DÜSSELDORF. Die FDP-Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen will der schwindenden Hauptschule eine neue Perspektive geben. Mit einem Antrag schlägt sie vor, Hauptschulen zu eigenständigen „Praxis-Schulen“ weiterzuentwickeln – mit Langzeitpraktika, stärkerem Lebensweltbezug und enger Verzahnung mit Betrieben, sozialen Einrichtungen und dem Sozialraum. Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler gezielt auf Ausbildungsberufe vorzubereiten – insbesondere im Handwerk, in der Industrie, in der Pflege oder in der Gastronomie. Unterstützung kommt vom Verband lehrer nrw, der in dem Konzept eine Alternative zur jüngst beschlossenen Schulrechtsänderung sieht.

Wie kindgerecht ist es, schon Zehnjährige auszusortieren, um sie für eine spätere Arbeit in unterbesetzten Branchen wie der Pflege oder der Gastronomie heranzuziehen? Für Prof. John Hattie, den weltweit wohl berühmtesten Bildungsforscher, ein Unding. „Ich kann nicht verstehen, wie man so viel Talent vergeuden kann“, sagte der Neuseeländer vor gut einem Jahr – und erklärte das deutsche gegliederte Schulsystem zum „ungerechtesten Schulsystem, das ich kenne“ (News4teachers berichtete).
Er argumentiert, dass Kinder oft mehr Zeit benötigen, um ihre Fähigkeiten voll zu entfalten. Das gegliederte Schulsystem beruhe auf der Annahme, dass homogene Klassen das Lernen erleichtern. Doch Hattie widerspricht: „Diese frühzeitige Trennung ist nicht im Interesse der Schülerinnen und Schüler. Einige Kinder brauchen eine zweite, dritte oder vierte Chance, um Dinge besser zu verstehen, und zwar über die Grundschulzeit hinaus.“ Deutschland stehe mit der frühen Aufteilung der Kinder weltweit nahezu allein da.
Die (oppositionelle) FDP in Nordrhein-Westfalen ficht das nicht an. „Die Schulvielfalt ist kein Auslaufmodell, sondern Voraussetzung für bestmögliche individuelle Bildung für alle Schülerinnen und Schüler“, erklärt Franziska Müller-Rech, stellvertretende Vorsitzende der Landtagsfraktion. Der „schrittweisen Abwicklung der Hauptschulen“ wollten die Freien Demokraten „entschieden entgegen“ treten. Statt weiterer Schwächung solle die Hauptschule „zu modernen Praxis-Schulen weiterentwickelt“ werden. Dort sollten junge Menschen „nicht nur Wissen erwerben, sondern auch Fähigkeiten, Selbstvertrauen und klare Perspektiven für ihren Start ins Berufsleben“.
„Denn es besteht ein großer Bedarf an Fachkräften in Branchen, die Hauptschulabsolventen einstellen“
In ihrem Antrag beschreibt die FDP die Ausgangslage der Hauptschule als Ergebnis langjähriger politischer Entscheidungen. Die Schulform habe zwar „seit Jahrzehnten einen wichtigen Beitrag zur Bildungsbiografie vieler junger Menschen“ geleistet, sei aber durch Standortschließungen, fehlende Investitionen und politische Weichenstellungen zugunsten integrierter Systeme geschwächt worden. In den Kommunen zeige sich zugleich, dass dort, wo Hauptschulen erhalten geblieben seien und auf „engagierte Kollegien, funktionierende Kooperationen und eine enge sozialräumliche Einbindung“ setzen könnten, stabile Entwicklungen möglich seien.
Vor diesem Hintergrund wendet sich die FDP, die mit Yvonne Gebauer noch bis Juni 2022 die Schulministerin in Nordrhein-Westfalen stellte, ausdrücklich gegen die im 17. Schulrechtsänderungsgesetz beschlossene Öffnung der Realschulen für den Hauptschulbildungsgang. Diese Maßnahme drohe, so heißt es im Antrag, „die Profile der Schulformen weiter zu verwässern und die funktionale Klarheit des gegliederten Schulsystems zu untergraben“. Statt einer organisatorischen Verlagerung solle die Hauptschule selbst gestärkt werden – als eigenständige Schulform mit klarem Profil.
