Start Leben Sorgt die frühe Aufteilung der Kinder für Ungerechtigkeit in der Bildung? Das...

Sorgt die frühe Aufteilung der Kinder für Ungerechtigkeit in der Bildung? Das gegliederte Schulsystem – Streitthema im Bürgerrat-Talk

76
Anzeige

BERLIN. In weltweit kaum einem anderen Land entscheidet sich so früh wie in Deutschland, welchen Bildungsweg ein Kind einschlägt. Nach der vierten Klasse werden Schülerinnen und Schüler auf unterschiedliche Schulformen verteilt – ein System, das seit Jahren als Motor sozialer Ungleichheit kritisiert wird. Der Bürgerrat Bildung und Lernen empfiehlt daher eine klare Alternative: längeres gemeinsames Lernen bis Klasse 10, um die Chancen gerechter zu verteilen. Im Bürgerrat-Talk, live in Berlin, diskutierten darüber Ayla Çelik, Vorsitzende der GEW NRW, Heinz-Peter Meidinger, Ehrenpräsident des Deutschen Lehrerverbands, und Felix Voss, Mitglied des Bürgerrats Bildung und Lernen. News4teachers-Herausgeber Andrej Priboschek moderierte die Runde. 

Die Kritik des weltweit wohl renommiertesten Bildungsforschers, des Neuseeländers Prof. John Hatte, an Deutschland fiel harsch aus: „das ungerechteste Schulsystem, das ich kenne“. Im einem Interview mit dem Spiegel, vor ziemlich genau einem Jahr veröffentlicht, kritisierte er die frühe Aufteilung der Kinder in verschiedene Schulformen als ineffizient und gesellschaftlich schädlich. Stattdessen plädierte er für längeres gemeinsames Lernen – für und mehr Chancengerechtigkeit (News4teachers berichtete).

Schafft längeres gemeinsames Lernen denn tatsächlich mehr Chancengerechtigkeit? Diese Frage stand nun im Mittelpunkt der Diskussionsrunde an der Evangelischen Schule Berlin Zentrum im Rahmen der abschließenden Konferenz des Bürgerrats Bildung und Lernen (News4teachers berichtete auch darüber).

Chancengerechtigkeit als zentraler Kernpunkt

Für Felix Voss, Mitglied im Bürgerrat Bildung und Lernen, ist die Forderung das Kernelement der Empfehlungen des Gremiums. 700 zufällig ausgeloste Menschen – darunter auch Kinder und Jugendliche – aus ganz Deutschland haben fünf Jahre lang miteinander beraten und debattiert. Gemeinsam haben sie nach Ideen gesucht, wie sich das Bildungssystem hierzulande ändern muss, um im 21. Jahrhundert Bestand haben zu können. Dabei habe sich, so Voss, die Chancengerechtigkeit als zentraler Kernpunkt herauskristallisiert – und mit diesem die Empfehlung für eine längere gemeinsame Schulzeit.

Im Detail plädiert der Bürgerrat Bildung und Lernen dafür, dass Schüler*innen bis zur 10. Klasse gemeinsam im Klassenverband verbleiben. Ergänzend zum Basisunterricht in der Jahrgangsgruppe sollen sie regelmäßig Module und Kurse wählen können, die sich an ihren individuellen Stärken und Interessen orientieren und jahrgangsübergreifend organisiert sind. Auf diese Weise sollen verschiedene Bildungswege länger offen bleiben. „Aufstieg durch Bildung, das war ein zentraler Punkt, gerade bei dieser Forderung“, betont Voss im Rahmen der Veranstaltung in Berlin.

„Armut bedeutet in unserem Land leider auch Bildungsarmut“

Die Empfehlung, so Voss, sei das Ergebnis eines längeren Prozesses. Durch die zufällige Zusammensetzung des Bürgerrats seien in die Debatten unterschiedliche Perspektiven aus der ganzen Gesellschaft eingeflossen. Doch nach kontroversen Diskussionen hätte sich schließlich eine gemeinsame Linie herausgebildet: „In den Diskussionsrunden ging es immer wieder um dieses Thema, und wir haben gemerkt: Das ist der zentrale Punkt, der uns alle bewegt und den wir alle richtig finden. So entwickelte sich das schließlich zu unserer zentralen Forderung.“

Engagierte Talk-Runde (v. l.): Felix Voss, Mitglied des Bürgerrats Bildung und Lernen, Ayla Çelik, Vorsitzende der GEW NRW und Heinz-Peter Meidinger, Ehrenpräsident des Deutschen Lehrerverbands. Foto: Christoph Söder / Montag Stiftung Denkwerkstatt

Ayla Çelik, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) NRW, zeigt sich offen für die Empfehlung des Bürgerrats. Aus ihrer Sicht sei an vielen Stellen im Bildungssystem zu beobachten, wie stark soziale Herkunft und Bildungschancen in Deutschland miteinander verknüpft sind. Ein Beispiel: Jahr für Jahr verließen rund 50.000 Jugendliche die Schule ohne Abschluss – allein in Nordrhein-Westfalen seien es rund 10.000. „Armut bedeutet in unserem Land leider auch Bildungsarmut“, sagt Çelik. Die frühe Selektion nach Klasse 4 verstärke diese Ungleichheiten zusätzlich.

Vorteile einer längeren gemeinsamen Schulzeit

Weder Motivation noch Persönlichkeit eines Kindes seien mit zehn Jahren gefestigt genug, um Bildungswege verbindlich festzulegen, so die Vorsitzende der GEW NRW weiter. „Ich habe über 20 Jahre lang als Lehrerin gearbeitet, bevor ich in meine jetzige Funktion als Vorsitzende der Gewerkschaft gekommen bin. Zuletzt war ich an einer Gesamtschule in der Schulleitung für die Kinder in der Unterstufe zuständig und habe dort auch die Aufnahmegespräche geführt. Es ist schon traurig, wenn Sie ein Kind vor sich sitzen haben, das sagt: ‚Bitte, bitte, nehmen Sie mich auf, sonst sagen alle, du bist doof, weil ich sonst auf die Hauptschule muss.‘ Davon müssen wir weg.“ Längeres gemeinsames Lernen hätte laut Çelik noch einen weiteren Vorteil: „Eine Schule, in der die Kinder länger gemeinsam zusammen sind, führt auch dazu, dass sie das Unterschiedlichsein als Vielfalt begreifen“.

