BERLIN. Für Samstag sind unter dem Label „Gen Z regelt“ Proteste in mehr als 30 deutschen Städten angekündigt. Professor Ralf Tenberg, Technikdidaktiker an der TU Darmstadt, ordnet die Proteste in seinem Gastkommentar als Reaktion auf jahrelang ungelöste Probleme im Bildungssystem ein: Lehrkräftemangel, marode Schulen und ungleiche Bildungschancen. Er fragt, warum daraus in Deutschland bislang kaum gemeinsamer Protest entstanden ist – und was sich mit „Gen Z regelt“ ändern könnte. Seine Warnung an die Politik: Wer die berechtigten Anliegen der Jugendlichen weiter überhört, riskiert, dass aus Enttäuschung Radikalisierung wird und der Protest eskaliert.

Was genau wird „Gen Z regelt“ regeln?
Die Süddeutsche Zeitung zeichnet ein alarmierendes Bild des deutschen Bildungssystems:„Die Ergebnisse der jüngsten Pisa-Studie sind katastrophal; noch nie hat Deutschland so schlecht abgeschnitten wie 2026. Ein Drittel der 15-jährigen Schülerinnen und Schüler verfügt im Lesen und in Mathematik noch nicht einmal über ausreichende Basiskompetenzen. Und die Schulabbrecherquote steigt. Im vergangenen Jahr haben etwa 65 000 junge Menschen die Schule ohne jeden Abschluss verlassen.“
Besonders bemerkenswert ist der Widerspruch zwischen sinkenden Kompetenzen und steigenden Abschlussnoten. Während die tatsächlichen Leistungen vieler Schülerinnen und Schüler zurückgehen, werden die Zeugnisse immer besser. Der durchschnittliche Abiturnotenschnitt hat sich seit den 1970er-Jahren von 2,8 auf 2,3 verbessert; in Thüringen erreichten im Schuljahr 2022/2023 mehr als 40 Prozent der Abiturienten einen Einser-Durchschnitt. Wenn Bildungsabschlüsse zunehmend bessere Leistungen bescheinigen, während unabhängige Untersuchungen erhebliche Kompetenzdefizite offenlegen, stellt sich eine unbequeme Frage: Wird hier Bildung verbessert – oder lediglich ihr Erfolg bescheinigt?
Noch bemerkenswerter ist allerdings die gesellschaftliche Reaktion. Während Schülerinnen und Schüler in Frankreich gegen vergleichbare Missstände auf die Straße gehen, wurden die Befunde in Deutschland weitgehend mit routinierter Betroffenheit zur Kenntnis genommen – bislang jedenfalls. Die Diagnose ist seit Jahren bekannt, der politische Handlungsdruck bleibt dennoch erstaunlich gering.
Der Bildungsökonom Dieter Dohmen bietet in einem 3sat-Interview eine Erklärung für diese unterschiedliche Protestbereitschaft. Zwar kämpfen beide Länder mit Lehrkräftemangel, maroden Schulgebäuden und sozialer Bildungsungleichheit. Doch während die Probleme in Frankreich zahlreiche Schulformen gleichermaßen betreffen, konzentrieren sie sich in Deutschland besonders auf Grundschulen und Schulen in sozial benachteiligten Gebieten.
„Junge Menschen erleben, dass zentrale gesellschaftliche Probleme trotz jahrelanger politischer Debatten ungelöst bleiben“
Das hat politische Konsequenzen: Wo die unmittelbare Betroffenheit unterschiedlich verteilt ist, entsteht schwerer ein gemeinsames Bewusstsein für die Krise. Insbesondere die Solidarität zwischen Gymnasiasten und Jugendlichen anderer Schulformen bleibt begrenzt. An die Stelle gemeinsamer Proteste tritt nach Dohmens Einschätzung vielfach eine Art „stille Resignation“. Junge Menschen erleben, dass zentrale gesellschaftliche Probleme trotz jahrelanger politischer Debatten ungelöst bleiben. Diese Erfahrung muss nicht zwangsläufig zu politischer Passivität führen. Sie kann ebenso Misstrauen gegenüber etablierten Institutionen und eine Hinwendung zu radikaleren politischen Angeboten begünstigen.
