Schuljahres. Die „größte Herausforderung“ bleibe die gerechte Verteilung der zur Verfügung stehenden Lehrerinnen und Lehrer auf ganz Sachsen.
Dass diese Verteilung überhaupt in solchem Umfang nötig ist, zeigt allerdings die andere Seite der Bilanz zum Schuljahresstart. Das Kultusministerium hatte mehr als 1.000 Neueinstellungen erwartet. Erreicht wurde diese Marke bislang nicht. Nach Ministeriumsangaben wurden 905 Lehrkräfte eingestellt, darunter 731 grundständig ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer, 157 Seiteneinsteiger sowie 17 pädagogische Fachkräfte. 87 der neu eingestellten Lehrkräfte kommen aus anderen Bundesländern.
Zugleich bleibt die regionale Verteilung ein Problem. Ein großer Teil der Absolventinnen und Absolventen bewirbt sich für Leipzig und Dresden. Allein auf Leipzig entfielen nach Angaben des Kultusministeriums 51 Prozent aller Bewerbungen. Wo weniger Bewerberinnen und Bewerber hinwollen, muss der Freistaat den Mangel deshalb zunehmend mit vorhandenem Personal ausgleichen – notfalls per Abordnung.
„Aus den Rückmeldungen der Lehrkräfte ging eindeutig hervor: erneut fehlende Transparenz, erneut kaum Planungssicherheit, erneut zu wenig Zeit zur Vorbereitung“
„Herr Clemens spricht gern davon, was eine abgeordnete Lehrkraft an der neuen Schule dazulernt. Er verschweigt, was an der Stammschule verloren geht: die Klassenleitung, das Vertrauen der Schülerinnen und Schüler, die eingespielte Arbeit im Kollegium“, erklärt SLV-Landesvorsitzender Michael Jung. „Das muss jemand auffangen – meistens ohne jeden Ausgleich.“
Grundsätzlich stellt der SLV Abordnungen in der Mangelsituation nicht infrage. Seine Kritik richtet sich jedoch gegen deren Ausmaß und vor allem gegen die Art der Umsetzung. Der Verband hatte Lehrkräfte während der Sommerferien nach ihren Erfahrungen mit den diesjährigen Abordnungen gefragt. Nach Darstellung des Verbandes berichteten Betroffene erneut von mangelnder Transparenz, kurzfristigen Bescheiden, geringer Planungssicherheit und wenig Zeit, sich auf andere Klassenstufen oder sogar andere Schularten vorzubereiten.
Das wiegt aus Sicht des SLV besonders schwer, weil Ministerium und Landesamt für Schule und Bildung eine längerfristige und besser vorbereitete Planung angekündigt hätten. „Aus den Rückmeldungen der Lehrkräfte ging eindeutig hervor: erneut fehlende Transparenz, erneut kaum Planungssicherheit, erneut zu wenig Zeit zur Vorbereitung“, sagt Jung. Die Kritik richte sich deshalb „nicht gegen das Ob, sondern gegen das Wie“.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) geht noch einen Schritt weiter. Ihr Landesvorsitzender Burkhard Naumann sieht die Abordnungen nicht nur als organisatorisches Problem, sondern als Teil einer Belastungspolitik, die den Personalmangel auf Dauer verschärfen könne. „Die angespannte Lage an den Schulen verschlimmert sich im neuen Schuljahr noch weiter. Die Belastung steigt durch die massive Ausweitung der Abordnungen immer weiter“, erklärt er.
„Lehrkräfte verlassen nun früher den Beruf, Referendarinnen und Referendare wandern ab“
Abgeordnete Lehrkräfte müssten teilweise an mehreren Schulen arbeiten, nach Darstellung der GEW häufig auch schulart- und fachfremd. Gleichzeitig entstünden an ihren Stammschulen neue Engpässe. Schülerinnen und Schüler müssten mit Wechseln bei Fachlehrkräften und Klassenleitungen umgehen. Hinzu kämen weitere Belastungen: Die GEW kritisiert insbesondere die höhere Unterrichtsverpflichtung älterer Lehrkräfte sowie zusätzliche Unterrichtsbelastungen für angehende Lehrerinnen und Lehrer im Referendariat.
Naumann warnt deshalb davor, dass die Maßnahmen den Personalmangel langfristig noch verschärfen könnten. „Lehrkräfte verlassen nun früher den Beruf, Referendarinnen und Referendare wandern ab“, erklärt er. Sachsen-Anhalt und Thüringen hätten in diesem Sommer mehr Bewerbungen aus Sachsen vermeldet. Die aktuellen Maßnahmen des Kultusministeriums verstärkten das Problem, statt es zu lösen.