Die Bildungsungerechtigkeit in Deutschland bestätigt zwar auch Heinz-Peter Meidinger, Ehrenpräsident des Deutschen Lehrerverbands (DL), doch den entscheidenden Hebel zur Verbesserung sieht er nicht in Veränderungen am gegliederten System. Der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg sei in vielen Ländern ähnlich stark ausgeprägt. Aus seiner Sicht beginnt die Selektion in vielen Staaten bereits vor der Grundschule – etwa durch private Betreuungsangebote oder unterschiedliche Ressourcen der Elternhäuser.

„Wir haben eine massive vertikale Durchlässigkeit“

„Die entscheidende Frage ist doch: Wo ist der Schlüssel, um an diesem engen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg zu drehen? Und das ist mit Sicherheit nicht die Schulstruktur“, sagt Meidinger. Viel wichtiger sei eine qualitativ starke frühkindliche Förderung, insbesondere in Sprache und Ganztag, um Kinder aus nicht privilegierten Familien zu unterstützen.

Auch zum Thema Durchlässigkeit vertritt Meidinger eine andere Position als seine Mitdiskutierenden: „Wir haben also eine massive vertikale Durchlässigkeit im Schulsystem – nicht horizontal, aber vertikal.“ Denn viele Jugendliche in Deutschland würden nach ihrem ersten Schulabschluss noch einen höheren Abschluss erwerben.

Dieser Einschätzung widerspricht Çelik: „Ich kann aus meiner Erfahrung sagen, die Durchlässigkeit ist semipermeabel, es geht also nur in einer Richtung.“ Abschulungen fänden häufiger statt als Aufschulungen. Ebenso schildert Bürgerratsmitglied Voss, dass er als Jugendlicher auf der Realschule so viele Mitschülerinnen und Mitschüler ohne deutschen Nachnamen gehabt habe, wie später nie wieder – weder in der gymnasialen Oberstufe noch an der Universität. „Ich denke: Die eigentliche Achse ist die sozioökonomische Lage des Haushalts, aus dem man kommt. Sie verläuft häufig auch entlang der Frage, ob ein Migrationshintergrund vorhanden ist oder nicht. Und deshalb sehe ich die Schulen durchaus als einen Faktor der Separation.“

Forderungen für mehr Chancengerechtigkeit

Was muss sich also ändern? Für Felix Voss liegt die Lösung in den Empfehlungen des Bürgerrats: Lernwege offener halten und Schüler*innen früher die Möglichkeit geben, eigenen Interessen zu folgen. Deutlich früher ansetzen wollen sowohl GEW-Landesvorsitzende Çelik als auch DL-Präsident Meidinger. Eine Reform der Schulstruktur allein sei ihnen zufolge nicht ausreichend, um mehr Chancengerechtigkeit herzustellen. Der Staat müsse die frühkindliche Bildung stärken.

„Es ist unsere Verantwortung als Staat dafür zu sorgen, dass die Hürden beim Start nicht so groß sind, dass bei den Kindern Lücken entstehen, die sie auf ihrem schulischen Weg nie wieder aufholen können. Zumal wir uns in der herausfordernden Situation befinden, dass wir überall in Deutschland Lehrkräftemangel haben – nicht nur in NRW“, sagt Çelik. Inhaltlich anschließend forderte Meidinger, das Lehramt wieder so attraktiv zu machen, „dass mehr junge Leute diesen wirklich tollen Beruf ergreifen. Viele der Defizite, die wir derzeit sehen, sind auf den Lehrkräftemangel zurückzuführen.“ News4teachers

Zustimmung zu den (meisten) Reformideen: Umfrage zeigt, wie Lehrkräfte die Empfehlungen des Bürgerrats Bildung und Lernen bewerten

Anzeige

Info bei neuen Kommentaren
Benachrichtige mich bei

76 Kommentare
Älteste
Neuste Oft bewertet
Inline Feedbacks
View all comments
Sporack
3 Monate zuvor

“Schafft längeres gemeinsames Lernen denn tatsächlich mehr Chancengerechtigkeit?”
=> Ja aber …

Aber es kommt darauf an, auf welchem Niveau das gemeinsame Lernen geschieht.

=> Gemeinsames Lernen müsste auch dafür sorgen, dass diejenigen, welche den “vorgeschlagenen” Lernstoff nicht in “vorgesehener Zeit” hinreichend verstehen, wirklich nicht nur “sitzenbleiben” und unter gleichen Bedingungen eine Wiederholung durchlaufen, sondern zu den schwachen Themen zusätzliche Lerneinheiten erhalten.

Dies würde ebenfalls in Konsequenz bedeuten müssen, dass der erteilte Fächerkanon eben nicht mehr der selbe ist. Denn wenn zusätzlich wegen Nicht-Verstehens 4 weitere Stunden dazu kämen, müssten andere Fächer um entsprechend viel gekürzt werden.

Andererseits sollte Schule nicht nur Fördermaßnahmen bei Themen-Schwäche ergreifen, sondern auch Stärken stärken. Auch hier wären dann zusätzliche Zeiten sinnvoll.

Man könnte daher zu der Idee kommen, wenn sowohl Stärken und Schwächen besondere Aufmerksamkeit erhalten sollten, dass dann weder das aktuelle Schulsystem inklusive der bestehenden Ressourcen als auch eine “Einheitsschule” die passenden Antworten liefert.

Vermutlich wäre Unterricht in Klassen mit 5 Schüler/innen die geeignete Größe, um zeitgleich mit Stärken und Schwächen in individueller Form sinnvoll umgehen zu können…

Feirefiz
3 Monate zuvor
Antwortet  Sporack

5 Schüler sind zu wenig. Mein Deutschkurs hat 12 Leute, da kann man gerade noch GA machen. 15-18 ist besser, auch, damit eine Dynamik entsteht.

Realist
3 Monate zuvor
Antwortet  Sporack

In letzter Konsequenz läuft die Forderung nach einem “individuellen” Schulsystem auf dieselbe Lehrer-Schüler-Relation hinaus, wie bei unserer “individuellen” Medizin:

Pro Schüler ein Lehrer.

