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„Wir werden unserem eigenen Anspruch als Bildungsnation nicht gerecht“: PISA – schon wieder ein Debakel (so schlecht wie nie)

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BERLIN. Deutschlands Schulen fallen bei PISA auf einen historischen Tiefstand: Die 15-Jährigen erreichen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften die niedrigsten Kompetenzwerte seit Beginn der Erhebungen. Besonders schwer wiegt, dass inzwischen bis zu einem Drittel der Jugendlichen selbst grundlegende Anforderungen nicht bewältigt – während zugleich die Gruppe der Leistungsstarken schrumpft. Und noch ein Befund verschärft die Bilanz: Wie erfolgreich Jugendliche lernen, hängt in Deutschland weiterhin so stark von ihrer sozialen Herkunft ab wie in keinem anderen vergleichbaren Industriestaat.

Immer schiefer? Foto: Shutterstock

In der neuen Bildungsstudie PISA schneiden Schülerinnen und Schüler in Deutschland so schlecht ab wie nie zuvor. In Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften wurden bei den hier getesteten 15-Jährigen «die niedrigsten Kompetenzwerte seit Beginn der PISA-Erhebungen erzielt», heißt es in der neuen Ausgabe der internationalen Vergleichsstudie. Die Ergebnisse liegen somit auch niedriger als bei der ersten PISA-Studie im Jahr 2000.

Damals hatten die schwachen Werte in Deutschland eine intensive Debatte und Bildungsreformen ausgelöst – der sogenannte PISA-Schock. «Ich möchte nicht bewerten, ob wir jetzt vom nächsten PISA-Schock sprechen müssten», sagt Studienleiter Prof. Samuel Greiff von der Technischen Universität München. «Aber ich kann sagen, dass wir bei PISA 2025 historisch niedrige Kompetenzstände sehen.»

Als Gründe gelten eine veränderte Schülerschaft und schwierige Lernvoraussetzungen. Als wichtigste Rezepte zur Besserung nennt Greiff frühkindliche Bildung und eine datengestützte Entwicklung des Unterrichts.

Immer mehr ohne Basiskompetenzen

Die Studie gliedert die Testergebnisse in sechs Kompetenzstufen. Jugendliche, die Kompetenzstufe II nicht erreichen, verfügen nicht über die grundlegenden Fähigkeiten, die sie benötigen, um Anforderungen in Ausbildung, Beruf und Alltag sicher bewältigen zu können.

In der aktuellen Studie fehlen einem Viertel der rund 6.700 in Deutschland getesteten Jugendlichen die Basiskompetenzen in Naturwissenschaften. In Lesen und Mathematik gilt das laut PISA sogar für ein Drittel der Schülerinnen und Schüler – der Anteil habe sich seit 2015 verdoppelt. Zugleich sinkt laut Studie der Anteil der Jugendlichen mit besonders hohen Kompetenzen und liegt in allen drei Gebieten nun bei weniger als zehn Prozent.

«Wir haben eine immer größer werdende Gruppe von Jugendlichen, die mit sehr grundlegenden Anforderungen große Probleme haben», sagt Greiff. Die Forscher zeigen sich jetzt vor allem alarmiert über den wachsenden Anteil junger Leute, denen Basiskompetenzen fehlen. Bei etwa einem Fünftel der Jugendlichen fehlt es in allen drei Testfeldern am Grundsätzlichen.

«Die Jugendlichen in Deutschland erzielen in Naturwissenschaften, im Lesen und in Mathematik so niedrige Ergebnisse wie noch nie seit Beginn der PISA-Studien», fassen die in Deutschland verantwortlichen Forscher ihre Ergebnisse zusammen. Konkret erreichen die Jugendlichen in Naturwissenschaften als Mittelwert 486 Punkte, im Lesen 465 Punkte und in Mathematik 464 Punkte. Alle Werte sind niedriger als 2022, die damals schon als historisch schwach galten: Damals waren es 492 in Naturwissenschaften, 480 im Lesen und 475 in Mathematik. Zum Vergleich: Japan erreicht nun einen Mittelwert von 538 Punkten in Naturwissenschaften, 503 Punkten beim Lesen und 525 bei Mathematik.

Allerdings gilt auch: Selbst mit den gesunkenen Punktzahlen liegt Deutschland bei allen drei Testfeldern etwa im OECD-Durchschnitt und teils leicht über dem EU-Schnitt. Bei Naturwissenschaften ist Deutschland im Mittel besser als etwa Frankreich oder Spanien. Ähnlich sieht es bei Mathematik und bei der Lesekompetenz aus.

Zusätzlich wurde in dieser PISA-Studie untersucht, wie gut 15-Jährige mit digitalen Werkzeugen komplexe Probleme strukturieren und lösen können. Auch bei diesem sogenannten modellbasierten Problemlösen liegen die Fähigkeiten der Jugendlichen in Deutschland auf dem OECD-Durchschnittsniveau.

Deutschland ist Durchschnitt

Auch in anderen OECD-Staaten zeige sich ein Negativtrend, allerdings falle der in Deutschland besonders deutlich aus, erklären die Studienmacher. Doch etliche liegen eben besser als Deutschland, so etwa Großbritannien und die baltischen Staaten.

In insgesamt 14 OECD-Staaten sind die Ergebnisse in der Studie klar besser als in Deutschland, darunter Estland, Kanada, die Schweiz und Österreich. Länder wie die Niederlande oder Frankreich liegen mit Deutschland etwa gleich auf. «Wir sind zwar nicht dramatisch abgehängt», sagt Greiff. «Aber wir werden unserem eigenen Anspruch als Bildungsnation nicht gerecht. Wir spielen nicht mit unter den Top-Staaten.» Weltweit durchliefen 760.000 Jugendliche in 91 Staaten die Vergleichstests, darunter auch Nicht-OECD-Staaten.

Elternhaus gibt den Ausschlag

PISA 2025 bestätigt die Erkenntnis, dass in Deutschland der schulische Erfolg stärker als in anderen Ländern vom Elternhaus abhängt. Seit 2015 nimmt diese Kluft sogar wieder zu. Dieser Zusammenhang ist in fast keinem anderen Staat derart ausgeprägt. «Der Zusammenhang zwischen dem sozioökonomischen Status und dem Bildungserfolg ist in Deutschland etwa dreimal so stark wie in Kanada und doppelt so stark wie in Dänemark oder Norwegen», sagt Greiff. «In Deutschland sind nur zwei von 100 sozial benachteiligten Schülern leistungsstark. Unter sozial Privilegierten sind es 25 von 100.»

Der Bildungsforscher betont: «Wir können es uns als Gesellschaft nicht leisten, dass so viele Talente ungenutzt bleiben. Anderen Staaten gelingt es deutlich besser, die Abhängigkeit des Bildungserfolgs von den familiären Voraussetzungen zu entkoppeln.»

Auf die Frage nach den Gründen für den Abwärtstrend beim Bildungserfolg nennt Greiff mehrere Faktoren. «Nach PISA 2000 haben wir uns deutlich verbessert, das hat unglaubliche Reformkräfte freigesetzt», sagte der Psychologe und Bildungsforscher. «Aber seit 10 Jahren beobachten wir einen Knick. Es war offenbar der Eindruck, dass wir jetzt ganz gut dastehen und dass die große Aufholjagd geschafft ist. Und dann wurde das Thema Bildung nicht mehr ganz so wichtig genommen.»

Kommt das Schulsystem mit?

Zugleich sei die Schülerschaft in den vergangenen Jahren unterschiedlicher geworden, fügt Greiff hinzu. Grund sei nicht nur Zuwanderung. Es gebe stärkere soziale Unterschiede und immer mehr psychosoziale Problemlagen. «Die Trennlinie läuft nicht zwischen Jugendlichen mit und ohne Zuwanderungshintergrund, sondern zwischen Jugendlichen aus sozial privilegierten und sozial benachteiligten Familien», sagt der Experte.

«Die Frage ist, wie gut das Bildungssystem auf Unterschiede eingestellt ist», fügt er hinzu. «Viele Staaten schaffen es, unterschiedliche Voraussetzungen in eine Stärke der Vielfalt umzuwandeln.» In Deutschland klappe das nicht überall. Als Problemlagen nannte Greiff frühkindliche Bildung, Lehrkräftemangel und Digitalisierung.

Was kann helfen? Greiff und sein Team machen drei konkrete Vorschläge: Schon im Vorschulalter sollten mögliche Lernprobleme entdeckt und angegangen werden. «Vor allem Kenntnis der Unterrichtssprache ist der Schlüssel zu allen anderen Fächern», sagt Greiff.

