Home Politik Einfach nur: Handys in Schulen verbieten = Leistungsbereitschaft im Unterricht steigern?

Einfach nur: Handys in Schulen verbieten = Leistungsbereitschaft im Unterricht steigern?

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MAINZ. Leistung soll an rheinland-pfälzischen Schulen wieder stärker in den Mittelpunkt rücken. Diesen Anspruch verbindet die neue Bildungsministerin Ute Eiling-Hütig (CDU) mit einem weitreichenden Handyverbot für Schülerinnen und Schüler bis einschließlich der zehnten Klasse. Die Landesschülervertretung stellt den Zusammenhang jedoch infrage – und fordert statt pauschaler Verbote bessere Rahmenbedingungen für erfolgreiches Lernen.

So einfach? (Symbolfoto.) Foto: Shutterstock

In den rheinland-pfälzischen Schulen soll der Leistungsgedanke mehr in den Mittelpunkt rücken. «Leistungsfreude, nicht Leistungsdruck – dieses Leistungsbild ist es, das ich für unsere Schülerinnen und Schüler möchte», sagte Bildungsministerin Ute Eiling-Hütig (CDU) zum Start ins neue Schuljahr in Mainz. «Ich kann junge Menschen nicht immer in Watte packen.» Leistung an sich sei positiv und nichts Negatives.

Was heißt das konkret? Auf die Kinder und Jugendlichen kommen in der Schule strengere Regeln für den Umgang mit Handys zu: Ab Februar nächsten Jahres soll es ein Verbot der privaten Nutzung digitaler Endgeräte während der gesamten Zeit in der Schule geben. Das schließe auch die Pausen und die Ganztagsangebote mit ein. Mitgeführte Geräte müssen dann ausgeschaltet und nicht sichtbar verwahrt sein. Ob das in Schränken, Boxen oder Handygaragen erfolgt, will die Ministerin den Schulen überlassen.

Die neuen Regeln gelten für Schülerinnen und Schüler bis einschließlich Klasse 10. Notwendige Ausnahmen etwa für medizinische Belange sollen natürlich berücksichtigt werden. «Wir nehmen damit sozialen Druck von jungen Menschen, immer erreichbar, immer online zu sein», begründete Eiling-Hütig die geplante Maßnahmen zum zweiten Schulhalbjahr. «Und wir schaffen Raum für das, was im späteren Leben zählt: das persönliche Gespräch, die unmittelbare Interaktion.» Es gehe um soziale Kompetenz und nicht die Fingerfertigkeit in WhatsApp-Gruppen oder auf Social-Media-Kanälen.

Handy in der Schule aus – Lust auf Leistung im Unterricht an? Die organisierten Schülerinnen und Schüler in Rheinland-Pfalz zeigen sich von der Ansage der neuen Bildungsministerin wenig beeindruckt – und stellen sich gegen ein generelles Handyverbot an Schulen. Ein pauschales Verbot greife zu kurz und ersetze keine pädagogischen Konzepte, sagte eine Sprecherin der Landesschülerinnen- und Landesschülervertretung (LSV).

Die Kinder und Jugendlichen müssten lernen, verantwortungsvoll mit digitalen Medien umzugehen. Dafür brauche es eine stärkere Verankerung von Medienbildung und klare, gemeinsam entwickelte Regeln an Schulen.

Wer Leistung stärker fördern will, müsse die psychische Gesundheit von Schülerinnen und Schülern stärker berücksichtigen. Druck, Prüfungsbelastungen und persönliche Herausforderungen gehörten für viele junge Menschen zum Schulalltag, so die LSV. Mehr niedrigschwellige Unterstützungsangebote, eine bessere Ausstattung mit Schulsozialarbeit und Schulpsychologie seien erforderlich.

Nachholbedarf gebe es auch bei der Digitalisierung sowie der Infrastruktur der Schulen. Digitale Bildung funktioniere nur mit zuverlässigem WLAN, moderner Ausstattung, funktionierenden Endgeräten sowie gut ausgestatteten Schulgebäuden. Investitionen dafür sind keine freiwillige Zusatzaufgabe, sondern eine grundlegende Voraussetzung für zeitgemäße Bildung, mahnt die Interessenvertretung der Schülerinnen und Schüler. News4teachers / mit Material der dpa

Und sonst?