Doch möglicherweise beginnt sich diese Haltung zu verändern. Mit der Initiative „Gen Z regelt“ formiert sich eine neue Jugendbewegung, die sich ausdrücklich an den französischen Protesten orientiert. Über soziale Medien mobilisiert sie für Demonstrationen in mehr als 30 deutschen Städten. Ihr Anliegen reicht weit über die Bildungspolitik hinaus: Sie fordert höhere Investitionen in Bildung, Gesundheit und soziale Sicherheit, bezahlbare Lebenshaltungskosten, konsequenten Klimaschutz und eine gerechtere Verteilung gesellschaftlicher Lasten. Zugleich richtet sie sich gegen eine Wehrpflicht und den Ausbau staatlicher Überwachung.
Darin liegt die eigentliche politische Bedeutung dieser Initiative: Die Bildungsmisere erscheint nicht mehr als isoliertes Versagen eines einzelnen Politikbereichs, sondern als Teil einer umfassenderen Zukunftskrise. Für viele junge Menschen entsteht der Eindruck, dass eine Politik, die sich vor allem mit der Sicherung bestehender Strukturen beschäftigt, die langfristigen Lebensperspektiven der nachfolgenden Generationen vernachlässigt. Während über Haushaltsdisziplin, Standortinteressen und die Bewahrung institutioneller Besitzstände gestritten wird, erleben Jugendliche, dass zentrale Voraussetzungen ihrer eigenen Zukunft – Bildung, soziale Sicherheit, bezahlbares Wohnen und ökologische Stabilität – unter Druck geraten.
Wer einer Generation dauerhaft Zukunftsfähigkeit verspricht, ihr aber die dafür notwendigen Voraussetzungen vorenthält, darf sich über wachsenden politischen Protest nicht wundern.
Allerdings wäre es voreilig, jede jugendliche Protestbewegung bereits als Ausdruck einer demokratischen Erneuerung zu verstehen. Politische Enttäuschung ist nicht automatisch demokratisch orientiert. Gerade dort, wo Vertrauen in etablierte Institutionen schwindet, wächst auch die Anfälligkeit für vereinfachende Weltbilder, radikale politische Angebote und Akteure, die berechtigte Unzufriedenheit für eigene Zwecke instrumentalisieren wollen. Dass junge Wählerinnen und Wähler sowohl Parteien am linken als auch am rechten Rand des politischen Spektrums unterstützen, verweist auf eine zunehmende politische Polarisierung.
„Die Gefahr besteht dabei nicht nur in einzelnen Ausschreitungen, sondern auch in einer politischen Dynamik, in der sich staatliche Härte und gesellschaftliche Radikalisierung gegenseitig verstärken“
Daraus folgt allerdings weder, dass diese Wählerschaft insgesamt extremistisch wäre, noch, dass eine konkrete Protestinitiative von extremistischen Kräften gesteuert wird. Die entscheidende Frage lautet vielmehr, ob es gelingt, gesellschaftliche Unzufriedenheit in demokratische Beteiligung und konstruktive politische Veränderungen zu übersetzen – oder ob Radikalisierung und wechselseitige Eskalation an ihre Stelle treten.
Die Erfahrungen mit eskalierenden Protesten in Frankreich und Italien zeigen, welches Konfliktpotenzial entsteht, wenn gesellschaftliche Spannungen auf politische Blockaden treffen. Wo friedliche Demonstrationen in Konfrontationen umschlagen, drohen Sachbeschädigungen, Gewalt und Gegengewalt. Die Gefahr besteht dabei nicht nur in einzelnen Ausschreitungen, sondern auch in einer politischen Dynamik, in der sich staatliche Härte und gesellschaftliche Radikalisierung gegenseitig verstärken, während die ursprünglichen Anliegen der Protestierenden zunehmend in den Hintergrund geraten.
