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Neue PISA-Studie: Welche Missverständnisse den Blick auf ihre Ergebnisse verstellen

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MÜNCHEN. In gut einem Monat wird die neue PISA-Studie veröffentlicht. Schon jetzt ist absehbar, dass danach wieder dieselben Diskussionen beginnen werden: Hat Deutschland im internationalen Vergleich erneut Plätze verloren? Ist das Schulsystem schlechter geworden? Und taugt PISA überhaupt als Maßstab für Bildung? Tatsächlich halten sich über die internationale Vergleichsstudie zahlreiche Missverständnisse, die den Blick auf ihre eigentliche Aussage verstellen. Dabei misst PISA weit mehr als schulisches Wissen – und verweist seit Jahren auf Probleme, die Deutschland trotz aller Reformen bis heute nicht gelöst hat.

Bleibt absehbar schief. Foto: Shutterstock / diggers1313

Wenn am 8. September die Ergebnisse von PISA 2025 vorgestellt werden, dürfte zunächst wieder die Rangliste der teilnehmenden Staaten die Schlagzeilen bestimmen. Dabei gerät leicht in den Hintergrund, was die OECD-Studie überhaupt untersucht. Anders als vielfach angenommen, prüft PISA nicht, ob Schülerinnen und Schüler den Stoff aus den Lehrplänen beherrschen oder Formeln, Grammatikregeln oder naturwissenschaftliche Fakten auswendig gelernt haben.

Im Mittelpunkt steht vielmehr eine andere Frage: Können 15-Jährige, die kurz vor dem Ende ihrer Pflichtschulzeit stehen, das Gelernte in Alltag und Beruf anwenden? Genau darin unterscheidet sich PISA grundlegend von nationalen Leistungserhebungen wie dem IQB-Bildungstrend, der überprüft, ob die Bildungsstandards der Länder erreicht werden.

Prof. Samuel Greiff, Leiter des deutschen PISA-Teams am Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien (ZIB), beschreibt den Ansatz so: „Wir fragen also kein Wissen ab. Wir untersuchen, ob die Jugendlichen die Fähigkeit haben, in der heutigen Lebens- und Berufswelt zurecht zu kommen.“ Entscheidend sei, ob junge Menschen grundlegende Kompetenzen tatsächlich nutzen könnten. „Können sie beispielsweise Mathematik nutzen, um die Welt um sich herum zu verstehen?“

Gerade deshalb lassen sich aus schwachen PISA-Ergebnissen keine einfachen Schlüsse über Unterricht oder Lehrpläne ziehen. Schlechte Ergebnisse bedeuten nicht automatisch, dass Schulen ihren Stoff schlecht vermittelt haben. Vielmehr geht es darum, ob Schülerinnen und Schüler das Gelernte flexibel anwenden können.

Mehr als Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften

Ebenso hartnäckig hält sich der Vorwurf, PISA bilde Schule nur unzureichend ab, weil lediglich drei Fächer getestet würden. Tatsächlich standen Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften von Anfang an im Mittelpunkt der Studie. „PISA hatte nie den Anspruch, das gesamte Fächerspektrum abzubilden“, sagt Greiff. „PISA schaut auf Basiskompetenzen und fachübergreifende Fähigkeiten, die für alle Lebensbereiche wichtig sind.“ Dabei geht es selbst in den Naturwissenschaften nicht um Fachwissen wie das Periodensystem oder chemische Formeln. Gefragt wird vielmehr, ob Jugendliche Hypothesen überprüfen, Informationen bewerten und logische Schlussfolgerungen ziehen können.

Mit jeder Erhebungsrunde kommen zudem weitere Kompetenzbereiche hinzu. Bereits untersucht wurden kreatives Denken, kollaboratives Problemlösen oder Lernen in der digitalen Welt. PISA 2025 widmet sich besonders der naturwissenschaftlichen Kompetenz sowie dem modellbasierten Problemlösen. Erstmals beteiligt sich Deutschland außerdem an der internationalen Erhebung der Englischkompetenzen. Deren Ergebnisse sollen allerdings erst 2027 veröffentlicht werden.