Zum neuen Schuljahr werden 40.150 Erstklässlerinnen und Erstklässler in die rheinland-pfälzischen Grundschulen kommen und damit etwas weniger als im vergangenen Schuljahr. Insgesamt lernen dann 552.400 Schülerinnen und Schüler (plus rund 2.900) an den insgesamt 1.661 Schulen im Land. Bei den Lehrkräften gibt es 225 zusätzliche Stellen und rund 940 Neueinstellungen. Damit unterrichten nach Angaben des Bildungsministeriums etwa 45.500 Lehrkräfte an den rheinland-pfälzischen Schulen. Was Bildungsministerin Ute Eiling-Hütig (CDU) sonst noch zum Schuljahresbeginn ankündigte. 

Offene Stellen

Die Bildungsministerin sagte zu, alle Planstellen im Schuljahr mit ausgebildeten Lehrkräften besetzen. Derzeit seien 101 Stellen an den allgemeinbildenden Schulen zum Schuljahresbeginn noch offen. Das liege teils an den Regionen oder an der Fächerkombination. Mitunter würden auch Stellen kurzfristig frei. Zusätzlich würden deshalb 90 Stellen explizit für das zweite Halbjahr vorgehalten für die zu erwartenden Absolventinnen und Absolventen der Studienseminare, in denen es besonderen Bedarf gebe.

Im Grundschulbereich übersteigt die Zahl der Absolventinnen und Absolventen sogar die der verfügbaren Planstellen, so dass der Feuerwehrlehrer-Vertretungspool schrittweise wieder mit voll ausgebildeten Lehrkräften gefüllt werden könne, sagte Eiling-Hütig.

Ganztag

Mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ab dem Schuljahr 2026/2027 erhielten immer mehr Kinder umfassende Förderung und Eltern eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, erklärte die CDU-Politikerin. 13 neue Schulen agierten nun als Ganztagsschulen in Angebotsform. Damit verfügen 86 Prozent der allgemeinbildenden Schulen und über 90 Prozent der Grundschulen über Ganztagsangebote.

Die Regelung wird schrittweise eingeführt und greift nun bei Kindern ab der 1. Klasse. «Jedes Kind, das ein Ganztagsangebot nutzen möchte, kann das in Rheinland-Pfalz tun», versicherte die Bildungsministerin. Bei den Angeboten gehe es um Förderung und nicht um Betreuung.

Schulsport

Zum neuen Schuljahr kommen beim Schulschwimmen Kaiserslautern und Neustadt als neue Schulschwimmzentren hinzu. 62 weitere Schulklassen der dritten Jahrgangsstufe könnten damit schwimmen lernen.

Zudem werde das Netzwerk der Partnerschulen des Sports ausgebaut und eine Vereinbarung mit dem Landessportbund geschlossen, um Leistungssport besser mit Schule zu vereinbaren, erklärte die CDU-Politikerin. Gehen soll es dabei um flexible Freistellungen, Nachholmöglichkeiten und alternativen Leistungsnachweise.

Finanz- und Wirtschaftskompetenz

Schulen, Lehrkräfte und Lernende erhalten zusätzliche Unterstützung beim Gründen von Schülerunternehmen. Mit mehr Fokus auf ökonomischer Bildung soll den Kindern und Jugendlichen im Unterricht etwa vermittelt werden, wie ein Konto eröffnet und mit Geld umgegangen werden sollte. Ein eigenes Unterrichtsfach sei dafür aber nicht vorgesehen, sagte die Bildungsministerin. Die Inhalte könnten etwa in Mathe oder Sachkunde vermittelt werden.

Digitale Bildung

30 weitere Schulen führen in Rheinland-Pfalz als Pilotschulen das Pflichtfach Informatik ein. Damit wächst die Zahl auf insgesamt 58 Schulen. Mehr als 280 Lehrkräfte werden über einen eigenen Weiterbildungslehrgang und eine Qualifizierungsmaßnahme an der Universität Trier zu Informatiklehrkräften weitergebildet.

Deutschlehrkräften der Klassen 5 und 6 steht laut Ministerium zudem ein in Rheinland-Pfalz entwickelter KI-Assistent zur Verfügung. Er soll bei der Erstellung von Lernaufgaben, der Unterrichtsplanung, Kompetenzrastern und der Differenzierung für unterschiedliche Lernstände unterstützen. An weiterführenden Schulen werde zudem eine einheitliche Schulmanagement-Software eingeführt, die etwa die Stunden- und Vertretungsplanung, das digitale Klassenbuch sowie Schulkalender in einer integrierten Lösung bündelt. News4teachers / mit Material der dpa

Praxistipp: Wie können Schulen ein Handy-Verbot stressfrei umsetzen? So einfach…

 

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7 Kommentare
Rüdiger Vehrenkamp
1 Tag zuvor

Die Schülerinnen und Schüler haben mit ihren Forderungen zwar weitestgehend recht, ich lese dort aber kein Argument gegen ein Handyverbot heraus. Im Gegenteil. Wenn es heißt, man solle mehr auf die psychische Gesundheit der Jugendlichen achten, ist die Unterbindung eines dauerhaften Handykonsums doch ein erster Schritt. Medienbildung nimmt in der Schule einen immer größeren Teil ein, an Bildschirmzeiten von 5-8 Stunden täglich bei vielen Jugendlichen hat dies dennoch nichts geändert. Das Handy auch mal auszuschalten, wegzulegen und für die Dauer der Schul- und Arbeitszeit mal NICHT erreichbar zu sein, ist doch Teil der Medienbildung bzw. des gewissenhaften Umgangs mit den Geräten.