Der zweite Vorschlag ist die «datenbasierte» Entwicklung des Unterrichts. Gemeint sind häufige Tests, nicht für Noten, sondern für ein individualisiertes Gegensteuern, um nicht Rückstände auflaufen zu lassen. Vorbild ist für Greiff dabei Kanada.

Und Ansatz Nummer drei: mehr Geld für Schulen mit besonders vielen Kindern in schwierigen Lebenslagen. «Wenn Schulen sehr unterschiedliche Herausforderungen bewältigen müssen, dürfen sie nicht alle gleich ausgestattet werden», mahnen die Forscher.

Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) analysiert die Lage ähnlich. «Unser Bildungssystem in Deutschland steht vor enormen Herausforderungen», sagt sie. Wichtige Weichen seien schon gestellt, meint Prien: «Mehr Bedeutung für die frühkindliche Bildung, besserer Übergang zwischen Kita und Schule, vor allem die Stärkung der sogenannten basalen Kompetenzen: Lesen, Schreiben, Rechnen.»

Weiter erklärt sie: «Die Schülerschaft hat sich verändert, keineswegs nur durch Zuwanderung, sondern auch durch Erziehungsmethoden, durch die Art und Weise, wie Familien leben, die Anzahl der Alleinerziehenden, den Einfluss von Bildschirmzeiten und durch Social Media.» Schulen müssen heute viel mehr für Bindung und Erziehung leisten als früher, fügt sie hinzu. «Es nützt aber nichts, darüber zu lamentieren. Das ist die Realität, und darauf muss sich das Schulsystem insgesamt besser einstellen.» News4teachers / mit Material der dpa

Bildungsforscher ziehen Bilanz: Fast alle schulpolitischen Maßnahmen seit dem ersten PISA-Schock sind – gescheitert

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106 COMMENTS

  1. Ein Privileg ist eine rechtliche Sonderregelung oder ein besonderes Recht, das einer Person, Gruppe, Stadt, Institution oder einem Stand von einer höheren Autorität verliehen wird.

    Inwiefern werden hier besondere Rechte gewährt und durch wen?

  2. PISA 2025: Wir wissen längst, was schiefläuft
    Seit rund 40 Jahren beobachte ich das deutsche Bildungswesen. In dieser Zeit habe ich viele Reformen erlebt, viele neue Programme, viele Versprechen und mindestens ebenso viele Erklärungen dafür, warum grundlegende Veränderungen Zeit brauchen.
    PISA 2025 zeigt nun erneut: Diese Zeit haben viele Kinder nicht.
    Deutschland liegt bei den zentralen Kompetenzen nur noch im OECD-Mittelfeld. Noch schwerer wiegt für mich jedoch etwas anderes: Der Bildungserfolg hängt weiterhin massiv von der sozialen Herkunft ab. Und die Unterschiede werden nicht kleiner, sondern größer.
    Das ist der eigentliche Skandal.
    Wir reden seit Jahrzehnten über Chancengerechtigkeit. Wir wissen seit Jahrzehnten, dass Kinder nicht mit denselben Voraussetzungen in Kita und Schule starten. Und dennoch organisieren wir unser Bildungssystem noch immer so, als könne man sehr unterschiedliche Ausgangslagen mit weitgehend gleichen Mitteln ausgleichen.
    Das kann nicht funktionieren.
    Eine Schule in einem wohlhabenden Stadtteil hat andere Bedingungen als eine Schule in einem Quartier mit hoher Kinderarmut, Sprachförderbedarf und großen sozialen Belastungen. Wer beiden Schulen im Kern dasselbe gibt, behandelt sie formal gleich – aber nicht gerecht.
    Genau hier müsste sich etwas grundlegend ändern.
    Schulen mit den größten Herausforderungen brauchen die besten Bedingungen. Nicht irgendwann, nicht im Modellversuch und nicht für drei Jahre. Sondern dauerhaft.
    Sie brauchen mehr Personal. Sie brauchen multiprofessionelle Teams. Sie brauchen Zeit für Förderung. Sie brauchen starke Schulleitungen, verlässlichen Ganztag und Unterstützung, die nicht von der nächsten Förderperiode abhängt.
    Vor allem aber müssen wir viel früher anfangen.
    Wenn Kinder bereits bei Schuleintritt sehr unterschiedliche sprachliche, soziale und kognitive Voraussetzungen haben, ist es zu spät, erst in der dritten oder vierten Klasse über Förderung nachzudenken. Gute frühkindliche Bildung ist keine Vorstufe von Schule. Sie ist einer der entscheidenden Orte für Bildungsgerechtigkeit.
    Natürlich sind Programme wie Startchancen sinnvoll. Aber wir sollten uns davor hüten, Programme mit Veränderung zu verwechseln.
    Ein neues Förderprogramm ist noch keine neue Wirklichkeit.
    Nach so vielen Jahren Bildungsdebatte erscheint mir ohnehin etwas anderes bemerkenswert: Uns fehlt es kaum noch an Erkenntnissen. Wir kennen die Probleme. Wir haben Daten. Wir haben Studien. Wir kennen viele wirksame Ansätze.
    Was fehlt, ist Konsequenz.
    Vielleicht ist das inzwischen die unangenehmste Wahrheit: Das deutsche Bildungssystem hat weniger ein Erkenntnisproblem als ein Umsetzungsproblem.
    Und bei jeder neuen Studie beginnt das gleiche Ritual. Betroffenheit. Ankündigungen. Arbeitsgruppen. Strategien. Der Hinweis, dass Reformen einen langen Atem brauchen.
    Das stimmt sogar.
    Nur: Ein Kind hat keinen langen Atem.
    Ein Kind, das heute in der fünften Klasse den Anschluss verliert, kann nicht darauf vertrauen, dass eine Reformgeneration später alles besser wird. Seine Schulzeit läuft jetzt.
    Deshalb sollte PISA 2025 nicht vor allem die Frage auslösen, welches neue Programm wir brauchen.
    Die wichtigere Frage lautet:
    Sind wir endlich bereit, Ressourcen konsequent dorthin zu geben, wo die Not am größten ist?
    Wenn wir Bildungsgerechtigkeit ernst meinen, darf soziale Benachteiligung nicht länger durch das Bildungssystem verstärkt werden.
    Nach 40 Jahren Beobachtung dieses Systems wünsche ich mir deshalb weniger neue Versprechen und mehr sichtbare Konsequenz.
    Eine wirkliche Trendumkehr beginnt für mich dort, wo die Herkunft eines Kindes spürbar weniger darüber entscheidet, welche Zukunft ihm offensteht.
    Davon sind wir noch immer zu weit entfernt.

  3. auch wenn mir hier viele widersprechen (was sie auch dürfen und sollen) seit dem meine Kinder auf der Grundschule sind sehe ich das Ganze anders. In der Grundschule sind die Lehrpläne massiv überfrachtet, Schwingübungen gibt es nicht mehr. Dafür wird schon bevor alle Buchstaben eingeführt worden sind mit dem Lesen begonnen. die Eltern sollen zusätzlich zu den Hausaufgaben 15min lesen und 15min rechnen täglich. d.h. es wird viel nach Hause ausgelagert was viele neben Vollzeitstelle nicht mehr hin bekommen. Auch Wahrscheinlichkeiten in der 3. Klasse braucht man nicht, dafür fällt das schriftliche rechnen fasst komplett weg. kinder lernen hier schon in der Grundschule, dass aus ihnen nichts werden wird. man sollte in der Grundschule die Grundlagen bis zum erbrechen einüben. Der Rest dann in den weiterführenden schulen.
    und bitte keine weiteren Tests und Leistungserhebungen, hier wird faktisch in der Grundschule jede Woche 2 Leistungserhebungen geschrieben. dazu die Vergleichsarbeiten und in der 4. kompass. alles Zeit die man sinnvoller für übungen nutzen könnte. den woher soll die Zeit zum Gegensteuern kommen, die Eltern haben die selten und in der Schule keine Chance. Da rennt man den Lehrplänen hinterher

    • In welchem Bundesland sind die Lehrpläne massiv überfrachtet? Die Grundschulzeit meiner Kinder (BY) ist etwas her, aber ich empfinde das überhaupt nicht so. Das zu Hause Arbeiten (abgesehen vom regelmäßigen Vorlesen und dem Vorbereiten auf Proben) hat sich in Grenzen gehalten; Hausaufgaben wurden in der Mittagsbetreuung erledigt.

      • Sehe ich auch so. Sachsen entschlackte, entrümpelte und speckte seit Anfang der 2000er immer wieder die Lehrpläne besonders in den MINT- Fächern der weiterführenden Schulen ab. Jetzt noch ein Abitur nach den weichgespülten IQB- Kompetenz- und Bildungsstandards. Uns wundern Leistungsabstürze schon lange nicht mehr. Für viele Kollegen brauchte es kein Orakel,
        die sahen kommen das Debakel.
        Eine Rolle rückwärts gibt es nicht, weiter so – Wand schon in Sicht.