Geht es nur um wirtschaftliche Verwertbarkeit?

Seit dem ersten PISA-Schock Anfang der 2000er Jahre begleitet die Studie ein weiterer Vorwurf: Sie reduziere Bildung auf wirtschaftlichen Nutzen und fördere eine Schule, die vor allem leistungsfähige Arbeitskräfte hervorbringen solle.

Greiff weist diese Kritik entschieden zurück. „Bei der Frage nach Anwendungskompetenzen geht es nicht um die Optimierung der Kinder als Wirtschaftsobjekte, sondern um ihre Möglichkeiten zur selbstbestimmten gesellschaftlichen Teilhabe.“ Wer grundlegende Texte nicht lesen oder Zahlen nicht verstehen könne, werde „in kaum einem Beruf bestehen“.

Dabei werde häufig übersehen, dass PISA längst weit mehr erhebe als reine Leistungsdaten. Die Studie fragt Schülerinnen und Schüler nach ihrem Wohlbefinden, nach dem Schulklima, nach der Unterstützung durch Lehrkräfte und Eltern sowie danach, ob sie den Unterricht als sinnvoll erleben.

Ebenso fließen Informationen über Einkommen, Bildungsniveau und Zuwanderungsgeschichte der Familien ein. Dadurch wird sichtbar, welche Rolle die sozialen Voraussetzungen für den Bildungserfolg spielen. Genau diese Daten haben die bildungspolitische Debatte in Deutschland in den vergangenen Jahren maßgeblich geprägt.

Greiff versteht PISA deshalb ausdrücklich nicht als bildungspolitisches Steuerungsinstrument, sondern als Grundlage für politische Entscheidungen. „Welche Lernziele in der Schule erreicht werden sollen und wie der Weg dorthin aussieht, muss jede Gesellschaft für sich festlegen. Die PISA-Studien liefern dafür einen großen Fundus an Entscheidungsgrundlagen.“

Warum Ranglisten oft in die Irre führen

Kaum sind neue Ergebnisse veröffentlicht, richtet sich der Blick regelmäßig zuerst auf Deutschlands Platz im internationalen Vergleich. Ob das Land einige Positionen gewinnt oder verliert, dominiert häufig die öffentliche Debatte. Aus wissenschaftlicher Sicht greift diese Betrachtung jedoch zu kurz.

„Man sollte vorsichtig damit sein, die Liste als simples Ranking zu sehen“, mahnt Greiff. Unterschiede zwischen einzelnen Staaten seien oft so gering, dass sie statistisch gar nicht belastbar seien. „Vor allem aber stimmt die Formel ,Wer vor uns steht, hat das bessere Schulsystem‘ nicht pauschal.“

Der eigentliche Wert der internationalen Vergleiche liege vielmehr darin, erfolgreiche Strukturen anderer Bildungssysteme zu erkennen. Seit Jahren gilt Finnland dafür als häufig genanntes Beispiel. Dort sei es selbstverständlich, dass nahezu jedes Kind im Laufe seiner Schulzeit individuelle Unterstützung erhalte. In Deutschland dagegen werde zusätzlicher Förderbedarf vielerorts noch immer mit Defiziten verbunden.

Allerdings warnt Greiff ausdrücklich davor, erfolgreiche Modelle einfach zu kopieren. „Ein direktes ,Copy-Paste‘ funktioniert leider nicht. Wichtiger ist es, zu schauen, was in anderen Ländern gut funktioniert, und sich davon inspirieren zu lassen.“

Hat PISA überhaupt etwas verändert?

Spätestens nach den schwachen Ergebnissen der letzten PISA-Studie wurde erneut die Frage laut, ob sich der enorme Aufwand überhaupt lohnt. Schließlich scheinen dieselben Probleme seit Jahren wiederzukehren.