Noch ist eine solche Entwicklung in Deutschland keineswegs unausweichlich. Die Politik hat die Möglichkeit, auf die wachsende Unzufriedenheit junger Menschen anders zu reagieren: nicht mit Beschwichtigungen, symbolischen Beteiligungsformaten oder der reflexhaften Vorbereitung polizeilicher Gegenmaßnahmen, sondern mit ernsthaftem Dialog, glaubwürdigen Reformen und einer Bildungspolitik, die ihren eigenen Ansprüchen endlich gerecht wird. Eine Gesellschaft, die ihre Jugend erst dann ernst nimmt, wenn sie auf die Straße geht, hat bereits viel zu lange nicht zugehört. News4teachers
„Gen Z regelt“: Vorbild Frankreich? Was vom Protest-Samstag zu erwarten ist
na weil es zu viel wird, in Frankreich merken sie es, teilweise bis 18 Uhr in der Schule und alles in Präsenz. Sie wissen, dass es heutzutage tablets, KI und Computer gibt. Wir können auch mal homeschooling machen, Stundenpläne flexibel gestalten und optimieren, d.h. auch einfach mal kürzen. Oder 1 SOL Tag pro Woche.
Diese Dauerpräsenz war früher, wo es nicht anders ging!!
Ist das jetzt ein Plädoyer, dass man die Gebäude nicht renovieren muss?
Mir fällt auf, dass Sie fast jeden Artikel nutzen, um Ihre persönliche Agenda von Homeschooling und Selbstlerntagen zu fordern. Dabei blenden Sie die Realität vieler Jugendlicher völlig aus:
Wie stellen Sie sich denn die Situation der Schüler in Frankreich vor, die in armen Vororten leben?
Sitzen die in Ihrer Fantasie dann zu Hause an einem riesigen Schreibtisch mit zwei Bildschirmen im üppig dimensionierten eigenen Zimmer, ein Echtholz-Regal mit anregender Literatur im Rücken und mit Blick auf einen wunderschönen Garten, um entspannt zu lernen?
Oder können Sie sich ggf. vorstellen, dass diese Kinder und Jugendlichen in einer engen Mietwohnung im grauen Plattenbau leben, vielleicht nicht einmal ein eigenes Zimmer haben und vielleicht auch keinen Schreibtisch?
Auch lustig finde ich, dass Sie dies posten, während es im aktuellen Titelthema um einen Schüler geht, der geklagt hatte, weil zu viel (Präsenz-)Unterricht ausgefallen ist. Er musste eben, Ihrer Utopie folgend, selbstorganisiert und eigenständig lernen…
Zitat aus dem Artikel: „.. erleben Jugendliche, dass zentrale Voraussetzungen ihrer eigenen Zukunft – Bildung, soziale Sicherheit, bezahlbares Wohnen und ökologische Stabilität – unter Druck geraten… „
Von der ökologischen Stabilität mal abgesehen, weil sie darauf kaum Einfluss haben: Ansprüche gegen andere kann die „Gen Z“ daraus nicht ableiten, wer soll die denn erfüllen?
„..Schüler und Studenten, Gelbwesten und Gewerkschaften: Die kollektive Erwartungshaltung hat jeden Bezug zu der in den Wirtschaftsdaten abgebildeten Wirklichkeit verloren..
..Ein Heilmittel gegen das Malaise ist nicht absehbar. Zusätzliche Ausgaben werden das Problem jedenfalls nicht richten. Und das nicht nur, weil angesichts schwindelerregender Staatsschulden die Mittel dafür fehlen. ..
