HANNOVER. Jugendarrest wegen Schulschwänzens gilt in mehreren Bundesländern als letztes Mittel zur Durchsetzung der Schulpflicht. Die Zahl der betroffenen Jugendlichen steigt. Expert*innen halten die Praxis für wirkungslos – und warnen davor, pädagogische Probleme mit ordnungsrechtlichen Mitteln zu beantworten. GEW-Vorstand Bensinger-Stolze spricht sogar von einer „schulpolitischen und pädagogischen Bankrotterklärung“.

Noah sitzt auf einem Stuhl in der Jugendarrestanstalt Verden, etwas abgerückt vom Tisch, die Schultern nach vorn gezogen. Sein Bein wippt, die Hände sind im Schoß ineinander verhakt. Durch das bodentiefe Fenster fällt Licht, Gitterstäbe versperren den Blick nach draußen. Noah schaut ohnehin nicht hinaus. Er schaut auf die Tischkante vor sich. Es ist das zweite Mal innerhalb weniger Wochen, dass der 15-Jährige hier sitzt. Sein Vergehen: Er ist nicht zur Schule gegangen.
„Kein Bock“, sagt Noah zunächst. Dann erzählt er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland von dem langen Schulweg, einer Stunde Zugfahrt am Morgen, von einer Klasse, in der er sich unwohl fühlte. „Meine Klasse war ziemlich schlimm, meine Mitschüler waren ziemlich schlimm“, sagt er. Still sitzen könne er nicht, Schule habe für ihn „noch nie gut funktioniert“. Richtig schwierig sei es geworden, als er nachts kaum noch schlafen konnte. Dann habe er verschlafen oder den Schlaf im Unterricht nachgeholt. „Der Morgen ist nicht so meins“, sagt er leise. Oft habe er sich depressiv gefühlt. Wenn er schwänzt, schläft er oder geht spazieren. Freunde wohnen weit weg. „Wenn man über Schulschwänzer redet, wird immer vergessen, dass es um Menschen geht, die Probleme haben“, sagt Noah.
Der Staat reagiert auf solche Fälle mit einem abgestuften System aus schulischen Maßnahmen, Bußgeldern und – in einigen Bundesländern – mit Jugendarrest als letztem Mittel. Niedersachsen gehört zu den Ländern, in denen diese Eskalationskette besonders häufig bis zum Ende durchlaufen wird. Im ersten Halbjahr 2025 saßen dort nach einer Abfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland 241 männliche und 114 weibliche Jugendliche wegen Schwänzens im Jugendarrest, darunter auch Fälle aus Bremen. Andere Länder meldeten deutlich niedrigere Zahlen oder erheben keine gesonderten Daten zu Schulverweigerung im Arrest.
„Schulabsentismus ist meist die Folge einer anderen, dahinterliegenden Problematik“
Parallel dazu steigen bundesweit die Bußgeldverfahren wegen Verstößen gegen die Schulpflicht. Recherchen der „Welt“ zeigen in mehreren Bundesländern teils deutliche Zuwächse. Bußgelder werden in der Regel erst verhängt, wenn schulische Gespräche und Erziehungsmaßnahmen ausgeschöpft sind. Sie markieren den Übergang von pädagogischer Intervention zu ordnungsrechtlicher Sanktion.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft kritisiert diesen Weg seit Jahren. GEW-Vorstandsmitglied Anja Bensinger-Stolze sagt gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland: „Dass Jugendliche wegen wiederholten Schulschwänzens für ein paar Tage ins Gefängnis müssen, ist im Prinzip eine schulpolitische und pädagogische Bankrotterklärung und außerdem, wie oft zu hören ist, weitgehend wirkungslos oder sogar kontraproduktiv.“ Der Fokus müsse auf Prävention liegen, auf frühzeitiger Unterstützung und auf der individuellen Betrachtung der Ursachen.
Was diese Ursachen sind – und warum Sanktionen wie Bußgeld oder Jugendarrest sie in der Regel nicht treffen –, beschreibt der Leipziger Erziehungswissenschaftler Prof. Heinrich Ricking im Interview mit dem Deutschen Schulportal. Ricking forscht seit rund 20 Jahren zu Schulabsentismus.