Kein Arzt würde 5 Patienten gleichzeitig in seinem Sprechzimmer behandeln wollen, oder AvL???

Hans Malz
3 Monate zuvor
Antwortet  Realist

Aber der Arzt kann dann doch Selbstlernmechanisemen nutzen. Wir erarbeiten uns selbstständig unsere Diagnose! Problem gelöst, dankt mir später.

dickebank
3 Monate zuvor
Antwortet  Realist

Kommt auf die Fachrichtung an. Manche Therapeuten arbeiten gerne mit Gruppen im Stuhlkreis.
Andere wiederum scheuen einen MAnV und bevorzugen die Triage, also die medizinische Variante der Selektion.

Feirefiz
3 Monate zuvor

Ich wünsche mir noch eine Erklärung, was genau das gemeinsame Unterrichten bis Klasse 10 bringen soll.

HarneEinrichson
1 Monat zuvor
Antwortet  Feirefiz

Mehr voneinander Lernen der verschiedenen SuS

Fräulein Rottenmeier
3 Monate zuvor

Wir bauen mal just in time neue Schulgebäude, damit mehr Klassen in den Primarstufen unterkommen……genau….

Sporack
3 Monate zuvor

ja

ed840
3 Monate zuvor

“das ungerechteste Schulsystem, das ich kenne“

Ist eigentlich bekannt welches der 16 er damit meinte?

Marcus
2 Monate zuvor
Antwortet  ed840

Das Gegliederte! ^^ Aber das ist ja der heilige Gral der sogenannten Bildungspolitiker. Es wäre zu begrüßen, wenn die Politik ihre Finger aus dem Bildungssystem herauslassen würde, und die Profis machen lassen würde.

Rüdiger Vehrenkamp
3 Monate zuvor

Ein gegliedertes Schulsystem ermöglicht homogenere Klassen, in dem Kinder viel besser nach ihrem Stand gefördert werden können, als wenn man alle auf einen Haufen schmeißt und mit einem iPad ausstattet, an dem das Kind dann seinen selbst gewählten Aufgaben nachgeht und von irgendeinem Lehrer für einige Minuten pro Tag “gecoached” wird.

Es muss auch nicht jedes Kind aufs Gymnasium. Leider gibt sich kaum ein Reformer/Politiker/Medium die Mühe, das mal herauszustellen. Ein Gymnasium soll aufs Studium vorbereiten, eine Realschule auf eine Ausbildung oder eine weiterführende Schule (Oberstufe). Meine Tochter und sehr viele ihrer Klassenkameraden wählten nach der 10. Klasse an einer Realschule die weiterführende Schule als Option. Von “Abschulung” kann hier also keine Rede sein. Außerdem müssen wir doch mal konstatieren, weshalb abgeschult wird: Weil man die erforderlichen Leistungen (noch) nicht erbringen kann oder will.

Das System ist durchlässig – nach oben hin eventuell schwieriger, weil dazu eben Leistung gemessen wird. Wollen wir die Besten in den Berufen haben und entsprechend schulisch ausbilden oder wollen wir das nicht? Spätestens die Firmen werden dann selektieren und in Auswahltests, auf die ein Großteil dann nicht richtig vorbereitet sein wird, festlegen, wem sie einen Ausbildungsplatz anbieten und wem nicht. Schule MUSS also im Vorfeld kognitive Grenzen aufzeigen bzw. Leistung und Anstrengung einfordern. In der Einheitsschule funktioniert dies nicht im nötigen Umfang, mehr noch werden starke Schüler ausgebremst.

Sprechen Sie mal mit den Lehrkräften vor Ort, die wenigsten davon sind von den Reformideen begeistert, weil sie schon seit Jahren merken, dass es nicht gut funktioniert, alle in einen Topf zu werfen. Analog dazu können Sie mal Ihren Kühlschrank plündern und hier mit Joghurt, Salami, Bananen und Paprika einen feinen Eintopf kochen. Bitte sagen Sie mir, wie es geschmeckt hat. Wohl bekomm’s!

Konfutse
3 Monate zuvor

Ganz Ihrer Meinung. Wie immer!
Seit unter Stochs und Kretschmanns Ägide das Schulsystem „gerechter“ und „weiterentwickelt“ wurde, ist die Durchlässigkeit der einzelnen Systeme nicht mehr da. Die Diskrepanz der unterschiedlichen Schulsysteme ist größer geworden.

laromir
3 Monate zuvor

Und wenn schon 90 Prozent ins Gymnasium gesteckt werden, dann ist eine Abschulung einfach wahrscheinlicher als eine Aufschulung (wohin auch). Bei uns wechseln nach der 10 einige auf andere Schulformen, weil sie die Hoffnung haben, es sei leichter als auf dem Gymnasium. Und dann wird festgestellt, dass man woanders auch für einen Abschluss arbeiten muss. Ach was, echt jetzt?

Rüdiger Vehrenkamp
3 Monate zuvor
Antwortet  laromir

Meine Tochter sackte in den Noten auch erst einmal ab, da die Ansprüche in der Oberstufe im Vergleich zur Realschule noch einmal stiegen. Genau das sollen sie aber auch. Je früher man Kinder und Jugendliche daran gewöhnt, umso mehr werden sie sich später dafür ins Zeug legen, um ihre individuellen Bildungs- und Ausbildungsziele zu erreichen.

Mikimoon
2 Monate zuvor

Viele Kinder geben innerlich auf, weil sie komplett überfordert sind und nur mit Hilfe von Nachhilfemarathons und verständnisvollen LehrerInnen wird das Kind durch das Gymi gezerrt anstatt eine passabel Leistung in der Realschule zu genießen. Die Bildungsziele werden eben von den Eltern festgelegt.

Illuminator
3 Monate zuvor
Antwortet  laromir

Wo werden denn schon 90% ins Gymnasium gesteckt?
Wenn man schon so übertreiben muss, um seine Meinung zu vertreten, stimmt i.d.R. etwas damit nicht, sonst hätte man dies mMn nicht nötig.
Oder die “gefühlte” Wahrheit ist leider hier für manche auch schon realer als alles andere.

