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NRW plant Berufsempfehlung neben dem Zeugnis

DÜSSELDORF (Mit Kommentar). Nordrhein-Westfalen will Schüler zielgerichteter auf den Beruf vorbereiten. Ab Klasse 8 sollen Lehrer ihre Schüler künftig systematisch bei der Berufswahl unterstützen, wie die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ (WAZ) berichtet. Die Schule werde in die Auswahl von Praktika einbezogen – außerdem sei für Schulabgänger eine obligatorische Berufsempfehlung zum Zeugnis  vorgesehen.

Talente im kaufmännischen oder gewerblich-technischen Bereich? Schulabgänger in NRW sollen das künftig schriftlich bekommen. Foto: ME-Arbeitgeber / Flickr (CC-BY-2.0)

Talente im kaufmännischen oder gewerblich-technischen Bereich? Schulabgänger in NRW sollen das künftig schriftlich bekommen. Foto: ME-Arbeitgeber / Flickr (CC-BY-2.0)

Mit dem neuen Schuljahr werde das neue System mit dem Titel „Kein Abschluss ohne Anschluss“ – das bis 2018 landesweit etabliert sein soll – in sieben nordrhein-westfälischen Kommunen erprobt, darunter den Städten Dortmund und Mülheim an der Ruhr. Teilnehmen sollen zunächst 30.000 Jugendliche an 370 Schulen. Gymnasien bleiben außen vor. Beteiligt würden dabei die lokalen Job-Center. Flankiert werde das Projekt von kommunalen Anlaufstellen mit jeweils drei bis vier Mitarbeitern. Das Land fördert jede Stelle mit 15.600 Euro pro Jahr.

„Ziel ist es, ausbildungsreifen Jugendlichen möglichst rasch nach der Schule den Einstieg in eine Berufsausbildung zu ermöglichen“, sagte NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) laut „Rheinischer Post“ (RP). Dazu gehörten gezielte Praktika in Betrieben. „Bislang war es den Schülerinnen und Schülern überlassen, welche Praktika sie absolvieren. Jetzt werden die Jugendlichen frühzeitig unterstützt“, sagte Schneider. Inge Howe, SPD-Fraktionsvize im Landtag, ergänzte laut WAZ: Bisher würden Praktikumsplätze nach dem Zufallsprinzip ausgesucht oder „nach Vitamin B der Eltern“ vergeben. Künftig sollten Praktika Teil einer Gesamtstrategie sein, damit Schüler ihre speziellen Fähigkeiten überprüfen könnten.

Außerdem erhält laut WAZ jeder Schulabgänger in Klasse 10 von den Lehrern eine persönliche Ausbildungsempfehlung. Sie erscheine aber nicht auf dem Zeugnis. Die Ausbildungsempfehlung solle den Absolventen den Übergang erleichtern und Hinweise geben, ob sie etwa eine Lehre im  kaufmännischen oder gewerblich-technischen Bereich anstreben sollten. Skizziert werden dem Bericht zufolge darin der weitere Ausbildungsweg, mögliche Berufsfelder und künftige Ansprechpartner. So soll laut RP erklärt werden, ob eine Ausbildung im kaufmännischen oder gewerblich-technischen Bereich sinnvoll sei. Die „individuellen Neigungen und Interessen“ der Schüler seien dabei „vorrangig zu berücksichtigen“, heiße es im Konzept der Landesregierung. Die Vereinbarung werde von den betroffenen Schülern, den Eltern, Berufsberatern und Vertretern der Kammern gemeinsam erarbeitet. Howe sagte gegenüber der RP: „Die Übergangsempfehlung wird auch den möglichen Ausbildungsbetrieben eine bessere Orientierung ermöglichen.“

Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) erklärte dem Blatt zufolge, NRW sei das erste Flächenland, das den Übergang von der Schule in den Beruf Schritt für Schritt landesweit systematisiere. Dietmar Brockes, wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP im Landtag, kritisierte das Programm. „Die Unternehmen wollen mündige Auszubildende, die ihre Berufswahl eigenverantwortlich treffen können ohne staatliche Bevormundung“, so zitiert ihn die RP. Sigrid Beer, Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, wies die Kritik gegenüber der Zeitung zurück: „Wir wollen die Schüler nicht bevormunden, sondern ihnen Chancen aufzeigen, die sie sonst nicht entdeckt hätten.“

(16.8.2012)

Zum Kommentar: Berufsempfehlung: Gut gemeint ist noch nicht gut gemacht.

 

Ein Kommentar

  1. Da müssten wir Lehrer doch erst mal die anderen Berufe und ihr Anforderungsprofil kennen.

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