Ganz folgenlos geblieben ist PISA allerdings nicht. Der erste sogenannte PISA-Schock Anfang der 2000er Jahre führte zu einer Reihe tiefgreifender Reformen. Bildungsstandards wurden eingeführt, Ganztagsschulen ausgebaut, Förderprogramme aufgelegt und die Ausbildung der Lehrkräfte verändert. Tatsächlich verbesserten sich die deutschen Ergebnisse anschließend deutlich und blieben bis etwa Mitte der 2010er Jahre auf einem vergleichsweise stabilen Niveau.

Umso größer sei die Enttäuschung über den jüngsten Rückschlag gewesen. „Wir waren alle frustriert, als wir die Ergebnisse der jüngsten PISA-Studie auf dem Tisch hatten“, sagt Greiff. Deutschland sei leistungsmäßig auf das Niveau der frühen 2000er Jahre – teilweise sogar darunter – zurückgefallen. Nach seiner Einschätzung liegt das allerdings nicht allein an den Belastungen der vergangenen Jahre.

„Leider hat sich dann ein wenig Genügsamkeit eingeschlichen und die ein oder andere Entwicklung wurde verschlafen.“ Förderprogramme seien ausgelaufen, zugleich seien „zahlreiche wissenschaftliche Erkenntnisse, wie Schule erfolgreich gestaltet werden kann, nicht flächendeckend umgesetzt“ worden. Zwar habe die Corona-Pandemie die Situation zusätzlich erschwert. Die Ursachen reichten jedoch weiter zurück.

Die jüngsten Ergebnisse haben inzwischen erneut Reformen angestoßen. Mehrere Bundesländer verweisen ausdrücklich auf PISA, wenn sie Veränderungen begründen. Bayern etwa hat die Unterrichtszeit für Deutsch und Mathematik in der Grundschule ausgeweitet. Dennoch sieht Greiff erhebliches Potenzial ungenutzt.

„Aber es wäre schon möglich, mehr aus den Studien herauszuholen.“ Als Beispiel nennt er Kanada. Dort werde Unterricht seit vielen Jahren konsequent datengestützt weiterentwickelt. Bildungsstudien dienten dort nicht nur der politischen Debatte, sondern flössen kontinuierlich in die Schulentwicklung ein.

Eine Dauerbaustelle seit der ersten PISA-Studie

Dabei verweist PISA seit mehr als zwei Jahrzehnten auf ein Problem, das sich trotz aller Reformen kaum verändert hat: In Deutschland hängt der Bildungserfolg weiterhin besonders stark vom Elternhaus ab.

Die Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern werden hierzulande deutlich stärker durch den sozioökonomischen Status der Familie beeinflusst als in vielen anderen OECD-Staaten. Gerade deshalb richten Bildungsforscher ihren Blick inzwischen weniger auf einzelne Rangplätze als auf die Frage, ob leistungsstarke und zugleich gerechte Bildungssysteme möglich sind.

Greiff beantwortet diese Frage eindeutig. „Wenn uns PISA etwas gezeigt hat, dann dass beides möglich ist: hohe Leistungsqualität und Chancengerechtigkeit.“

Mehr als 760.000 Jugendliche weltweit

Die Studie, deren Ergebnisse am 8. September veröffentlicht werden, basiert auf umfangreichen internationalen Erhebungen. Weltweit nahmen mehr als 760.000 Schülerinnen und Schüler aus 91 Staaten und Regionen teil. In Deutschland bearbeiteten im Frühjahr 2025 rund 6.700 15-Jährige an etwa 250 weiterführenden Schulen einen zweistündigen computergestützten Test sowie einen umfangreichen Fragebogen. Zusätzlich wurden Lehrkräfte, Schulleitungen und Eltern befragt. Der deutsche Teil der Studie wird vom Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien (ZIB) an der Technischen Universität München im Auftrag der Kultusministerkonferenz und des Bundesbildungsministeriums durchgeführt; international koordiniert die OECD die Untersuchung.