Schon beim Begriff macht er deutlich, wie heterogen das Phänomen ist. „Schulabsentismus heißt, dass eine Schülerin oder ein Schüler ohne rechtmäßigen Grund dem Unterricht fernbleibt“, sagt Ricking. „Den Zeitpunkt, wann Schulabsentismus schulrechtlich anfängt, definieren die Schulgesetze bzw. Verordnungen oder die Praktiken in den Schulen. Die sind überall verschieden, es gibt keine einheitlichen Regelungen.“
Ricking warnt davor, jede Form von unentschuldigtem Fehlen über einen Kamm zu scheren. „Ich würde nicht jedes Schwänzen dramatisieren, aber auch nicht bagatellisieren“, sagt er. „Schwänzen ist auch ein Entwicklungsphänomen, ein Ausdruck zunehmender Autonomie in der Adoleszenz. Aber bei manchen Schülerinnen und Schülern kann Schulabsentismus Ausdruck einer psychischen Krise, einer individuellen Notlage sein.“ Entscheidend sei: „Schulabsentismus ist meist die Folge einer anderen, dahinterliegenden Problematik.“
Diese Problemlagen beschreibt Ricking anhand von drei grundlegenden Mustern. Zum ersten Muster sagt er: „Angst: Die häufigste Reaktionsweise auf Angst oder eine Bedrohung ist Meidung. Und genau das passiert beim Absentismus. Die Ursachen für die Angst sind dabei unterschiedlich, häufig liegen sie in der Schule: Leistungsdruck, Versagensangst oder Mobbing. Die Ursachen können aber auch in der Familie liegen.“ Er ergänzt: „Nicht selten entwickelt sich aus einer Angststörung eine Depression, die dann die eigene Selbststeuerung und den Antrieb lahmlegen. Betroffene Kinder und Jugendliche kommen dann morgens einfach nicht aus dem Bett und schaffen es nicht, zur Schule zu gehen.“
Das zweite Muster beschreibt soziale Benachteiligung. „Schulabsentismus betrifft oft Schülerinnen und Schüler, die auf unterschiedliche Weise benachteiligt sind“, sagt Ricking. „Sie bekommen in schulischen Dingen wenig Unterstützung, ihr Elternhaus ist weit entfernt von Bildungsambitionen.“ Diese Kinder seien oft nicht ausreichend vorbereitet, „sie kommen mit den standardisierten Erwartungen zu Leistungen und Sozialverhalten nicht zurecht und versagen oft“. Als drittes Muster nennt Ricking das Zurückhalten durch Eltern. „Es gibt Erziehungsberechtigte, die ihre Kinder aus unterschiedlichen Gründen von der Schule fernhalten“, sagt er. „Problemlagen wie Vernachlässigung oder Missbrauch sollen zum Beispiel verdeckt werden. Außerdem gibt es psychisch kranke Eltern, die ihre Kinder als Unterstützung bei sich haben wollen. Und es gibt Eltern, die die staatliche Schule ablehnen und die Kinder zu Hause selbst unterrichten wollen.“
Für Ricking ist entscheidend, dass Schulabsentismus selten plötzlich entsteht. „Gefährdete Kinder und Jugendliche sind vorher oft nur noch physisch im Klassenraum, aber gar nicht mehr bei der Sache“, sagt er. „Das ist der Vorhof des Absentismus.“ Häufige Verspätungen, Gleichgültigkeit oder Unterrichtsstörungen seien Warnsignale. Wenn darauf keine Reaktion folge, verstärke das das Problem. „Beim ersten Schwänzen haben Schülerinnen und Schüler vielleicht ein Druckgefühl“, sagt Ricking. „Aber wenn dann nichts passiert, sagen sie sich: Das ist denen doch sowieso egal, ob ich da bin.“
Auf die Frage nach Bußgeldverfahren und Jugendarrest äußert sich Ricking zurückhaltend. „Das ist wenig erforscht“, sagt er mit Blick auf Bußgelder. „Aber es gibt in der Fachliteratur, selbst in der Rechtsliteratur, keinen Aufsatz, der das unterstützt.“ Und weiter: „Auch Jugendarrest bringt aus meiner Sicht nichts, weil er keinen Bezug zu den Ursachen hat. Und die prekäre Situation der Kinder in der Schule ändert sich dadurch auch nicht.“
„Die Frage sollte doch sein: Wollen wir Abwesenheit bestrafen oder Anwesenheit verstärken?“
Ricking betont stattdessen die Bedeutung früher, beziehungsorientierter Maßnahmen. „Schon simple Maßnahmen zeigen enorme Wirkung“, sagt er. Er nennt Selbstbeobachtungsbögen, Mentorenmodelle und eine aktive Begleitung. Zentral sei eine andere Leitfrage: „Die Frage sollte doch sein: Wollen wir Abwesenheit bestrafen oder Anwesenheit verstärken?“ Das Forschungsprojekt „Jeder Schultag zählt“ habe gezeigt, wie wichtig es sei, Teilhabe am Unterricht zu fördern und Anwesenheit positiv zu verstärken.
Schulen könnten das nicht allein leisten, sagt Ricking. „Lehrerkollegien müssen sich zu multiprofessionellen Teams weiterentwickeln.“ International sei das Standard. „In Großbritannien sind noch etwa 60 Prozent Lehrkräfte. 40 Prozent sind Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen, Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter, Erzieherinnen und Erzieher und Therapeutinnen und Therapeuten.“ Lehrkräfte müssten außerdem besser darauf vorbereitet werden, emotionale und soziale Signale zu erkennen. „Wenn ein Kind Angst hat oder resigniert, ist es in einer psychischen Situation, die effektive Lernprozesse gar nicht zulässt.“
Noah sitzt derweil im Arrest und sagt, er wolle keinen dritten Aufenthalt. Er will seinen Abschluss machen, seine Sozialstunden ableisten, eine Ausbildung beginnen. „Ich will im Leben weiterkommen“, sagt er. Und dann sagt er: Es helfe nicht, „wenn ich weiter hier drinsitze und die Schule verpasse“. Bei Noah hat sich etwas verändert. Er hat die Klasse gewechselt. Er hat einen Freund gefunden. „Das motiviert mich richtig zur Schule zu gehen“, sagt er. „Ich habe jetzt irgendwie keinen Grund mehr zu schwänzen.“ Ob das hält, ist offen – ebenso wie die Frage, ob Arresttage wirklich helfen können, wenn das eigentliche Problem weit außerhalb der Zelle liegt. News4teachers / mit Material der dpa
Immer mehr Fälle: Der Absturz von Jugendlichen beginnt häufig mit Schwänzen









Es macht nie Sinn, Forderungen aufzustellen, die man im Ernstfall nicht durchsetzt.