    • „In der Grundschule sind die Lehrpläne massiv überfrachtet“

      Hier in SH sicher nicht, da steht ja gar nichts Handfestes mehr drin! Nur windelweiche Kompetenzziele, die alles und nichts bedeuten können. DARIN liegt in der Tat ein Problem: Das Wesentliche gerät mit der Zeit immer mehr aus dem Fokus, denn jeder Lehrer entscheidet selbst, was er daraus macht.

      „Schwingübungen gibt es nicht mehr“

      Doch, Schwungübungen gibt es noch, sofern Sie das Glück haben, dass Ihr Kind noch so genannten „Unterricht“ bekommt. Leider nehmen immer mehr Kinder unfreiwillig an SOL- und JÜL-Experimenten teil, das kann natürlich nichts werden.

      „Dafür wird schon bevor alle Buchstaben eingeführt worden sind mit dem Lesen begonnen“

      Das ist völlig normal und auch sinnvoll, sonst würde man ja in der ganzen ersten Klasse nicht lesen. Das Wortmaterial muss natürlich auf die die eingeführten Buchstaben abgestimmt sein, was wiederum bei SOL- und JÜL-Experimenten unwahrscheinlich ist.

      „die Eltern sollen zusätzlich zu den Hausaufgaben 15min lesen und 15min rechnen täglich. d.h. es wird viel nach Hause ausgelagert was viele neben Vollzeitstelle nicht mehr hin bekommen“

      Gut, lesen kann man nie genug üben und die Schule kann tatsächlich gerade beim Lesen nicht alles alleine schaffen, da muss auch zu Hause geübt werden. Was ich seltsam finde: Warum soll das zusätzlich zu regulären Hausaufgaben passieren? Ich würde das doch einfach als Hausaufgabe aufgeben… In Deutsch ist es doch Standard, dass man zu Hause jeden Tag etwas schreibt und etwas liest.

      „Auch Wahrscheinlichkeiten in der 3. Klasse braucht man nicht, dafür fällt das schriftliche rechnen fasst komplett weg.“

      Da muss ich Ihnen Recht geben, es findet unfassbar viel Gedöns statt und es wird überraschend wenig gerechnet. Die Lehrwerke verleiten stark dazu, gerade die besonders schlechten. Meine persönliche Gewichtung: Rechnen 80%, alles andere 20%. Lehrwerk-Gewichtung (ganz subjektiv geschätzt): Rechnen 40%, alles andere 60%.

      „man sollte in der Grundschule die Grundlagen bis zum erbrechen einüben.“

      Vollkommen richtig. Die Zeit ist knapp, und wer da drei Sitzkreise pro Tag abfeiert, kommt halt zu nichts. Allerdings gibt es auch Schüler, die es schaffen, trotz ausreichender Übungszeit nicht genug zu üben, weil sie nicht konzentriert arbeiten können und/oder wollen.

      „und bitte keine weiteren Tests und Leistungserhebungen, hier wird faktisch in der Grundschule jede Woche 2 Leistungserhebungen geschrieben. dazu die Vergleichsarbeiten und in der 4. kompass. alles Zeit die man sinnvoller für übungen nutzen könnte“

      Erneut vollkommen richtig, die Zeit und Energie, die in diesen Mumpitz fließt, stecke ich lieber in gut vorbereiteten Unterricht.

      „Da rennt man den Lehrplänen hinterher“

      Nee, das ist echt nicht das Problem, auch wenn es in der Öffentlichkeit ritualhaft immer wieder gesagt wird. In den Lehrplänen steht nicht zu viel Stoff! Es steht zu viel Kompetenzblabla drin. Was fehlt, sind konkrete Inhalte. Die soll sich jede Schule selbst überlegen. Muhaha. Genial, oder?

      • Sie haben absolut recht.

        Schauen Sie sich das englische Schulsystem an, das mittlerweile sehr erfolgreich ist. Englands Schulen wurden ab 2010 radikal umgekrempelt und gehären bei PISA 2026 zu den erfolgreichsten 10 Ländern in allen geprüften Bereichen.

        England hat, ähnlich wie die Schweiz, eine zweijähriges verpflichtendes (Vor)Schule für alle 4- bis 6jährigen. Das ist für die Sprachkompetenz natürlich super.

        Dann wurde Folgendes geändert:

        1. Fokussierung auf reines Fachwissen – weg von der Wischi-waschi- Kompetenz-Methode

        2.Evidenzbasierte Unterrichtsmethoden:
        weg von vagen, offenen Lernformen. Es gibt wieder strukturierte, wissenschaftlich fundierte und lehrerzentrierte Methoden.

        3. Lokale Schulbehörden wurden entmachtet, Schulleiter haben enorme Freiheiten bis hin zu Personalentscheidungen.

        4. Die Schulen werden unangemeldet geprüft und bewertet. Die Bewertungen sind öffentlich zugänglich. Die Schulleitung hat sich zu verantworten.

        5. Strikte Disziplin (warm-strict)
        Es herrschen eiserne Disziplin, strenge Kleidungsvorschriften (Uniformen) und eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Unterrichtsstörungen.Dahinter steht die Überzeugung, dass ein ruhiges, geordnetes Lernumfeld insbesondere Kindern aus sozial benachteiligten Familien hilft, Spitzenleistungen zu erbringen.

        • Aber warum schlagen diese Maßnahmen bei SuS ohne Migrationshintergrund in UK nicht an?

          Die SuS ohne Migrationshintergrund schnitten in UK bei Naturwissenschaften mit 517 Pkt ja schlechter ab als die Pendants in DE mit 521 Pkt.

      • Ich war bis zum Eintritt meiner Kinder auch dieser Meinung. aber ich sehe wie hier die Kollegen „durchziehen“ müssen und wie viel Schüler (einheimische) abgehängt sind und in der Grundschule eine Klasse wiederholen müssen. in der ersten Klasse waren 4 solche Wiederholter. Mehr Basics und viel mehr übungsphasen wäre. toll. und es handelt sich um eine gute geführte Schule und die Klassenlehrer haben die Klassen gut im Griff. mir manchmal eher zu rigide.

        • Ich kann natürlich nur für SH sprechen, aber hier kann ich im Rahmen der Fachanforderungen (die maximal interpretierbar und mangels Konkretisierung auch maximal interpretierungsbedürftig sind) sowohl strukturierten Unterricht mit Fokus auf die Basiskompetenzen als auch Fake-Unterricht mit SOL machen. Da wird dann tatsächlich oft ein Thema nach dem anderen durchgenudelt, ohne Sinn und Verstand. Aber das kann jede Schule und letztlich jeder Lehrer selbst entscheiden. Am Lehrplan liegt das nicht.

          Man darf sich als Kollegium halt nicht ins Bockshorn jagen lassen und beim Kompetenz-Zirkus über alle Stöckchen springen. Schule muss vom Unterricht und den pädagogischen Erfordernissen her gedacht und organisiert sein, nicht von externen Vorgaben, Sachzwängen und faulen Kompromissen an allen Ecken und Enden.

          Aktuelles Beispiel: Der Aufwand, der für Diagnostik und Leistungsfeststellung getrieben wird, nimmt lächerliche Ausmaße an. In den ersten drei Wochen des Schuljahres sind viele Kollegen kaum zum Unterrichten gekommen, weil ständig irgendwas ganz dringend getestet werden musste, Daten, Daten, hechel, hechel. Bringt das irgendwas? Natürlich nicht, es frisst ausschließlich wertvolle Zeit und bringt Unruhe. Dazu dann noch der Overkill an Tests, die vor allem in der Eingangsphase gar nicht vorgeschrieben sind, aber trotzdem gemacht werden, weil das Lehrwerk es vorgibt. Da muss man als Kollegium einfach sagen: Wir machen nur das bare Minimum. Dann hat man Zeit für Pädagogik.

    • Ganz ehrlich, wer es zeitlich nicht schafft, 15 Minuten pro Tag mit den eigenen Kindern zu lesen, der soll bitte keine Kinder bekommen. Man kann nicht alles haben, Kinder ohne minimale Verantwortung geht halt nicht. Der Arbeitstag hat doch keine 16 Stunden mehr. Also bitte.