Milana
2 Monate zuvor
Antwortet  Illuminator

Also in der Klasse meiner Tochter sind alle bis auf 2Kinder von 30 Schülern aufs Gymnasium gegangen. Mindestens die Hälfte nicht geeignet. An der Realschule sitzt wiederum die Hälfte, obwohl nicht geeignet. Das Problem ist, das man so tut als sei eine Schulart schlechter als die andere, dabei hat jede etwas zu bieten und ich finde das Gymnasium nicht unbedingt das meiste (vorallem bei den Alternativen, die es mittlerweile gibt)

Illuminator
3 Monate zuvor

Super Beispiel. Und andauernde Trennkost ist dann natürlich optimal.
Zudem sind homogene Klassen eine Illusion, aber das gegliederte System setzt dies voraus. Aber auch im Gymnasium sind nicht in allen Fächern aller Schüler gleichermaßen auf Gymnasialniveau. Wollte man dies erreichen, dürften vermutlich nur noch maximal 5 – 10% der Schüler dorthin – und auch über 2/3 der Gymnasiallehrer müssten “abgestuft” werden. Ob das denen so klar ist, die sich hier ständig über zu viel vorgeblich Ungeeignete an den Gymnasien beschweren. Außerdem würde sich zumindest auf dem Land der Weg zu den noch verbliebenen Gymnasien dann deutlich verlängern, was die sozioökonomische Selektion und den Stadt-Land-Gegensatz noch weiter anheizen dürfte.

Meine bisher leider viel zu oft im persönlichen Gespräch bestätigte These dazu ist, dass viele, die die Selektion verschärfen wollen, sich dadurch ein bequemeres (Berufs)Leben versprechen und/oder unfähig sind, auch nicht hochgymnasiale Schüler zu unterrichten.

Alex
3 Monate zuvor

Was gerecht ist und ewas nicht, ist eine Frage der Perspektive. Gemeinsames Lernen bis Klasse 10 kann aus guten Gründen auch als ungerecht und leistungsmindernd für alle SuS angesehen werden. Mit der Gerechtigkeitsfrage kommen wir nicht weiter.

Abgrenzung
3 Monate zuvor

Wie wäre es mit gemeinsamen Unterricht:

  • In Klasse 8 machen ALLE einen Hauptschulabschuss. Wer den nicht schafft kann nochmal 1 bis 3 Jahre dafür lernen.
  • Alle mit Hauptschulabschluss können innerhalb von zwei Jahren dann auf einen Realschulabschluss hinarbeiten. Im Regellfall machen sie ihn in der 10. Klasse.
  • ODER man kann freiwillig nach einem Hauptschulabschluss eine erste Ausmbildung machen, die ca drei Jahre dauert und danach dem Realschulabschluss gleichgestellt ist.
  • Nach einem erfolgreich betsandenen Realschulabschluss (oder erster Ausbildung) kann man in die gymnaiale Oberstufe gehen und Abitur machen.

So und dann muss endlich mal folgender Gedanke Beachtung bekommen: Jeder Mensch muss zu jeder Zeit im Leben die Möglichkeit haben, sich beruflich weiterzubilden. Zum beispiel mit Kursen / Fortbildungen in Präsens und auch durch Fernunis etc. Die Hürden müssen einfach sein. Auch Fortbildungen in speziellen Bereichen müssen dazu führen, das man dann weiter Karriere machen kann und mehr Geld verdienen kann. unabhängig vom Schulabschluss den man in jungen Jahren mal gemacht hat.

LEBENSLANGES LERNEN!!!

Dann muss man auch nicht mehr auf die böse Ungerechtigkeit des Schulsysthems blicken.

Wir brauchen ein Bildungssythem, das Qualifikationen bis ins hohe Alter ermöglicht!!!

Sepp
3 Monate zuvor
Antwortet  Abgrenzung

Wie wäre es mit gemeinsamen Unterricht:

  • In Klasse 8 machen ALLE einen Hauptschulabschuss. Wer den nicht schafft kann nochmal 1 bis 3 Jahre dafür lernen.
  • Alle mit Hauptschulabschluss können innerhalb von zwei Jahren dann auf einen Realschulabschluss hinarbeiten. Im Regellfall machen sie ihn in der 10. Klasse.

Das Problem ist, dass Sie damit eben alle Leistungsniveaus zusammen in einer Klasse haben.

Wenn ein durchschnittlich begabter Schüler einen Lerninhalt vielleicht in 90 min versteht, ist einem Besonders- oder Hoch-Begabten Schüler nach bspw. 20 min damit durch – langweilt sich und ist frustriert. Ein schwacher Schüler braucht vielleicht für den selben Lerninhalt 2 x 90 min oder ist gar nicht in der Lage, das zu verstehen. Auch er ist dann entsprechend frustriert.

In Ihrem Modell empfindet sich der schwache Schüler vielleicht irgendwann als “dumm” und fängt an zu stören. Mit der Leistung kann er eben nicht mithalten, dann kann er eben anders Aufmerksamkeit bekommen. Ihr besonders begabter Schüler bekommt es vielleicht noch hin, nicht zu stören, wird aber irgendwann die Mitabeit verweigern. Er merkt bis zur 8. Klasse, dass er ohne Lernen durchkommt – und scheitert im Zweifelsfall dann, weil er nie Lernstrategien brauchte und nie lernen gelernt hat.

Im Gesamtschul-System fängt man das zumindest teilweise durch Binnendifferenzierung ab und meist hat man irgendwann auch in den Hauptfächern eine äußere Differenzierung in Kurse auf unterschiedlichem Niveau.
Eben weil das Leistungsspektrum so unterschiedlich ist und Ressourcen und Zeit begrenzt sind, kann man auch mit solchen Ansätzen nicht alles abfangen.

HarneEinrichson
1 Monat zuvor
Antwortet  Sepp

Es hat auch keiner gefordert (Binnen-)Differenzierung abzuschaffen

rfalio
3 Monate zuvor

In der Diskussion wird Einiges übersehen. So habe ich als Praktikumslehrer an Realschulen viele Ehemalige als Studierende fürs Lehramt erlebt. Auch Mittelschüler haben auf dem Weg über die Fachhochschule in Bayern den Weg zum Studium gefunden. Ich habe unter meinen Ehemaligen einen Proffessor, mehrere Bürgermeister, Lehrer, Betriebswirtschaftler, Informatiker, aber auch Spitzenköche, Schreinermeister usw.
Der Mensch fängt eben nicht erst beim Abitur an!
Aber in unserem Schulsystem sind eben immer noch Wege offen.
rfalio

ed840
3 Monate zuvor
Antwortet  rfalio

In den gängigen Statistiken zählen i.d.R. aber nur Schulabschlüsse und Studienberechtigungen, die an allgemeinbildenden Schulen erworben wurden.

