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Merkel fordert gleiche Wertschätzung für Lehrer aller Schulformen

BERLIN (Mit Kommentar). Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat anlässlich der Verleihung „Deutscher Lehrerpreis – Unterricht innovativ“ gefordert, dass alle Lehrer die gleiche Wertschätzung für ihre Arbeit erfahren sollen. „Die Wertschätzung für den Lehrerberuf wächst“, sagte Merkel in Berlin. Sie fände eine unterschiedliche Wertschätzung für Lehrer unterschiedlicher Schultypen nicht richtig, so die Bundeskanzlerin. Schließlich würde es genauso viel Kraft kosten an der Grund- und Hauptschule zu unterrichten, wie am Gymnasium. In ihrer Rede würdigte sie das Engagement der Lehrer und hob deren gesellschaftliches Engagement hervor. Merkel: „Wir brauchen Lehrer und Lehrerinnen mit Leidenschaft. Sie entscheiden mit über das Leben eines Menschen.“

Es sei erstaunlich, so die Kanzlerin, was man schafft, wenn man einen guten Lehrer hat. “Lehrer sind immer dann gut, wenn sie neugierig bleiben”, sagte Merkel. Außerdem mache gute Lehrer aus, dass sie Vertrauen ausstrahlen, dass sie einschätzen können, was ein Schüler leisten kann und was nicht, und dass sie die Schüler durch Freude und Ruhe ermutigen können. Jeder erinnere sich an seine eigene Schulzeit und wisse, wie wichtig gute, engagierte Lehrerinnen und Lehrer seien, sagt Merkel in einem neuen Video-Podcast zur Preisverleihung. “Ich zum Beispiel erinnere mich sehr gerne an meine Sportlehrer, denn sie mussten mir oft Mut machen, die Übungen wirklich durchzuführen.” Sie habe das dann auch immer geschafft, “wenn sie mir Selbstbewusstsein gegeben haben”.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei der Verleihung des Deutschen Lehrerpreises; Foto: Deutscher Lehrerpreis

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei der Verleihung des Deutschen Lehrerpreises; Foto: Deutscher Lehrerpreis

Mit ihrer Anwesenheit bei der Preisverleihung wolle sie deutlich machen, dass die Bundesregierung und sie ganz persönlich die tägliche Arbeit aller Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland schätze, erklärt Merkel. Bildung sei der Schlüssel für eine gute Teilhabe in der Zukunft, sagt sie. “Bildung für alle, das ist die Voraussetzung dafür, dass wir auch in Zukunft unseren Wohlstand erarbeiten können.” Lehrerinnen und Lehrer vermittelten nicht nur Wissen, so die Bundeskanzlerin, sondern auch Können, Selbstbewusstsein, Werte und Orientierungen. “Natürlich wissen wir, dass viele Lehrer auch mit ganz anderen Aufgaben konfrontiert sind”, fügt Merkel hinzu. Sie müssten auch die Erziehungsarbeit übernehmen, die in manchen Familien nicht mehr geleistet werde.

Die Bundeskanzlerin berichtet in dem Video-Podcast, sie habe sich schon eine Reihe ganz herausragender Beispiele für die engagierte Arbeit von Lehrern angesehen; darunter Beispiele für die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund und die Arbeit mit behinderten Kindern beim inklusiven Lernen. Für die Bundesregierung sei das Thema Bildung ein Schwerpunkt ihrer Arbeit. Sie gebe in dieser Legislaturperiode mehr Geld für Bildungspolitik aus, “als dies jemals in der Geschichte der Bundesrepublik der Fall war”, erklärt die Bundeskanzlerin. Die Schulpolitik falle zwar in den Verantwortungsbereich der Länder, doch der Bund beteilige sich mit unterstützenden Maßnahmen etwa in der beruflichen Bildung oder bei der Verbesserung von Studienbedingungen an Hochschulen. “Dies tun wir, weil wir davon überzeugt sind, dass Bildung der Schlüssel für unsere Zukunft ist”, betont Merkel.