Dann ist es ein Appell. Dann soll man es so sagen: Wir appellieren an die Eltern, ihre Kinder zur Schule zu schicken.
Sie sollten den Link zum Deutschen Schulportal lesen. Da geht erheblich mehr einher als ein Appell 🙂
Die schärfste Waffe, die die Schule hat, ist die Einbeziehung des Jugendamtes. Wenn das aber nicht will oder nicht kann (Überlastung), dann kann Schule außer letztendlich wirkungsloser Placebo-Maßnahmen auch nichts machen. Dann muss man als Schule eben akzeptieren, das das Ganze genauso politisch gewollt ist.
Was ist mit den im Artikeln genannten Maßnahmen vom Bußgeld bishin zum Jugendarrest?
Über die Wirkung können wir gerne diskutieren, aber es sind Maßnahmen, WENN Lehrkräfte diese bemühen wollen
In Hessen gibt’s auch Knast für Eltern : https://verwaltungsportal.hessen.de/leistung?leistung_id=L100001_8968821
GEW?
Eine Lehrkräftegewerkschaft oder ein selbsternannter bildungspolitischen Player?
Warum äußert sich Frau Bensinger-Stolze nicht zu den Problemen, die Kinder und Jugendliche, die ihrer Schulpflicht illegal nicht nachkommen, ihren Lehrkräfte und Schulleitungen bereiten?
Ihre Fragestellung zeigt eine negative gesellschaftliche Entwicklung auf – die zunehmende Individualisierung und Fokussierung von Interessen einzelner Personen oder bestimmten Personengruppen. Es würde uns allen als Gesellschaft gut tun, wenn wir über unseren Tellerrand hinausschauen und zusammenstehen. Das Wohlergehen und der Bildungserfolg aller Kinder nutzt der gesamten Gesellschaft, unserer demokratischen Grundordnung, der Aufrechterhaltung des solidarischen Sozialprinzips ebenso wie der Wirschaft. Familien und ihre Kinder verdienen unser aller Unterstützung, sie sind die Basis unseres Wohlstands.
In Großbritannien sind noch etwa 60 Prozent Lehrkräfte. 40 Prozent sind Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen, Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter, Erzieherinnen und Erzieher und Therapeutinnen und Therapeuten.“
Man sollte seine Argumente schon mit Bedacht wählen.
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https://table.media/bildung/professional-briefing/wie-ki-gegen-mint-abwaertstrend-helfen-koennte-schueler-engagement-in-gefahr-schulabsentismus-in-england#:~:text=Insgesamt%20ist%20die%20Entwicklung%20in,hei%C3%9Ft%20es%20in%20der%20Times.
Abseits dessen kann man sich die verschiedenen Ebenen und Aspekte des Kontrollverlust es auch schönreden:
„Sie bekommen in schulischen Dingen wenig Unterstützung, ihr Elternhaus ist weit entfernt von Bildungsambitionen.“ Diese Kinder seien oft nicht ausreichend vorbereitet, „sie kommen mit den standardisierten Erwartungen zu Leistungen und Sozialverhalten nicht zurecht und versagen oft“
Das kann man auch deutlich anders formulieren sowie komplett andere Schlüsse daraus ziehen, als es der Professor.
Eine Bankrotterklärung ist es, wenn keine Konsequenzen gezogen werden, was häufig genug auch geschieht.
“Entscheidend sei: „Schulabsentismus ist meist die Folge einer anderen, dahinterliegenden Problematik.“”
Große Zustimmung: WIR BRAUCHEN PRÄVENTION!
Wenn der Fall aber EINTRITT, hilft Prävention wenig/ nicht. Ich kann den Schüler*innen kein besseres Verhältnis zur Schule anbieten, Konflikte klären bzw. Täter*innen sanktionieren, wenn die Betroffenen nicht erscheinen.
Ich brauche einen Hebel, um die Schüler*innen in die Schule zu bekommen, um die Probleme aus dem Weg zu schaffen.
Keine Ahnung, was Jugendarrest da soll, aber Bußfelder könnten (!) hier die Familie bewegen, die Schüler*in nicht zu decken.
Sozialstunden könnten (!) die Schüler*in vor der schädlichen Schutzhaltung bewahren, anzunehmen, dass Vermeidung eine Lösungsstrategie ist und man sich jeglicher anderer Konsequenzen entziehen könnte.
Es ist nicht schön und ich las im Forum, dass nicht wenige Lehrkräfte sich die Mühe nicht machen wollen, solche Fälle mit Klassenkonferenz und Schulleitung zu besprechen.
