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TIMSS und IGLU vorgestellt: „Grundschullehrer leisten gute Arbeit“

BERLIN. Viertklässler in Deutschland erreichen im internationalen Vergleich im Lesen, in Mathematik und in den Naturwissenschaften erneut ein Kompetenzniveau, das im oberen Drittel liegt. Dies geht aus den parallel erhobenen Studien IGLU (Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung) und TIMSS (Mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen von Grundschulkindern im internationalen Vergleich) hervor, die heute in Berlin vorgestellt wurden.

Zehnjährige in Deutschland zeigen im Schnitt gute Leistungen im Lesen, in Mathematik und in den Naturwissenschaften. Foto: Philippe Put / Flickr (CC BY 2.0)

Zehnjährige in Deutschland zeigen im Schnitt gute Leistungen im Lesen, in Mathematik und in den Naturwissenschaften. Foto: Philippe Put / Flickr (CC BY 2.0)

In allen Bereichen liegen die Ergebnisse über dem OECD-Mittelwert und signifikant über dem EU-Mittelwert. Damit bestätigen sie das gute Leistungsniveau der Vorgängerstudien von 2001 und 2007. Kinder mit Migrationshintergrund haben in allen drei Bereichen ihre Leistungen verbessert.

Der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), der Hamburger Bildungssenator Ties Rabe (SPD), würdigte das Ergebnis: „Erneut zeigt sich, dass die Lehrerinnen und Lehrer an den Grundschulen in Deutschland gute Arbeit leisten. Zu den erfreulichen Ergebnissen beigetragen haben auch die bildungspolitischen Schwerpunktsetzungen in den vergangenen Jahren.“

Im Lesen, in Mathematik und in den Naturwissenschaften zeigen sich folgende übergreifende Ergebnisse:

  • Die überwiegende Mehrheit der Grundschulkinder in Deutschland geht gern zur Schule und hat eine positive Einstellung zum Lesen, zur Mathematik und zum Sachunterricht. Die Kinder sind im Vergleich zu vergangenen Jahren noch motivierter und selbstbewusster. Immer mehr Kinder lesen auch gern in ihrer Freizeit.
  • Dabei gelingt es in allen drei Bereichen besonders gut, die Unterschiede zwischen leistungsstärkeren und leistungsschwächeren Schülerinnen und Schülern gering zu halten. Im internationalen Vergleich sind allerdings sowohl für die leistungsstarken als auch für die leistungsschwächeren Schülerinnen und Schüler Entwicklungsmöglichkeiten erkennbar.
  • Darüber hinaus sind die Grundschulen in Deutschland erfolgreich, Mädchen und Jungen im gleichen Maße zu fördern. Die geschlechtsspezifischen Unterschiede in den einzelnen Bereichen sind relativ gering.
  • Sowohl im Lesen als auch in Mathematik und in den Naturwissenschaften sind Leistungssteigerungen der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund zu verzeichnen. Dennoch ist der Leistungsvorsprung der Kinder aus Familien ohne Migrationshintergrund weiterhin erheblich.
  • Wie in allen Ländern erzielen Kinder aus sozial besser gestellten Familien höhere Leistungen; hier liegt Deutschland international im Mittelfeld. Zudem zeigt sich, dass die Schullaufbahnpräferenz der Lehrkräfte und der Eltern nicht nur von den Leistungen der Schülerinnen und Schüler, sondern auch von ihrem sozialen Hintergrund abhängt.

In einer gemeinsamen Presseerklärung der KMK und des Bundesbildungsministeriums wurden folgende Herausforderungen für die Bildungspolitik benannt:

  1. Eine systematische und durchgängige Sprach- und Leseförderung bleibt Voraussetzung für jeglichen Bildungserfolg und ist daher in allen Fächern von zentraler Bedeutung.
  2. Naturwissenschaftlich-technische Anteile im Sachunterricht sollten systematisch gestärkt werden.
  3. Maßnahmen zur individuellen Förderung sowohl der leistungsstärksten als auch der leistungsschwächeren Kinder sind weiter auszubauen. Insbesondere Ganztagsangebote sollten stärker als bisher zur gezielten individuellen Förderung genutzt werden.
  4. Die erfolgreichen Ansätze zur Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund und von Kindern in schwieriger sozialer Lage sollten weiter systematisiert und verstärkt werden.
  5. Diagnostik, individuelle Förderung sowie durchgängige und fächerübergreifende Sprach- und Leseförderung müssen nach wie vor die Schwerpunkte in der Lehreraus- und -fortbildung sein.

