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Baden-Württemberg: Landtag streitet um Schulsterben im Südwesten

STUTTGART. Die Opposition fürchtet ein Schulsterben, in Augen der Koalition sichern regionale Schulenentwicklungspläne die Qualität. Genau in denen sieht die Opposition das Übel.

Grün-Rot wolle kleine Schulen im Südwesten «plattmachen», kritisierte der CDU-Abgeordnete Georg Wacker im Stuttgarter Landtag. Der Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung und die neue Gemeinschaftsschule wirkten wie ein Schulschließungsprogramm – insbesondere für Haupt- und Werkrealschulen auf dem Land.

Grün-Rot sprach von «Panikpolitik» der Opposition und warf CDU und FDP vor, zu deren Regierungszeiten nicht auf die seit Jahren rückläufigen Schülerzahlen reagiert zu haben. Die Vorgängerregierung habe sich nicht an das komplexe Thema einer Gestaltung der Schullandschaft getraut, sagte Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer (SPD). Neben Baden-Württemberg habe nur Bayern keine regionalen Schulentwicklungspläne. Deshalb müssten diese nun dringend erstellt werden. «Es geht darum, eine Entwicklung, die sich abzeichnet, konstruktiv zu begleiten und zu steuern und nicht dem Zufall zu überlassen.

„Totengräber von Schulstandorten“

Das mit der «Zwangszuweisung» von Schülern zu CDU-Regierungszeiten noch am Leben erhaltene dreigliedrige Schulsystem sei in Wahrheit «Totengräber von Schulstandorten», betonte die Ministerin. Nach Worten der Grünen-Bildungsexpertin Sandra Boser würden mit dem alten Modell drei Viertel aller Schulen geschlossen werden. Grün-Rot strebe aber an, jede zweite Schule im Rahmen eines Zwei-Säulen-Modells von Gymnasium und integrativer Schule zu erhalten.

Ziel einer regionalen Schulentwicklungsplanung, deren Eckpunkte in den nächsten Wochen feststehen sollen, sei es, eine leistungsfähige nachhaltige Bildungsinfrastruktur zu schaffen, sagte Warminski-Leitheußer. Dadurch solle jedem Schüler der bestmögliche Abschluss ermöglicht werden. Für die Pläne würden Fragen gestellt wie: Müssen Schulen sich zusammenschließen, können Gemeinschaftsschulen geschaffen werden oder müssen Schulen auslaufen?

Kriterien für die Beantwortung solcher Fragen seien unter anderem eine Größe von 40 Schülern pro Klassenstufe und stabile Zweizügigkeit. Nach Worten von Warminski-Leitheußer haben von 847 Haupt- und Werkrealschulen im Land 215 keine oder keine eigenständige fünfte Klasse mehr. Unterhalb einer gewissen Größe von Klassen und Kollegium ließen sich Schulen einfach nicht mehr organisieren.

Die FDP fordert regionale Schulentwicklung vor Weiterentwicklung der Gemeinschaftsschulen

Für die Liberalen forderte der Abgeordnete Timm Kern, dass die 120 Bewerbungen für die Gemeinschaftsschule im kommenden Jahr nicht beschieden werden dürften, bevor regionale Schulentwicklungspläne existierten. Warminki-Leitheußer sagte, sie befürworte auch Verbundschulen, also Werk- oder Hauptschulen unter einem Dach mit einer Realschule, als «Trittsteine» auf dem Weg zur Gemeinschaftsschule. Die Opposition hatte zuvor mehrfach gefordert, solche Kooperationen zu genehmigen.

Das Kultusministerium will Gemeinschaftsschulen auch an zwei Standorten unter einer gemeinsamen Leitung zulassen. «Im Gesetz zur Gemeinschaftsschule wird grundsätzlich ein Standort vorgeschrieben», sagte der Leiter der Stabsstelle Gemeinschaftsschulen im Ministerium, Norbert Zeller, dem «Staatsanzeiger» (Freitag). Im Wort «grundsätzlich» stecke jedoch die Chance für Ausnahmen. So sei vorstellbar, dass die Klassen 5, 6 und 7 in einer Schule und die Klassen 8 bis 10 in der zweiten unterrichtet werden. dpa

(08.11.2012)

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