Beckmann zeigt sich vom Bildungsgipfel enttäuscht

VBE-Chef Beckmann kritisierte hingegen im News4teachers-Interview die Kanzlerin: “Im Rahmen des Dresdner Bildungsgipfels ist erklärt worden, dass die Demografiegewinne im System bleiben und noch mehr Geld oben draufgelegt wird.” Davon sei nur noch wenig zu hören. “Einige Finanzminister haben beispielsweise die Pensionen der Lehrer mit in ihre Bildungsausgaben reingerechnet. Aber das sind natürlich keine Bildungsausgaben, sondern nur billige Rechentricks, um der Bevölkerung vorzugaukeln, man täte schon genug.” Er, Beckmann, sei enttäuscht darüber, dass die Zusagen, die 2008 auf dem Dresdner Bildungsgipfel gemacht wurden, bis heute nicht eingehalten worden seien. Beckmann: “Weder die Bundeskanzlerin noch die Ministerpräsidenten lassen zurzeit erkennen lassen, dass sie ernsthaft an diesem Ziel arbeiten.”

In Dresden hatten sich 2008 die Regierungschefs von Bund und Ländern unter anderem darauf verständigt, die Ausgaben für Forschung und Bildung in Deutschland gemeinsam bis 2015 auf zehn Prozent des Brutto-Inlandsproduktes zu steigern. Darüber hinaus wurde eine Halbierung der Quote der Schulabgänger ohne Abschluss von damals acht auf vier Prozent in Aussicht gestellt.

„Deutscher Lehrerpreis“ in Berlin verliehen

In Berlin sind heute 16 Lehrerinnen und Lehrer in der Kategorie „Schüler zeichnen Lehrer aus“ mit dem Deutschen Lehrerpreis für ihre pädagogische Arbeit geehrt worden. Sie wurden von den Jugendlichen der diesjährigen Abschlussklassen weiterführender Schulen für den Preis vorschlagen. Jeweils drei Trophäen gehen nach Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen. Zwei Auszeichnungen vergab die Jury nach Schleswig-Holstein und über je eine Trophäe dürfen sich Berlin, Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Thüringen freuen.

In der Kategorie „Innovativer Unterricht“ hat die Jury drei Haupt- und drei Sonderpreise an sechs Pädagogen-Teams vergeben. Den ersten Platz, dotiert mit 5.000 Euro Preisgeld, sicherte sich die Philipp-Reis-Schule, eine Hauptschule aus dem hessischen Gelnhausen, mit ihrem Projekt zur interkulturellen Berufsorientierung. Der mit 3.000 Euro dotierte zweite Preis ging an ein Lehrerteam des Gymnasiums Reutershagen in Rostock. Die Schule aus Mecklenburg-Vorpommern wurde für ihr Projekt „Gelebte Bildung in Nachhaltiger Entwicklung“ geehrt, mit dem die Gestaltungskompetenz der Schüler gefördert wird. Über den dritten Hauptpreis kann sich das Bochumer Heinrich-von-Kleist-Gymnasium freuen, das für sein Projekt „Technik macht Schule“ geehrt wurde, mit dem es Schülern einen realitätsnahen Technikunterricht anbietet.

Die drei Sonderpreise gingen an das Heinrich-Schliemann-Gymnasium im bayrischen Fürth mit ihrem Projekt „Todesfuge klassenübergreifend“, an die Eugen-Kaiser-Berufschule in Hanau für das interdisziplinäre Lernortkooperationsprojekt „Planung und Bau eines Backhauses“ sowie an die Anne-Frank-Schule aus Molbergen. Die Hauptschule aus Niedersachen überzeugte die Jury mit ihrem kulturtouristischen Schüler-Projekt „Molberger Meilen“.

Der „Deutsche Lehrerpreis – Unterricht innovativ“ wurde 2011 zum vierten Mal vergeben. Getragen wird er von der Vodafone-Stiftung Deutschland, dem Deutschen Philologenverband und erstmals auch von der Heraeus Bildungsstiftung. In diesem Jahr beteiligten sich rund 2.200 Schüler und Lehrer an dem Wettbewerb.

Zum Bericht “VBE-Chef Beckmann warnt die Länder, an Lehrerstellen zu sparen”

Zum Kommentar: “Dicke Bretter, Frau Merkel”

 

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