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Lehrkräfte stellen Schulleitungen schlechtes Zeugnis aus: Vor allem bei Konflikten, Wertschätzung und Transparenz hapert es

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DÜSSELDORF. Wie gut gelingt Schulleitungen die Führung ihrer Kollegien? Mehr als 1.100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben diese Frage in einer Umfrage von News4teachers und dem LehrerPanel von 4teachers beantwortet – und dabei acht zentrale Bereiche der Personalführung bewertet. Das Ergebnis fällt kritisch aus: Besonders beim Umgang mit Konflikten, bei Wertschätzung und Feedback sowie bei transparenten Entscheidungen sehen viele Befragte erhebliche Defizite. Gesamtnote: eine (schlechte) Vier.

Durchschnittsnote 4,1. (Symbolbild.) Foto: Shutterstock

Das Gesamturteil fällt überraschend deutlich aus. 33,27 Prozent geben der Personalführung ihrer Schulleitung die Note 5, weitere 14,93 Prozent die Note 6. Damit beurteilen 48,2 Prozent der Befragten die Personalführung insgesamt als „mangelhaft“ oder „ungenügend“. Eine 1 oder 2 vergeben dagegen lediglich 18,44 Prozent. Rechnerisch ergibt sich aus den Bewertungen – ohne die Antwort „kann ich nicht beurteilen“ – eine Durchschnittsnote von rund 4,1.

Eine Schulleitung muss informieren, Entscheidungen erklären, Aufgaben verteilen und das Kollegium beteiligen. Sie soll Beschäftigte in schwierigen Situationen unterstützen, ihre berufliche Entwicklung fördern, Wertschätzung vermitteln und Konflikte lösen.

Diese unterschiedlichen Kompetenzbereiche der Personalführung hat News4teachers im Rahmen des Themenmonats „Beruf Schulleitung“ von Lehrkräften bewerten lassen. Die Befragten konnten jeweils Schulnoten von 1 für „sehr gut“ bis 6 für „ungenügend“ vergeben. Zusätzlich sollten sie eine Gesamtnote für die Personalführung ihrer Schulleitung nennen und angeben, ob sie sich selbst vorstellen können, eine Schulleitungsposition zu übernehmen. Das Ergebnis ist nach streng wissenschaftlichen Kriterien nicht repräsentativ, bildet aber in wesentlichen Punkten die Struktur der Grundgesamtheit ab. Es kann also als seriöses Stimmungsbild gelten.

„Für uns wirft das Ergebnis die Frage auf, ob es womöglich an Unterstützung mangelt – ob Schulleiterinnen und Schulleiter mit der Personalführung allzu oft alleingelassen werden“

„Wir haben durch nur einen einzigen Aufruf auf News4teachers mehr als 1.000 Lehrkräfte dafür gewinnen können, sich an der Umfrage zu beteiligen“, erklärt News4teachers-Herausgeber Andrej Priboschek. „Das deutet darauf hin, dass wir mit der Umfrage einen Nerv getroffen haben – dass der Problemdruck in den Kollegien offenbar groß ist. Wichtig ist uns dabei festzuhalten, dass es hier nicht um ein Bashing von Schulleitungen geht, im Gegenteil. Schulleitungen erfüllen einen Monsterjob; Personalführung ist nur eine ihrer vielfältigen Aufgaben – allerdings eine wichtige. Für uns wirft das Ergebnis die Frage auf, ob es womöglich an Unterstützung mangelt – ob Schulleiterinnen und Schulleiter mit der Personalführung allzu oft alleingelassen werden.“

Das Ergebnis ist tatsächlich nicht auf einen einzelnen Bereich zurückzuführen. Vielmehr zieht sich die kritische Einschätzung durch nahezu sämtliche abgefragte Führungsaufgaben. Unterschiede gibt es vor allem darin, wie ausgeprägt die Unzufriedenheit jeweils ist.

Am deutlichsten zeigt sie sich dort, wo Führung persönlich wird: im Umgang mit Konflikten, Fehlern und Kritik. Auf die Frage, wie kompetent und lösungsorientiert die Schulleitung mit solchen Situationen umgeht, vergeben 28,69 Prozent eine 5 und 25,45 Prozent eine 6. Zusammen beurteilen damit 54,14 Prozent diesen Bereich als mangelhaft oder ungenügend. Nur 16,1 Prozent bewerten ihre Schulleitung hier mit „sehr gut“ oder „gut“. Rechnerisch ergibt sich eine Durchschnittsnote von rund 4,3 – der schlechteste Wert unter allen acht abgefragten Kompetenzbereichen.

Damit deutet die Befragung auf ein Problem hin, das über organisatorische Fragen des Schulbetriebs hinausgeht. Besonders kritisch fällt das Urteil nämlich auch bei weiteren Aufgaben aus, die unmittelbar das Verhältnis zwischen Leitung und Beschäftigten betreffen.