Die eigentliche Bewährungsprobe beginnt allerdings erst nach der Veröffentlichung der Ergebnisse. Denn die vergangenen 25 Jahre haben gezeigt, dass PISA zwar regelmäßig intensive Debatten auslöst – nachhaltige Konsequenzen daraus aber keineswegs selbstverständlich sind. „Was mir schon Sorge macht, ist, dass inzwischen die Hälfte der Jugendlichen berichtet, dass der Unterricht kaum etwas mit ihrem Leben zu tun hat“, so Greiff. Was nicht folgenlos bleibe. „Wir verlieren die Schülerinnen und Schüler also – und das sehen wir dann schmerzlich in einem Leistungsrückgang.“ News4teachers 

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46 COMMENTS

  1. „Der eigentliche Wert der internationalen Vergleiche liege vielmehr darin, erfolgreiche Strukturen anderer Bildungssysteme zu erkennen. Seit Jahren gilt Finnland dafür als häufig genanntes Beispiel.“

    Welcher Teil der PISA-Studie liefert Belege für besonders „erfolgreiche Strukturen“ in Finnland?

    Werden die nicht in jeder Runde schlechter?

      • Dann OWL mit Suomi vergleichen, die haben vergleichbare Bevölkerungszahlen und ethnische Minderheiten wie die Lipper.

      • Joah, wenn es jetzt um Bayern versus Hamburg ginge, wäre Ihre erste Entgegnung, dass man bei dem Vergleich doch wohl die Sozialstruktur berücksichtigen muss 😉

        • Wäre m.M. durchaus berechtigt, da Hamburg ja beim Kriterium soziale Disparität die höchsten Werte der Bundesländer aufweist.

          • Und dies gilt auch beim Vergleich Finnland-Deutschland, mehr wollte ich damit nicht gesagt haben.

          • Wobei da die Unterschiede eher bei den Punktzahlen der sozial-privilegierten Schüler*innen liegen.

      • Aber sie werden schlechter. Wenn sie schneller schlechter werden als wir, dann haben wir sie bald im Sack! Aber im Ernst: Welche Strukturen sind denn in Finnland schlechter geworden, die das erklären?

          • Wenn das also die Ursachen sind, täten wir gut daran Foristen wie „Katze“ sehr ernst zu nehmen und bloß nicht weiter an diesem Reformrad, welches auch bei uns in hellleuchtenden Farben dargestellt wird, zu drehen….

          • Zurück ins 19. Jahrhundert – aus Angst vor dem 21.? Das Rad lässt sich nicht zurückdrehen; Migration, Digitalisierung, Heterogenität – sind längst Realitäten, auf die Schule reagieren muss.

            Klar, oberflächlich sieht es so aus: weniger autoritärer Unterricht – Leistungen lassen nach.

            Gerne aber mal reflektieren, was Herr Salminen noch so sagt:

            „Gleichzeitig hat das nationale Landesinstitut seit den 1990er-Jahren seine Rolle verändert. Früher war es für die Qualitätssicherung der Schulen durch Schulinspektionen zuständig. Doch dann schaffte die Regierung fast alle Kontrollmechanismen ab.“ Weniger Kontrollen – für Lehrkräfte, wohlgemerkt.

            „Es gibt natürlich fachspezifische Richtlinien, aber auch die sind eher vage. Eine Lehrkraft kann sich entscheiden, zehn Stunden für ein Thema zu verwenden, eine andere Lehrkraft kann es in zwei Stunden behandeln.“ Mehr Freiheit – für Lehrkräfte, wohlgemerkt.

            „Viele Schulen in Finnland haben die Schulbücher abgeschafft und durch Arbeitsblätter aus dem Internet ersetzt, die nicht immer gut aufeinander abgestimmt waren. Eine Qualitätskontrolle fand nicht statt.“ Mehr Methodenfreiheit – für Lehrkräfte.

            „Für ein durchschnittliches Kind ist es nicht einfach, selbstgesteuert zu lernen“ – für kein Kind es es einfach, selbstgesteuert zu lernen. Wenn es selbstgesteuertes Lernen nicht gelernt hat (= mangelnde Vorbereitung des Unterrichts).

            Dazu kommt, dass Herr Salminen alle externen Einflüsse ausblendet, die die finnische Gesellschaft in den vergangenen Jahren deutlich geprägt haben: Migration, Digitalisierung, massiver Fachkräftemangel in Kitas und Vorschulen. Last but not least: Das finnische Bildungssystem leidet unter erheblichen Einsparungen und Budgetkürzungen (womöglich eine Folge der früheren PISA-Erfolge).