Aber ich las bisher keine Optionen zu Bußgeldern, Sozialstunden bzw. polizeilicher Vorführung, die sich nach misslungener/ nicht erfolgter Prävention ergeben (außer Jugendarrest – WTF??)
„ Aber ich las bisher keine Optionen zu Bußgeldern, Sozialstunden bzw. polizeilicher Vorführung, die sich nach misslungener/ nicht erfolgter Prävention ergeben (außer Jugendarrest – WTF??)“
Das liegt ganz allein daran, dass Sie entweder die Artikel, welche Sie kommentieren, nicht lesen oder Ihnen die entsprechende Kompetenz zum Verstehen des Gelesenen leider immer noch fehlt.
Sie finden die Auflösung Ihres Zwiespaltes bereits im dritten Absatz des Artikels.
Mit freundlichen Grüßen,
Mika
Wenn ein Schüler Angst hat in die Schule zu gehen wegen der Gründe z.B.wie bei Noah, was sollen diese Maßnahmen bewirken. Diese Maßnahmen wären Ignoranz gegen den Schüler… Bestrafung ist der Weg des geringsten Widerstands. Aber hier hilft Aufmerksamkeit, Zuwendung, professionelle Hilfe, Abschaffung der verursachenden Situation. Aufgrund von Fehlverhalten wie Mobbing soll das Opfer dann auch noch bestraft werden . Keine gute Lösung.
Wie immer: Nein, der Großteil im Forum hat die genannten Maßnahmen schon lange ausgeschöpft. Danach hat die Schule aber keine Möglichkeiten mehr, den Zustand zu ändern. Ihre Ignoranz ist einfach unglaublich.
Der Text greift mal wieder Beispiele raus, die eher dem Einzelfall gleich kommen. Wenn wir Familien mit Schulabstinenzlern begleiten, liegt das Schwänzen in den allermeisten Fällen an horrenden Bildschirmzeiten bis tief in die Nacht, sodass morgens Schlaf nachgeholt werden will oder es liegt an falschen Freundeskreisen, mit denen man lieber in der Stadt abhängt, anstatt in die Schule zu gehen oder es herrscht chronische Unlust. Man möchte nicht lernen, man möchte keine Leistung erbringen, man nimmt Schule nicht ernst.
Manchmal liegt es auch an erwerbslosen Eltern, die selbst bis mittags im Bett liegen und das Kind für die Schule nicht wecken (wollen).
Ob Arrest Sinn macht? Sicher in vielen Fällen nicht. In BW gibt es diese Form meines Wissens auch gar nicht, sondern allenfalls Bußgelder, die aber sehr selten vollstreckt werden. Meistens ist von diesen Familien nämlich gar nichts zu holen. Zudem bin ich der Meinung, dass man gerade Jugendliche auch mal zu ihrem Glück zwingen muss. Problematische Klasse, mobbende Mitschüler…ja, auch das gibt es natürlich alles. Doch dann müssen vor Ort, also mit Schule und Sozialarbeit, Lösungen gefunden werden. Dem Kind muss klar gemacht werden, dass Schwänzen Konsequenzen hat und man nur unterstützend tätig werden kann, wenn man miteinander spricht.
Alles korrekt. Dann geht das Kind wieder für 3 Wochen in die Schule und schwänzt danach wieder und der Prozess geht von vorne los. Bei vielen ist man leider sogar froh, wenn sie fehlen, weil man dann mit den anderen Schülern besser arbeiten kann.
Ein weiteres Problem ist dass geringe Zeitbudget für solche Fälle, gerade wenn ich 2-3 Klassenleitung en habe.
Zustimmung!!
Mir fällt dazu folgendes Bonmot ein:
“Schon wieder Perlen!” sagten die Schweine am Trog und verweigerten das Fressen.
Ich denke alle Fälle von Schulabsentismus sind Einzelfälle. Ich kenn drei Kinder, die Probleme mit der Schule haben oder hatten und sie passen alle drei nicht in Ihre beschriebenen Muster.
Wieso akzeptiert man bei Erwachsenen Erwerbstätigen, dass sie z.B in einen Burnout sein können, bei Kindern ist es Faulheit, Bewusste Entscheidung nicht lernen zu wollen, usw.
Bei Kindern werden nur “einfache” Erklärungen gezogen. Betroffene Eltern und Kinder werden verurteilt.
Alle drei Kinder die ich kenne, kommen aus normalen, eher guten Haushalten. Geschwisterkinder gehen “normal” zur Schule und die betroffenen Kinder selber fallen auch nicht durch besonders schlechte Leistungen oder schlechtes Verhalten auf.
Es gibt Neurodivergenzen mit denen das Lernen in einem Klassenverband im “Gleichschritt”, bei ständig wechselnden Lehrern und Fachstunden, fehlender motivierenden, positive Beziehungen zu den Lehrern (von denen man als Kind letztendlich abhängig ist), damit fehlendes Gefühl von Sicherheit, eine erhebliche Belastung darstellt. Das Nervensystem ist quasi unter ständiger Anspannung um die Anpassungsleistung zu erbringen. Und irgendwann bricht das System zusammen. Manchmal spontan, machmal über die Zeit mit wachsendem Vermeidungsverhalten.
