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Alphabetisierungskurse sind schlecht besucht

DRESDEN. Viele Menschen können nicht zufriedenstellend lesen und schreiben, trotzdem sind die Alphabetisierungskurse schlecht besucht – zumindest in Sachsen. «Unsere Kurse waren im vergangenen Jahr mit 242 Teilnehmern wenig gefragt», sagte der Geschäftsführer des Sächsischen Volkshochschulverbands, Ralph Pötzsch. Die Zahl habe sich seit Jahren nicht verändert.

Die genaue Zahl der Analphabeten in Sachsen ist nicht bekannt. Schätzungen gehen allerdings von bis zu 200 000 Betroffenen aus. Das hatte die Evangelische Hochschule für soziale Arbeit in einer Studien bereits im Jahr 2006 ermittelt. «Wir vermuten, dass sich die Zahl der Analphabeten heute auf Bundesniveau bewegt», sagte Ingrid Ficker von der Koordinierungsstelle Alphabetisierung im Freistaat Sachsen (Koalpha).

Bundesweit waren 2011 etwa 14,5 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung zwischen 18 und 64 Jahren vom Analphabetismus betroffen – rund 7,5 Millionen Menschen. Das ergab einer Studie der Universität Hamburg. Ihre Lese- und Schreibkenntnisse sind so gering, dass sie im Alltag große Schwierigkeiten haben – beispielsweise beim Lesen von Fahrplänen oder Produktaufschriften. Auch im Berufsleben können sie nur schwer Fuß fassen.

Viele Analphabeten verstecken sich - und täuschen etwa eine Sehnenscheidenentzündung vor, um nicht schreiben zu müssen. Foto: berwis / pixelio.de

Viele Analphabeten verstecken sich – und täuschen etwa eine Sehnenscheidenentzündung vor, um nicht schreiben zu müssen. Foto: berwis / pixelio.de

Betroffene lassen sich nur schwer erreichen

«Das Problem ist, dass man die Betroffenen nur sehr schwer erreicht. Sie kommen eher selten selbst auf die Volkshochschulen zu», sagte Ralph Pötzsch vom Volkshochschulverband. Häufig würden Bekannte, Angehörige, Vereine oder die Jobcenter nach den Angeboten fragen.

Für die Alphabetisierung in Sachsen stehen von 2007 bis 2013 rund 15,1 Millionen Euro bereit. Davon steuere das Land rund 3,5 Millionen bei, wie das Kultusministerium auf Anfrage mitteilte. 11,6 Millionen Euro stammten aus den Europäischen Sozialfonds. Seit 2007 nahmen rund 1800 Menschen an solchen Kursen teil.

Die Koordinierungsstelle Koalpha vermittelt seit 2010 in Dresden, Leipzig, Chemnitz und Plauen Angebote und berät Betroffene wie deren Umfeld. Die sächsischen Volkshochschulen bieten in diesem Herbstsemester 53 Kurse für Menschen mit geringen oder nicht vorhandenen Lese- und Schreibkenntnissen an.dpa

(18.9.2012)

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