Kern des FDP-Konzepts ist die Umwandlung von Hauptschulen in „Praxis-Schulen“. Diese sollen sich durch „ein eigenes pädagogisches Profil, Lebensweltbezug und konsequente Berufsorientierung“ auszeichnen. Wörtlich heißt es im Antrag, Langzeitpraktika in den höheren Jahrgangsstufen sollten „als integraler Bestandteil des Curriculums und als gleichwertiger Bildungsbestandteil“ verankert werden. Praktikumsleistungen sollen verbindlich bewertet und gemeinsam mit den Partnerbetrieben nach pädagogisch abgestimmten Kriterien in die Zeugnisse einfließen.
Darüber hinaus fordert die FDP curriculare Freiräume, um schulinterne Schwerpunkte in den Bereichen Berufsorientierung, Lebenspraxis, soziale Kompetenz und Alltagsbewältigung setzen zu können. Unterricht und Lernen sollen stärker mit außerschulischen Lernorten verzahnt werden – etwa mit Werkstätten, Höfen, Sportvereinen oder Jugendzentren. Ergänzt werden soll dies durch sogenannte „Bildungslotsen für Praxis und Lebenswelt“. Diese sollen ihre Berufs- und Lebenserfahrung in den Schulalltag einbringen und Lehrkräfte „in der praktischen Bildung sowie in sogenannten ‚Life-Lessons‘ begleiten“.
Dass es ihr dabei insbesondere um die Interessen der Wirtschaft geht, daraus macht die FDP keinen Hehl. „Denn es besteht ein großer Bedarf an Fachkräften in Branchen, die Hauptschulabsolventen einstellen, sei es im Handwerk, in der Industrie, in der Pflege oder in der Gastronomie“, so heißt es in der Begründung.
„Das ist traurig. Ich möchte doch, dass mein Handwerker eine ebenso exzellente Schulbildung genossen hat wie mein Arzt“
Rückendeckung für diesen Kurs kommt vom Verband lehrer nrw. In einer Pressemitteilung bezeichnet der Verband das FDP-Konzept als „sinnvolle Alternative“ zur Institutionalisierung der Realschulen mit Hauptschulbildungsgang. „Eine derart profilierte Hauptschule wäre mit ihren ohnehin schon vorhandenen Stärken – u. a. kleine Systeme, individuelle Förderung, intensive Erziehungs- und Beziehungsarbeit, regionale Einbindung und die Möglichkeit, Bildungsanschlüsse nutzen zu können – dauerhaft ein wichtiger Baustein in der nordrhein-westfälischen Schullandschaft“, erklärte der Vorsitzende Sven Christoffer in einer Expertenanhörung.
Christoffer sieht in der Stärkung eigenständiger Hauptschulen ebenfalls eine Antwort auf den Fachkräftemangel. Die Schulen könnten „dringend benötigte Fachkräfte für Mangelberufe in Handwerk, Industrie, Pflege oder Gastronomie heranbilden“. Für die Schülerinnen und Schüler eröffne das neue Perspektiven – „anders als an den Realschulen mit Hauptschulbildungsgang, in denen sie vielfach den Anschluss verlieren würden“.
Dabei verweist lehrer nrw auf bereits vorliegende Zahlen. Wie der Städte- und Gemeindebund NRW mitgeteilt habe, verließen viele Schülerinnen und Schüler im Hauptschulbildungsgang an Realschulen die Schule ohne Abschluss. Die Landesregierung habe diese Quote in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP mit 18,6 Prozent beziffert. „Das ist ein Fiasko mit Ansage“, warnt Christoffer. Deshalb sei es „umso dringlicher, dass die Landesregierung ihren im 17. Schulrechtsänderungsgesetz eingeschlagenen Kurs korrigiert“.