Damit richtet sich die Kritik der GEW auch gegen den Maßstab, an dem das Ministerium den Erfolg seiner Personalpolitik misst. Naumann stellt infrage, Unterrichtsversorgung vor allem über erteilte beziehungsweise ausgefallene Stunden zu betrachten: „Dabei ist die Basis von guter Bildung eine kontinuierliche Beziehung zwischen Lernenden und Lehrkräften und nicht die Unterrichtsstatistik. Das Kultusministerium überspannt den Bogen nun deutlich. Die Gleichverteilung des Elends ist keine Lösung.“ News4teachers / mit Material der dpa
Neue Lehrpläne: Sachsen will alle 528 Lehrpläne modernisieren – erstmals seit 2004 gleichzeitig. Neben fachlichen Kompetenzen sollen unter anderem Demokratiebildung, Medienbildung und sprachliche Bildung stärker berücksichtigt werden. Die GEW begrüßt die Reform grundsätzlich, fordert aber eine Beteiligung von Fachberaterinnen und Fachberatern sowie der Wissenschaft.
Handyverbot ausgeweitet: Das bislang für Grundschulen geltende Handyverbot wird bis einschließlich Klassenstufe 8 erweitert.
Schülerzahlen: Nach vorläufigen Angaben werden rund 527.300 Schülerinnen und Schüler in Sachsen unterrichtet, knapp mehr als im Vorjahr. Rund 37.700 Kinder starten in der ersten Klasse.
Mehr freie Schulen: Die Zahl der öffentlichen Schulen bleibt mit 1.388 konstant. Bei den Schulen in freier Trägerschaft steigt sie von 429 auf 432.
Digitalisierung: Die GEW unterstützt eine stärkere Medienbildung, kritisiert aber weiterhin ungeklärte Zuständigkeiten für die technische Betreuung der zahlreichen digitalen Endgeräte an den Schulen.
Dann gebt doch ein paar Stunden ab Klasse 9 im Distanzunterricht. Dann muss man nicht abordnen und jeder kann sich zuschalten, wo er will.
Wenn schon Gleitzeit und flexibles Arbeiten klappt, geht auch das.
Ist ja nicht zu 100% wie manche hier nicht wahrhaben wollen. Keiner will 100% Homeoffice! 🙂
Danke Dir, Petra
Lohnt sich nicht mehr, es liegt an Geld und der hohen Arbeitszeit / Belastung.
Die Abordnungen zeigen ja den Mangel und die Personalnot, es werden also nur noch die Löcher geflickt. Attraktiv ist das sowieso nicht
Immer wieder Petra mit dem gleichen Quatsch.
Schüler lernen online weniger als im Unterricht. Ansonsten können wir doch alle Schulen ab der Oberstufe komplett schließen. Ist doch alles im Netz. Kann doch jeder selbst lesen und anschauen. Für Fragen gibt es Foren.
Macht aber niemand.
Abgesehen vom Kontakt mit den Schülern. Es gibt viele, die sind Lehrer geworden um Kontakt mit Menschen zu haben. Ansonsten hätte ich auch zum Telekolleg gehen können und dort die Kamera voll quatschen können.
Laut KI gibt es in Sachsen 35.000 Lehrkräfte.
5000 Abordnungen sind da eine Bankrotterklärung der Schulpolitik des letzten Jahrzehnts, in dem man es nicht geschafft hat, den Lehrberuf so attrakiv zu machen, dass man genügend LEhrkräfte gewinne konnte.
Wenn nun jede siebte Lehrkraft abgeordnet wird, macht das den Beruf in Sachsen noch unattraktiver. (Und laut Artikel rechnet das Schulministerium sogar damit, dass im nächsten Schuljahr noch „weit mehr“ Lehrkräfte abgeordnet werden.)
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Also bei 14% wäre die sächsische SPD aber heilfroh:)
Kann es sein, dass ich das Siegel „bewegte Schule“ vollkommen falsch verstanden habe?
Hahaha! „Bewegte“ Schule…
Positiv sehen: Immerhin wurden 30.000 Lehrkräfte NICHT abgeordnet. Das sind ca. 85%, womit man sich sicherlich im Bereich einer „auskömmlichen“ Unterrichtsversorgung bewegt!
Ich stimme zu, es ist eine Bankrotterklärung der Schulpolitik der letzten Jahre. Die setzte 2019 darauf, Lehrer wieder zu verbeamten, um Kollegen aus anderen Bundesländern abzuwerben (und eigene zu halten). Das wurde damals als Mittel gegen den Lehrermangel gepriesen. Berlin übernahm es. Musste es. Berlin war ja zuletzt das einzige Bundesland, das nicht verbeamtete.
Nun sind alle im passenden Alter verbeamtet. Ich erinnere mich gut an die Nachrichten aus den ersten Jahren danach, wie der Lehrermangel gesunken sei. Komisch. Jetzt ist er wieder da? Alle Bundesländer verbeamten. Die Pensionslasten sind enorm. Aber das müssen ja erst die nachfolgenden Generationen zahlen.