„
https://www.nzz.ch/meinung/die-krawalle-in-frankreich-sind-eine-warnung-der-sozialstaat-scheitert-und-saet-gewalt-ld.10046244
“ Frankreich gibt pro Schüler/Student etwas mehr aus als der OECD-Durchschnitt. Bei den gesamten Bildungsausgaben liegt es mit 6,7 % des BIP relativ hoch. “ (chatgpt)
„Der durchschnittliche Abiturnotenschnitt hat sich seit den 1970er-Jahren von 2,8 auf 2,3 verbessert; in Thüringen erreichten im Schuljahr 2022/2023 mehr als 40 Prozent der Abiturienten einen Einser-Durchschnitt. Wenn Bildungsabschlüsse zunehmend bessere Leistungen bescheinigen, während unabhängige Untersuchungen erhebliche Kompetenzdefizite offenlegen, stellt sich eine unbequeme Frage: Wird hier Bildung verbessert – oder lediglich ihr Erfolg bescheinigt?“
Na, als Professor müsste er doch wissen, dass er hier Äpfel mit Birnen vergleicht:
PISA testet alle Jugendlichen, die 15 Jahre alt sind, das Abitur macht nur eine Teilmenge dieser Jugendlichen, nämlich diejenigen, die in der Regel auf das Gymnasium gehen und eben eine „erfolgreiche“ Schulkarriere hinlegen, während bei PISA eben auch die dabei sind, welche z.B. die Schule ohne irgendeinen Abschluss verlassen.
Der korrektere Vergleich wäre daher die Abiturnoten nur mit der Teilmenge der PISA-Schüler zu vergleichen, die auf das Gymnasium gehen. Zumindest früher wiesen die PISA-Ergebnisse nach, dass die gymnasialen PISA-Schüler auf einer Kompetenzstufe mit den südostasiatischen PISA-Spitzenländern liegen.
Aber es ist ja nur ein „Kommentar“, ich gehe davon aus, dass der Herr Professor in seinen wissenschaftlicher Arbeiten seriösere Aussagen macht.
Die Protestierenden sind nicht die gesamte Gen Z. Vielleicht ist es nur eine laute Minderheit.
Vielen Dank für den spannenden Artikel, der einige sehr paradoxe Entwicklungen aufgreift:
„Sie fordert höhere Investitionen in Bildung, Gesundheit und soziale Sicherheit, bezahlbare Lebenshaltungskosten, konsequenten Klimaschutz und eine gerechtere Verteilung gesellschaftlicher Lasten. Zugleich richtet sie sich gegen eine Wehrpflicht und den Ausbau staatlicher Überwachung.“
Die Initiative „Gen Z regelt“ fordert also massive Staatsausgaben für Klimaschutz, Bildung und soziale Abfederung von Lebenshaltunskosten. Finanziert wird das zumeist über neue Schulden. Insofern fordern sie eine finanziele Last, die sie später mühsam mit Zinsen abtragen müssen.
Dazu fordert man einen mächtigen Staat, der Geld verteilt und Risiken minimiert. Dagegen wird eine Übernahme von Pflichten (siehe Wehrpflicht, soziales Jahr, Dienst an der Gesellschaft) oder auch staatliche Kontrollmechanismen, die eben zur Sicherheit beitragen, abgelehnt.
„Besonders bemerkenswert ist der Widerspruch zwischen sinkenden Kompetenzen und steigenden Abschlussnoten. Während die tatsächlichen Leistungen vieler Schülerinnen und Schüler zurückgehen, werden die Zeugnisse immer besser.“
Statistisch gesehen werden die Noten im Abitur immer besser und es gibt immer mehr Abiturienten, während Überprüfungen wie PISA einen Verlust von Kompetenzen bzw. Wissen zeigen. Immer weniger Schüler erreichen auch nur grundlegende Kompetenzen im Lesen und Rechnen. Und auch Universitäten finden zunehmend, dass selbst die Abiturienten auf das Studium vorbereitet wären.
Auch wenn sich die aktuellen Schülergenerationen beschweren, haben sie doch von der Noteninflation profitiert – das bittere Erwachen kommt meist erst in der Oberstufen oder nach der Schule. Hier müssen wir dringend nachsteuern, statt Schüler aus gut-gemeinter Schülerorientierung in falschen Vorstellungen zu belassen.
