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Studie: Körpergröße hängt von der sozialen Stellung der Eltern ab

TÜBINGEN. Arbeitslosigkeit und sozialer Status der Eltern wirken sich auf die Körpergröße von Kindern aus. Das sind die Ergebnisse eines jetzt abgeschlossenen Forschungsprojekts der Universität Tübingen und des Landesgesundheitsamts Brandenburg.

Für die Analyse verwendeten die Wissenschaftler Daten, die bei der Einschulung von Kindern in Brandenburg zwischen 1994 und 2006 erhoben wurden. Dabei zeigte sich: Die Arbeitslosigkeit der Eltern hat einen negativen Einfluss auf die Körpergröße ihrer Kinder. Dabei spiele jedoch das mit Arbeitslosigkeit einhergehende geringere Einkommen eine weniger bedeutende Rolle, als psychologischer Stress und Frustration der Eltern. Diese Faktoren könnten zu einer Vernachlässigung der Kinder bezüglich ihrer Versorgung führen, vermuten die Forscher.

Ob Krieg oder Arbeitslosigkeit: Schlechte Versorgung wirkt sich auf die Körpergröße von Kindern aus aus. (Foto: adwriter/Flickr (CC BY-NC 2.0)

Wie groß Kinder werden, hängt von vielen Faktoren ab - einer davon ist die Versorgungslage während der Entwicklung. (Foto: adwriter/Flickr (CC BY-NC 2.0)

Bisher hat man beobachtet, dass Menschen angesichts schlechter Versorgungslagen, etwa bei Kriegen und Naturkatastrophen in den vergangenen Jahrhunderten, deutlich kleiner sind als Menschen aus Regionen, in denen eine normale Versorgung besteht. Dass es keiner großen Kriege bedarf, damit Menschen unterversorgt sind und damit auch weniger wachsen als andere, zeigen die nun vorliegenden Forschungsergebnisse der Tübinger Wirtschaftshistoriker.

Kein Nachteil für Kinder von Alleinerziehenden

Die Autoren stellen jedoch auch fest, dass Kinder von Alleinerziehenden bezüglich ihrer Körpergröße keinen Nachteil gegenüber Kindern aus Familien mit zwei Elternteilen aufweisen. Allerdings zeige sich ein positiver Einfluss auf die Größe der Kinder, sobald drei oder mehr Erwachsene im gleichen Haushalt leben, also wenn beispielsweise zusätzlich Großeltern vor Ort sind, die die Versorgung der Kinder mit unterstützen.

Laut Studie steht auch die Anzahl der Menschen, die eine Region verlassen, zumindest indirekt, in einem negativen Zusammenhang mit der Körpergröße der Kinder in der Region. Da häufig eher die gebildetere Bevölkerung eine Region wegen schlechter Bedingungen verlasse, blieben die weniger Gebildeten zurück. Und diese legten in der Regel weniger Wert auf eine gesunde Ernährung und medizinische Versorgung der Kinder, sodass diese sich schlechter entwickelten und nicht so groß würden. Von Bedeutung sei besonders das Ausbildungsniveau der Mutter, so die Forscher, da sich die Mutter in der Regel an erster Stelle um Belange wie Ernährung und Versorgung der Kinder kümmere.

Aussagen über einzelne Menschen unmöglich

Die Daten wurden vom Landesgesundheitsamt Brandenburg bei der Einschulung von Erstklässlern erhoben. Dabei dokumentierten die Experten Körpergröße, Alter und Geschlecht von über 250.000 Kindern. Darüber hinaus erfassten sie sozioökonomische Daten beispielsweise zum beruflichen Status der Eltern, deren Ausbildungsniveau sowie Anzahl der Kinder und Anzahl der Erwachsenen je Haushalt.

Wer jetzt aber von der Körpergröße eines einzelnen Menschen direkt auf dessen soziale Stellung oder auf die individuelle Entwicklung schließen will, irrt. Bei der Untersuchung geht es lediglich um durchschnittliche Körpergrößen innerhalb einer großen Anzahl von Menschen. Anders ausgedrückt: Die geringe Körpergröße eines einzelnen Menschen sagt nichts über sein Wohlergehen aus, weil es eine breite genetische Streuung gibt. NINA BRAUN

 

3 Kommentare

  1. Etwas verwirrt mich. Laut der Studie ist die Größe des Menschen von der Ernährung abhängig. Wie steht das im Zusammenhang mit den Genen, die ja doch auch bedingen, wie groß ein Mensch wird?

    • Mich verwirrt das auch ein wenig. Meine Geschwister (Bruder und Schwester) sind beide 5 cm größer als ich – und bei uns herrschte zu keiner Zeit Arbeitslosigkeit vor… (Manche Studien scheinen in ihrer Ausgangsthese einen Kausalzusammenhang aufzustellen, den sie dann in den Ergebnissen bestätigt finden – der möglicherweise aber bei neutraler Beobachtung nicht zutrifft.)

      Wie bitteschön will man denn sowas überhaupt überprüfen? Es gibt ja keine entsprechenden Vergleichsgruppen…
      Die einzige Überprüfung dieser Aussage könnte ich mir in einer Zwillingsstudie vorstellen, in der der eine eineiige Zwilling in einer sozial gut gestellten und der andere in einer sozial schlechter gestellten Familie aufwächst. Und wenn dann der Zwilling, der in einer sozial schlechter gestellten Familie aufwächst, kleiner ist – und zwar bei einer signifikant bedeutenden Anzahl an Zwillingsüberprüfungen – dann erst würde ich diese Studie ernst nehmen. So kann ich dieser Studie ehrlich gesagt nicht wirklich viel abgewinnen…

    • Wahrscheinlich hängt das wieder mit der Ideologie „Gleichheit“ zusammen. Gene werden da gegen jede wissenschaftliche Erkenntnis zu etwas Unwichtigem erklärt. Laut „Gender-Mainstreaming“ kommen z. B. alle Menschen gleich auf die Welt und nicht als Junge oder Mädchen. Ihr Geschlecht wird im Laufe der Lebensjahre durch die Einflüsse der Umwelt geprägt, sagt die Lehre, und irgendwann entscheiden sie sich dann, ob sie Mann, Frau oder sonstwas sein wollen. Das ist dann das wichtige soziale Geschlecht (gender).
      Vermutlich spielt auch bei der Körpergröße die Verleugnung genetischer Einflüsse eine Rolle. Alle menschlichen Unterschiede resultieren angeblich nur aus unterschiedlichen Sozialbedingungen, zu denen auch die Art der Ernährung gehört
      Fazit der Lehre: Wenn die Menschen unter denselben Bedingungen aufwachsen, ist Gleichheit und Gerechtigkeit geschaffen. Darum wird seitens der Politik M. E. auch immer mehr einheitliche Erziehung durch den Staat gewünscht (möglichst ganztägige Krippen, Kindergärten und Schulen), denn Eltern schaffen „ungerechte“ Unterschiede.
      Gegner dieser Irrlehre warnen immer wieder vor dem inhumanen Versuch, die Menschen gleich zu machen. Aber die wenigsten verstehen sie.

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