STUTTGART. Mehr als 30 Grad im Klassenraum, fehlender Sonnenschutz, kaum Möglichkeiten zur Kühlung: Die Hitze hat (auch) an Stuttgarter Schulen Probleme sichtbar gemacht, die den Unterricht unmittelbar beeinträchtigen. Sechs Schulleitungen wandten sich deshalb gemeinsam an die Stadt – und die reagierte mit konkreten Sofortmaßnahmen sowie dem Versprechen langfristiger Verbesserungen. Das Beispiel zeigt, welche Bewegung entstehen kann, wenn Schulen ihren Bedarf benennen und Schulträger daraus Konsequenzen ziehen. Und es weist über den Hitzeschutz hinaus: Gute Lernbedingungen hängen entscheidend von der Qualität der Räume ab.

Bei mehr als 30 Grad in den Klassenräumen wurde der Unterricht an manchen Stuttgarter Schulen in diesem Sommer zur Belastungsprobe – wie vielerorts in Deutschland: Räume heizten sich auf, ausreichender Sonnenschutz fehlte, Klimageräte oder Ventilatoren standen nicht zur Verfügung. In einem gemeinsamen Positionspapier warnten sechs Schulleitungen vor gesundheitlichen Belastungen und einem Leistungsabfall. Normaler Unterricht sei unter solchen Bedingungen kaum noch möglich.
Die Schulleitungen formulierten Forderungen an die Stadt als Schulträger: Besonders stark betroffene Klassenzimmer sollten kurzfristig mit Klimageräten ausgestattet, defekte Beschattungsanlagen ersetzt und bei Neubauten und Sanierungen Kühlsysteme berücksichtigt werden. Die Reaktion folgte: Für ihre rund 150 Schulgebäude bestellte die Stadt nach Angaben des SWR 300 Sonnenschirme und zunächst 150 Klimageräte; weitere Geräte sollen folgen. Hinzu kommen Trinkwasserspender und 300 zusätzliche Bäume für mehr Schatten auf den Schulhöfen. Die Hausmeister wurden angewiesen, die Gebäude nachts zu lüften.
Doch dies ist nur der erste Schritt. Nach Angaben des Schulverwaltungsamtes entsprechen 80 Prozent der Schulgebäude nicht mehr den heutigen klimatischen Bedingungen. Deshalb will die Stadt einen Hitzeschutz-Katalog erarbeiten und systematisch untersuchen, wo Sonnenschutz, Klimatechnik und Lüftungskonzepte dauerhaft verbessert werden müssen. Gesundheitsamt, Umweltamt, Schulamt und Kindergartenträger arbeiten laut SWR bereits an einem entsprechenden Hitzeschutzplan.
„Temperaturen von deutlich über 30 Grad in Klassenräumen sind kein bloßes Komfortproblem. Sie betreffen die Gesundheit der Menschen, die dort viele Stunden verbringen, und die Bedingungen, unter denen Lernen und Lehren gelingen können“, sagt Christine Roßkothen, Mitglied des Vorstands der Heinz Trox-Stiftung. „Wer über Bildungsqualität und Chancengerechtigkeit spricht, muss deshalb auch über die Qualität der Räume sprechen.“
Hitze ist der sichtbare Teil eines größeren Themas
Wie weit diese Perspektive reicht, zeigt der von der Heinz Trox-Stiftung herausgegebene Leitfaden „Klassenräume SMART sanieren“, der sich an Schulleitungen und Schulträger richtet. Er betrachtet nicht einzelne technische Probleme isoliert, sondern betrachtet Luftqualität, Raumklima, Akustik und Beleuchtung als zusammenwirkende Faktoren. Sie beeinflussen das Lehr- und Lernklima sowie Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit.
Ein Raum, der im Sommer nicht überhitzt, ist allerdings noch nicht automatisch ein guter Lernraum. Auch die Luftqualität spielt eine wichtige Rolle. Gerade in Klassenräumen mit vielen Menschen und langen Aufenthaltszeiten kann der CO₂-Gehalt zum Problem werden. Der Leitfaden verweist auf Untersuchungen, die Zusammenhänge zwischen schlechter Luftqualität und Einbußen bei Konzentration und Aufmerksamkeit zeigen.
Ähnliches gilt für die Akustik. Weil ein großer Teil des Unterrichts über Sprache stattfindet, ist gute Sprachverständlichkeit eine wesentliche Voraussetzung für Lernen. Hallige Räume und hohe Geräuschpegel können das Verstehen erschweren, schneller ermüden und die Stimmen der Lehrkräfte zusätzlich belasten. Auch die Beleuchtung gehört zum Gesamtbild: Der Leitfaden beschreibt die Bedeutung von Tageslicht und geeigneter künstlicher Beleuchtung für gute Lernbedingungen.
„Die Hitze macht den Handlungsbedarf besonders sichtbar, sie ist aber nur ein Teil des Problems“, sagt Christine Roßkothen. „Temperatur, Innenraumluft, Akustik und Licht wirken zusammen. Kurzfristige Hitzepläne können an einzelnen Tagen helfen. Dauerhaft brauchen Schulen jedoch eine ganzheitliche Strategie für gesunde, lernförderliche Räume – vom Vormittag bis in den Ganztag.“
Schulleitungen müssen keine Bauplaner sein
Für Schulleitungen ergibt sich daraus eine wichtige Rolle – ohne dass sie damit zu Fachleuten für Gebäudetechnik werden müssen. Sie kennen ihre Räume aus dem Alltag: Welche Klassenzimmer heizen sich besonders auf? Wo funktioniert die Verschattung nicht? Wo wird die Luft während des Unterrichts schnell schlecht? Wo erschwert Hall die Verständigung?
„Gute Schulräume sind eine gemeinsame Gestaltungsaufgabe“, sagt Roßkothen. „Schulleitungen wissen sehr genau, wo ihre Gebäude den Schulalltag unterstützen – und wo sie ihn erschweren. Wenn dieses Wissen mit den Möglichkeiten der Schulträger und der Fachplanung zusammenkommt, lässt sich viel erreichen. Die aktuelle Hitzedebatte kann deshalb eine Chance sein, Schulräume insgesamt in den Blick zu nehmen.“
Der Leitfaden „Klassenräume SMART sanieren – Eine Orientierungshilfe für die modulare, integrale Sanierung für bessere Innenraumqualität an Schulen“ der Heinz Trox-Stiftung bündelt wissenschaftliche Grundlagen, Lösungsansätze und Praxisbeispiele zu Raumklima, Luftqualität, Akustik und Beleuchtung. Hier lässt er sich gratis herunterladen.
Hier gibt es weitere Informationen: www.zukunftsraum-schule.de
Dies ist eine Pressemeldung / ein Advertorial der Heinz Trox-Stiftung.
Hier geht es zu allen Beiträgen des News4teachers-Themenmonats Beruf Schulleitung.
Große Bäume vor die Fensterfront! Sieht gut aus und beschattet wunderbar.
Markisen statt Jalousien, beschatten, lassen aber Licht hinein.
So sieht meine ehemalige Schule aus, gebaut vor 50 Jahren.