Der Lehrermangel ist wieder/weiterhin da. Die Verbeamtung hat ihn nicht behoben. Sie kostet Millionen. Die kann man nun nicht mehr in bessere Arbeitsbedingungen stecken. Bessere Arbeitsbedingungen hätten den Beruf vielleicht attraktiver gemacht? Aber woher soll man das Geld dafür nun nehmen? Man kann einen Euro nicht zweimal ausgeben und Personalmangel gibt es nicht nur in den Schulen. Die Steuerzahler arbeiten nicht nur für das „Wohlsein der Lehrer“.
Ja, falsche Politik. Falsche Ratgeber. Eine Bankrotterklärung. Sie war abzusehen.
Glauben Sie dass Sachsen ohne Verbeamtung heute mehr Lehrkräfte hätte?
Das ist doch sehr zweifelhaft. Ohne Verbeamtung wären schon früher noch mehr Lehrkräfte in andere Bundesländer abgewandert. Sachsen (und dieanderen östlichen Bundesländer) sind ja nun allesamt nicht besonders attraktiv.
Falsche Fragestellung. Glauben Sie, dass Sachsen mit deutlich besseren Arbeitsbedingungen (kleinere Klassen, geringeres Stundensoll, weniger Bürokratie und deutliche weitere Entlastungen…) heute weniger Lehrkräfte hätte?
Wie dargelegt kostet die Verbeamtung Millionen (Pensionen, Zuschläge etc.). Diese Millionen fehlen nun für bessere Arbeitsbedingungen. Darum geht’s. Nun hört und liest man, wie überall heimlich durch die Hintertür gekürzt wird. Nicht bei den Lehrern, aber bei den Mitteln für die Schulen.
Glauben Sie, es wäre dem Steuerzahler vermittelbar, „alles Geld“ nur für die Lehrer auszugeben? Das ist doch sehr zweifelhaft. Haben wir nicht viele andere „Baustellen“? Mangelt es nicht überall?
Sie machen da eine folgenschwere Fehlannahme:
Sie wägen „mehr Geld für Personal“ gegen „Arbeitsbedingungen“ so ab, als ob erstetes monetär und zweiteres nicht-monetär wäre.
Schauen Sie mal, was Sie oben nennen:
– kleinere Klassen? Massive Bau- und Personalkosten
– Ausstattung der Schulen? Baukosten, Sachmittel, Wartung, Internet…
Natürlich könnte man rein theoretisch ganz leicht „umsonst“ bestimmte Anteile der Bedungungen verbessern (etwa, indem man Lehrer aus dem „zahnloser Papiertiger“-Status rausholt) – das ist aber ganz klar politisch undurchsetzbar und auch vom Wähler völlig unerwünscht.
Ja, ich glaube ich allerdings, dss Sachsen ohne Verbeamtung heute weniger Lehrkräfte hätte. Schauen Sie doch in alle östlichen Bundesländer. Dort ist die Lehrkräfteversorgung durch die Bank schlechter als in den westlichen Bundesländern. (Und tatsächlich haben wir mehrere Lehrkräfte im Kollegium, die aus dem Osten kommen. Umgekehrt kenne ich niemanden, der aus unserem Kollegium in ein östliches Bundesland gewechselt hat.)
Die Gründe dafür sind vielfältig. Ich persönlich würde in kein Bundesland wechseln, in dem die rechtsextreme AfD so stark ist, wie sie es in allen östlichen Bundesländern ist. Für einen Rheinländer, der im Unkreis von einer Fahrtstunde etliche kulturelle Einrichtungen errreichen kann, sind die dünn besiedelten Flächenländer im Osten auch nicht interessant.
Auch die Demographie zeigt ja dass die östlichen Länder nicht attraktiv sind. Die östlichen Bundesländer werden am stärksten unter dem Bevölkerungsschwund leiden.
Auch das ist ein Grund, der die östlichen Bundesländer unattraktiv macht. Nicht nur die kulturelle Versorgung ist dort dünner. Dasselbe gilt auch für Gesundheitseinrichtungen, wenn man nicht gerade in Dresden oder Leipzig lebt.
Und was helfen mir kleinere Klassen, wenn es als Folge davon heißt, dass an dieser Schule nicht so viele Lehrkräfte gebaucht werden, und ich deshalb abgeordnet werde? Ich will auch keine kleineren Klassen, wenn die Hälfte der Eltern aus Rechtsxtremisten besteht, die die AfD wählt.
Um all diese Standortnachteile auszugleichen, muss Sachsen den Lehrkräften zuindest finanzielle Anreize wie zum Beispiel die Verbeamtung machen.
Abgesehen davon bemühen Sie sich ja nicht einmal, sachlich zu diskutieren, wenn Sie schreiben, dass „alles Geld“ an die Lehrkräfte gehen solle.
Im Augenblick ist die Verbeamtung für Sachsen übrigens sogar preiswerter, weil keine Sozialabgeben für Lehrkräfte gezahlt werden müssen.