Der politische Hintergrund ist eine Schulgesetzänderung, die im Frühjahr 2025 beschlossen wurde und es Realschulen erlaubt, dauerhaft einen Hauptschulbildungsgang einzurichten (News4teachers berichtete). Kritiker – darunter lehrer nrw – sehen darin einen Schritt, der das „Sterben der Schulform Hauptschule“ beschleunigen könnte, weil Kommunen aus schulplanerischer Sicht keinen Anreiz mehr hätten, eigenständige Hauptschulen zu erhalten. „Ein Irrweg“ – meint lehrer nrw (ein Verband, der vor allem Realschullehrkräfte vertritt). Die FDP stellt ihrem Antrag nun bewusst einen anderen Ansatz entgegen: nicht die Verlagerung des Hauptschulbildungsgangs an andere Schulformen, sondern die Profilierung und institutionelle Stärkung der Hauptschule selbst.
Ziel sei eine „neue Kultur der Wertschätzung für praxisorientiertes Lernen als bewusst gewählte, qualitativ hochwertige Bildungsform“. Hauptschulen müssten Orte sein, „an denen Jugendlichen nicht nur Wissen, sondern auch Können und Zutrauen vermittelt wird“. Um das zu ermöglichen, fordert die FDP mehr pädagogische Freiheit, flexible Schulbudgets und rechtliche Sicherheit für schulische Innovationen. Kommunen und Schulträger sollen ermutigt werden, eigene Konzepte zu entwickeln, etwa in Form von Schulcampus-Modellen mit Kitas, Jugendhilfe, Betrieben und sozialen Einrichtungen.
In ihrem Antrag stellt die FDP unter anderem fest, dass die Hauptschule „als praxisorientierte Schulform eine eigenständige Rolle und wichtige Funktion im System“ habe. Die Öffnung der Realschulen für den Hauptschulbildungsgang „untergräbt die Profilklarheit des gegliederten Systems“. Der bessere Weg liege in „attraktiven, eigenständigen Hauptschulprofilen mit klarer Berufs- und Lebensweltorientierung“.
Hattie meinte dazu vor gut einem Jahr: Einem derart gegliederten Schulsystem fehle es an Chancengerechtigkeit, weil Kinder damit de facto frühzeitig und dauerhaft von Bildungsinhalten ausgeschlossen würden. „Das ist traurig. Ich möchte doch, dass mein Handwerker eine ebenso exzellente Schulbildung genossen hat wie mein Arzt.“ News4teachers









“und erklärte das deutsche gegliederte Schulsystem zum „ungerechtesten Schulsystem, das ich kenne“
Kennt er denn alle 16 genau und findet sie alle gleich ungerecht oder differenziert er zwischen den 16 Systemen der Bundesländer?
Wenn ich mich nicht irre, stammt von ihm auch das Statement:
“‘Es macht unterm Strich keinen Unterschied, ob die Kinder getrennt oder gemeinsam lernen.’”
Kein Widerspruch: Letzteres bezieht sich auf das Leistungsniveau einer Lerngruppe – ersteres auf die Chancengerechtigkeit.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
“Chancengerechtigkeit.“
Wird bei PISA mit dem Abstand von unterer und oberer sozialer Schicht gemessen. Land B gilt also gerechter als Land A, wenn die untere Schicht in Land A zwar niedrigere Punktwerte aufweist als die Pendants in Land B, die obere Schicht in Land B aber noch weiter hinter den Pendants aus Land A zurückliegt.
Bei dem Punkt des gegliederten Schulsystems muss auch nicht unbedingt zwischen den Bundesländern differenziert werden. Am Ende werden in allen Bundesländern die Kinder nach 4 (bzw 6 in Berlin) Jahren aufgeteilt.
Aber je nach Bundesland auf unterschiedliche Schularten.
In manchen BL auf Gymnasium/Realschule/Hauptschule + ggf. Förderschule, in anderen BL auf Gymnasium und eine zweite Schulart, die aber auch zum Abitur führt.
Die Bundesländer, in denen die Quoten der Schüler*innen ohne Abschluss am höchsten sind, und bei Schüler*innen mit Migrationshintergrund sogar bis über 30% betragen, haben z.B. zweigliedrige Systeme.
Ach Hattie…. Der meint ja auch Klassengrößen sind im Prinzip egal…..