      • Das klingt alles plausibel, solange es sich nur um ein Kind handelt. Aber entsprechend der Klasse/Schulart der Kinder sind es dann bei mehreren Kindern: x Minuten lesen, x Minuten rechnen, Abfragen von Gedichten, Abfragen von Klausur-Inhalten, Kontrolle der Hausaufgaben, Hilfe/Beantwortung von Fragen zur Hausaufgabenerstellung, IT-Unterstützung, Sichtung/Beantwortung der Elternbriefe, passendes Bargeld besorgen & in Umschläge verpacken und auch Ersatzbeschaffung von defekten/fehlenden Schulmaterialien. Drei bis vier Stunden täglich. Ein Teilzeitjob – oder „Lifestyle-Teilzeit“ gem. der CDU.

      • also ich rechne mal vor: sie haben 3 Kinder a 45min Hausaufgaben. 135min. hier kann man eventuell parallel als Elternteil arbeiten. macht. wir 75min daraus. Dazu pro Kind 15min lesen, sind 45min (hier lässt sich wenig einsparen). und Mathe nochmals 15min, also wieder 45min, mir Optimierung 30min. für Leistungserhebungen haben wir noch keine Minute geopfert. sind wir bei 150min. also 2,5h pro Tag. das sind bei 5 Tage die Woche 12,5 Stunden. also 1/3 Vollzeitstelle, Wäsche Haushalt usw ist da noch nicht gemacht. es ist illusorisch. entweder man kann sich den Einkommensverzicht leisten, die professionelle Betreuung (und damit meine ich nicht arme Erzieher in der Hausaufgabenbetreuung mit 20 Kindern im Zimmer) bezahlen oder man hat ein kleines Genie daheim. Gerade in den schwächeren Einkommensschichten trifft das selten zu. Das bestätigt Pisa faktisch auch.

  4. So ist es eben, wenn das System erwartet, dass sich Kinder schon ab der Grundschule schulisches Wissen und schulische Kompetenzen selbst aneignen

  5. Einerseits werden zu wenig Ressourcen bereitgestellt, um Kinder aus benachteiligten Verhältnissen, insbesondere die mit andersprachigem Hintergrund, zu fördern.
    Andererseits sind Anstrengungsbereitschaft und Verzicht (z.B. auf sofortige Bedürfnisbefriedigung) in unserer Gesellschaft verpönt.

    Interessant ist, dass Schweden genau dieselben Probleme aufweist. Auch dort werden die Pisa-Ergebnisse gerade heiß diskutiert.

    • Erstaunlich dass die Gesamtergebnisse in SWE genauso schlecht ausgefallen sind wie im deutschen Schnitt. Immerhin bestand die PISA-Stichprobe in SWE zu 59% SuS aus der sozial-privilegierten Schicht, in DE nur zu 36%.

  6. Dieses Aussortieren von Kindern durch das Schulsystem nach dem Prinzip „friss oder stirb“ gibt es so kaum irgendwo auf der Welt. Entsprechend sind dann eben auch die Ergebnisse.

    • Na ja, da Schweden auch immer schlechter abschneidet, scheint es nicht so einfach zu sein, wie manche glauben. Dort gibt es kein „Friss-oder-stirb“.

      • Norwegen und Finnland werden immer schlechter, sogar Dänemark ist in zwei Kategorien hinter Deutschland. Skandinavien schmiert ab (noch nicht ganz so wie bei uns, aber eine Tendenz zeichnet sich ab). Woran mag das wohl liegen?
        England kämpft sich immer weiter nach vorne – wie haben die ihr Schulsystem verändert um das zu schaffen?

        • England hat dies geändert:

          Fokussierung auf reines Fachwissen – weg von der Wischi-waschi- Kompetenz-Methode

          2.Evidenzbasierte Unterrichtsmethoden:
          weg von vagen, offenen Lernformen. Es gibt wieder strukturierte, wissenschaftlich fundierte und lehrerzentrierte Methoden.

          3. Lokale Schulbehörden wurden entmachtet, Schulleiter haben enorme Freiheiten bis hin zu Personalentscheidungen.

          4. Die Schulen werden unangemeldet geprüft und bewertet. Die Bewertungen sind öffentlich zugänglich. Die Schulleitung hat sich zu verantworten.

          5. Strikte Disziplin (warm-strict)
          Es herrschen eiserne Disziplin, strenge Kleidungsvorschriften (Uniformen) und eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Unterrichtsstörungen.Dahinter steht die Überzeugung, dass ein ruhiges, geordnetes Lernumfeld insbesondere Kindern aus sozial benachteiligten Familien hilft, Spitzenleistungen zu erbringen.

        • Sind in UK aber nur die Schüler mit Migrationshintergrund, die den Schnitt nach oben ziehen.

          Beispiel Naturwissenschaften:
          SuS ohne Migrationshintergrund in DE = 521 Pkt, in UK = 517 Pkt
          ähnlich auch in Kanada mit 518 PKt etc.

          • Interessant, oder? Da wäre es spannend, sich mal weitere Forschung bzgl. der unterschiedlichen Migrationspolitik (UK/Kanada vs. Deutschland u.a.) anzuschauen. Vielleicht können wir nicht nur schulisch, sondern auch in anderen Bereichen von diesen Ländern noch lernen.

          • Auf der website von gov.uk kann man u.a. auch nachlesen wie die verschiedenen ethnischen Gruppen bei den landesweiten Tests in UK abschneiden.
            Die Ergebnisse der Gruppe „white british“ liegen unter dem Landesschnitt. Könnte sich bei PISA also positiv bemerkbar gemacht haben, dass deren Anteil in den letzten Jahren um gut 10 Prozentpunkte gesunken ist.

          • Spoileralarm: Die gleichen Schülergruppen, sofern ich diese antreffe, sind auch „hier“ im Schnitt massiv besser. Egalwelches Fach.
            Da das natürlich relativ gesehen sehr selten ist, ist dies natürlich „anekdotisch“, nicht faktengecheckt usw.

          • Keine Überraschung, denn diese Gruppen schneiden auch in Ländern wie CAN, USA, AUS, NZL etc. besser ab als die Einheimischen.

    • Wer vor allem im asiatischen Raum nicht liefert, wird dort recht schnell „gefressen“. Das „Gaokao“ in China gilt als absolut harte Prüfung. Wer oben mitspielen will, muss also vermehrt auf Druck und Drill setzen.

    • Weil ja jeder weiß, dass im deutschen Schulsystem knallhart aussortiert wird und niemand eine zweite oder dritte oder vierte…Chance hat? ‚…liegt Deutschland bei allen drei Testfeldern etwa im OECD-Durchschnitt und teils leicht über dem EU-Schnitt..‘ – das Sortieren hat wohl doch keinen so singulären Effekt, liegen die Probleme vielleicht bei Faktoren, die alle OECD-Länder gleichermaßen betreffen?
      Man kann es aussortieren oder äußere Differenzierung oder sogar Begabungsförderung nennen, aber es gibt überall in D immer und für jede/n alternative Wege zu anderen Bildungsabschlüssen. Dieses Problem wurde Jahrzehnte diskutiert und die Möglichkeiten gerade deshalb immer weiter ergänzt und ausdifferenziert, für die berühmten Spätzünder gibt es wenig Länder mit noch mehr Angeboten.
      Das ändert nichts daran, dass keine gleichen Chancen gegeben sind, aber das hat wenig mit sortieren zu tun. In einem unterfinanzierten und überforderten Bildungssystem könnte man sonst nur das Anforderungsniveau anpassen. Dann los, Gesamtschule für alle von 1 bis 10, notenunabhängiger Zugang zur Oberstufe, innere Differenzierung in drei Ebenen plus Förderschüler, Klassengröße 28-30, aber bitte mit maximal gleicher Personalausstattung. Das würde die Ergebnisse verbessern? Optimistisch!
      Wie wäre es damit: OECD = Industriestaaten, digitale Infrastruktur meist vorhanden, Geräte ebenfalls. Denken erfordert (Frei)zeit, Aufwand, Anstrengung, aber die Mittel, um das zu verringern haben fast alle. Ich denke über die Matheaufgabe nach, ich überlege, was Autor X gemeint hat, das tun nur noch wenige. Wieviele lösen jeden Tag Rätselaufgaben, freiwillig? Die Nutzung sozialer Medien und digitaler Hilfsmittel nimmt in jedem der Länder seit Jahren zu, vielleicht ist es nur eine Korrelation, aber m. W. hat noch keine Studie das als wichtige Ursache ausschließen können.
      Viel zu komplex, dann doch lieber ‚dieses schlimme, Lebenschancen zerstörende Aussortieren‘? Ok, noch mehr von dem, was diese Ergebnisse gebracht hat, mehr vom Gleichen, wenn es nicht funktioniert.