Naja, Sie behaupten, aber Nachweise können Sie ja gar nicht bringen. Ich allerdings auch nicht, wenn ich sage, ohne Verbeamtung, aber mit deutlich besseren Arbeitsbedingungen wäre der Lehrermangel in Sachsen heute geringer (zumal ja die Schülerzahlen wieder sinken). Es ist ja auch nie ein Fakt alleine: Bessere Arbeitsbedingungen, aber AfD eventuell in Regierung würde vielleicht doch eher abschrecken. Übrigens sind die meisten Lehrer in Sachsen noch angestellt. Insofern kann Ihr Argument nicht stimmen.
„alles Geld“ ist eine Vereinfachung. Das ist doch klar. Sie drückt aus, dass die Lehrer oft nur sich selbst sehen und nicht das Ganze, die gesamte Gesellschaft im Blick haben. Es mangelt vielerorts am Personal. Warum soll nur der Lehrerberuf attraktiver gemacht werden mit Steuergeldern und die anderen Berufe nicht? Das ist der Punkt gewesen. Sie bestätigen indirekt, dass manche Lehrer das nicht sehen, sondern nur sich selbst. So wie Sie.
Ebenso ist Ihr Blick verengt, wenn Sie schreiben, im Augenblick spart Sachsen durch die Verbeamtung die Sozialabgaben bei den Lehrern. Muss Sachsen aber nicht Beihilfe zahlen für kranke Lehrer? Zahlt Sachsen nicht Familienzuschläge für verheiratete Beamte, für Kinder von Beamten? Muss Sachsen nicht die Besoldungen jetzt anpassen nach dem bekannten Urteil, zahlt also auch da plötzlich mehr? (In diesem Falle nicht nur bei den Lehrern natürlich.)
Es sind seit 1990 gut 4 Millionen Menschen aus dem Osten in den Westen abgewandert. Darunter sind auch Lehrer. Logisch. So haben Sie welche bei sich getroffen. Da Sie selbst im Westen arbeiten, wie wollen Sie einschätzen, wie viele in den Osten gewandert sind? Das können Sie sich gar nicht vorstellen, oder? Der Faktencheck sagt, gut 2,6 Millionen sind in den Osten gezogen (neu oder zurück). Auch darunter werden Lehrer sein. Sie nehmen sich zum Maßstab: Sie kennen keinen, deshalb gibt es keinen. Aus Nicht-Wissen schöpfen Sie Wahrheit. Das ist zumindest eine sehr naive Argumentation.
Sie bestätigen im Ganzen sehr gut meine Kritik: Viele Lehrer sehen nur sich selbst (als Berufsgruppe). Sie haben keinen Blick auf das Ganze (alle Berufsgruppen, das ganze Land, die ganze Gesellschaft). Alle anderen sind für diese Art Lehrer nur dazu da, ihnen Job und Leben schön zu machen. So werden wir die Probleme nicht lösen und immer wieder auf falsche Rezepte setzen. (Ich räume aber ein, die meisten Menschen denken so.)
Beamte sind im laufenden Dienst für den Dienstherren günstiger, sonst würde er ja gar nicht verbeamten. (So muss die Beihilfe zB nur bei Bedarf bezahlt werden und nicht dauerhaft)
Korrekt.
Das dicke Ende kommt mit der Pension. Und dann ist der ganze Spaß aber richtig teuer.
„Warum soll nur der Lehrerberuf attraktiver gemacht werden mit Steuergeldern und die anderen Berufe nicht?“
Weil der Staat hier der Dienstherr ist, analog zum Arbeitgeber in der freien Wirtschaft, und wenn der Staat Geld in die Hand nimmt, um Leute zu bekommen, ist das zwangsläufig Steuergeld – in der freien Wirtschaft ist es das private Kapital der Firmen.
PS: Ich lese: „Fast die Hälfte ist schon verbeamtetSeit dem 1. Januar 2019 können in Sachsen Lehrerinnen und Lehrer bis zur Vollendung des 42. Lebensjahres verbeamtet werden. Die Möglichkeit ist befristet bis zum 31. Dezember 2023. Über die Fortführung soll im Zuge der laufenden Haushaltsverhandlungen entschieden werden, teilt das Kultusministerium mit.
Derzeit sind 10.021 Lehrerinnen und Lehrer in Sachsen verbeamtet und 22.783 angestellt. Zudem sind 1.744 Referendare im Beamtenverhältnis auf Widerruf beschäftigt, 153 sind angestellt.“
https://www.l-iz.de/bildung/leipzig-bildet/2022/06/verbeamtung-lockt-gutachter-empfehlen-fortsetzung-der-verbeamtung-von-lehrern-in-sachsen-454210
Wie passt das zu Ihrer Argumentation, dass Sachsen ohne Verbeamtung weniger Lehrer hätte? Die angestellten Lehrer sind nicht massenhaft abgewandert. Die Prognose sagt sogar, es werden wegen sinkender Schülerzahlen Stellen abgebaut werden.
Die Steuerzahler arbeiten nicht nur für das „Wohlsein der Lehrer“.