Illuminator
3 Monate zuvor
Antwortet  rfalio

Wenn aber so viele – glücklicherweise – auch über alternative Wege erfolgreich studieren können, beweist dies deutlich die Unvollkommenheit der frühen Selektion und damit den Selbstanspruch des Gymnasiums als Königsweg zum Studium.

Kabro
25 Tage zuvor
Antwortet  Illuminator

Im Gegenteil, es beweist, dass die Didaktik und Methodik der besuchten Schulart in dieser Phase ihrer Bildungsbiografie genau die richtige war.

blau
3 Monate zuvor

Ich bin froh, wenn meine Kinder endlich alle mit anderen Kindern lernen können, die a) lernen wollen b) sozial-emptional dazu in der Lage sind und c) ähnlich schlau sind wir sie, damit es auch mal vorangeht im Unterricht. Ich unterrichte an einer Gesamtschule und ich kenne den verzweifelten Blick von kernwilligen Schülern, die mal wieder darunter leiden, dass einzelne die ganze Stunde sprengen oder die ganze Aufmerksamkeit der Lehrkraft für sich beanspruchen. Gemeinsames Lernen benötigt viel mehr Ressourcen personell wie finanziell, als das derzeit der Fall ist. Und weil die Politik eben leider da keine Bereitschaft zur Veränderung zeigt, wäre für mich Gesamtschule für alle die reinste Horrorvorstellung. Wenn ich das, was meine Schüler bei uns lernen mit dem vergleiche, was mein Sohn am städtischen Gymnasium lernt – da liegen Welten dazwischen. Die nicht differenzierten Kurse unterrichten wir übrigens mit Noten auf Hauptschulniveau. Wirklich, wie soll da ein Kind Anspruch an sich selbst entwickeln? Und trotzdem entwickeln manche Kinder bei uns so einen Druck, gute Noten zu schreiben, weil sie von Anfang an wissen, wie viele E-Kurse sie für die Oberstufe brauchen und welche Noten sie da brauchen. Einige werden krank darüber. Andere entwickeln sehr starke Selbstzweifel, weil sie immer sehen, wie viel besser und schneller andere den Stoff verstehen, dass sie nur G-Kurse haben und sie halten sich für dumm. Für mich ist daher auch psychisch eine Schule für alle nicht gut.

Philanthrop
3 Monate zuvor
Antwortet  blau

Merkwürdig, an meiner Gesamtschule werden die undifferenzierten Kurse auf Realschul- bis Gymnasialniveau unterrichtet und in den A-Kursen sind nur Schüler, die tatsächlich alle auf Gymnasialniveau sind (und nicht am Gymnasium).
Und ausgehend von einer Aufnahmequote von ca. 50% Schülern mit Gymnasialempfehlung zur Jahrgangsstufe 5 absolvieren am Ende über 80% erfolgreich die Oberstufe – darunter viele Professoren, Ärzte, Lehrer, …
Außerdem wage ich zu bezweifeln, dass eine Einstufung in eine Real- oder Hauptschule psychisch besser ist, wenn man weiß, dass die “Schlauen” auf den Gymnasium sind. Im Gegensatz habe ich die Beobachtung gemacht, dass diese sich stattdessen von den Besseren vieles abschauen oder auch erklären lassen und grundsätzlich ehrgeiziger sind, selbst besser zu werden.
Grundsätzlich hängt die Qualität einer Gesamtschule jedoch stark davon ab, ob sie als Resterampe der Gymnasien oder als echte Alternative bzw. Ersatz angesehen wird. Ebenfalls aus eigener Erfahrung weiß ich auch, dass sich Gymnasien in letzterem Fall damit ziemlich schwer tun – insbesondere, weil sie sich um die Gesamtschüler mit Gymnasialempfehlung “betrogen” fühlen.

Mika
3 Monate zuvor

Aus dem Fakt, das Abschulungen häufiger stattfinden als Aufschulungen, schlussfolgert Frau Celik, dass das deutsche Bildungssystem nicht durchlässig ist. Ich schlussfolgere daraus, dass Lehrkräfte und/oder Eltern die zukünftige Leistungsfähigkeit der SuS eher über- als unterschätzen, wodurch später dann eben häufiger ab- als aufgeschult wird.

Stine
3 Monate zuvor
Antwortet  Mika

Und dass man, wenn man die Wahl zwischen Gymnasium und Gesamtschule hat, lieber erstmal das Gymnasium versucht… das hat ja seine Gründe. Man will halt nicht gemeinsam lernen… dann gemeinsames Lernen zu propagieren verdreht doch komplett die Situation

Unfassbar
3 Monate zuvor

Die Vorsitzende müsste aus ihrer eigenen Tätigkeit als Lehrerin wissen, dass sich häufigere Ab- als Aufschulungen und der zweite Bildungsweg nicht widersprechen. Dazwischen liegen ja etliche Jahre und zwei verschiedene Schulen.

Außerdem würde sich das mit den vielen Abschulungen erledigen, wenn die Gymnasien nicht mehr 50% des Jahrgangs aufnehmen würden.

Kalle
3 Monate zuvor
Antwortet  Unfassbar

50% ist schon reichlich viel.

HarneEinrichson
1 Monat zuvor
Antwortet  Kalle

In manchen Bundesländern gibt es nur 2 weiterführende Schularten, Gymnasium und Oberschule, da sind 50% Gymnasium gar nicht so selten

Kleopas
3 Monate zuvor

“Ein Beispiel: Jahr für Jahr verließen rund 50.000 Jugendliche die Schule ohne Abschluss – allein in Nordrhein-Westfalen seien es rund 10.000.”