Wir erleben schon junge Schüler, die immer weniger leistungsmotiviert sind. Wir haben z.T. Schüler, die auf die Frage nach einem Berufswunsch mit „Hartz IV“ antworten, die weder in der Schule noch später Leistung erbringen wollen, aber dazu bitte finanzielle Unterstützung fordern.
Vielleicht sollte die neue Generation wirklich ihrem Titel „Gen Z regelt“ folgen, nicht enfach nur fordern, sondern sich anstrengen, Leistungen erbringen und die anstehenden und zukünftigen Probleme „regeln“, statt nur deswegen zu demonstrieren…
„… und die anstehenden und zukünftigen Probleme ‚regeln'“ – Wie wäre es, wenn die Altvorderen, die diese Probleme größtenteils verursacht haben, dabei tatkräftig helfen würden? Das ist ja der Punkt: Das ständige Verschieben der notwendigen Aufräumarbeiten, ob beim Klima, bei der „Wehrtüchtigkeit“, bei der Sanierung der Infrastruktur, beim Sozialstaat – geht allein auf den Deckel der Jungen, während die Alten auf die Rente ab 63 pochen und die Kreuzfahrtschiffe stürmen (bisschen polemisch, klar).
Wo ist der Beitrag der Älteren? Wo ist das Commitment aus deren Reihen, selbstverständlich länger zu arbeiten, wenn die Lebenserwartung deutlich gestiegen ist und es an jungen Menschen/Beitragszahlern fehlt? Stattdessen Palaver um jeden mickrigen Rentenpunkt – und Tankrabatte, mit denen weitgehend sinnlos Geld verbrannt wird, um nur ja den Status quo für die Älteren zu halten (was eh nicht klappen wird).
Herzliche Grüße
Die Redaktion
@ Redaktion:
Sie mögen, wie ich, Polemik. Nur sollten Sie berechtigte Kritik nicht in ein populistisches „Jung-gegen-Alt“-Narrativ umdeuten:
Wo bleiben die Alten mit ihren Beiträgen? Hat die alte Generation nicht schon ihren Wehr-/Zivildienst an der Gesellschaft geleistet – einen Dienst, den die Initiative offenbar ablehnt?
Stammen die technischen Entwicklungen, die eine Energiewende erst ermöglichen, nicht eben von all den Wissenschaftlern und Ingenieuren der alten Generation? Oder wurden diese etwa beim Demonstrieren auf der Straße er- bzw. gefunden?
Sie fordern „Commitment“ der Alten – ein Commitment, das Ihre Leserschaft doch längst leistet. Während einige Nutzer hier ständig nach „Homeoffice“ schreien, leisten ältere Kolleg*innen seit Jahren Überstunden, die aufgrund fehlender Arbeitszeiterfassung gar nicht auftauchen.
Sie nennen Kreuzfahrten und Tankrabatte als Benefits für die Alten. Wenn die Hälfte aller Kreuzfahrt-Touristen über 50 Jahre alt ist, dann ist die andere Hälfte eben auch – jünger! Auch bei Millennials und der Gen Z boomt die Kreuzfahrt-Branche. Tankrabatte gelten meines Wissens nicht nach Alter. Es profitieren bspw. Menschen in ländlichen Bereichen, die auf das Auto angewiesen sind – von der Mutter, die ihre Kinder zum Fußballtraining drei Orte weiter fährt, über den Azubi bis zum Rentner.
Statt nach dem Sozialstaat zu rufen, aber bitte ohne zu hohe Forderungen an sich selbst, können wir die anstehenden Probleme nur lösen, wenn wir uns klar auf Leistung besinnen. Denn das will doch die Initiative laut eigenem Titel: „anpacken“ und „es regeln“!
„Hat die alte Generation nicht schon ihren Wehr-/Zivildienst an der Gesellschaft geleistet – einen Dienst, den die Initiative offenbar ablehnt?“
Nein – größtenteils nicht. Gerade mal 12,8 % der heutigen Gesamtbevölkerung in Deutschland (Männer und Frauen, alle Altersklassen) haben entweder Wehrdienst bei der Bundeswehr oder Zivildienst geleistet.