Alles sind Symptome des Selbstschutz vor Überlastung. Bei Erwachsenen im Berufsleben wird das eher akzeptiert, das nicht jeder Job der richtige ist. Bei Erwachsenen akzeptiert man, dass einige besser alleine in leiser Umgebung arbeiten und andere gut in Großraumbüros, oder in Teams, oder wieder andere besser Handwerklich praktisch oder sozial mit Menschen arbeiten oder oder oder.
Kinder müssen aber alle in das selbe Schulsystem passen, nur Leistungsmäßig abgestuft, aber grundsätzlich sonst ähnlich.
Dass es auch Kinder gibt die unterschiedliche Umgebungen brauchen, wird nicht gesehen.
Syndrome wie Autismus und ADHS sind Spektrum, d.h. es gibt alles in unterschiedlicher Ausprägung und auch Mischformen. Darüber hinaus gibt es viele Menschen mit erworben anders funktionierenden Nervensystemen, z.B. durch Trauma und Bindungsstörungen o.ä . Die Wahrnehmung und Verarbeitung von Sinneseindrücken ist bei allen Menschen unterschiedlich und nicht alle passen gut in Gemeinschaftseinrichtungen, so wie sie heute geführt werden.
Es gibt genug Ansätze z.B. Traumapädagogik oder für Neurodivergenzen angepasste Unterrichts- oder Betreuungsmethoden, von denen auch neurotypische Menschen profitieren würden.
Dafür braucht es aber auch Zeit und Energie sich damit auseinander setzen zu können. Ein in verschiedenen Punkten überlastetes eher starres Schulsystem ist zu unflexibel, um sich entsprechend zu ändern. So landen hoch intelligente Kinder auf Förderschulen, die auch nicht wirklich passen oder Falken durch das Schulsystem.
Ich empfehle u.a. die Reportage von Hirschhausen zu ADHS so als kleiner Einblick in Neurodivergenz. Oder alles zu dem Thema Traumapädagogik, um die Sicht auf Menschen die durch unser Hilfesystem fallen, zu öffnen.
Vielen Dank! Stimme voll zu…und kenne ebenfalls solche Fälle wie Hochsensibilität oder soziale Phobien, die einfach starke Probleme in unserem Schulsystem haben und auf die Null Rücksicht genommen wird ( oder werden kann). Alles ist starr und unflexibel. Auch das kann zu Schulangst und dann zu Schulabsentismus führen. Da fallen völlig unnötig z. T. sehr intelligente SuS durchs Raster.
Im Regierungsbezirk Arnsberg müssen Anträge auf Bußgeld wegen Fehlzeiten bis spätestens Ende März abgegeben werden. Ansonsten werden sie nicht mehr bearbeitet, weil bis zur Ausstellung des Bußgeldbescheides das Schuljahr vorbai ist. Natürlich muss zuvor der gesamte Prozess der erzieherischen Maßnahmen und Ordnungsmaßnahmen nach § 53 eingehalten werden und die Ferienzeiten dabei berücksichtigt werden. Kurz gesagt: Bußgeld ist Quatsch.
Die Schulpflicht ist in NRW im § 41 des Schulgesetzes geregelt. Ein regelmäßiger Verstoß gegen die Schulpflicht kann behördliche Ordnungsmaßnahmen (zwangsweise Zuführung, Ordnungsgeld, Meldung an das Jugendamt) nach sich ziehen. Dies beantragt die Schule, nachdem andere Einwirkungen (in der Regel Gespräche und Briefe mit und an die Erziehungsberechtigen) keinen Erfolg gezeigt haben.
Mit erzieherischen Einwirkungen und Ordnungsmaßnahmen (§ 53) hat dies nichts zu tun.
Bußgelder verhängt übrigens der Schulträger und nicht das Schulamt (geht aber natürlich über den Tisch der Schulaufsicht).
In unserer Stadt müssen Anträge auf Bußgeld zeitnah gestellt werden werden und dürfen immer nur einen Zeitraum von zwei Wochen umfassen.
Bußgeld ist in sofern kein Quatsch, als dass es genau da wehtut, wo es wehtut soll.
Unsere Schule hat da bereits einige Erfolge bei Eltern erzielt, denen die Schulpflicht bis zum Zeitpunkt des Bußgeldbescheides eher egal war….
Eine Mutter, die bei uns den 5 ten Bußgeldbescheid erhielt und nicht zahlen konnte oder wollte (hat sich einfach „tot“ gestellt), erhielt dann ein Einfuhrbescheid…..das war dann wirklich heilsam….
Quatsch wie so vieles in NRW im Schulsystem. Die Hürden für extrem viele Sachen werden so hoch gemacht, dass die Fallzahlen automatisch sinken. Am Ende zahlen wir alle für diese Vorgehen.
Kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Wenn dann noch die Post aus der Schule nach Hause mindestens 2 Wochen benötigt, weil es im Sekretariat keine Briefmarken gibt sondern alles erst gesammelt zum Frankieren zur Stadt- bzw. Kreisverwaltung geschickt wird, schafft man die ganzen Eskalationsstufen des §53 Schulgesetz NRW eh nicht.