  7. „Die Trennlinie läuft nicht zwischen Jugendlichen mit und ohne Zuwanderungshintergrund, sondern zwischen Jugendlichen aus sozial privilegierten und sozial benachteiligten Familien.“
    Der Kniff liegt darin, gerade diese Gruppen zu „mehr Eigenverantwortung“ aufzurufen, der sie erwiesenermaßen nicht nachkommen können (wollen).
    Naja, noch ein, zwei „Schocks“ und die Länder denken vielleicht wieder mehr an bessere Rahmenbedingungen und Chancen für die Kinder, anstatt davon zu träumen, dass diese sich nicht verändert haben…

  8. So richtig überraschend kommen die Ergebnisse für alle, die im pädagogischen Bereich arbeiten nicht.
    Auch die Analysen sind seit 25 Jahren die gleichen, die Konsequenzen bleiben entweder aus oder sind wirkungslos.
    Aus meiner Sicht gibt es eine Menge Stellschrauben, an denen gedreht werden sollte, hier nur eine kleine spontane Auswahl:

    1. Die Brennpunktschulen müssen deutlich mehr Ressourcen zugewiesen bekommen.
    2. Parallel dazu müssen aber auch die Eltern (ja auch die sozial schwachen) stärker in die Pflicht genommen werden. (5 Stunden Bildschirmdaddelei und dann Fördermaßnahmen einfordern, passt einfach nicht zusammen!) Ich erwarte von Eltern, dass sie ihre Kinder lernbereit und pünktlich zur Schule schicken,-und das möglichst zu Fuß…
    3. Die ganze Datenmesserei und die Testverfahren sind weitgehend überflüssig. Die Ressourcen, die hierfür verbraten werden, können woanders viel besser genutzt werden.
    4. Die Schulverwaltung auf allen Ebenen muss deutlich verschlankt werden,- die freien Ressourcen sollten auf die Schulen verteilt werden. Wir haben einen riesigen, aufgeblähten Verwaltungsapparat, den wir nicht brauchen, aber an den Schulen fehlen die Leute.
    5. Schulämter sollten in einem größeren Maß Elternpflichten einfordern, anstatt Lehrkräften bei Konflikten in den Rücken zu fallen.
    6. Institute für Bildungsanalysen und Unterrichtsqualität haben in B.W. keinerlei Verbesserungen erreicht,- auch diese „Fachleute“ hätte ich gerne wieder an den Schulen.
    7. Es geht trotzdem kein Weg daran vorbei, mehr Geld in die Bildung zu geben, kleinere Klassen und Reserven für Vertretungen sind unumgänglich!
    8. Mediennutzung und Smartphones müssen für Kinder in der Grundschulzeit drastisch begrenzt werden,- ich sehe hier eine Kindeswohlgefährdung!

    Wenn ich höre, dass jetzt wieder Analysen und Tests gefordert werden, fehlt mir jedes Verständnis! Nach wie vielen Pisa-Studien haben wir analysiert, getestet und rumtherapiert!
    Mit dem Erfolg, dass die Ergebnisse nur noch schlechter geworden sind!

    • „Nach wie vielen Pisa-Studien haben wir analysiert, getestet und rumtherapiert! Mit dem Erfolg, dass die Ergebnisse nur noch schlechter geworden sind!“

      Ist ein Arzt für die Krankheit verantwortlich? Und wird der Patient geheilt, wenn er nicht mehr zur Diagnose geht?

      Herzliche Grüße
      Die Redaktion

      • Diagnose beim Arzt heilt keinen Patienten. Aus der Diagnose sollte die entsprechende, passende Therapie folgen und diese kann dann den Patienten evtl. heilen oder zumindest die Krankheit lindern.

        • „Diagnose beim Arzt heilt keinen Patienten.“ Gerne mal ohne Diagnose behandeln lassen.

          Herzliche Grüße
          Die Redaktion

          • Aber die Diagnose haben wir doch? Wie oft will man sie denn noch „bekommen“?

            Das ist ja durchaus mal ein anderer Ausgangspunkt? Die Diagnose liegt – mehrmals bestätigt – vor.

            Hätten Sie als Patient denn Lust, dass man nur sagt: Sie haben XY – schlecht für Sie. Leider ist das so. Muss man mit leben jetzt. Therapie? Nene, Überlastung. Schauen Sie selbst mal, ob Sie meditieren oder so. Seien Sie kreativ.
            Naja, kommen se‘ in paar Jahren/nächstes Jahr wieder – wir schauen dann nochmal…

            Klar … Da würde ich sicherlich dann „alle Jahr“ hingehen? Nur wozu … Um dann wieder zu hören: Genau, alter Stand – etwas schlechter sogar. Haben Sie denn bisschen meditiert? Ja? Hm, dann vielleicht mal Spazieren gehen dazu. Daran schon gedacht?
            Naja, kommen se‘ …

            Was soll denn das? Mal im Ernst. Ist das der Weg?

          • Um im Bild zu bleiben: Wenn der Patient die offensichtlich unangenehme Behandlung hartnäckig verweigert, stellt der Arzt halt keine Besserung fest. Womöglich sogar das Gegenteil. Das spricht immer noch nicht gegen den Arzt (und den Sinn von Diagnosen).

            Herzliche Grüße
            Die Redaktion

          • Naja, wir haben allerdings halt eben mehr „Instanzen“ als nur die Zwei.

            – Bildungsforschung/PISA , Analytiker [Diagnostiker, Medizinforschung, Gesundheitsforschung, Analytiker]
            – Staat/AG/Land usw. [Hier der Arzt/das Krankenhaus]
            – Schule/Lehrkräfte [Hier die Pfleger/Krankenschwestern]
            – Kinder [Hier der Patient]

            Die Diagnostiker/“Medizinforschung“ sagt:
            Das Krankenhaus ist Mangelhaft. Hier können wir kaum jemanden heilen. Dazu ist die Methodik eine alter Art. Wir müssen modernisieren. Hier ist die eigentliche Diagnose und Empfehlung dazu: …

            Der Arzt sagt:
            Das Krankenhaus hat keine Kohle und wir kaufen nichts Neues. Die Diagnose ist mir egal – ich mache einfach eine Eigene… Wir machen Experimente. Wird schon hinhauen. Leitet das an die Pfleger weiter: … Sie sollen …

            Die Pfleger/Krankenschwestern sagen:
            Öhm, wirklich?
            Wir sollten schon modernisieren. Wir können so kaum arbeiten. Die Patienten sind bereits ungeduldig und sehr viele kommen nicht geheilt hier raus. Die sind unzufrieden und wir auch.

            Der Patient sagt:
            Geil … Wär ich nur daheim geblieben.
            Stellt mal euren Sauhaufen um und Krankenbetten. Dazu Medizin. Und wäre auch toll, wenn man irgendwann hier auch dran kommt, wenn man schon ewig auf Termine warten muss.

            Ist nicht „der realistischere Vergleich“?
            Und ja, dann ist die Diagnostik für den Arzt zwar sinnvoll, der Patient muss trotzdem mit der Umsetzung vor Ort leben. Genauso wie die Pfleger mit den Bedingungen. Und der Arzt behält seinen Job. Das Krankenhaus bleibt da. Und auf die Diagnostiker gibt man einen Scheiß nämlich. Der Arzt zieht sich bei dem Szenario raus und „weißt an“. Und trampelt ggf. auf die Pfleger und Patienten bisschen rum.

            Ich finde … Der Vergleich ist eher da?

          • Welcher Arzt? Kassenarzt am Ende des Quartals ohne Budget, überlaufener Facharzt in der Großstadt mit dreieinhalb Monaten Vorlaufzeit bis zum Erstermin oder das nächstgelegene Krankenhaus, das noch einmal der Schließung entkommen ist, aber nicht mehr als die Grundversorgung anbietet und deshalb keine zur Diagnose passende Fachabteilung mehr hat. Und dann wäre noch die Kostenübernahme mit der eigenen Krankenkasse zu klären, die dem Therapieplan nur bedingt folgt, da einzelne behandlungsschritte überdurchschnittlich aufwendig sind bzw. einzelne Therapien nicht als Kassenleistung abgerechnet werden können. Und wenn ich jetzt noch ein Befürworter der Remigration bin, soll ich mich auch noch mit einem ausländischen, syrischen oder ukrainischen Facharzt abgeben müssen? Ja, dann aber doch lieber deutsch-national verrecken, für Alice,Volk und Vaterland – schließlich hat man ja seine felsenfesten Prinzipien

          • Das Bild ist schief, hier hat der Arzt (Wissenschaft und Politik) eine Diagnose, die aber scheinbar noch fünfmal überprüft werden muss. Warum? Weil dieser Arzt statt einer Behandlung der Ursachen, die sehr teuer wäre, die Symptome behandelt: Schmerztablette und Pflaster statt OP. Wer ist denn ‚der Patient‘: das Bildungssystem, die Politik, die Gesellschaft? In den Schulen sitzen unter den Lehrkräften wenige Verweigerer, dazu sind alle viel zu ratlos und frustriert, aber ohne Medizin Behandlungspläne (Konzepte und Programme) selbst zu schreiben, empfindet nun einmal niemand als ernsthafte Therapie. ‚Hartnäckige Verweigerung‘ klingt nach Schulen, die eine stürmische, euphorische Reform blockieren. Diesen Reformeifer sehe ich allerdings nicht.
            Drei Vorschläge werden gemacht, in erster Linie, um unterschiedliche Lernvoraussetzungen anzugehen. Die haben wir seit 50 Jahren und mehr, das ist auch bekannt, wie glaubwürdig ist diese Idee noch als ernstgemeinte ‚Therapie‘? Wenn es ernst gemeint wäre, würden diesen Ansätzen nicht seit Jahrzehnten personelle und finanzielle Mittel fehlen.