„Die deutschen Grundschulen sind auf einem guten Weg“, befand KMK-Präsident Rabe. „Wie schon 2001 belegen unsere Grundschülerinnen und Grundschüler im internationalen Vergleich in allen drei Bereichen Plätze im oberen Drittel. Damit konnte trotz schwieriger soziodemografischer Entwicklung der Schülerschaft das sehr gute Niveau von 2001 gesichert und in einigen Bereichen sogar leicht verbessert werden.“ Vielfältige Anstrengungen in der Schulpolitik wie der erhebliche Ausbau der Sprachförderung, die vielfältigen Anstrengungen für zusätzliche Förderangebote sowie die Steigerung der Ganztagsangebote hätten zu dem guten Ergebnis beigetragen. Rabe: „Diese Anstrengungen müssen wir fortsetzen, insbesondere um Schülerinnen und Schüler aus bildungsfernen Elternhäusern besser zu fördern.“

„Besonders freut mich, dass Kinder mit Migrationshintergrund in allen Bereichen deutlich besser abgeschnitten haben“, sagte Cornelia Quennet-Thielen, Staatssekretärin im Bundesbildungsministerium. „Gleichwohl zeigt auch diese Studie: Wir müssen noch besser werden. Rund 20 Prozent an Schülerinnen und Schülern, die den Mindestanforderungen nicht gewachsen sind, sind zu viele.“ Mehr Bildungsgerechtigkeit brauche insbesondere frühe und individuelle Förderung.

IGLU und TIMSS sind Bestandteile der Gemeinschaftsaufgabe „Feststellung der Leistungsfähigkeit des Bildungswesens im internationalen Vergleich“ von Bund und Ländern und werden je zur Hälfte vom BMBF und der Kultusministerkonferenz finanziert. In Deutschland wurden die beiden Studien von einem interdisziplinären Wissenschaftlerteam unter Leitung von Professor Dr. Wilfried Bos, Institut für Schulentwicklungsforschung (IFS) an der Technischen Universität Dortmund, durchgeführt. An IGLU 2011 haben weltweit 45 Staaten teilgenommen. Hinzu kommen neun Regionen, die für Bildungsfragen weitestgehend selbst verantwortlich sind. An TIMSS 2011 haben weltweit 50 Staaten sowie 7 Regionen teilgenommen. In Deutschland wurden für die internationalen Vergleiche jeweils rund 4.000 Schülerinnen und Schüler aus 197 Schulen berücksichtigt.

Deutschland nimmt seit 2001 an IGLU, Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung (englisch PIRLS, Progress in International Reading Literacy Study), mit dem Ziel teil, das Leseverständnis der Schülerinnen und Schüler, ihre Einstellung zum Lesen und ihre Lesegewohnheiten am Ende der Grundschulzeit zu erfassen. IGLU wird im Abstand von fünf Jahren durchgeführt. Die nächste Erhebung findet im Jahre 2016 statt. Deutschland beteiligt sich seit 2007 an der internationalen Schulleistungsstudie TIMSS, „Trends in International Mathematics and Science Study“, um die mathematischen und naturwissenschaftlichen Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern am Ende der Grundschulzeit zu erfassen. TIMSS wird alle vier Jahre durchgeführt. Die nächste Erhebung findet im Jahre 2015 statt. News4teachers
(11.12.2012)

Eine Zusammenfassung der wesentlichen Aussagen der Studien ist im Internet auf der Homepage des Instituts für Schulentwicklungsforschung (IFS) an der Technischen Universität Dortmund abrufbar.

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