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Studie: In Lehramtsausbildung mangelt es an Fachwissen

BERLIN.  Wie eine Studie der Humboldt-Universität zu Berlin ergeben hat, findet  das sogenannte kumulative Lernen, also das aufeinander aufbauende Wissen, im Lehramtsstudium wenig statt. Außerdem habe der Studienort einen bedeutenden Einfluss auf die Leistung angehender Lehrkräfte.

Die Ergebnisse der Studie zu angehenden Lehrern zeigen Defizite im Fachwissen und große Standortunterschiede. Foto: Ergebnisse der TEDS-LT-Studie zu angehenden Lehrern zeigt Defizite im Fachwissen und große Standortunterschiede/Flickr (CC BY-SA 2.0

Die Teacher Education and Development Study: Learning to Teach (TEDS-LT), wird an der Humboldt-Universität zu Berlin von Professorin Sigrid Blömeke geleitet. Ihr Team ermittelt die fachbezogenen Kompetenzen angehender Lehrkräfte der Sekundarstufe I in den Unterrichtsfächern Deutsch, Englisch und Mathematik im Studienverlauf sowie ihre fächerübergreifenden pädagogischen Kompetenzen.

In einem standardisierten Leistungstest wurden zwei Kohorten an Lehramtsstudierenden von acht Hochschulen (Humboldt-Universität zu Berlin, Universität Hamburg, Technische Universität Dortmund, Universität Duisburg-Essen, Universität Gießen, Johann-Wolfgang-Goethe Universität Frankfurt/M., Universität Augsburg und Pädagogische Hochschule Ludwigsburg) im dritten bis fünften Fachsemester bzw. zum Studienende, im sechsten bis achten Fachsemester, getestet.

Schulrelevantes Wissen mangelhaft

„Während das fachdidaktische Professionswissen der Studierenden am Studienende in allen drei Fächern als gut eingestuft werden kann, haben sich die Getesteten zu diesem Zeitpunkt von schulrelevantem Fachwissen möglicherweise eher entfernt. Folgt man der These, dass gerade dieses für die Wahrnehmung der Aufgaben von Lehrpersonen besonders relevant ist, haben wir ein Problem. Möglicherweise werden die Inhalte der ersten Semester im Rahmen der Lehre später nur sporadisch wieder aufgegriffen. Kumulatives Lernen würde dann eher weniger stattfinden und in den Studienmodulen würde nicht optimal auf vorhandenem Wissen aufgebaut. Der Standort der Ausbildung hat ebenfalls signifikanten Einfluss auf die Leistung in allen Wissensfacetten der angehenden Lehrerinnen und Lehrer. Ich weiß nicht, ob wir uns eine solche Variabilität leisten wollen bzw. können“, sagt Sigrid Blömeke.

Ausschlaggebend ist vermutlich die Struktur der Lerngelegenheiten. Im Studienverlauf findet nach dem verpflichtenden Besuch von Einführungsveranstaltungen häufig eine Spezialisierung durch die Auswahl weiterführender Seminare statt, die ein weit gefächertes Angebot darstellen und eher an den Bedürfnissen der Nicht-Lehramtsstudierenden ausgerichtet sind. „Die Ergebnisse machen deutlich, dass durch die Variabilität der Angebote höchst unterschiedliche Leistungen erzielt werden. Die universitären Curricula sind teilweise nicht einmal innerhalb eines Bundeslandes einheitlich“, kritisiert Blömeke.

Begabungsreserven werden nicht an allen Unis ausgeschöpft

Zudem zeigen die Ergebnisse vor allem für Mathematik, dass im Vergleich nicht-gymnasialer und gymnasialer Studiengänge bei Letzteren bessere Leistungen in der Fachdidaktik und im Fachwissen erzielt werden. Vermutlich spielt hier der Umfang von Lerngelegenheiten eine Rolle.

Sigrid Blömeke nimmt an, dass durch die unterschiedliche Gewichtung der Wissensvermittlung und Länge der Studiendauer bei Haupt- und Realschullehramtsstudiengängen im Vergleich zum Gymnasiallehramt nicht das gleiche fachliche Fundament für die später zu unterrichtenden Schülergruppen gelegt werden kann: „Wir wissen beispielsweise, dass Studierende mit Migrationshintergrund sich bei gezielter Förderung besser entwickeln. Es liegt in der Verantwortung der Hochschulen diese Begabungsreserven in Zukunft noch besser auszuschöpfen. Die Vorschläge der Baumert-Kommission für die Berliner Lehrerausbildung sind daher nur zu begrüßen. Wir müssen noch mehr für unseren Lehrernachwuchs werben und ihm auch mehr bieten.“ Soweit Sigrid Blömeke , die kürzlich die Stiftung „Chancengleichheit – Bildung von Anfang an“ zur Förderung von Kindern aus bildungsfernen Familien gegründet hat, in deren Rahmen Lehramtsstudierende ihr Berufsfeldpraktikum als Bildungspaten absolvieren können.

(29.09.2012)

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