          • „In den Schulen sitzen unter den Lehrkräften wenige Verweigerer.“

            Darum geht es doch gar nicht. Es geht ums System, das Lehrkräfte zu wenig unterstützt.

            „Wenn es ernst gemeint wäre, würden diesen Ansätzen nicht seit Jahrzehnten personelle und finanzielle Mittel fehlen.“

            Es ist sehr ernst gemeint. Nur haben Bildungsforscher*innen weder Personal noch Finanzen zu verteilen.

            Herzliche Grüße
            Die Redaktion

          • Was würden Sie einem Arzt sagen, wenn er bei Ihnen ständig neuartige Medikamente und Therapien anwenden will, die bisher nur an einer bestimmten, sehr kleinen Gruppe erfolgreich getestet wurden und über deren Nebenwirkungen bei anderen Vergleichsgruppen nichts bekannt ist, weil dort nicht untersucht wurde?

          • Dass man Querulanten, die sich wissenschaftlichen Befunden verweigern, auch schwer behandeln kann.

            Herzliche Grüße
            Die Redaktion

      • Ich gehe nicht davon aus, dass schlechte Ergebnisse mit einer Krankheit gleichzusetzen sind, daher hinkt Ihr Vergleich!
        Aber um in Ihrem Bild zu bleiben: Einen Arzt, der bei jedem Besuch ein Röntgenbild fertigt, mir sagt, dass ich den Arm gebrochen habe und mir unpassende oder keine Therapien anbietet, würde ich spätestens nach dem 3. Röntgenbild wechseln!

          • Schon klar, wenn der Arzt mir beim Armbruch Kamillentee anbietet, kann man das auch als Therapie sehen…

          • Kamillentee?

            „Was kann helfen? Greiff und sein Team machen drei konkrete Vorschläge: Schon im Vorschulalter sollten mögliche Lernprobleme entdeckt und angegangen werden. «Vor allem Kenntnis der Unterrichtssprache ist der Schlüssel zu allen anderen Fächern», sagt Greiff.

            Der zweite Vorschlag ist die «datenbasierte» Entwicklung des Unterrichts. Gemeint sind häufige Tests, nicht für Noten, sondern für ein individualisiertes Gegensteuern, um nicht Rückstände auflaufen zu lassen. Vorbild ist für Greiff dabei Kanada.

            Und Ansatz Nummer drei: mehr Geld für Schulen mit besonders vielen Kindern in schwierigen Lebenslagen. «Wenn Schulen sehr unterschiedliche Herausforderungen bewältigen müssen, dürfen sie nicht alle gleich ausgestattet werden», mahnen die Forscher.“

            Herzliche Grüße
            Die Redaktion

          • 1 – super

            2 – Bloß nicht, das kostet alles wertvolle Unterrichtszeit und bringt mir relativ wenig. Ich kenne meine Schüler. Ich sehe die täglich, mehrere Stunden. Ich rede mit ihnen, spiele mit ihnen, male, singe und lache mit ihnen. Jede Woche. Jedes Jahr. Und dann kommt einer mit einem gaaaanz genauen Test, super ausgetüftelt, Evidenz im Quadrat, und der meint, er könnte mir jetzt gaaanz viel Neues erzählen. Das ist so ignorant gegenüber dem Wesen der Pädagogik, dass es einem die Sprache verschlägt.

            3 – Wie wäre es, wenn man einfach Schulen grundsätzlich gut ausstattet? Zum Beispiel mit einem festen, pädagogischen Assistenten pro Klasse. Das spart den bürokratischen Überbau für die gut dokumentierte Mangelverwaltung (Pool etc) und die Lehrer können überall guten Unterricht machen.

          • „Wie wäre es, wenn man einfach Schulen grundsätzlich gut ausstattet?“

            Klar – im Schlaraffenland eine sinnvolle Lösung, mit dem Füllhorn über alle 30.000 Schulen in Deutschland zu ziehen. Wenn allerdings die Ressourcen knapp sind (Stichwort: Lehrkräftemangel), macht es vielleicht doch Sinn zu schauen, wo sich mit mobilisierbaren Mitteln die größten Effekte erzielen lassen.

            Und was die Diagnose angeht – exemplarisch eine Studie: „Es nahmen 116 Lehrkräfte mit 48 Klassen der Stufen 5 bis 8 unterschiedlicher Schulformen an der Studie teil. Zentrale Ergebnisse waren eine schwache bis moderate Güte der diagnostischen Lehrerurteile.“ Quelle: https://www.uni-wuerzburg.de/fileadmin/06020400/user_upload/Richter/McElvany_et_al_ZfPPs.pdf

            Allgemeiner: Lehrkräfte sind im Allgemeinen sehr gut darin, die Leistungsreihenfolge innerhalb ihrer eigenen Klasse korrekt einzuschätzen (hohe relative Urteilsgenauigkeit). Sie wissen meist genau, wer die stärksten und wer die schwächsten Schüler sind. Probleme treten eher bei der absoluten Urteilsgenauigkeit auf. Lehrkräften fällt es oft schwer, das exakte Kompetenzniveau an standardisierten Maßstäben zu messen oder die genaue Aufgabenschwierigkeit trennscharf vorherzusagen. Hierbei kommt es phasenweise eher zu einer leichten Unterschätzung der tatsächlichen Schülerleistungen. Quelle: https://link.springer.com/article/10.1007/s42010-024-00215-3

            Herzliche Grüße
            Die Redaktion

          • In den pädagogischen Spezialdisziplinen

            absolute Urteilsgenauigkeit,
            exaktes Kompetenzniveau standardisiert messen und
            genaue Aufgabenschwierigkeit trennscharf vorhersagen

            hat die Maschine gewonnen.

            Fein. Was tun wir damit?

            Bernd Ahrbeck meint:

            „[…]
            Der Preis, der dafür gezahlt werden muss, ist nicht unerheblich, denn eng verbunden mit dem zugrunde liegenden Wissenschaftsverständnis, dem Forschungsdesign und der daraus resultierenden Interventionspraxis ist ein ganz bestimmtes Menschenbild: Kinder, Jugendliche und Erwachsene müssen konsequenterweise als mehr oder weniger triviale Ursache-Wirkungs-Maschine angesehen werden. Der alte Traum von der gradlinigen Steuerung des Menschen gerät, wie es scheint, noch einmal in greifbare Nähe. Unbestimmtheit hat demgegenüber kaum noch einen Platz. Der Mensch wird faktisch nicht mehr als »offene Frage« begriffen, ihm somit auch keine individuelle Bildsamkeit mehr unterstellt.
            In der Forschung dominiert die Subsumtionslogik nach dem Motto: »Kenne ich einen, kenne ich alle!«. Die Praxis hebt darauf ab, an augenscheinlich objektivierbaren Menschen schulisch und außerschulisch Trainings- und Förderprogramme konsequent zu exekutieren.“

            (Ahrbeck: Evidenzbasierte Pädagogik 2016 – Einleitung)

          • Noten weg, Aussortieren beenden – dann gerne ungeradlinig steuern, wie’s so ungefähr passt. Aber ein Bildungssystem, das Zukunftschancen über (vermeintlich objektive) Beurteilungen und Noten verteilt, kann sich nicht auf fröhliche „Unbestimmtheit“ zurückziehen, wenn’s ihm gerade mal besser gefällt.

            Herzliche Grüße
            Die Redaktion

          • Ich bin nicht das Bildungssystem, damit will ich nichts zu tun haben 😉

            Und ich ganz persönlich verteile ein paar Kreuze in einem Kompetenzraster, das wirklich niemanden auf diesem Planeten interessiert und gebe eine unverbindliche Empfehlung für den Übertritt.

