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Deutliche Worte zum Auftakt der „didacta“

Ein Kommentar von NINA BRAUN.

Die Bildungsjournalistin Nina Braun. Foto: www.bildungsjournalisten.de

Die Bildungsjournalistin Nina Braun. Foto: www.bildungsjournalisten.de

Zum Auftakt der „didacta“ bezog Niedersachsens Kultusminister Bernd  Althusmann Positionen. Erstens, Inklusion hin oder her, die Förderschulen mag er nicht abschaffen. Zweitens, die Zukunft des deutschen Schulsystems sieht er in der Zweigliedrigkeit. Das war für eine Eröffnungsrede bemerkenswert deutlich. Die darin vertretenen Ziele sind durchaus hehr, nämlich den Elternwillen zu achten und Bildungswege zu öffnen. Der Blick ins Kleingedruckte zeigt allerdings, dass Althusmann – bei aller Rhetorik – der Wille zu echten Veränderungen fehlt. Damit zeigt er sich dann doch als typischer bildungspolitischer Vertreter seiner Partei.

Das lässt sich beim Thema Inklusion daran festmachen, dass der niedersächsische Weg auch künftig – „in Ausnahmefällen“ – eine Zwangsüberweisung an die Förderschule vorsieht. Elternwille? Der zählt offenbar nur dann, wenn’s nicht allzu viel Mühe macht.

In Sachen Schulstruktur zeigt sich der fehlende Veränderungswillen an der Konstruktion der „zweiten Säule“ neben dem Gymnasium. Die Hauptschule ersatzlos zu streichen und stattdessen wie in Niedersachsen eine neue „Oberschule“  ins Leben zu rufen, in die auch die Realschule eingeht, löst das Problem nicht. Denn das wird einfach in die neue Schulform transportiert. In einem Schulsystem, in dem es vermeintlich „oben“ (= Gymnasien) und „unten“ (= der Rest) gibt, ist klar, auf welcher Schulform Eltern ihre Kinder sehen wollen. Die einzige dauerhafte Lösung und – nebenbei – der einzig vernünftige Kompromiss mit den Streitern für ein integratives Schulsystem wäre eine Zweigliedrigkeit auf Augenhöhe: Gesamtschule samt Oberstufe neben dem in Deutschland unausrottbaren Gymnasium. Ließe sich an beiden Schulformen, die das System bereithält, alle Abschlüsse machen, gerne am Gymnasium mit seinem mittlerweile eingeführten G8 auch etwas schneller, dann verlöre die Schulwahl am Ende der Grundschulzeit alles Schicksalhafte – und die seit Jahrzehnten nervende Strukturdebatte endlich ihre Nahrung.

Zu befürchten ist jedoch, dass der Streit „Eine Schule für alle“ vs. „Gegliedertes Schulsystem“ jetzt auf dem Feld der Inklusion ausgetragen wird. Dass Althusmann zur Eröffnung der „didacta“ beide Themen im Zusammenhang aufgriff, mindert diese Sorge nicht. NINA BRAUN

 

Ein Kommentar

  1. Ich verstehe die ganze Debatte um das mehrgliedrige Schulsystem nicht. Auch an einer Hauptschule können “alle” Abschlüsse gemacht werden und es gibt die Möglichkeit direkt nach der Hauptschule sein Abitur anzuschließen. Vielleicht sollte das einfach mal mehr kommuniziert werden, dann würde der Druck von einigen Eltern und Schülern abfallen!

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