Hätte ich jetzt auch nicht erwartet. Allerdings gilt in Deutschland die freie Berufswahl. Wenn man also in einem bestimmten Bereich Fachkräfte braucht, sollte der Beruf hinreichend attraktiv sein, dass junge Leute ihn ausüben möchten. Ansonsten bekommt man eine Abwärtsspirale der Arbeitsbedingungen wie hier: Immer größerer Mangel, immer höhere Belastung der verbliebenen Kräfte, folglich immer geringere Attraktivität für möglichen Nachwuchs. Und nun?
Das stimmt nicht. Es liegt nicht an den Arbeitsbedingungen!
Hätte man Umfragen unter Lehrern gemacht, ob sie lieber verbeamtet werden wollen oder lieber bessere Arbeitsbedingungen wollen, hätten sich wohl doch 70-80% für die Verbeamtung ausgesprochen. (Klar, alles hätte man immer am liebsten.)
Man sah das in Berlin. Was für ein Geschrei um die Verbeamtung und Drohung mit Massenabwanderung, wenn sie nicht endlich kommt. Teilnahme an Demos, Streiks und Kundgebungen für bessere Arbeitsbedingungen = unter ferner liefen, sprich minimal.
An den Arbeitsbedingungen liegt der Lehrermangel offensichtlich eher nicht.
Besser Abgeordneter im sächsischen Landtag als abgeordnet in die sächsische Provinz.
Obwohl die Provinz reizvoll sein kann … wenn man sich darauf einlassen kann und mit dürftigerer kultureller Infrastruktur zurecht kommt.
Bad Schandau, Pirna, Selbnitz … sogar Hinterhermsdorf im oberen Kirnitschtal haben was reizvolles … wenn man sowas mag.
Und wenn man da hinkommt
Nun ja, nach Hinterhermsdorf mit der Kirnitschbahn romantisch bis an die Alte Mühle … und von da aus nur noch knapp 3 km zu Fuß am Flüsschen entlang – ein bisschen stetig bergauf – und schon bist du da … in Hinterhermsdorf … idyllisch … aber Scheiß-Netzabdeckung. 😉
Die Gegend ist nicht übel, aber ein Teil der Bevölkerung möchte ich nicht als Nachbarn.
Da sieht man es mal wieder:
LuL sind aus Sicht der Bildungspolitik ubd Schulverwaltung keine verantwortungs- und vertrauenstragenden Pädagogen sondern lediglich Verschiebemasse.
Das mag in anderen „Verwaltungsbereichen“, wie z.B. dem Finanzamt, dem Bauamt oder auch dem Ordnungsamt so gehen – an Schulen spielt das Binnenverhältnis zwischen den dort Arbeitenden und der „Klientel“ eine wichtige, tragende Rolle … und das ist den Dienstvorgesetzten und der schulpolitischen Verwaltungsebene schlicht scheißegal.
Ja, ganz schwierig für die Betroffenen. Wir hatten erst vor den Sommerferien eine Zwangsversetzung zu uns auf dem Sofa sitzen. Sie bemühte sich sehr die Fassung zu bewahren, aber irgendwann brachen dann alle Dämme….mit ihrer Versetzung hat sie nicht gerechnet und wollte auch so gerne bei ihrer alten Schule bleiben….war irgendwie auch für uns als aufnehmende Schule ein unwürdige Situation.
Schön ist das nicht. Aber ist es ein Weltuntergang?
Dürfen Frust, negative Gefühle und Überforderung nur beim Weltuntergang entstehen und angesprochen werden?
Ja, für viele ist das so was ähnliches … z.T. erheblich weitere Anreise, daher deutlich mehr Zeitaufwand, unbekannte Strukturen, die zusätzliche Arbeit und Anstrengungen verlangen, neue KuK (wobei darin ja auch ne Chance liegen kann) und vor allem die zeitliche Perspektive der Abordnung: lohnt es sich, sich mit der neuen Situation eng vertraut zu machen? Lohnt es sich, persönliche Bindungen zu den SuS und den neuen KuK aufzubauen? Lohnt es sich, sich auf neue Arbeitsfelder neben dem Unterrucht einzulassen?
I.d.R. eben nicht, weil due Verweildauer an der neuen Schule begrenzt ist und das Vertrauen in die Verwaltung erschüttert ist … heißt: wenn ich einmal die Kriterien erfüllt habe, abgeordnet werden zu können, dann kann das immer wieder passieren … „Zusagen“ wie, das gilt jetzt für das eine Mal – danach sind sie an ihrer Ursprungsschule safe – haben keinerlei Wert … da gilt schlicht die Zuweisung an den entsprechenden Dienstort.
Die eigene Motivation zum vollumfänglichen Arbeitseinsatz schwindet damit rasant… und damit auch due Arbeitszufriedenheit.
Wie weit hat die Kollegin es denn zu euch?