            Ich will meinen Schülern wirklich etwas beibringen und schätze es gar nicht, wenn ich dabei gestört werde. Das ist eigentlich alles.

          • Vorschlag zwei ist für mich etwas undurchsichtig. Wer genau führt diese häufigen Tests durch? Wer wertet sie aus? Wer sorgt für das individualisierte Gegensteuern? Auf alle Fragen komme ich nur auf die Antwort: „Die Lehrkraft“ – und die hat in der Regel mit bis zu 30 Kindern gleichzeitig zu tun, die durch das Zusammenlegen von Schularten vom Förderschüler bis zum Hochbegabten alle gleichzeitig bedienen muss. Wie das genau funktionieren soll, habe ich bis heute nicht verstanden.

          • Bemerkenswert aber auch, dass die SuS ohne Migrationshintergrund in Kanada mit 518 Pkt in Naturwissenschaften sogar noch hinter dem deutschen Schnitt von 51 Pkt lagen.
            Und das obwohl die Stichprobe in Kanada zu 61% aus privilegierten SuS bestand, in DE nur zu 36%.

          • Hinter dieser Paywall steht mitnichten die Antwort auf die sehr berechtigte Frage. Aber Folgendes kann man dort lesen:

            „Die Daten lösen kein einziges der Probleme, vor denen Pitman täglich steht. Aber sie machen deutlich, wie groß die Probleme sind.“

            Einfach nur wow.

            Ach ja: Wenn es im Dashboard rot blinkt, gibt es „Gespräche“. Doppel-wow.

        • Gehen Sie zu Wunderheilern, die mit Handauflegen jede Krankheit von Blasenschwäche bis Krebs in Nullkommanichts beseitigen? Herzliche Grüße Die Redaktion

        • Ach, war rum dann die ständigen Konsilien? Steckt darin vielleicht Konsens?
          Aber ob alternative Heilmethoden sowie Alternativen für Deutschland eine bessere Therapie ermöglichen, lasse ich einmal dahin gestellt.
          Bei Realpolitik geht es grundlegend immer auch um Macht bzw. Machterhalt und das wird in Koalitionen nun einmal apriori schwierig, wenn die partner aus Gründen des Machterhaltes aufeinander angewiesen sind zumal die FDP als Steigbügelkalter ausgedient hat. Aber dafür bietet sich ja jetzt das BSW an, wenn es nach der Pfeife der Vorsitzenden tanzt.

  9. Solange nicht jeder ein tablet hat und wir auch digital Unterricht bei Hitze und Eis machen könne, brauchen wir uns nicht wundern. Leider sind die Arbeitsverträge woanders viel besser, so dass viele Reffis ( so war es bei mir) dann in Firmen oder Verwaltung gehen. Da gibt‘s die Extras von Geld bis mehr Freizeit usw. 🙂 🙂 Was meint ihr denn?

    • Zweiklassengesellschaft etabliert. Lehrer müssen in Dauerpräsenz bei weniger Geld arbeiten und zahlen Homeoffice und 36 Stunden wie beim Öffentlich Rechtlichen für andere mit :/ 🙁

      • Echt jetzt? Wir berichten hier darüber, dass Deutschlands Zukunft gerade flöten geht. Und Sie versuchen, dieses Forum für eine Homeoffice-Debatte zu kapern!?

        Wir bringen genügend Artikel über die (durchaus problematischen) Arbeitsbedingungen im Lehrkräfte-Beruf. Gerne dort einbringen.

        Herzliche Grüße
        Die Redaktion

      • Es wird tatsächlich bald eine Zweiklassengesellschaft geben: die einen werden mit KI Tutor am Tablet sitzen, die anderen werden weiter mit guten Lehrern diskutieren und von Ihnen Erklärungen bekommen.

  10. Wie hat sich denn das angebliche Vorbild Finnland im Vergleich zu 2022 so geschlagen?

    Lesekompetenz: 474 Punkte (-16)

    Mathematik: 469 Punkte (-15)

    Das sind schon sehr deutliche Rückgänge. (40 Punkte entsprechen etwa einem ganzen Schuljahr.)

    Aber der Leistungsabstand zwischen den sozial Begünstigten und Benachteiligten ist immerhin um 11 Punkte gesunken – die Schere geht zu.

    Leider halt ausschließlich von der falschen Seite: Sozial Benachteiligte sind nicht besser geworden (+/- 0 Punkte), sozial Begünstigte aber massiv schlechter (- 12 Punkte).

    Im Bereich Naturwissenschaften liegt Deutschland sowohl bei den Schülern mit als auch ohne Migrationshintergrund vor Finnland:

    ohne Migrationshintergrund: BRD 521 Punkte, Finnland 517 Punkte

    mit Migrationshintergrund: BRD 438 Punkte, Finnland 429 Punkte.

    Welcher Pisa-Fuchs kann mir erklären, warum Finnland im Gesamtranking Naturwissenschaft trotzdem mehr Punkte hat als Deutschland? Gibt es noch eine dritte Kategorie Schüler neben mit/ohne Migrationshintergrund? Oder zählt beim Gesamtranking auch der Abstand zwischen den beiden Gruppen rein? Der ist in Finnland nämlich geringer.

    Quelle für alle Zahlen:

    https://www.oecd.org/content/dam/oecd/de/publications/reports/2026/09/pisa-2025-results-volume-i_5265bfb1/1562a447-de.pdf

    • Welcher Pisa-Fuchs kann mir erklären, warum Finnland im Gesamtranking Naturwissenschaft trotzdem mehr Punkte hat als Deutschland?

      Das muss dann an der unterschiedlichen Zusammensetzung der Stichproben liegen.
      Je höher der prozentuale Anteil der Gruppe mit hoher Punktzahl, desto höher die Gesamtpuntzahl.

      Der Anteil SuS ohne Migrationshintergrund müsste dann bei 486 Pkt gesamt in DE bei 58% liegen, bei 504 Pkt gesamt in FIN bei 85%.

        • Gerne.

          Solche Beispiele gibt es übrigens auch bei den IQB-Studien.

          Wenn in einem Bundesland die SuS ohne Migrationshintergrund um -7 Pkt unter dem Bundesschnitt liegen, die SuS mit Migrationshintergrund um -11Pkt, kann der Gesamtschnitt des BL trotzdem 2 Pkt über dem Bundesschnitt liegen.

          Deshalb ist m.M. ein Vergleich der Teilgruppen deutlich aussagekräftiger als die Gesamtschnitte.

    • „auch der Abstand zwischen den beiden Gruppen rein? Der ist in Finnland nämlich geringer.

      Haben Sie das schonmal nachgerechnet?

  11. Wen wundert es hier?

    Und anstatt dass man aus den Jahren lernt und lernt, dass die Wege, die man bisher angegangen sind, nicht alleine funktionieren, macht man weiter wie bisher. Man probiert immer weiter den Lehrern einen Unterricht aufzuzwingen, der mit den Rahmenbedingungen nicht funktioniert. Was wir brauchen sind ordentliche Rahmenbedingungen:

    -Saubere, ordentliche Räume.
    -Ordentlich temperierte Raume.
    -Funktionierende digitale Lösungen.
    -Saubere Toiletten
    -Kleine Klassen
    -Viele Sonderpädagogen auch für Kinder ohne sonderpädagogischen Förderbedarf, alternativ mehr Sozialarbeiter, die sich auch mal mehr im Kinder kümmern können als nur um Bildung und Teilhabe.
    -Gute Ausstattung der Schulen
    -Flexibilität beim Lehrplan
    -Weniger Vergleichsarbeiten um individuelles Lernen zu ermöglichen.

    Stattdessen sind die Schulen teilweise in einem Zustand, den sich NIEMAND, der nicht in einer unterrichtet, vorstellen kann! Unterricht ist eigentlich kaum noch möglich, Naturwissenschaften eigentlich nur noch aus dem Buch.
    Und? Es wird jedes Jahr schlimmer!

    Vielleicht sollten sich die Entscheider bei den Kommunen und die Politiker mal ein wenig mit der Bedürfnispyramide auseinandersetzen. Wir kämpfen an der Existenz, da braucht man sich um Selbstverwirklichung keinerlei Gedanken machen.

    • Das alte Problem: Sonderpädagogen und Sozialarbeiter wachsen nicht auf Bäumen. Selbst wenn man das ganze Personal wirklich einstellen wollen würde – es ist in der Breite und Anzahl gar nicht vorhanden.

      • Leider gar nicht. Die schlechten Bedingungen haben dazu geführt, dass ich zur Wiederherstellung meiner täglichen Dienstfähigkeit darauf angewiesen bin, meine spärliche Freizeit bei Ärzten, beim Entspannungstraining oder beim Sport verbringen darf.