„Stammen die technischen Entwicklungen, die eine Energiewende erst ermöglichen, nicht eben von all den Wissenschaftlern und Ingenieuren der alten Generation?“
Belegen die Rettungsringe auf der Titanic nicht, dass die Sicherheit der Passagiere für Reederei und Kapitän damals oberste Priorität hatte?
„Statt nach dem Sozialstaat zu rufen, aber bitte ohne zu hohe Forderungen an sich selbst, können wir die anstehenden Probleme nur lösen, wenn wir uns klar auf Leistung besinnen.“
Ja – aber Leistung von allen. Warum nur Wehr- und Sozialdienst für Junge? Wo ist die breite Bewegung, die ein späteres Renteneintrittsalter fordert – um die Jungen zu unterstützen? Warum muss es eine GenZ-Bewegung geben, damit es mal Demos gegen die Bildungskriste gibt? Wo sind die, die Tankrabatte und ähnlichen teuren Unsinn als das benennen, was es ist: Aktionismus auf Kosten der Jungen.
Ein paar gibt es: Es sei „zynisch“, auf Kosten der jungen Generation das Fahren von Autos mit Verbrennungsmotor zu subventionieren, sagt die Wirtschaftsweise Prof. Monika Grimm. Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/tankrabatt-wirtschaftsweise-grimm-reaktion-100.html
Und wer schert sich darum?
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Wer zahlt denn im Moment für die Jüngeren, deren Bildung, deren Schultickets, deren Schwimmbadbesuch, deren Essen, deren Handys, …?
Was ist das, sorry, für ein Schwachsinnsargument. Haben Sie sich als Kind allein ernährt, sodass die Versorgung heute als besondere Großzügigkeit ausgelegt werden könnte? Und sollen sich die jungen Leute wegen der Zerstörung des Planeten mal nicht so haben – schließlich bekommen Sie ja Schwimmbadtickets?
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Es mag jeder selbst entscheiden, wie schwachsinnig mein Argument ist.
Aber die Forderung, die Alten sollten sich gefälligst nicht so anstellen und ein paar Jahre mehr arbeiten, mit der Begründung, schließlich hätten sie den Planeten ja zerstört, erscheint mir auch nicht aus einem gesunden Geist entsprungen.
Ach – haben die Jungen vorgeburtlich den Planeten an den Rand gebracht?
Sie zeigen aber leider die verbreitete Haltung auf: Wir haben Feierabend und schieben die Probleme, die wir verursacht haben, dann mal den Jungen hin.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Ich habe nicht Feierabend, ich muss noch ein wenig den Planeten zerstören.
„Was Deutschland am allerwenigsten braucht, ist ein künstlich heraufbeschworener Generationenkrieg, der nur zu noch mehr Fatalismus und Klagen führt. Das schadet nicht nur den Älteren (deren Lebensstandard ebenso unter Druck steht wie der der Jüngeren), sondern ebenso den Jüngeren selbst (die schließlich auch nicht ewig jung bleiben werden). Die Babyboomer-Generation verantwortlich zu machen, lenkt lediglich von den eigentlichen Gründen unseres wirtschaftlichen Niedergangs ab: dem Verlust an Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität, der wuchernden Bürokratie, der Technokratisierung der Politik und der Angst vor einer wirklich offenen, ehrlichen Debatte“.
„Viele Babyboomer haben längst akzeptiert, dass sie länger arbeiten müssen – das Rentenalter wurde bereits auf 67 angehoben. Diese Generation hat ihren gesamten Lebensweg über zu dem materiellen Wohlstand beigetragen, von dem heute alle profitieren. Sie haben den Solidaritätszuschlag für die Wiedervereinigung bezahlt, und viele, vor allem Männer, leisteten in ihrer Jugend bis zu 18 Monate Wehrdienst.