Ich habe mal bei einer Abordnung für zwei Tage die Woche eine Stunde und 30 Minuten Fahrtzeit pro Strecke gehabt.
Meine Anfrage, mir für diese zwei Tage eine Dienstwohnung zur Verfügung zu stellen, wurde abgelehnt. Es sind zwar einige vorhanden, diese bekommen aber nur Angestellte des Schulträgers zugewiesen, also keine Lehrkräfte.
Nein, um die Fahrstrecke geht es nicht, sie braucht nur 10 Minuten zu uns…..Es ist auch keine Abordnung, sondern tatsächlich eine Versetzung, die ganz und gar nicht freiwillig geschah….
Eben, Lehrkräfte sind Landesbedienstete, der Schulträger ist aber die Kommune.
„Aus Sicht des Ministers hat sich das Instrument bewährt.“
Na dann ist doch alles supidupi! Weitermachen! Vielleicht sind ja demnächst 100% abgeordnet…
110%, wir brauchen eine Vertretungsreserve.
115%.
Denn von der „freien“ Wirtschaft lernen heißt Siegen lernen.
Automobilindustrie: 15% Krankstand. 35-Stunden-Woche macht offensichtlich krank.
und deshalb:
35 Stunden Woche
4-Tage Woche
30 % Homeschooling
Gehälter um 17 % rauf
Unsinn.
Joa…
Wir hoch ist der Krankenstand bei verbeamteten Lehrer .
Ach so, weiß keiner…
Immerhin weiß man für das Land NRW, dass Beamte im letzten Jahr dort weniger Krankheitstage hatten als Angestellte im Landesdienst. Der Krankenstand bei Lehrkräften lag bei 8,4 Prozent. Die Zahlen veröffentlicht das Land NRW jedes Jahr. Ich habe die Infos aus einem Artikel der RP-online.
Vor Corona lagen die Krankheitstage bei Lehrkräften übrigens niedriger als bei anderen Landesbeschäftigten. Die Statistik, die mir diesbezüglich vorliegt, geht leider nur bis 2024. (Auch eine Veröffentlichung des Landes NRW.) Die Änderung während Corona ist leicht erklärbar: Lehrkräfte gehörten zu den Berufsgruppen mit dem geringsten Schutz.
Schade, Trollversuch fehlgeschlagen.
Nur Mut, einfach mal die KI fragen.
Die sind ja nicht krank, die sind dienstunfähig. Das ist ein Unterschied.
Nach meinen Recherchen liegt der Krankenstand in der Automobilindustrie deutlich niedriger, nämlich bei 8,94 Prozent laut AOK.
Das ist immer noch etwas höher als bei Lehrkräften in NRW: 8,4 Prozent.(Trotz deutlich höherer Arbeitszeit von Lehrkräften)
Ok. Dann andersrum: da sieht man mal, wie schwierig die Arbeitsbedingungen in der Wirtschaft sind. Die machen krank. Und die Lehrer, die haben offensichtlich bessere Arbeitsbedingungen. Sonst wären sie ja krank.
Und nun?
„Wird eine Lehrkraft abgeordnet, verschwindet mit ihr nicht nur eine Zahl aus der Stundentafel der Stammschule“, heißt es in dem offenen Brief des SLV. „Es verschwindet die Klassenleitung, die eine Klasse über Jahre begleitet hat. Es verschwindet die Fachkonferenzleitung, die Vertrauensperson für Schülerinnen und Schüler, die eingespielte Zusammenarbeit im Kollegium.“ Was an der einen Schule zusätzlich zur Verfügung stehe, müsse die andere Schule auffangen – „ohne zusätzliche Zeit, ohne zusätzliches Personal, ohne jeden Ausgleich“.
Könnten Sie das bitte nochmal genauso an Frau Feller schicken? Wir sind es so satt…
Das geht über die Referenten und die referieren dann, was sie davon relevant finden. Dann müsste Frau Feller auch noch zuhören…
Schade, dass Frau Feller sowas überhaupt nicht interessiert.
Ich denke da an die Abordnung von zwei Grundschulkolleginnen aus Gronau nach Bottrop. Die Entfernung deutlich übee den angeblich zumutbaren 50km … als Argument für die Rechtmäßigkeit wurde angeführt, dass die beiden doch schließlich über die A31 „ganz schnell“ von A nach B kommen könnten und damit der zeitliche Aufwand zumutbar bliebe.
Die eine der beiden hatte zu dem Zeitpunkt nicht mal ein Auto …. hach, das Leben als Verschiebemasse kann echt spannend sein.
Aber die Abordnung wurde doch von der Bez.-Reg. verfügt als Frau Feller nicht mehr deten Präsidentin gewesen ist, n’est ce pas.
Stimmt….da hast du recht!
Aber KuMi war sie da bereits … was wiegt schwerer / schlimmer? 😉
Ich arbeite nicht in Sachsen, meine Schule ist aber als Brennpunktschule derart unattraktiv das von ca.78 Lehrerstellen ca. 15 durch Abordnungen belegt sind. Dazu kommen diverse Versetzungsanträgen denen seit Jahren nicht zugestimmt wird.