Ja, aber in Frankreich (ohne das gegliederte Schulsystem) sind es noch mehr; das hier stammt von der Bundeszentrale für politische Bildung:
https://www.fluter.de/egal-oder-egal

Inzwischen ist die Zahl wohl gesunken, aber immer noch höher als in Deutschland. Also sollte man vorsichtig sein, welche Wirkung etwa eine Abschaffung des Gymnasiums hätte. Auch die PISA-Werte müssen dadurch keineswegs automatisch steigen. Was an dem einen Ende gewonnen wird, wird am anderen Ende verloren.

dickebank
3 Monate zuvor
Antwortet  Kleopas

Viele infolge von “Überalterung”; wenn viele als nicht-deutschsprachlich sozialisierte Migranten erst mit 10 in die 3. Klasse einer GS eingeschult werden, haben sie noch acht Schuljahre vor sich bis zum ESA. erreichen sie den nicht im ersten Anlauf, bleibt nur der Wechsel an ein BK, um im Rahmen des BVJ den ESA oder EESA nachzuholen. Sie sind dann aber nicht mehr Schüler einer weiterführenden, allgemeinbildenden Schule und gehen somit an anderer Stelle in die Statistik ein. Die BK sind Schulen der SekII.

Genauso ist es doch mit Schulabsolventen, die die SekI mit einem ESA oder einem EESA verlassen und eine berufliche Ausbildung mindestens mit der Note “befriedigend” abschließen, um so den MSA inkl. FOR zuerkannt zu bekommen.
Auch die gehen in die Abschlussstatistik der SekI nicht mit ihrem jeweils höchsten Schulabschluss ein.

Generalisierende Schlussfolgen aus diesen statistischen Werten abzuleiten, ist aus meiner Sicht fragwürdig. Diese Zahlen taugen aus meiner Sicht nur, um direkte Vergleiche zwischen den Schulen gleichen Schultyps in einer Stadt, einem Kreis oder einer Region unter einander zu vergleichen, genauso wie die Ergebnisse der Lernstandserhebungen und der ZP10.

ed840
3 Monate zuvor
Antwortet  dickebank

“bleibt nur der Wechsel an ein BK, um im Rahmen des BVJ den ESA oder EESA nachzuholen”

Auch bei den Erfolgsquoten beim BVJ klaft eine ziemlich große Lücke zwischen den 16 Bundesländern.

ed840
3 Monate zuvor
Antwortet  Kleopas

“Jahr für Jahr verließen rund 50.000 Jugendliche die Schule ohne Abschluss”

Die Quoten in den 16 Bundesländern schwankten nach meinen Informationen zuletzt zwischen 5,3% und 12,5%.

Wobei die höchsten Werte in Bundesländern auftraten, die in der SEK 1 ein zweigliedriges System aus Gymnasium und Gemeinschaftsschulen haben. Auffällig auch, dass in diesen BL der Anteil Schüler*innen mit Migrationshintergrund im Bundesvergleich besonders niedrig war.

ed840
3 Monate zuvor
Antwortet  ed840

“Statistiken sind schon ‘ne verzwickte Sache.”

Wenn man sich etwas damit auskennt, ist das gar nicht mal so verzwickt.

Man könnte z.B. die Platzierungen von Gruppe A addieren und den Durchschnitt bilden und das gleiche dann bei Gruppe B. .

dickebank
3 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Das alte Problem:
Wer Koinzidenz, Korrelation und Kausalität nicht unterscheiden kann, dem nützen auch die besten Statistiken nichts.
Auch die von @ed840 bevorzugte Methode der Bildung eines arithmetrischen Mittelwertes ist nicht immer sinnvoll. Häufig ist der Medianwert (Zentralwert) aussagekräftiger.

Die Validität von Mittelwerten erkennt man an der Angabe von Standardabweichung und Varianz. In dem Zusammenhang sei an das Paradebeispiel “Füße im Feuer bei extrem niedriger Außentemperatur” erinnert, das ja im Mittel Wohlfühltemperaturen ergibt:)

ed840
3 Monate zuvor
Antwortet  dickebank

Dann bilden Sie halt einfach mal den Medianwert für Gruppe A und Gruppe B .

dickebank
3 Monate zuvor
Antwortet  ed840

Den kann man aber nur ermitteln, nicht bilden.

ed840
3 Monate zuvor
Antwortet  dickebank

Das wird Sie doch scherlich nicht davon abhalten es zu tun und Ihr Ergebnis hier zu präsentieren?

ed840
3 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Ich halte es in der Tat nicht für schlüssig, dass eine niedrige Migrationsquote eine hohe Quote an Schüler*innen ohne ESA bedingen soll, aber das ist natürlich Ansichtssache.

ed840
3 Monate zuvor
Antwortet  ed840

Da würde ich nicht widersprechen.

Ich sehe aber keine Hinweise darauf, dass dieses Phänomen in Bundesländern überdurchschnittlich hoch sein könnte, wenn der Anteil Schüler*innen mit mit Migrationshintergrund 1. Generation in diesen BL deutlich geringer wäre als in anderen Bundesländern oder der Anteil Schüler*innen mit Migrationshintergrund gesamt in manchen dieser BL kleiner wäre als der Anteil 1. Generation in anderen Bundesländern.

ed840
3 Monate zuvor
Antwortet  ed840

Sie glauben also, dass es Bundsländer gibt, in denen zwar der Anteil der Schüler*innen mit Migrationshintergrund gesamt kleiner ist als der Anteil mit Migrationshintergrund 1. Generation in anderen Bundesländern, aber der Anteil, die erst vor drei Jahren nach Deutschland gekommen sind, trotzdem signifikant höher wäre?

ed840
3 Monate zuvor
Antwortet  ed840

Mal ganz konkret:

Wenn der Anteil mit Migrationshintergrund in Land A = 14,4% wäre, 1. Generation = 8% in Land B = 48% gesamt , 1. Generation= 17,9%, wie hoch wäre die Wahrscheinlichkeit, dass in A der Anteil von Migrant*innen mit Zuzugsdatum vor 3 Jahren signifikant höher wäre als in B?

ed840
3 Monate zuvor
Antwortet  ed840

Welche tatsächlichen Zahlen und welches Bundesland meinen Sie konkret?