Wichtiger noch: Die Vorstellung, die über 60-Jährigen seien gierig, beruht auf der grotesken Annahme, alle Boomer seien gleichermaßen vermögend, als gäbe es keine sozialen Klassen. Absurd ist auch der Gedanke, diese Generation verschwöre sich gegen ihre eigenen Kinder und Enkel.„
Deutschlands Falscher Generationenkonflikt: Das Boomer-Bashing – Kritik Bakış
Die Autorin ist 63. Herzliche Grüße Die Redaktion
Warum eigentlich sollen die Alten, die mehr Wochenstunden ihr Leben lang arbeiteten, als die Jüngeren jetzt (außer bei Lehrern – dort war früher das Deputat geringer, jedenfalls bei mir), länger arbeiten. Die haben doch meist schon mehr gearbeitet? Da gab es keine Diskussionen um 4-Tage-Woche, 35-Stunden-Woche hatten auch die wenigsten, Urlaubstage gab es meist auch weniger, Work-Life-Balance war unbekannt …. 🙂 Die meisten starteten auch viel früher ins Berufsleben, als die heutigen Generationen. Ein „Selbstfindungsjahr“ nach der Schulzeit gönnte sich kaum einer. Das Studium versuchte man so schnell wie möglich durchzuziehen, um endlich auf eigenen Füßen stehen zu können. Mehrere Wechsel der Studienrichtung (um sich zu finden) und Dauerstudenten ( bis über 30) waren die Ausnahmen.
„Warum eigentlich sollen die Alten, die mehr Wochenstunden ihr Leben lang arbeiteten, als die Jüngeren jetzt (außer bei Lehrern – dort war früher das Deputat geringer, jedenfalls bei mir), länger arbeiten.“
Weil sich mit dem Konzept „Nach mir die Sintflut“ die Probleme nicht lösen lassen? Weil die Hauptbetroffenen auch Ihre Kinder und Kindeskinder sind? Zwei Gründe – nur mal so.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
…isch abe gar keine Kinder…
dafür Popcorn!
Also bei den Kreuzfahrtschiffen sind Sie einem Klischee aufgesessen, Polemik würde ich Ihnen ja nicht unterstellen wollen:
Statistik 2024: Kreuzfahrt wird immer jünger und wächst weiter
„Das Vorurteil der „schwimmenden Altersheime“ widerlegt die Statistik zwar bereits seit vielen Jahren, aber das Durchschnittsalter der Kreuzfahrtpassagiere sinkt immer weiter. Im Jahr 2024 war der durchschnittliche Kreuzfahrt-Passagier 46,5 Jahre alt. 16 Prozent waren jünger als 20, weitere 20 Prozent zwischen 20 und 39 Jahre alt. 70 Jahre und älter sind laut Clia nur 15 Prozent, zwischen 60 und 69 Jahren sind 18 Prozent.“
Zum Durchschnittsalter der Autofahrer fand ich keine Zahlen. Aber ich vermute mal, dass viele Berufspendler, v. a. in den ländlichen Gebieten, keine Boomer sind und ihr Auto notgedrungen täglich nutzen und so mehr vom Tankrabatt profitieren als Rentner-Boomer. Die fahren ein, zwei mal die Woche zum Einkaufen, evtl. noch zum Arzt und dann meist Kurzstrecken. Viele Boomer auf dem Land würden gern aufs Auto verzichten bzw. es öfter stehen lassen, aber dann wären sie ans Haus gebunden oder ständig auf fremde Hilfe angewiesen, da die Öffis, Ärzte und Einkaufsmöglichkeiten dort halt rar gesät sind.
Auch das Auto scheint weiterhin hoch im Kurs zu stehen:
ttps://www.consorsfinanz.de/die-neuen-boomer-gen-z-und-ihre-liebe-zum-auto-4aee73afe0b4e3bc
oder WiWo Autokauf: Die Generation Z kauft weiter Verbrenner
usw.