Die Stimmung ist gelinde gesagt fürn A…. Eine Schule die ein Kollegium hat das zu großen Teilen aus Abordnungen und Gefangenen besteht kann nicht funktionieren. Abgeordnete sind zu 90% mit einem Bein schon wieder woanders, haben Null Bock auf die Schule, verständlicherweise…. und zeigen dies auch leider sehr oft den SuS.
Daher ist es schön wenn die Stunden bedient werden aber wirklich geholfen ist damit niemandem außer irgendwelchen Erbsenzählern die den Missstand verwalten.
Ist das nicht ziemlich unprofessionell? Also die schlechte Laune raushängen lassen?
Professionell wäre es, einfach direkt genug Lehrer für diese Schule einzustellen. Dann wären auch alle motiviert.
Klar, man auch jeden Tag mit strahlenden Augen zu einem Job fahren, den man zum Kotzen findet….
Professionalität hin oder her, wenn es gar nicht geht, muss man Konsequenzen ziehen.
Hmm, sowas soll die Bildung von Magengeschwüren massiv vorantreiben … wenn man die eigene Befindlichkeit konsequent negiert und heile Welt zelebriert.
Wäre nicht so mein Ding … OK, die SuS bekommen es vllt mit aber nicht ab … ist schließlich ein deutlicher Unterschied, der mir persönlich wichtig ist.
Ob nun unprofessionell oder nicht, kann man es den Personen verübeln?
Von der GS im Ort auf einmal an eine Oberschule in 30km Entfernung abgeordnet und dann darf auch noch Fachfremd zB Physik unterrichtet werden – obwohl die LK gar keine Ahnung von Physik hat.
Wie gut wäre ihre Laune wenn sie einmal auf die andere Seite des Bundeslandes versetzt werden? In Hamburg nun nicht unendlich viele Kilometer aber doch sehr viel Fahrzeit weiter weg? Morgens und Abends vom Westen nach Osten sind gerne 2 bis 3 Stunden Autofahrt…
Statt 20 Minuten Fahrtweg haben sie dann auf einmal 2 bis 3 Stunden…
Das kann passieren und passiert und bedeutet:
Weniger Zeit mit ihrer Familie, weniger Zeit für alles. Selbst wenn das eine Abordnung mit Einverständnis der Person ist, ist das eine Person die nicht da sein will wo sie ist.
Das merkt man, das merken Schüler und das merkt auch die Schule am Engagement.
Ach, wieso aus seinem Herzen eine Mördergrube machen? Schließlich hat man uns doch im Vorbereitungsdienst beigebracht, wie wichtig es für Lehrkräfte ist, authentisch zu sein. Und wenn ich scheiße drauf bin, dürfen die anderen das ruhig merken. – Ich bin dann nur authentisch:)
@Remedy
JAWOLLJA! 😉
General „Abhilfe“! (Geiler Nickname – Scherz.)
Ist das nicht ziemlich unprofessionell, wenn Lehrkräfte (als „multiprofessionelles Team aka Einmann/-frau-Show-Servicekraft“)
einerseits die schlechte Laune (und sonstige Probleme) der „Kundschaft“ (SuS, Eltern, ja: beinahe die Gesamtgesellschaft und deren Gesamtprobleme)
auffangen = hochgradig emotionsabsorbierend und -optimierend tätig sein soll
&
andererseits selbst völlig emotionsneutral-robotikzombimäßig funktionieren soll?
Könnte @Remedy selber Abhilfe schaffen?
Also die eigene schlechte Laune woanders raushängen lassen?
Zusatzfrage:
Professionelle Grüße! 🙂
Lieber Pit … auf den Punkt!!
Danke!!!
Könnte man das nicht auch als „authentisch“ oder „wahrhaftig“ deuten?
Ich frage für einen Freund.
Nein, eigentlich ist das höchstprofessionell.
Aus der Wirtschaft lernt man doch, dass wir alle kleine Unternehmer sind, die ihre Arbeitskraft verkaufen.
Und als kleiner Untenehmer achte ich natürlich darauf, wie viel ich in einer Situation zu gewinnen habe und passe meinen Arbeitseinsatz daran an.
Solange man abgeordnet ist, kann man sich zum Beispiel nicht durch das Übernehmen von zusätzlichen Aufgaben für eine Beförderung in Stellung bringen. Viel Einsatz zu zeigen, solange man abgeordnet ist, ist einfach unwirtschaftlich und in diesem Sinne unprofessionell.
Das KuMi hat noch nie vorausschauend und fürsorgepflichtig (haha) gearbeitet, die Verantwortlichen schikanieren die Lehrkräfte, weil sie es können und die Macht haben, ob das Ganze Sinn macht und dem Lehrerberuf zuträglich ist, das interessiert die nicht, die müssen nur ihre Zahlen bringen und sich nach dem Budget richten, die Schicksale der Lehrkräfte sind vernachlässigbar. Ihr Ledersesselchen im klimatisierten Raum ist sicher.