Übrigens wären die obigen Prozentzahlen die Werte von 9.Klässern aus zwei BL, eines mit sehr hoher Quote ohne ESA bei 8% 1. Gen. mit MG und eines mit sehr niedriger niedriger Quote ohne ESA bei 17,9% 1. Gen mit MG.

ed840
3 Monate zuvor
Antwortet  ed840

? Sind die Schülys 1. Generation?

Ja, zumindest der Teil, der in der Statistik mit diesem Merkmal erfasst wurde. War die Frage ernst gemeint?

Wenn Sie hier nicht schreiben wollen über welche “tatsächlichen Zahlen” sie sinnieren, kann ich das aber schon tolerieren.

GriasDi
3 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Kommt aber leider nicht überall an.
Vor ein paar Jahren musste ich lesen, dass Kinder, die weniger Zeit für Hausaufgaben verwenden besser in der Schule sind. Wasser auf die Mühlen von Leuten, die Hausaufgaben abschaffen wollen.
Ändert man in dem Satz Voraussetzung und Folgerung klingt er völlig banal: bessere Schüler brauchen weniger Zeit für Hausaufgaben.

Canishine
3 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Während eine Korrelation auf eine Kausalität hinweisen kann, wäre eine Kausalität ohne Korrelation eher ungewöhnlich.

Anders Leo Castor
3 Monate zuvor

Auch zum Thema Durchlässigkeit vertritt Meidinger eine andere Position als seine Mitdiskutierenden: „Wir haben also eine massive vertikale Durchlässigkeit im Schulsystem – nicht horizontal, aber vertikal.“ Denn viele Jugendliche in Deutschland würden nach ihrem ersten Schulabschluss noch einen höheren Abschluss erwerben.

Dieser Einschätzung widerspricht Çelik: „Ich kann aus meiner Erfahrung sagen, die Durchlässigkeit ist semipermeabel, es geht also nur in einer Richtung.“ Abschulungen fänden häufiger statt als Aufschulungen.

Leider erweist sich die GEW mal wieder als komplett borniert. Frau Çeliks geschilderte Erfahrung hat nämlich überhaupt nichts mit Herrn Meidingers Aussage über den Erwerb weiterer Schulabschlüsse zu tun.

In eigentlich allen Bundesländern gibt es ein stark ausgebautes berufliches Schulwesen, das zahlreiche Möglichkeiten zur weiteren schulischen Qualifizierung bietet:

  • In BW gibt es über 220 Berufliche Gymnasien; jedes 3. Abitur in BW wird an einem BG erworben; die BG gelten ausdrücklich als “Schulen des sozialen Aufstiegs”.
  • In Bayern gibt es die FOSBOS, die zur FHSR, zur fachgebundenen und zur allgemeinen Hochschulreife führt.
  • In Berlin gibt es gut ausgebaute Oberstufenzentren.
  • In NRW die Berufskollegs mit ebenfalls vielen BG.
  • In Hessen und Rheinland-Pfalz die FOS und die höheren Berufsfachschulen, die ebenfalls zur FHSR führen
  • usw

Man kann sich höchstens fragen, ob die GEW davon noch nie etwas gehört hat oder einfach lieber ideologiegetrieben daher schwadroniert. Kein Wunder, dass die GEW bei Personalratswahlen an Beruflichen Schulen regelmäßig unter 20 % landet. Meine Interessen vertritt sie jedenfalls nicht. Im Gegenteil.

(Nur nebenbei: Mit der MINT-Kompetenz ist es bei Frau Çelik auch nicht weit her: “semipermeabel” bedeutet im Kern nicht, dass eine Struktur nur in eine Richtung durchlässig sei, sondern dass sie nicht für alles und jeden durchlässig ist. Hauptsache, klug dahergeschwätzt.)

Ich freue mich sehr auf den von der Redaktion angekündigten Themenmonat zum beruflichen Schulwesen und bedanke mich schon jetzt ausdrücklich dafür. Es ist wirklich an der Zeit, dass mal über den Tellerrand der allgemeinbildenden Schulen geschaut wird. Vielleicht lernen dann sogar GEW-Funktionäre noch etwas dazu.

dickebank
3 Monate zuvor

Die beruflichen Schulen sind die Stiefkinder des Bildungssystems. Sie werden in aller erster Linie als Berufsfachschulen gesehen, an denen Azubis ihren Berufschulunterricht absolvieren.

Anders Leo Castor
3 Monate zuvor
Antwortet  dickebank

Ja, leider. Aber nicht nur in der Politik, sondern auch bei den Eltern. Die interessiert in den Info-4-Veranstaltungen nur, ob ihr Kind aufs Gymnasium kann.

Mit ein bisschen mehr Rückgrat in der Politik hätte man den G9-Initiativen in BW verdeutlicht, dass wir schon ein hervorragendes G9 haben (nämlich über 6 Jahre Realschule/Gemeinschaftsschule/Gymnasium + 3 Jahre Berufliches Gymnasium), anstatt eine Menge Ressourcen in den Umbau von G8 zu G9 am allgemeinbildenden Gymnasium zu investieren.

dickebank
3 Monate zuvor
Antwortet  dickebank

Das habe ich doch gar nicht in Frage gestellt. In NRW endet die Schulpflicht auch erst am Ende des Schuljahres, in dem ein Schüler das 18. Lebensjahr vollendet.
Einschulung mit 6, fünf Jahre GS, 7 Jahre SekI und schon ist die Schulpflicht ohne den Besuch eines BK abgehakt.

ed840
3 Monate zuvor
Antwortet  dickebank

Es gibt auch Bundesländer,  in denen man bis zum Ende des Schuljahres berufsschulpflichtig wäre, in dem das 21. Lebensjahr vollendet wird; davon ausgenommen wären Auszubildende mit Hochschulzugangsberechtigung.

ed840
3 Monate zuvor
Antwortet  dickebank

dass sie sogar gute Gymnasiast*innen “abwerben” können.
Unserem Oberstuferleiter sind die ein Dorn im Auge.

Hatten Sie bisher nicht immer geschrieben, Sie würden an einer Gemeinschaftsschule unterrichten?

dickebank
3 Monate zuvor
Antwortet  ed840

Aber warum sollten sich die SuS von Ihnen “Nacktlerner” schimpfen lassen?
Wo der Begriff Gymnasium ethymologisch herkommt, muss ich Ihnen doch wohl nicht erklären.