            Mit Frau Mahlzahns Schule aus der Drachenstadt wird sich das nicht lösen lassen.

            Herzliche Grüße
            Die Redaktion

          • Das mit Migration, Technisierung (Fabrikarbeit) und Heterogenität hatten wir im Pott doch schon im 19. Jahrhundert. Also im Westen nix Neues.
            Ging im 20. nach Ende des WK II mit den Vertriebenen und in den 60ern mit den „Gastarbeitern“ übrigens so weiter.
            Also vorwärts Kameraden, wir gehen zurück. Taktisches Vorgehen eben.
            Strategie ist für die oberste Führungsebene, die mittlere macht die taktische Umsetzung und am unteren Ende entsteht der Plan B, um dem Schlamassel zu entkommen

          • Die Frage ist eher, wie sich diese Dinge in den letzten Jahren in beiden Ländern jeweils entwickelt haben.

          • Ich habe den Artikel gelesen, danke!
            „Katzes“ allermeiste Ausführungen beziehen sich auf ein „Kompetenzlimbo“ und darum geht es mir an dieser Stelle.
            Das Ersetzen von inhaltlichen Zielen durch oft nebulös formulierte Kompetenzanforderungen in den Lehrplänen….
            Selbstgesteuertes Lernen, was Kinder in der GS und auch die meisten Kinder an weiterführenden Schulen nicht können (nicht weil sie zu doof sind, sondern weil es höchst anspruchsvoll ist) und offene Lernlandschaften, wo es niemals wirklich ruhig ist, tun ihr übriges.
            Übrigens leidet auch Deutschland unter erheblichen Sparzwängen…..noch ein Grund mehr, personalintensive Vorhaben genau auf den Prüfstand zu stellen.

          • Wenn doch angeblich alle Kontrollmechanismen abgeschafft wurden, warum findet in NRW-Schulen regelmäßig die QA statt? Im Unterricht zeigen wir dann Schaustunden wie im Referendariat, die nichts mit der Realität zu tun haben. Was in der QA aber eigentlich wichtig ist: Sorgfältig abgeheftete Konzepte. Davon hat kein Schüler was.

          • Wie bitte? Alle 10 Jahre kommen da weggelobte Gestalten, die man vor keine Klasse mehr stellen kann, Ausnahmen bestätigen die Regel, stören 20 Minuten den Unterricht und gehen wieder. Da bereiten Sie ne Zirkusnummer vor?

          • Na, weggelobt sind die nicht….man muss sich schon aktiv auf so einen Posten bewerben…..

          • Jaaaa… Aber werden dann nicht Gutachten geschrieben, Gespräche geführt, Unterstützung angeboten?

          • Ich mache bei QA einfach weiter wie bisher.
            Da die QA keinerlei echte Bedeutung oder Konsequenz hat.

            Verrückterweise hat sich dafür schonmal jemand bei mir bedankt, war weird.

          • Er spricht durchaus über Migration. Er sagt aber, dass die eher in den Städten zu finden ist, und dass sich auf dem Land dennoch die Schüler verschlechtert haben.

          • „Klar, oberflächlich sieht es so aus: weniger autoritärer Unterricht – Leistungen lassen nach.“

            Unterflächlich sieht es für mich ehrlich gesagt genauso aus 😉

          • Das ist sehr interessant..Sie waren also schon sehr gut und haben dann versucht, sich durch viele Reformen noch zu verbessern, was schief ging:

            „Für ein durchschnittliches Kind ist es nicht einfach, selbstgesteuert zu lernen. In einer normalen finnischen Schulklasse mit 25 Kindern sind vielleicht fünf dazu in der Lage, der Rest nicht. Und es gibt vielleicht sechs oder sieben Kinder, die eine viel strukturiertere Umgebung brauchen. Sie brauchen Ruhe, um sich konzentrieren zu können. Sie brauchen ihren eigenen Platz zum Lernen, einen normalen Schreibtisch“

          • Naja, das ist jetzt die Aussage eines Bildungswissenschaftlers, der offensichtlich seine Agenda vertritt.