So geht es bei der Personalführung nicht nur darum, Entscheidungen zu treffen, sondern auch darum, Beschäftigten Rückmeldung zu geben und ihre Arbeit anzuerkennen. Bei der Frage nach Wertschätzung und konstruktivem Feedback vergeben 27,25 Prozent die Note 5 und 21,67 Prozent die Note 6. Insgesamt 48,92 Prozent bewerten ihre Schulleitung in diesem Bereich also mit mangelhaft oder ungenügend. Nur 19,96 Prozent kommen zu einem guten oder sehr guten Urteil. Der rechnerische Notendurchschnitt liegt bei rund 4,1.

Kaum besser sieht es bei der Transparenz von Entscheidungen aus. Gefragt wurde ausdrücklich danach, wie transparent und nachvollziehbar die Schulleitung Entscheidungen trifft und begründet. 33,09 Prozent vergeben hier die Note 5, weitere 14,39 Prozent die Note 6. Damit kommen 47,48 Prozent zu einem mangelhaften oder ungenügenden Urteil. Nur 16,73 Prozent vergeben eine 1 oder 2. Auch hier liegt der rechnerische Durchschnitt bei rund 4,1.

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Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Informationsfluss. Auf die Frage, wie sie Kommunikation und Informationsfluss zwischen Schulleitung und Kollegium bewerten, antworten 31,74 Prozent mit „mangelhaft“ und 14,03 Prozent mit „ungenügend“. Zusammen sind das 45,77 Prozent. „Sehr gut“ oder „gut“ finden die Kommunikation lediglich 20,41 Prozent. Die Durchschnittsnote beträgt knapp 4,0.

Dabei wurde in der Umfrage bewusst zwischen Kommunikation, Transparenz und Beteiligung unterschieden. Denn Kollegien können über Entscheidungen informiert werden, ohne an ihnen beteiligt gewesen zu sein. Auch in diesem Punkt fällt die Bewertung eher schwach aus. 27,61 Prozent geben der Schulleitung für die Beteiligung des Kollegiums an Entscheidungen, die dessen Arbeit unmittelbar betreffen, eine 5; 14,39 Prozent vergeben eine 6. Damit beurteilen 42 Prozent die Beteiligung als mangelhaft oder ungenügend. 19,6 Prozent halten sie dagegen für gut oder sehr gut.

Ähnlich kritisch sehen viele Befragte die Unterstützung, die sie durch ihre Schulleitung erfahren, wenn die berufliche Situation schwierig wird. Gefragt wurde danach, wie gut die Leitung Lehrkräfte bei hoher Arbeitsbelastung und in schwierigen beruflichen Situationen unterstützt. 24,55 Prozent antworten mit der Note 5 und 19,87 Prozent mit der Note 6. Das sind zusammen 44,42 Prozent. Gut oder sehr gut fühlen sich 20,14 Prozent unterstützt. Der rechnerische Durchschnitt liegt bei rund 4,0.

Etwas weniger negativ fällt die Beurteilung der Verteilung von Aufgaben, Zuständigkeiten und Belastungen aus. 27,79 Prozent vergeben dafür die Note 5, 12,68 Prozent die Note 6. Damit kommt auch hier ein erheblicher Anteil von 40,47 Prozent zu einem mangelhaften oder ungenügenden Urteil. Auffällig ist zugleich der vergleichsweise hohe Anteil der Note 4: 23,38 Prozent bewerten die Verteilung lediglich als „ausreichend“. Gute oder sehr gute Noten vergeben zusammen 16,01 Prozent.

Ein Bereich hebt sich dagegen sichtbar vom Gesamtbild ab: die Förderung der beruflichen Entwicklung. Gefragt wurde dabei konkret nach Fortbildungen, Beratung und der Übertragung passender Verantwortungsbereiche. 20,32 Prozent vergeben dafür eine 5 und 10,07 Prozent eine 6. Der Anteil der mangelhaften und ungenügenden Bewertungen liegt mit 30,39 Prozent damit deutlich niedriger als in allen anderen untersuchten Bereichen. Zugleich vergeben 23,92 Prozent eine 1 oder 2. Mit einem rechnerischen Durchschnitt von rund 3,6 schneidet dieser Bereich am besten ab – wobei auch hier die häufigste Einzelbewertung mit 22,84 Prozent lediglich „ausreichend“ lautet.

In der Zusammenschau ergibt sich damit ein bemerkenswert geschlossenes Muster. Über die acht abgefragten Bereiche hinweg liegt der rechnerische Durchschnitt bei ungefähr 4,0. Besonders schwach werden jene Kompetenzen bewertet, die für die unmittelbare Beziehung zwischen Führungskraft und Beschäftigten wichtig sind: der Umgang mit Konflikten und Kritik, Wertschätzung und Feedback, transparente Entscheidungen sowie Kommunikation. Vergleichsweise weniger kritisch sehen die Befragten dagegen die Unterstützung ihrer beruflichen Entwicklung.

