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Grünen-Abgeordneter: Zu wenig Aufklärung an Odenwaldschule

HEPPENHEIM. Die Kritik an der Odenwaldschule im südhessischen Heppenheim reißt auch zwei Jahre nach Aufdeckung des Missbrauchsskandals nicht ab. Bislang wurden nach Schätzungen des Landtagsabgeordneten Marcus Bocklet (Grüne) nicht einmal zehn Prozent der Opfer finanziell entschädigt. «Die Schule bleibt da in der Bringschuld», sagte Bocklet und bestätigte damit einen Bericht des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel». Darin kritisierte er auch, dass die Lehrer weiter Internatsbetreuer seien. «Pädophile Pädagogen werden von solchen Strukturen geradezu angezogen.»

Goethehaus der Odenwaldschule; Foto: Mussklprozz / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Goethehaus der Odenwaldschule; Foto: Mussklprozz / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Das sogenannte Familienprinzip, bei dem Lehrer und Schüler zusammenlebten, bedeute «zu viel Nähe, zu viel Macht und zu wenig Kontrolle». Lehrer sollten nicht auch Erzieher sein. «Ich fordere strikt die Trennung dieser beiden Berufe», sagte Bocklet. Zudem sei von der Odenwaldschule eine wissenschaftliche Ursachenforschung versprochen worden. «Und noch immer ist das nicht passiert.» Der Grünen-Abgeordnete arbeitet derzeit an einem Bericht über die Schule, den er im Landtag vorstellen will. Wann genau, ist noch unklar.

Die Reformschule wies die Kritik an der Betreuungsform zurück. «Es wird darauf geachtet, dass zum Beispiel der Klassenlehrer nicht gleichzeitig Familienoberhaupt ist», teilte die Schule auf Anfrage mit. Jede Gruppe werde von zwei Erwachsenen geführt, zudem unterstützten Sozialarbeiter die Gruppen. «Entscheidungen über Kinder und Jugendliche fallen grundsätzlich im Team.» Bislang hätten Opfer, die bei der Schulstiftung «Brücken bauen» einen Antrag stellten, rund 100 000 Euro an Entschädigungen erhalten. Wie viele Menschen das waren, teilte die Schule nicht mit.

Eine im Jahr 2010 veröffentlichte Untersuchung hatte ergeben, dass ehemalige Lehrer vor allem in den Jahren 1965 bis 1985 mehr als 130 Schüler sexuell missbraucht hatten. An den Ergebnissen einer wissenschaftlichen Aufarbeitung, wie Bocklet sie fordert, sei die Schule sehr interessiert: «Antragsentwicklung und -erstellung brauchen leider ihre Zeit», teilte die Schule mit. Seit der Missbrauch aufgedeckt wurde, kommt die Reformschule nicht zur Ruhe. Zuletzt wurde von Querelen begleitet der Vorstand neu gewählt. An der Spitze steht nun Heppenheims früherer Bürgermeister Gerhard Herbert. dpa

(26.5.2012)

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Ein Kommentar

  1. Warum ausgerechnet Politiker der Grünen als die Wegbereiter reformpädagogischer Experimente mit Schülern hier Kritik äußerten ist mir unerklärlich.

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