Aber Plauen ist doch Spitze:)
Versteht wieder keiner den Wortwitz? Plauener Spitze
https://www.modespitze.de/Plauener-Spitze-Heimtextilien/Scheibengardinen-Florentiner-nach-Mass/?gad_source=1&gad_campaignid=23382364507&gclid=EAIaIQobChMItcS1me-algMVDpNQBh3WtDfaEAAYASAAEgLlYvD_BwE
„Versteht wieder keiner den Wortwitz? Plauener Spitze“
Sind wohl zu wenige ost-sozialisierte Lehrer hier im Forum. 🙂
Anscheinend nur potschemutschka, jerunda und dawai. *grins*
Halten Sie sich einfach an das achte Gebot der digitalen Ethik, das hilft Enttäuschungen zu vermeiden.
Hätte ich als Besserwesdie eigentlich auch wissen können
Danke, kannte ich noch gar nicht.
…oder an das 8. Gebot des „Leipzscher Grundgesetz“‚: “ Loggor bleibm!“
Doch … hatte mit Selbnitz ja auch bereits versucht, das „Paradies der Kunstblumenmanufakturen“ (Paradebeispiel für Fake-Schön) herauszustellen … ist aber keiner drauf angesprungen … ich weiß, dass sowohl mein Humor als auch meine Assoziationsketten zuweilen herausfordernd sind – aber auf irgendeine Reaktion hatte ich dennoch gehofft.
Ich widerspreche. Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass, so reagieren diese Lehrerverbände und sicherlich auch etliche Kollegen. Abordnungen sind die Kehrseite des Beamtentums. Was glaubt man denn, warum man all die Beamten-Vorteile bekommt? Weil der Staat Lehrer nett findet? Das Beamtentum bringt dem Beamten allerhand Vorteile. Die nimmt er gerne. Das Beamtentum bringt aber auch dem Staat Vorteile (Streikverbot, Abordnungen, politisches Mäßigungsgebot …). Das nutzt der dann bei Bedarf (Abordnungen). Dann jammern die Beamten. (Angestellte Lehrer trifft es übrigens auch, aber die haben in diesem Falle allenfalls einfachere Möglichkeiten, dem zu entkommen – wenn sie das denn auf sich nehmen wollen. Angestellte Lehrer wollen auch nicht arbeitslos werden.)
Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass – typisch! Man will haben, haben, haben, aber wehe, man soll auch mal was geben.
Richtig.
Ändert nur nix.
Wenn „man“ es mit den Abordnungen übertreibt kommen halt noch weniger nach.
Obwohl das natürlich ein Zukunftsproblem ist.
Angestellte werden genauso abgeordnet – das hat nichts mit „Schattenseite des Beamtentums“ zu tun.
Änderungskündigung mit neuer Zuweisung – und aus die Maus.
Ach, jaaaaa!
DAS waren früher Zeiten, als es noch die „Residenzpflicht“ für die Beamten gab …
(Wer Sarkasmus findet, darf ihn behalten! Ich hab noch mehr…)
Wenn ich dafür die reale Macht hätte, die Lehrer früher hatten (und halbtags Schluss) nehme ich die Residenzpflicht gerne.
Ist halt alles immer eine Frage des Gesamtdeals.
Das grundsätzliche Dilemma in dem sich der sächsischen Lehrerarbeitsmarkt (nicht erst seit heute) befindet lautet: Der Freistaat kann nicht gleichzeitig jedem jungen Menschen eine freie Studienwahl, jedem Absolventen eine garantierte Stelle und ihm selbst eine bedarfsgerechte Personalplanung versprechen. Er hat ein klassisches Planungs- und Steuerungsproblem.
Erforderlich ist eine bessere Steuerung zwischen Studium, Referendariat und tatsächlichem Lehrerbedarf.
Bedeutet grundsätzlich: Studienplatzkapazitäten sind an einer mehrjährigen und differenzierten Lehrerbedarfsprognose zu orientieren. Differenziert nach Schulart, Fach, Region, Altersstruktur der Lehrerschaft, Schülerzahlen.
Bedeutet für bereits Studierende: Einführung eines Übergangssystems mit frühzeitiger Information über Einstellungsprognosen, freiwillige Fachwechselmöglichkeiten, Zusatzqualifikationen in Mangelfächern, bevorzugte Referendariats-Plätze in Bedarfsregionen.
Damit ließen sich drei Ziele miteinander verbinden: Individuelle Bildungsfreiheit und bedarfsgerechte Ausbildungskapazitäten und faire Übergänge in den Beruf.
Für die Steuerung wäre durch den Gesetzgeber und die Exekutive (Kultus- mit Wissenschaftsministerium) die Leitidee: Lehrerbildung gezielter, transparenter und flexibler zu organisieren.