Unverzagte
3 Monate zuvor
Antwortet  dickebank

“Nacktlernende” wäre eine korrekte Übersetzung .

dickebank
3 Monate zuvor
Antwortet  Unverzagte

Wie, jetzt sollen Mädchen auch noch auf’s Gymnasium? Etwa auch noch zusammen mit den “Nacktlernern”? Das ist aber unschicklich

dickebank
3 Monate zuvor
Antwortet  dickebank

Noch drei Grad kälter und die Prinzen sehen aus wie die …❄️

ed840
3 Monate zuvor
Antwortet  ed840

Wie Sie Schüler*innen bezeichnen wollen, ist allein Ihre Sache.
Ich dachte beim Lesen halt eher daran, wie der Begriff “Gymnasiast” in Duden oder Lexikon definiert wird.

ed840
3 Monate zuvor
Antwortet  ed840

Sie dürfen auch gerne hier schreiben, was Sie mit

Es geht mir um tatsächliche Zahlen (Vergangenheit),

konkret gemeint haben.

ed840
3 Monate zuvor

wenn sie von den allgemeinbildenden Schulen (mit und ohne Abschluss) entlassen werden.”

Was ich hier so gelesen habe, scheint es allerdings nicht überall in SH bekannt zu sein, auf welche Weise dort ein ESA an allgemeinbildenden Schulen erworben wird.

ed840
3 Monate zuvor
Antwortet  ed840

Die eine oder andere Lehrkraft klingt natürlich schon etwas anders, als wenn es angeblich an der Schule nicht bekannt wäre.

blau
3 Monate zuvor

Da würde ich mitgehen

Kalle
3 Monate zuvor
Antwortet  blau

Ich würde nicht nur mitgehen, sondern gehe mit.

Christine Dühr
3 Monate zuvor

Gute Schüler und Schülerinnen werden noch länger ausgebremst. Einfach länger zusammen ist nicht die Lösung.

Philanthrop
3 Monate zuvor

So kenne ich es – und es funktioniert durchaus, wenn die Mischung stimmt.
Es funktioniert jedoch nicht mehr (so gut), wenn die Schülerschaft nur noch aus dem Rest derer besteht, die nicht auf ein Gymnasium gehen bzw. gehen dürften

Don Alfonso
2 Monate zuvor

Unser Schulsystem ist doch schon an die Lernfernen angepasst.Noch weiter abflachen ist dann Brettergymnasium Niveau . Wer orientiert sich noch an Pünktlichkeit, Respekt, Nächstenliebe, Fleiß, Ordnung, Aufmerksamkeit, Betragen?

Philologin vom Dienst
2 Monate zuvor

Wir Menschen sind unterschiedlich und das ist auch gut so.
In Berlin waren viele Hauptschullehrkräfte entsetzt, zu hören, dass ein Aufgehen von HS und RS bedeutete, dass die L-Sch-Relation erhöht wurde. An der HS brauchen viele doch die direkte Ansprache.

Reiner Neuß
2 Monate zuvor

Wie sieht es mit der Anschlussfähigkeit aus. Wird der Abschluss der Praxishauptschule im DQR aufgeführt? Ist es der Erste Schulabschluss (oft auch als Hauptschulabschluss bezeichnet), ist es der erste allgemeinbildende Abschluss der Sekundarstufe I in Deutschland, der meist nach der 9. Klasse erreicht wird? Ist der Mittlere Schulabschluss mit und ohne Qualifikation vorgesehen. Welche Konsequenzen haben die zu erzielenden Kompetenzen für eine weitergehende Schullaufbahn auch am Berufskolleg bis hin zur Fachhochschulreife und auch zur AHR?
Haben sogenannte und in der Bildungsdiskussion geläufige Spätstarter eine Chance?
Wären nicht die Voraussetzungen für einen Bildungseinstieg schon in der Kindertagesstätte zu verbessern?
Auch die Anforderungen im Handwerk steigen mit zunehmender Digitalisierung von Maschinen und Ihrer Steuerung. Hinzu kommt je nach Handwerk eine Steuerung über Apps auch durch den Kunden. Das Gebäudeenergeiegesetz lässt hier grüßen.
Nicht umsonst wird der erfolgreiche Abschluss einer Ausbildung mit DQR4 und der Meister/Techniker und Handelsfachwirt auf Bachelor-Niveau (DQR 6) eingeordnet.
Was heißt überhaupt Allgemeinbildung und welche Kompetenzen gehören hierzu?
Hier ist noch vieles offen!
Reiner Neuß

Kabro
25 Tage zuvor

Hattie ist Experte für Unterricht nicht für Schulsysteme. Zumindest muss man ihm unterstellen, dass er sich nicht mit den unterschiedlichen Bundesländern und ihrer doch sehr unterschiedlichen Differenzierung beschäftigt hat. In Aufarbeitung von PISA, wurde z.B. von Esser nachgewiesen, dass die deutschen Bundesländer mit mindestens drei Schularten im Ranking noch vor Kanada, Estland und Finnland liegen. Dagegen liegen Bundesländer mit einem zweigliedrigen Schulsystem wie Berlin und Bremen weit abgeschlagen hinten, national ebenso wie international

Carol Anne
23 Tage zuvor

In Kanada, lernten wir von die Vorschule Jahr mit 5, bis die 12 bzw. 13 Klasse gemeinsam. Erst ab die 9 Klasse, in ein Gemeinschafts Schule die High School oder Secondary School heißt, ganz es unterschiedlichen Lehr ‘Pfade’ sozusagen:

3=Koch z.B. mit ein Lernküche in der Schule. Möglich Automechaniker z.B.
4=Sekretärin z.B. oder auch Auto Mechaniker
5=Uni
6=Besonders Geistig Bereicherung Kurs – nur ein Paare Fächer in der Regel.

Wir waren alle zusammen bis die 8. Klasse in eine Klasse. Somit halten die Freundschaften was aus.

Ich finde es tragisch, die Kinder zu trennen nach der 4. Klasse. 4 Freunden seit der Kita gehen nächstes Jahr in 4 unterschiedlichen Schüle. Furchtbar.