            Die Story lässt sich auch anders lesen: Finnlands Schulen waren sehr gut – was die Politik in Finnland zum Anlass genommen hat, das Bildungssystem kaputtzusparen.

            Das kennen wir aus Deutschland. Die PISA-Probleme betrafen zunächst vor allem die weiterführenden Schulen; die deutschen Grundschulen lagen international bis weit in die 2010-er mit an der Spitze (wie die IGLU-Studien belegen). Dann kam der Lehrkräftemangel…

            Herzliche Grüße
            Die Redaktion

          • „Die Story lässt sich auch anders lesen: Finnlands Schulen waren sehr gut – was die Politik in Finnland zum Anlass genommen hat, das Bildungssystem kaputtzusparen.“

            Naja, die Bildungsausgaben sanken zwar (vom Peak 7,5% des BIP bis auf zuletzt um die 6,3%), aber sie liegen pro Kopf immer noch deutlich im Spitzenfeld.

            Wenn DAS die alleinige Ursache des Leistungsrückgangs wäre, müssten wir in Deutschland mit viel geringeren Ausgaben pro Kopf ja noch stärker verlieren als Finnland. Tatsächlich verliert Finnland aber sehr viel stärker. Trotz deutlich mehr Ausgaben als Deutschland.

            Da muss es wohl noch andere Einflussfaktoren geben als nur „weniger Geld“.

            Welche mögen das sein?

            PS: Sie haben immer noch noch gesagt, was eigentlich diese ominösen „erfolgreichen Strukturen“ im finnischen Bildungssystem sein sollen, die uns als leuchtendes Vorbild dienen sollen.

          • Gerne merken: Es gibt nie nur eine Ursache für Bewegungen in einem so komplexen System wie Bildung.

            Deshalb irritiert es uns auch, dass der interviewte Bildungswissenschaftler keine einzige mögliche externe Ursache (wie gesagt: Migration, Digitalisierung, Personalmangel in der frühen Bildung …) für den Absturz Finnlands anführt.

            Wir sollen Ihnen ominöse erfolgreiche Strukturen im finnischen Bildungssystem benennen – warum? Wir sind keine Bildungsforschungseinrichtung.

            Herzliche Grüße
            Die Redaktion

          • Wir sollen Ihnen ominöse erfolgreichen Strukturen im finnischen Bildungssystem benennen – warum?“

            Weil in Ihrem Artikel steht:

            „Der eigentliche Wert der internationalen Vergleiche liege vielmehr darin, erfolgreiche Strukturen anderer Bildungssysteme zu erkennen. Seit Jahren gilt Finnland dafür als häufig genanntes Beispiel.“

            Und als Beispiel wird lediglich angeführt: „Dort sei es selbstverständlich, dass nahezu jedes Kind im Laufe seiner Schulzeit individuelle Unterstützung erhalte.“

            Ist das nun also das (einzige), was wir von Finnland lernen sollen?

            Was ist mit den anderen Dingen, die immer wieder – auch von Ihnen – mit Verweis auf Finnland gefordert werden (SOL, Kompetenzorientierung, etc.)? Sind das laut PISA „erfolgreiche Strukturen“ in Finnland? Oder eher nicht (mehr)? 😉

          • Das ist ein Zitat – wir zitieren die PISA-Forscher. Wir sind nicht die PISA-Forscher. Herzliche Grüße Die Redaktion