Wie schwierig die Anforderungen an Schulleitungen unter den bestehenden Rahmenbedingungen zu erfüllen sind, hatte zuletzt eine Auswertung von 19 wissenschaftlichen Studien zur Rolle von Schulleitungen in Deutschland durch Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie und der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg gezeigt (News4teachers berichtete). Demnach sollen Schulleitungen pädagogische Führung, Organisationsentwicklung, Personalentwicklung und Zusammenarbeit im Kollegium miteinander verbinden. Gleichzeitig fehlen ihnen häufig Zeit, Qualifizierung, Unterstützung und ausreichende Handlungsspielräume.

„Personalführung ist kein Nice-to-have, keine nette Zusatzaufgabe, auf die sich notfalls auch mal verzichten ließe – es ist eine zeitintensive, stetige Arbeit“

Die Ergebnisse der News4teachers-Umfrage können nicht klären, ob solche strukturellen Bedingungen die kritischen Bewertungen der Lehrkräfte verursachen. Sie zeigen aber, an welchen Stellen Personalführung aus Sicht vieler Befragter nicht gelingt. Damit treffen hohe Erwartungen an Führung auf Rahmenbedingungen, unter denen professionelle Führung offenbar nicht selbstverständlich gewährleistet werden kann.

Umso aufschlussreicher ist die Antwort auf die letzte Frage der Umfrage. News4teachers wollte wissen, ob Lehrkräfte selbst bereit wären, Führungsverantwortung zu übernehmen.

Zunächst scheint das Ergebnis ernüchternd: 22,66 Prozent können sich eine Schulleitungsposition „eher nicht“ vorstellen, 33,54 Prozent „auf keinen Fall“. Zusammen lehnen damit 56,2 Prozent der Befragten eine solche berufliche Perspektive eher oder vollständig ab.

Doch die Zahlen lassen sich auch von der anderen Seite lesen. 3,69 Prozent der Befragten streben eine Schulleitungsposition bereits konkret an. Weitere 11,33 Prozent können sie sich grundsätzlich vorstellen. Und mit 24,46 Prozent gibt fast jede vierte befragte Person an, eine solche Aufgabe „unter bestimmten Voraussetzungen“ übernehmen zu können. Zusammengenommen sind damit 39,48 Prozent der Befragten zumindest grundsätzlich für eine künftige Leitungsfunktion offen. Weitere 4,32 Prozent geben an, bereits Mitglied einer Schulleitung zu sein.

Gerade die Gruppe der grundsätzlich Interessierten und der unter bestimmten Voraussetzungen Bereiten dürfte für die Frage nach dem künftigen Führungskräftenachwuchs interessant sein. Die Befragung zeigt jedenfalls nicht nur Ablehnung gegenüber dem Amt. Sie macht zugleich ein beträchtliches Potenzial sichtbar: Fast vier von zehn Befragten streben eine Schulleitungsposition an, können sie sich grundsätzlich vorstellen oder schließen sie unter passenden Bedingungen zumindest nicht aus.

„Für mich deutet das Ergebnis unserer Umfrage darauf hin, dass die Funktion Schulleitung professionalisiert werden muss – weg vom vermeintlichen Alleskönner und Alleinunterhalter, hin zu einem Führungsteam, in dem es auch jemanden gibt, der auf Personalführung spezialisiert ist, womöglich einen Verwaltungschef oder eine Verwaltungschefin“, kommentiert News4teachers-Herausgeber Priboschek. „Personalführung ist kein Nice-to-have, keine nette Zusatzaufgabe, auf die sich notfalls auch mal verzichten ließe – es ist eine zeitintensive, stetige Arbeit, die einen großen Einfluss auf die Motivation der Beschäftigten hat.“ Und die wiederum wirke auf das gesamte System. Priboschek: „Wer die Bildung in Deutschland verbessern will, kommt um eine Stärkung der Schulleitungen nicht herum.“ News4teachers 

Hier können Sie die Ergebnisse der Umfrage herunterladen.

Hier geht es zu allen Beiträgen des News4teachers-Themenmonats Beruf Schulleitung. 

Was mich meine Jahre als Schulleiter über gute Führung gelehrt haben

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2 Kommentare
jaki
58 Minuten zuvor

Einmal oben, immer oben.

Das muss aufhören. Man kriegt diese „schlechten“ Führungen nicht mehr weg.

Fözi
54 Minuten zuvor

Im Anschluss daran sollten der Fairness halber auch die Schulleitungen befragt werden, in welchem Umfang sie sich überhaupt diesen Aufgabenbereichen widmen können.

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