Meint er nicht. Gerne nachlesen, was Hattie selbst dazu sagt („Ich weiß nicht, wer sich ausgedacht hat, dass in einer Klasse 30 Schüler sitzen sollen. Das war keine gute Idee“): https://www.news4teachers.de/2024/12/das-ungerechteste-schulsystem-das-ich-kenne-warum-bildungsforscher-hattie-glaubt-dass-deutschland-ohne-bildungsreformen-nie-an-die-pisa-spitze-kommt/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
“nie an die PISA-Spitze kommt”
Wie stuft es Herrr Hattie ein, dass die Schüler*innen ohne Migrationshintergrund aus NZL bei PISA-2022-Mathematik um -16 Punkte schlechter abgeschnitten haben als die Pendants aus DE im Schnitt der 16 Bundesländer?
Wie hat Herr Hattie die Platzierungen von Bayern bei den damaligen PISA-E-Erhebungen beurteilt? Bayern lag damals in Mathematik 1 Punkt hinter Japan, aber noch vor Kanada.
War es nicht seine Analyse, bei der rauskam, dass die Klassengröße kaum Effekt auf Lernerfolg hat und stattdessen die Lehrperson hauptsächlich prägend ist?
Das ist ja immer die Universalentschuldigung für Schulamtsräte warum 34 Kids in Klassen kein Problem sind und es eigentlich nur auf meinen Unterricht ankommt.
Nein. Ergebnis von Hatties Analyse ist, dass Klassengröße allein keinen Unterschied macht, wenn sich der Unterricht dadurch nicht ändert. Gerne hier nachlesen: https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/eine-erhoehung-der-klassengroesse-wuerde-zu-massivem-protest-fuehren/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Wenn also zu einer 20er-Klasse “10 Stühle dazustellt” und die Lehrkraft den Unterricht so weiterführt wie bisher, machen die +10 keine Unterschied?
Lesen Sie doch einfach das von uns verlinkte Interview mit Prof. Zierer dazu – darin finden Sie die Antwort. Herzliche Grüße Die Redaktion
Nein, da haben Sie die Interpretation der verantwortlichen Bildungspolitik im Kopf, nicht die Ergebnisse, geschweige die relativ eindeutigen Empfehlungen Hatties 😉
“Deutschland stehe mit der frühen Aufteilung der Kinder weltweit nahezu allein da.“
Das gibt es im Herkunftsland von Herrn Hattie nicht, dort besuchen die Schüler*innen bis zum 16 Lebensjahr die gleiche Schule.
Nach meinen Informationen erreichten im Schuljahr 2023/24 im Schnitt der DE-16 ca. 92,2% der Absolvent*innen mind, einen Schulabschluss auf Niveaustufe 2 = Berufsreife.
In Neuseeland erreichten laut Bildungsstatistik im Jahr 2024 ca. 84% der Abgänger mind. NCEA Stufe 1 (= Grundlegende Kenntnisse und Fähigkeiten für eine Arbeit) oder besser.
In der Statistik der NEETs liegt der Schnitt der DE-16 deutlich unter dem OECD-Schnitt, während der Wert in NZL schlechter als der OECD-Schnitt ist.
Laut Statistik fallen 70% der Schüler*innen, die in NZL die Schule ohne NCEA-1 verlassen im Jahr nach der Schule in die Kategorie NEET, mit NCEA-1 sind es immer noch 50%. Wohl gemerkt in einem Land wie NZL, in dem die Zuwanderer das Bildungsniveau sehr deutlich anheben.
Muss man aber bei der der Beurteilung von Bildungssystemen nicht berücksichtigen, wenn man nicht möchte.
Vielleicht teilen wir früh auf, aber das hieß bisher immer, dass Kinder entsprechend ihrer Begabungen auf der für sie passenden Schulart gefördert und gefordert werden konnten. Das System ist durchlässig, höhere Schulabschlüsse im Anschluss jederzeit möglich. Das wird leider selten erwähnt.
Ich sehe in einer solchen Aufteilung mehr Sinn, als alle heterogen im selben Raum zu beschulen, was eine Lehrkraft alleine überhaupt nicht leisten kann, auch wenn sich das viele Schulen auf ihren Homepages auf die Fahnen schreiben.