Alles was Herr Ricking vorschlägt findet schon statt. Angststörung oder Depression – ja, wir sehen tatsächlich auch die Möglichkeit, dass es klinisch relevante medizinische Gründe gibt, Beratung der Familie, zum Psychologen zu gehen. Soziale Probleme – sehr häufig, Beratung der Familie, Gespräche zusammen mit Sozialpädagogen, Jugendamt, Familienhilfe und was es noch alles gibt. Zurückhalten durch Eltern – Gespräche mit den Eltern, Jugendamt, Ordnungsamt, Abholen durch Lehrer oder Sozialarbeiter, Schulbegleitung.
Fällt etwas auf? Eltern, Familie…die sind aber auch überfordert. Warnsignale werden schon gesehen, auch entsprechend angesprochen, warum ist mehr als 1/3 der Arbeit kein Unterricht? Die Zeit reicht trotzdem nicht, wir haben zu große Klassen, zu wenig Leute, nicht genügend externe Hilfe und zu wenig Zeit. Simple Maßnahmen und Beziehungsorientierung sind ein schöner Rat, aber unter den genannten Bedingungen? Ohne dass Verbesserungen in Sicht wären? Jugendarrest ist wohl kaum eine Lösung, aber vielleicht, ganz vielleicht, ein verzweifelter Hilferuf aus dem ‘System’. Nicht nur Schüler senden Warnsignale.
Meine SL hat mich vor einigen Jahren aufgefordert, einen schulabsenten Schüler aus meiner damaligen Klasse morgens von zuhause abzuholen … das sei ja nur ein kleiner Umweg und für mich doch sicherlich kein Problem – ich hätte ja ein Auto (gut 6km) … das sollte ich als engagierter Klassenlehrer doch wohl zu leisten bereit sein.
Habe sie dann gefragt, ob sie das ernst meinen würde und ihr Ansinnen strikt abgelehnt … und ihr dann ein paar dienstrechtliche und versicherungstechnische Gründe für meine Verweigerung benannt.
Sie fand meine Haltung nicht akzeptabel und hat mir ihr Missfallen deutlich zum Ausdruck gebracht … dass sie mich nicht anweisen konnte war ihr aber offensichtlich klar.
Den Weg über die Schulbehörde wollte sie aber nicht gehen – das sei ja nicht zweckdienlich und da die Familie eh nichts habe (Flüchtlingsstatus) ließe sich da auch nix holen.
Sie haben eine coole SL……nicht….
Als ich damals an meine jetzige Schule kam, hatten wir noch eine IK…..und unser sozialpädagogische Fachkraft, die dort tätig war, holte jeden Morgen ein Kind von zuhause ab…..Soll heißen, sie schlug dort auf, weckte die Familie, sorgte dafür, dass sich das Kind fertig machte und schmierte derweil Brote für das Kind….
Ich dachte, ich träume…..und nach eingehenden Gesprächen über die Grenzen ihrer Tätigkeit, stellte sie dies ein…..
Vielleicht kennen sich meine Kollegin und ihre SL?
Es gibt Grenzen und wir als Institution Schule tun gut daran, diese nicht zu überschreiten….meine Meinung…..
Noah kämpft mit echten Problemen: eine Stunde Zugfahrt am Morgen, eine Klasse, in der er sich unwohl fühlte, Mitschüler, die „ziemlich schlimm“ waren, und die Erkenntnis, dass Schule für ihn „noch nie gut funktioniert“ hat. Ein Beispiel dafür, wie Schulabsentismus aussehen kann, wenn er tatsächlich aus einer Notlage entsteht.
An Gymnasien hingegen hat der Satz „Schulabsentismus heißt, dass eine Schülerin oder ein Schüler ohne rechtmäßigen Grund dem Unterricht fernbleibt“ oftmals einen faden Beigeschmack. Denn „rechtmäßige Gründe“ werden bei einer stetig steigenden Anzahl von Schülern im Akkord produziert – telefonisch, schriftlich, mit Attest, Stempel oder väterlicher Autorität.
„Es gibt Erziehungsberechtigte, die ihre Kinder aus unterschiedlichen Gründen von der Schule fernhalten.“ Diese Gründe heißen in der Praxis erstaunlich oft Klassenarbeit, Klausur oder Test. Unangekündigte Leistungskontrollen hingegen führen logischerweise zu keinen Entschuldigungen, weshalb man sie eigentlich wieder häufiger durchführen müsste. Stattdessen müssen immer mehr Nachschreib‑Termine organisiert werden, an denen Lehrkräfte nachmittags Aufsicht schieben (müssen), damit jene, die den Ersttermin „verpasst“ haben, in Ruhe nachschreiben können. Manche Eltern liefern die Entschuldigungen dafür so zuverlässig wie Amazon Prime, besonders wenn Papa Arzt, Anwalt oder bestens vernetzt ist. Die Vermeidung beginnt also lange vor dem Schwänzen – nämlich bei der heiligen Entscheidung, unbedingt den gymnasialen Weg einzuschlagen, egal ob das Kind dafür gemacht ist oder nicht.