Schön, wenn man einen Doofen findet, dem man die Klimakrise in die Schuhe schieben kann…
Junge Leute müssen natürlich von ihrem Azubi-Gehalt und ihrem üppigen Schüler-Bafög Elektroautos kaufen, deren Kaufpreis bei 20.000 Euro beginnt – sonst haben Sie kein Recht, über einen Planeten am Abgrund zu meckern. Das darf man erst ab Heiligenstatus.
Während praktischerweise die, die die Krise verursacht haben, ja gar nicht darüber meckern (sie werden sie ja auch nicht wirklich zu spüren bekommen) – und deshalb weiter ungehemmt mit ihren Stinkern herumbrausen dürfen und an ihrem Lebensstil nichts ändern müssen.
Gut so?
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Passend zu Ihrem letzten Absatz:
„Berufswunsch Bürgergeld“: Die Antwort meines Schülers (12) gibt mir als Förderschullehrer zu denken – FOCUS online
Bevor die Empörmaschine sofort wieder anspringt: … berichtet ein Förderschullehrer, der in einem sozialen Brennpunkt unterrichtet.
Mal kurz überlegen: Welche andere realistische Perspektive hat denn ein Förderschüler, der an seiner Schule praktisch keinen anerkannten Schulabschluss schaffen und dem auch seine Familie (Brennpunkt eben) keine Unterstützung geben kann?
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Sie haben Recht! Bei all jenen, die nur die Headline lesen, setzt wahrscheinlich sofort die Empörungsmaschine ein. Wenn man allerdings den gesamten Artikel bis zum Ende liest …dann steht dort u. a.:
„Ich unterrichte an einer Förderschule in einem sozial belasteten Quartier. Dort treffen sehr unterschiedliche Lebensgeschichten aufeinander. Einige Kinder wissen mit zwölf ziemlich genau, was ein Elektroniker macht. Andere können mit dem Wort Ausbildung kaum etwas anfangen. Nicht alle haben Erwachsene um sich, die erklären können, welche Wege es überhaupt gibt.“
„Im selben Gespräch fragte ich einen anderen Jungen in der Klasse. Ebenfalls zwölf. Er kam vor einigen Jahren aus Syrien. Seine Mutter war dort Lehrerin. Hier kann sie ihre Qualifikation bislang nicht als reguläre Lehrerin einsetzen. Sein Vater arbeitet als Bauelektriker.
„Und du? Was möchtest du später machen?“„Polizist.“
„Natürlich beweisen zwei Schüler gar nichts über Deutsche, Syrer oder Migration. Aber sie erinnern mich daran, vorsichtig mit einfachen Erklärungen zu sein. Ein Kind mit Fluchtgeschichte kann aus einem bildungsnahen Elternhaus kommen. Ein Kind ohne Migrationsgeschichte kann kaum Vorstellungen davon haben, welche beruflichen Wege ihm offenstehen.“
„Dazu gehört auch Eigenverantwortung. Art. 2 des Grundgesetzes schützt die freie Entfaltung der Persönlichkeit und setzt ihr zugleich Grenzen dort, wo die Rechte anderer berührt werden. Diese Verbindung von Freiheit und Verantwortung müssen Kinder nicht nur lesen, sondern erleben.
„Deshalb beginnt Demokratiebildung auch nicht erst bei der Klassensprecherwahl. Seit diesem Gespräch frage ich meine Schüler häufiger, was sie sich für später vorstellen. Die Antworten wechseln. Einige überraschen mich, andere machen mir Sorgen. Und manchmal ist der Berufswunsch zwei Wochen später schon wieder ein anderer.
Das gehört dazu. Wichtig ist, dass ein Kind überhaupt mehrere Möglichkeiten vor sich sehen kann. Bei dem Jungen mit dem „Bürgergeld“ arbeiten wir daran noch.“
Ich möchte jetzt nicht den gesamten Artikel zitieren. Aber es lohnt sich, mMn., ihn vollständig zu lesen, nicht nur das Zitierte oder gar nur die Überschrift!