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Vielen Schülern schmeckt’s nicht – Kritik am Schulessen in Hessen

FULDA. Das Essen in Hessens Schulen ist nicht immer nach dem Geschmack der Schüler. Bemängelt werden Qualität, Auswahl und Preis. Kritik kommt auch von Eltern, Gewerkschaften und Ernährungsexperten. Das Kultusministerium erwidert: Alles reine Geschmackssache!

Häufig mangele es an der Qualität des Schulessens, sagen Wissenschaftler. (Foto: Moe/Flickr CC BY 2.0)

Häufig mangele es an der Qualität des Schulessens, sagt der Ernährungsexperte Georg Koscielny. (Foto: Moe/Flickr CC BY 2.0)

Die Qualität der Schulverpflegung in Hessen stößt bei Schülern, Eltern und Experten auf Kritik. «Das Essen und vor allem die Angebote im Bereich der Zwischenverpflegung sind sehr stark verbesserungswürdig», sagt der renommierte Ernährungssoziologe Georg Koscielny von der Hochschule Fulda.

Viele Schüler und Eltern seien Studien zufolge unzufrieden mit der Versorgung, berichtet er. Auch die Akzeptanz und Auslastung vieler Mensen sei ernüchternd. Die Angebotsgestaltung entspricht laut Koscielny nicht den in der Wissenschaft erarbeiteten Erkenntnissen. Seine Forderung: Um die Schüler zufriedenzustellen, müssten Mensen moderner, zeitgemäßer und schülerorientierter gestaltet und betrieben werden.

«Mancherorts mag es Verbesserungsbedarf geben», räumt ein Sprecher des Kultusministeriums in Wiesbaden ein. «Die Essensqualität in den Schulen des Landes ist jedoch besser als ihr Ruf. Die Geschmäcker sind verschieden.» Mit der Arbeit einer sogenannten Vernetzungsstelle «Schulverpflegung Hessen» soll das Angebot optimiert werden. Dabei geht es vor allem um die Vermittlung von Know-how, also von Fortbildungen, Workshops und Tagungen. Letztlich seien die Schulträger für das Essen verantwortlich, und zwar für die Bereitstellung, Organisation und den Unterhaltung von Schulmensen.

Kritik kommt auch von der Landesschülervertretung: «Das Essen ist oft ziemlich teuer. Deswegen gehen die Schüler sich lieber irgendwo einen Snack holen, der dann auch noch besser schmeckt», sagt Carolin Bartz, die stellvertretende Landesschulsprecherin. Die Schüler sollten mitbestimmen dürfen, was auf den Speiseplan kommt. «Linseneintöpfe mögen die wenigsten», berichtet sie. Die Qualität des Schulessens sei auch örtlich sehr unterschiedlich und schwankend.

Nach Ansicht der Landesschulsprecherin müsste das Land mehr investieren. «Das Essen muss günstiger oder kostenlos sein. Gesundes Essen sollte allen am Herzen liegen und Teil der Bildungsausgaben sein», sagte die angehende Abiturientin aus Bad Hersfeld. Ihre Note für die Schulverpflegung: 3.

«Das Essen könnte besser sein», sagt Kerstin Geis, Vorsitzende des Landeselternbeirats. Die Qualität, der Preis und das Platzangebot in den Mensen lasse zu Wünschen übrig. Auch sie fordert, dass sich das Land mehr engagieren soll. «Nur, wer gesund isst, kann auch Leistung bringen.» Ihre Note für die Schulverpflegung: 3+.

Unzufrieden mit dem Schulessen ist auch der Elternbund Hessen: «Das ist leider ein Stiefkind-Thema. Dabei ist es nicht nachvollziehbar, dass daran gespart wird. Eigentlich müsste es kostenfrei sein», fordert die Vorsitzende Hella Lopez. Die Mahlzeiten seien oft überteuert, Kinder ärmerer Familien könnten sie sich nicht leisten.

Die Schulen müssten mehr auf gesunde Ernährung achten: «Das Essen ist oft nicht sonderlich gehaltvoll. Cola- und Süßigkeiten-Automaten sollten generell verbannt werden.» Laut Lopez sollten die Schulen auch selbst aussuchen dürfen, wer für die Verpflegung verantwortlich ist. Anbieter aus der jeweiligen Region sollten bevorzugt werden.

Laut der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) wird nicht genug in die Schulverpflegung in Hessen investiert. Der hessische Landesvorsitzende Jochen Nagel sagt: «Wir hören nicht gerade Begeisterndes von Schülern, Eltern und Lehrern und bekommen oft Klagen, die von einer unzureichenden Qualität berichten.» Die Verpflegung sei verbesserungswürdig. «Gesundes Essen scheitert leider an der Finanzierungsfrage. Dabei darf nicht an der Entwicklung der Kinder gespart werden.» Seine Note für die Schulverpflegung: 4-.

Erschwerend kommt laut Koscielny hinzu, dass sich das Essverhalten von Jugendlichen auch stark von dem unterscheidet, was Fachleute empfehlen. Der Sprecher des Kultusministeriums erklärt dazu: «Kinder lieben Spaghetti mit Tomatensoße. Manche Eltern wünschen sich eher Dinkel-Grünkernbratlinge.» Koscielny bemängelt auch, dass zu wenig Rücksicht auf das veränderte Essverhalten genommen werde. Die Schüler wollten kleine, ansprechende Snacks. «Viele klagen, dass sie nach dem Essen müde sind. Wir dürfen die Schüler aber nicht müde füttern.» JÖRN PERSKE;  dpa
(22.8.2012)

  • Zum Bericht: “Untersuchung: 90 Prozent der Schulmensen sind mangelhaft”
  • Zum Bericht: “Experten: Schulessen in Thüringen ist zu fett

 

 

 

 

 

Ein Kommentar

  1. Auch ich habe schon oft gehört und auch erlebt, dass das Mensa Essen nicht gut war. Dies nicht aufgrund von der Geschmackssache, sondern wirklich wegen der schlechten Qualität der Nahrungsmittel und der Zubereitung! Ich kann dies wirklich nicht verstehen! Man kann, zumindest auf unserem Erdteil, auf ganz einfache und auch preiswerte Weise unheimlich tolle und ausgeglichene Gerichte herstellen. Vor allem Studenten brauchen für ihre kopflastige Arbeit eine ausgewogene und gesunde Ernährung! Wieso gelingt dies den meisten Köchen in Restaurants und denjenigen in Mensen nicht?!

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