Natürlich darf der pädagogische Pflichtsatz nicht fehlen: „Aber bei manchen Schülerinnen und Schülern kann Schulabsentismus Ausdruck einer psychischen Krise, einer individuellen Notlage sein.“ Richtig! Nur erstaunlich, wie viele dieser Notlagen exakt dann auftreten, wenn eine Leistungsüberprüfung ansteht. Jede Klausur verwandelt sich bei einigen Schülern inzwischen zuverlässig in eine „psychische Krise“, die nur durch sofortige häusliche Schonung abgewendet werden kann.
Dabei sind viele dieser überforderten Gymnasiasten keineswegs Opfer von Mobbing in ihren Klassen oder Kursen. Statt sich auf Unterricht zu konzentrieren, investieren sie ihre Energie lieber in das soziale Drama auf Social Media: mobben, lästern, blockieren, entfolgen, entblocken – ein Paralleluniversum, in dem man je nach Tagesform Täter oder Opfer sein kann. Unterricht läuft irgendwie nebenbei bis eben zur nächsten Leistungsüberprüfungspsychonotfallkrise mit Mama und Papa als Kriseninterventionsteam.
Gymnasiallehrkräfte versuchen derweil, Unterricht zu gestalten, während sie gegen eine Kultur der Vermeidung, Demotivation, Ablenkung und digitalen Nebenkriegsschauplätze ankämpfen. Eltern, die unbedingt ein Abitur für ihr Kind wollen, unabhängig von dessen Neigungen oder intellektueller Begabung, verstärken das Ganze noch, indem sie den bösen Leistungsdruck zum Feind erklären.
Während Noah tatsächlich Unterstützung bräuchte, wird an anderer Stelle fleißig am System vorbeioptimiert. Und am Ende trifft es oft die Falschen: Jugendarrest bekommen nur die Noahs dieser Welt.
Die anderen sind formal legitim absent, perfekt entschuldigt und durch wohlwollende elterliche Schutzschirme gegen jede Konsequenz immunisiert.
Grundlegende Probleme, die letztlich zu Schulabsentismus führen, finden sich zu einem sehr hohen Anteil im Elternhaus der Kinder. Dort braucht es Kooperation, die Brreitschaft Hilfen anzunehmen und umzusetzen. Hier reden wir von Erwachsenen Menschen, deren Aufgabe es ist, sich angemessen um die eigenen Kinder zu kümmern. Natürlich sind auch die Eltern oft mit ihrem Latein am Ende und mit den Nerven runter. Leider führt das bei zu vielen Eltern dann aber nicht dazu Hilfen anzunehmen oder gar etwas an der eigenen Haltung zu ändern. Hier wäre der Gesetzgeber gefordert.
Der Punkt ist: Realistisch gesehen, kann man niemanden wirklich zwingen, regelmäßig die Schule zu besuchen. Man kann nur unterstützen und sanktionieren, damit es möglichst wenige Abweichler/ Schwänzer gibt.
Man kann Geldstrafen verhängen, niedrigschwellige Förderangebote bieten, Leute zuhause aufsuchen, in Kleingruppen unterrichten, Belohnungssysteme für regelmäßiges Kommen aufstellen, mehr Psychologen einstellen…
Aber wenn ein Jugendlicher mit Polizei in die Schule gebracht werden würde und nach einer Stunde halt einfach wieder geht, was will man dann machen? Die Schule ist eben kein Gefängnis und ab irgendeinem Punkt verliert auch Jugendarrest (im Gefängnis) seine Verhältnismäßigkeit und Sinnhaftigkeit. Ich meine, wenn kurzer Arrest eben zu keiner Besserung führt.
Es gibt sicher Jugendliche, die eindeutige Konsequenzen wie z.B. eine Geldstrafe brauchen, um nicht zu Schwänzen. Es gibt aber eben auch Menschen, die sich durch derartiges blosgestellt, herabgesetzt oder zu einem Machtkampf herausgefordert fühlen. Und diesen Machtkampf kann man als Lehrer oder Polizist nicht gewinnen. Mal abgesehen davon, dass dann gar keine Basis mehr für einen pädagogischen Zugang zum Jugendlichen vorhanden ist.
Bei chronischen Schwänzern, die keine erkennbaren psychischen Krankheiten haben, wäre ich dafür, z.B. 1x pro Monat ein Gespräch durchzufüheren und immer eine Option, irgendwo weiterzumachen, offenzuhalten. Keine weiteren erzwungenen Interventionen. Vielleicht müssen manche Leute einfach mit der Zeit selbst erfahren, dass ihr Verhalten auf längere Sicht schadet (keine Ausbildung/ Zukunftsperspektive).
Mit dauerhaftem Zwang bildet man niemanden aus. Die Ressourcen, die hier verwendet werden, wären bei Hilfsangeboten, die auch jemand annehmen will, besser aufgehoben. (z.B. LRS-Förderung auch für grenzwertige Fälle, Begabtenförderung, sozialpädagogisch betreute Freizeittreffs…)
Sowas gab es früher an jeder Schule, nannte sich “Karzer”.