  2. Von Finnland lernen:

    „Seit Ende der 90er-Jahre – und dieser Trend hat sich bis zum jüngsten Bildungsplan fortgesetzt – wurden die Bildungspläne immer abstrakter formuliert. Die Regierung hat die fachspezifischen Lernziele zugunsten abstrakterer Kompetenzen zurückgedrängt, die schwer zu fassen sind. […]
    Was den Unterricht betrifft, so haben die Universitäten und das Landesinstitut seit Ende der 90er-Jahre sehr stark bestimmte pädagogische Konzepte in die Schulen getragen, vor allem die Idee, dass Kinder selbstgesteuert lernen können, ohne viel Anleitung durch eine Lehrkraft. […] Bisher haben wir aber gesehen, dass es sehr schwierig ist, selbstgesteuertes Lernen in der Breite umzusetzen. Kinder mit Konzentrationsschwierigkeiten haben große Probleme zu entscheiden, was sie lernen wollen, die richtigen Materialien zu finden und sich ihre Zeit selbst einzuteilen. […]
    Und in den letzten fünf bis zehn Jahren wurden in vielen Schulen die Klassenräume ganz abgeschafft. Die neu gebauten Schulen sehen nicht wirklich wie Schulen aus – keine Klassenzimmerwände, oft keine richtigen Tische, nur weitläufige, offene Räume. Und gerade diese Schulen haben viel Kritik auf sich gezogen. Ich kenne mindestens drei Schulen in Helsinki, die solche Probleme hatten, dass sie nachträglich Klassenzimmerwände einbauen mussten. […]
    Viele Konzepte, die in der Bildungsforschung entwickelt werden, sind in der Schule nur schwer umsetzbar. Solche Konzepte müssen sorgfältig entwickelt und ausgiebig erprobt werden. Das ist bei uns nicht geschehen. In den letzten 20 Jahren ist die Kluft zwischen Rhetorik und Realität immer größer geworden, die Lehrkräfte sind immer erschöpfter und die Ergebnisse immer schlechter.
    Für ein durchschnittliches Kind ist es nicht einfach, selbstgesteuert zu lernen. In einer normalen finnischen Schulklasse mit 25 Kindern sind vielleicht fünf dazu in der Lage, der Rest nicht. Und es gibt vielleicht sechs oder sieben Kinder, die eine viel strukturiertere Umgebung brauchen. Sie brauchen Ruhe, um sich konzentrieren zu können. Sie brauchen ihren eigenen Platz zum Lernen, einen normalen Schreibtisch.“

    Aus diesem lesenswerten Interview mit einem finnischen Bildungshistoriker:

    https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/finnland-was-ist-fuer-den-pisa-absturz-verantwortlich/

  3. Es ist doch immer das Gleiche: Deutschland schneidet schlecht ab, es verbessert sich aber nichts in den Schulen. Die Klassen werden immer größer, es werden immer mehr Quereinsteiger mit befristeten Verträgen eingestellt. Sobald es sich nur andeutet, dass es in 5 Jahren weniger Schüler geben KÖNNTE, werden Lehrerstellen gestrichen. 100.000e Unterrichtsstunden fallen jedes Jahr wegen Hitzefrei aus. Hitzekonzepte gibt es aber kaum.

  4. Ich finde es wirklich erstaunlich, dass derart viele Bildungsforscher und -experten, aber auch Politiker und Lehrer, annehmen, man könne aus einer derartigen Studie ablesen, was ein Land anders machen müsste in Sachen Bildungspolitik, um besser zu werden.

    Die Studien sind zweifellos interessant, aber nur, weil sie normativ Standards festlegen und man mit ihrer Hilfe sehen kann, welches Land wann und wie diese erfüllt.

    Die zahllosen Unterschiede zwischen den Ländern, ihren Gesellschaften oder sogar auch politischen Systemen werden dabei zu oft ausgeklammert. Weshalb die Idee, eine Herangehensweise einfach zu adoptieren, natürlich in den meisten Fällen schlicht Quatsch ist.

    Mir hat immer imponiert, wie z. B. die Franzosen mit PISA umgingen: unaufgeregt ohne in Panik zu verfallen. Bei uns herrscht genau das Gegenteilige.

    • Steht auch im Artikel, dass allein aus Durchschnittspunktzahlen oder Plätzen im Ranking noch keine Schlussfolgerungen möglich sind.

    • Wir Deutschen regen uns halt gern mal auf. Gelassenheit ist uns völlig fremd. Und wir setzen die falschen Schwerpunkte.
      Siehe Corna-Zeit: Wir hamsterten Klopapier, die Franzosen Rotwein und Kondome!

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