By the way: Druck, Prüfungsbelastungen und persönliche Herausforderungen gab es auch schon zu meiner Schulzeit. Ganz ohne Handys.

Ökonom
1 Tag zuvor

Da schwillt mir gerade der Kamm. „…zusätzliche Unterstützung beim Gründen von Schülerunternehmen. Mit mehr Fokus auf ökonomischer Bildung soll den Kindern und Jugendlichen im Unterricht etwa vermittelt werden, wie ein Konto eröffnet und mit Geld umgegangen werden sollte. Ein eigenes Unterrichtsfach sei dafür aber nicht vorgesehen, sagte die Bildungsministerin. Die Inhalte könnten etwa in Mathe oder Sachkunde vermittelt werden.“
Was bitte ist daran nun neu? Wir haben bzw. machen das in RLP so seit Jahrzehnten! Die ökonomische Bildung ist schon ewig curricular verortet (in Rahmenplänen, Richtlinien), das Unterstützungssystem, für die Schülerunternehmen ebenso lange etabliert. Und wir sind da inhaltlich und methodisch längst weiter als „soll vermittelt werden, wie man ein Konto eröffnet“ usw. Hätte sie mal mit uns, die da seit Jahrzehnten arbeiten, reden sollen, dann wüsste sie das. Oder wird wie immer als neu verkauft,…
Und die Handysache hat sie aus Bayern mitgebracht. Was heißt zum 01.Februar? Bis dahin machen alle wie gehabt? Warum nutzt man dann das halbe Jahr nicht, um einen Konsens der Beteiligten zu erarbeiten, statt die Anordnung anzukündigen (Schulen können dann entscheiden, wie sie die Mehrarbeit- einsammeln, informieren, sanktionieren- organisieren, sonst aber nix)? Aber ja, sie will ja mehr führen und vorgeben…

Unfassbar
1 Tag zuvor

An meiner Schule haben wir Handys verboten. Es hat aus meiner Sicht geholfen. da wir eine iPad-Schule sind chatten und zocken die Schüler darüber. Aber insgesamt deutlich weniger als vorher.

Karl Heinz
13 Stunden zuvor

Die Ministerin redet von Verhaltensregulierung, die andeSchülervertretung von Bildungsinfrastruktur.
Das sind aber 2 verschiedene Ebenen/Felder. Und so reden beiden dezent aneinander vorbei…

Das Ansinnen der Ministerin ist ja grundsätzlich begrüßenswert.
Die Reaktion der Schüler erscheint mir eher wie typisches Suchtverhalten – weil man gegen die inzwischen empirisch gut belegten negativen Auswirkungen der Smartphonenutzung nicht anargumentieren kann, versucht man den Fokus auf andere Problemfelder zu schieben…

Verantwortungsvoller Umgang bedeutet ja gerade auch zu lernen, wann man das Gerät weglegen muss.

Mika
12 Stunden zuvor

Absolut dafür komplett Smartphones in Schulen zu verbieten.
Im Moment behelfen wir uns aber mit Handy Ortungsgeräten, die wirklich erstaunlich gut funktionieren. Bei Klausuren wird das auch mit Verbot wohl auch so bleiben.

Mannkannesnichtfassen
11 Stunden zuvor
Antwortet  Mika

Könnten Sie vielleicht die Geräte einmal verlinken?

Mika
6 Stunden zuvor

Ich bin nicht 100% sicher will unsere Schulleitung die bestellt hatte. Optisch würde es am ehesten hierzu passen und das sollte das auch können: https://www.amazon.de/Versteckte-Abh%C3%B6rger%C3%A4te-Funkkameras-Wanzenfinder-magnetische-schwarz/dp/B09FPTVLNK
Es zeigt die Signale über Balken und Piepen an. Wenn gewünscht kann man also auch ganz genau den Ursprung herausfinden. Je nach Bundesland erlaubt oder nicht erlaubt, wobei ich mich echt Frage wie sehr man Lehrer hassen kann um sowas zu verbieten.

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