  12. Schulen müssen heute viel mehr für Bindung und Erziehung leisten als früher, fügt sie hinzu. «Es nützt aber nichts, darüber zu lamentieren. Das ist die Realität, und darauf muss sich das Schulsystem insgesamt besser einstellen.»

    Aber gerne doch – immer her mit den zusätzlichen Ressourcen!

  13. Zu Punkt 1, der Sprache.
    Der Zugang zur deutschen Unterrichtssprache scheint schwierig zu sein. Ich weiß jetzt gar nicht, ob erfolgreiche Länder einfachere Bildungssprachen für Ausländer anbietet. Ich weiß aber von einer finnischen Freundin, das sie mit Englisch de facto zweisprachigen Unterricht haben.
    Also ein Schulexperiment.
    Was im Studium in Deutschland bereits möglich ist, müsste auch schulisch zu verwirklichen sein.

    Würde es für den Bildungserfolg etwas bringen, besondere Schulen zu gründen, deren erste Unterrichtssprache Englisch wäre und Deutsch kommt allmählich in verschiedenen Fächern hinzu?

    • Warum schneiden die SuS mit Migrationshintergrund in Finnland dann beim Lesen schlechter ab als die Pendants in DE und liegen auch weiter hinter den SuS ohne Migrationshintergrund zurück?

      • Wieso? Wenn diese statt Finnisch zu lernen in Englisch unterrichtet werden, dann ergibt das doch Sinn, dass sie schlechter abschneiden.

        • “ das sie mit Englisch de facto zweisprachigen Unterricht haben.“

          Klingt eher so, dass Englisch den Unterricht ergänzt, statt Finnisch zu ersetzen.

          Ziel wäre vermutlich dadurch die Integration der Neuankömmlinge zu erleichtern.

          Bis zur 9. Klassen sollten die dann aber in beiden Ländern in der Lage sein den Unterricht in der Landessprache zu verstehen.

          Falls nicht würden sie wohl nicht am Test teilnehmen oder evtl. die englische Testversion bearbeiten.

    • Die meisten Kids, die in Deutschland neu aus anderen Ländern dazukommen, sprechen so gut Englisch, dass das sinnvoll wäre.

      Ich bezweifle außerdem, dass das, was Ihre Freundin berichtet, flächendeckend in Finnland gemacht wird. Das ergibt ja nur Sinn, wenn alle Neuankömmlinge gut genug Englisch sprechen (und schreiben) können.

  14. Nö, tue ich nicht, wie Sie absolut richtig unterstellen.

    GENAU SO WENIG gehe ich zu…
    Ärzten, die mir dreizehn IGL-Leistungen, fünf Grippeimpfungen, einen Blitzröntgentermin, großes Blutbild, Schädelvermessung, Sehtest und Lungenvolumenmessung anpreisen…um mir danach zu sagen, dass gegen die Schramme am Knie wohl doch ein Pflaster, Desinfektionsmittel und Schonen sowie weniger Quengeln eine Möglichkeit wäre – was er aber mit einer Zweitdiagnose vom Orthopäden, dem örtlichen Unfallchirugen und einem Telemedizinkollegen aus Florida als Folgeuntersuchung noch abklären möchte, zahlbar im voraus bitte.

    • Tatsächlich denke ich auch, dass viele der S*S, die in Deutschland an den Testungen teilgenommen haben, keine Lust hatten.
      Es liegt vieles auch an der gesellschaftlich Grundeinstellung. Wenn es mir egal ist, wie ich abschneide und ich die Testungen als Belästigung empfinde, dann können die Ergebnisse nicht so gut ausfallen.
      Ich finde, dass man genau das einmal untersuchen sollte. Wie sieht die Motivation der Kids in Singapur denn aus? Wie bei uns oder in Schweden?
      Bei uns hat es keinerlei Konsequenzen für die Teilnehmer*innen, wie sie abschneiden, weil sie – so die Sichtweise der Wissenschaftler*innen – nie etwas dafür können. Nicht angestrengt? Dann ist die Lehrkraft, der Unterricht, das Schulsystem oder … schuld. Ich wette, in Singapur und anderen Spitzenreiter-Ländern sieht das etwas anders aus.
      Gern lasse ich mich eines besseren belehren. Aber dazu müsste man dann aber auch erheben, wie die allgemeine Grundeinstellung in den jeweiligen Ländern aussieht.

      • Kennt man ja aus den zentralen Lernstandserhebungen. „Ach die werden garnicht bewertet?“ und zack, gibt es um die 10 Schüler denen es vollkommen wuppe ist, wärhend wir hinterher Smarte Ziele formulieren müssen, um die Schüler zu verbessern.

      • Die Grundeinstellung zu Tests ist aber nicht immer identisch mit der Grundeinstellung zu Bildung allgemein. Letzteres dürfte in den Spitzenländern auch anders sein, vermute ich ganz stark.

  15. Warme Disziplin zusammen mit einem Leistungsgedanken ist der Schlüssel zum Erfolg.

    Alles Andere sind nur kleine Stellschrauben. Leider wird wieder nur an diesen gedreht…

    Meinen obigen Satz will und darf man eigentlich gar nicht hören. Wissen tun ihn alle.. natürlich auch Bildungsexperten

  16. Jetzt geht das Geschrei los: Sie wollen immer alles besser und besser machen. In all den Jahren haben sie uns dies und das und jenes vorgeschrieben, damit es besser wird und nun haben wir’s, das ist es gar nicht geworden. Schon wieder übertreffen sich alle in guten Ratschlägen und schlagen dabei nur das vor, was sie sich immer schon wünschten: einheitliche Lehrpläne für ganz Deutschland usw.-usf. Lasst uns doch mal schauen, was haben sie früher anders gemacht, als sie erfolgreicher waren als heute und nicht immer irgendwelche tollen Neuerungen, die auch wieder nichts bringen.

  17. Warum hat England deutliche Fortschritte in Pisa?

    Wie ich gelesen habe, liegt es nicht nur an investiertem Geld, sondern auch an höheren Bildungs- und Leistungsstandards. In Mathematik sollen Lernmethoden am Erfolg Singapur oder Shanghai orientiert, wo die Klasse im gleichen Tempo vorangeht und die Kinder schnell zusätzlich gefördert werden. Programmen in Englisch, Mathematik und Naturwissenschaften werden vertieft, weil kritisches Denken nur auf einem soliden Basiswissen funktionieren kann.

    Geht Deutschland auch da nicht in die ganz andere Richtung?

    • Schlägt bei den Einheimischen in UK aber deutlich weniger an als bei Zuwanderern. .
      Bei PISA-2025 Naturwissenschaften erzielten die SuS ohne Migrationshintergrund in DE 521 Pkt, in UK 517 Pkt. Zu Mathematik-2025 habe ich noch keine Zahlen gefunden, aber bei PISA-2022 lagen die SuS ohne Migrationshintergrund bei Mathe in DE 1 Punkt besser als in UK.

      • Zumindest in England, die zurück zu „Leistungsdruck“ und Wissensvermitteln ging, haben die Resultate sich wieder verbessert und sind viel besser, als in Wales, Scotland und Irland.

  18. Noch erschreckender als die Punkte fand ich die Einstellung zu Bildung. Es lohnt sich, mal die ganze Pressekonferenz zu sehen.

    In Deutschland sinkt der Wille Neues zu lernen und Dinge, die angefangen wurden, zu beenden.
    Immer weniger Schüler haben Eltern, die sich für die Schule interessieren.
    Der Glaube, dass man mit Bildung was erreichen könne und Schule sinnvoll sei, ist gesunken.
    30% der Kinder geben an, dass sich Mitschüler nicht für den Unterricht interessieren und der Unterricht durch Störungen unterbrochen werden.

    Das Podium wird sehr deutlich: Die Bildungsaspiration der Eltern ist gesunken. Disziplinlosigkeit kostet Unterrichtszeit.

    Das muss man auch mal kommunizieren. Oder so ehrlich sein, dass wir eine Elterngeneration haben, die sich einen sch… kümmert. Man kann das auch mit Vollzeitjob. Man muss nur wollen.

    Hilft aber Nix, dann braucht es eine Kraftanstrengung um das hinzubiegen, was Eltern nicht tun.

    • „Hilft aber Nix“, das ist der entscheidende Punkt. Das meiste, was jetzt wieder geplant wird, kann man machen es hilft aber nichts, und die, die es wissen, weil sie sich für die Kinder interessieren und mit ihnen zusammenarbeiten, hält man für dumm und fragt man deshalb nicht.

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