In NRW ist „Schule-Schwänzen“ ein riesengroßes Problem. Bei uns gibt es mittlerweile im Schnitt in jeder Klasse 2-3 Schüler, die in der Regel keine einzige volle Woche mehr in der Schule schaffen.
Das Problem ist dabei nicht, dass wir Lehrer dies nicht erkennen. Wir erkennen die Vorboten in der Regel bereits in der 5. Klasse und wissen genau worauf es hinausläuft, machen können wir aber nichts. Das Problem sind zum größten Teil die Elternhäuser und die zunehmende Anzahl an psychischen Erkrankungen bei Kindern. Eltern kümmern sich teilweise garnicht, falsch oder sind total überfordert und ducken sich über mehrere Jahre weg, bis dann das Kind in den Brunnen fällt und kurzfristig sich auch nichts mehr beheben lässt.
Wie gesagt das Problem ist nicht, dass Lehrer dies vorher nicht erkennen, das Problem sie die fehlenden Handlungsmöglichkeiten und im Übrigen auch die fehlende Zuständigkeit. Lehrer haben nicht die Befugnis und es ist auch nicht deren Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Schulpflicht eingehalten wird, sondern es ist lediglich die Aufgabe, die Schulpflicht zu überwachen. Wenn aber alles, was danach kommt entweder total überlastet ist, oder keinen Bock hat, oder Angst hat Maßnahmen könnten im Nachhinein wieder einkassiert werden, dann bringt die Überwachung halt garnichts.
Wir erkennen schon in der Grundschule die eindeutigen Anzeichen für späteren verfestigten Absentismus. Auch bei uns gibt es schon die „Montagskrankheit“….und natürlich versuchen wir gegenzusteuern…..leider ist es genau, wie Sie beschreiben. Die Kinder werden von den Eltern von der Schule ferngehalten…..und schreiben fix eine Entschuldigung für den Tag…..
Eltern erkennen oft nicht, welchen Schaden sie anrichten…..
Da Betreuung vor Wissens- äh Kompetenzerwerb steht, ist das staatliche 24/7-Angebot doch sehr positiv zu sehen. Es sollte also dringend geprüft werden, ob dieses staatliche Angebot nicht ausgeweitet werden kann. Das Thema ferienzeiten könnte dann ja über entsprechende Regelungen zum Freigang/offener Vollzug gelöst werden.
Auf dem wege entstünden neue Arbeitsplätze im ÖD der Länder und Eltern schulpflichtiger Kinder könnten dem als HR in großer Zahl zur Verfügung gestellt werden.
„Schulabsentismus ist meist die Folge einer anderen, dahinterliegenden Problematik“. Wieder mal eine schwachsiinnge Feststellung, die seit Ewigkeiten bekannt und allen denkenden Lehrpersonen bewusst ist. ALlerdinsg werden die Schulen mutterseelen alleingelassen mit dem Problem: Und zwar von Schulämtern, Jugendämtern und auch Familiengerichten. Alle ducken sich hier sehr gerne und sehr geübt weg. Mal ein Beispiel: Ich habe ein Kind aus der Klasse 5 entlassen. Normal begabt, die Schulpflicht war erfüllt. Es konnte in den Jahren vorher oft nicht versetzt werden, weil ganze Halbjahre nicht anwesend. Das Einschalten des Familiengerichtes war mir eine Leh(e)re, denn das Spießrutenlaufen fing dann an – für mich.
Bestrafen allein hat noch nie etwas gebracht! Die Ursache zu finden ist viel wichtiger. Im Fall Noah blutet mein Mutterherz…..hier liegen die Ursachen auf der Hand und ein Arrest schadet hier nur noch mehr . Ich wünsche Noah alles Gute.
„Lehrerkollegien müssen sich zu multiprofessionellen Teams weiterentwickeln.“
Ich kann es mittlerweile nicht mehr lesen. Verstehen denn alle, die nicht direkt in der Schule tätig sind, aber ständig ihren Senf dazugeben denn nicht, dass das nicht passieren wird.
Es kostet 1. Geld und 2. gibt es zu wenig qualifizierte Bewerber. Da hilft es auch nicht, wenn man das ständig runterbetet.
Dass es zu wenig Bewerber*innen gäbe, ist eine unbelegte These: Wo es keine Stellen gibt, kann es keine Bewerbungen geben. Wir wüssten nicht, warum es nicht möglich sein sollte, bislang freiberuflich tätige Lerntherapeut*innen, Logopäd*innen, Gesundheitsfachkräfte, Verwaltungsassistenten etc. zu finden.
Schon die neue Aktivrente böte immense Möglichkeiten, Unterstützungskräfte für Schulen zu finden.
Das ist wie bei der Inklusion: Man geht sie niemals ernsthaft an – und behauptet dann, damit bewiesen zu haben, dass sie nicht funktioniert.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Leider verstehen die KuMis unter MPTs Schulbegleiter, Sozialarbeiter und evt noch SoFas…..die von Ihnen angesprochenen Professionen fallen leider nicht darunter…..
Mehr Ganztagsschule wird die Anzahl der Schulverweigerer sicher noch erhöhen.