“… als alle heterogen im selben Raum zu beschulen, was eine Lehrkraft alleine überhaupt nicht leisten kann.” Das wird offenbar im Rest der Welt (und an Grundschulen in Deutschland) anders gesehen.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Danke für die soliden Werte.
Weitere Ergänzung zu
““Deutschland stehe mit der frühen Aufteilung der Kinder weltweit nahezu allein da.“”
> … und Deutschland steht mit den eigentlich lebenslangen, meist kostenlosen Möglichkeiten, weiterzulernen, schulisch aufzubauen und das nächste Ziel zu erreichen, weltweit ziemlich gut da.
( Drum brauchts ja den Gymnasialansturm durch meist elterngesteuerte ungeeignete Kids, die zB erst später merken, was sie wollen, aber inzwischen überfordert Schule ablehnen, nicht ):
Na dann, raus mit Ihnen. Veröffentlichen Sie eine (Meta-)Studie, warum Bildungssysteme wie das in Deutschland, welches sehr früh aussortiert, zu den Bildungsgewinnern gehört 😀
Die FDP – werauchimmer das ist – scheint zu übersehen, dass arbeitgebernahe Parteien imseit Jahren das Handwerk und Dienstleistungen in einen Billiglohnsektor drängten, dessen Rahmenbedingungen keinerlei gesellschaftliche, geschweige finanzielle Anerkennung finden.
Ist schon frech, dies als “neue” Politik verkaufen zu wollen, wenn das Problem eben im Egoismus und der Geringschätzung dieser Menschen liegt.
Ich dachte, blablabla dornige Chancen usw. Warum muss der FDP nach überhaupt irgendwer noch schlecht bezahlte Erzieherin werden? Die sollen doch “etwas richtiges” lernen und die Eltern sich selbst überlassen. Haben die kein Kindermädchen? (augenroll)
FDP, für Dumme passabel.
„Das ist traurig. Ich möchte doch, dass mein Handwerker eine ebenso exzellente Schulbildung genossen hat wie mein Arzt.“
Also ALLE Kinder aufs Gymi, egal, ob sie die Inhalte verstehen oder nicht. Oder verstehe ich etwas falsch?
Meint Hattie damit, dass RS-, HS-Lehrer keine gute Arbeit leisten und die Kinder nicht bilden und dort abholen, wo sie stehen? Oder dass diese Schulen eine nicht exzellente Schulbildung liefern?
Ganz schön anmaßend, diese Aussage!
Hattie meint offensichtlich den ebenso schlichten wie korrekten Sachverhalt, dass Kinder an unterschiedlichen Schulformen in Deutschland mit verschiedenen Lehrplänen unterrichtet werden – die einen mit mehr Inhalt, die anderen mit weniger.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Die Hauptschule ist doch nicht daran gescheitert, dass ihre Methoden nicht zeitgemäß gewesen sind. Der Ausbildungsmarkt in den 90ern war absolut überszrapaziert. Es gab mehr Schulabgänger als Ausbildungsplätze nach der “Wiedervereinigung”. Also hat man die HS-Absolventen gnadenlos aussortiert. Das hat bei den Eltern von Kindern mit HS-Empfehlung die Akzeptanz dieser Schulform nicht gerade gesteigert. Die geringe Anzahl von GE konnte die vielen “Hauptschüler” nicht aufnehmen. Und so wanderten sie an die Realschüler ab, die Vollzeitschulpflicht musste ja eingehalten werden. Aus ideologischen Gründen musste also eine kosmetische Behandlung her, die zu Mittel-, Gemeinschafts-, Sekundar-, Oberschulen und zur RS plus geführt hat. Jedem Perteitierchen, sein Pläsierchen eben.
Merke:
Die Abschaffung einer bestimmten Schulform lässt ja die entsprechend empfohlene Schülerklientel nicht verschwinden. Die Empfehlung bezieht sich de jure ja nicht auf eine bestimmte Schulform sondern auf den prognostizierten ersten, erwartbar möglichen Schulabschluss. Und die FDP hat das jetzt auch schon herausgefunden, nachdem Yvonne vor Jahren ein Praktikum an der Völklinger Straße gemacht hat.