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Kontroverse um den beruflichen Wert des Bachelor-Abschlusses

STUTTGART. Eine Entwertung des Bachelors durch die Personalpolitik vieler Unternehmen befürchtet der Grünen-Wissenschaftsexperte Kai Schmidt Eisenlohr. Bachelorabsolventen seien sehr willkommen, kontert die Wirtschaft.

Die Grünen im Landtag appellieren an die Wirtschaft, den Bachelor-Titel nicht zu entwerten. «Personalmanager fordern von Bewerbern immer häufiger den Master-Titel, obwohl sie sie hinterher oft nicht in anderen Positionen und zu höheren Gehältern als die Bachelor-Absolventen einsetzen», sagte der Abgeordnete und Wissenschaftsexperte Kai Schmidt-Eisenlohr.

Kai Schmidt-Eisenlohr

Die Erwartungshaltung der Arbeitgeber müsse sich ändern, meint der Wissenschaftsexperte der Grünen Kai Schmitd-Eisenlohr. (Foto: www.kai-schmidt-eisenlohr.de)

Die Wirtschaft spielte den Ball prompt zurück. «Für viele Funktionen im Unternehmen sind Bachelorabsolventen sehr willkommen und haben beste Aufstiegsmöglichkeiten», betonte der Geschäftsführer der Arbeitgeber Baden-Württemberg, Stefan Küpper. Vielmehr verunsichere die Politik Studierende und Firmen mit Diskussionen über die Wiedereinführung von Diplomtiteln und mit Planungen einer deutlich zu hohen Übergangsquote von 50 Prozent in das Masterstudium.

Dagegen schilderte Schmidt-Eisenlohr, dass sich Absolventen des sechssemestrigen, eigentlich schon berufsqualifizierenden Bachelor-Studiums zunehmend gezwungen sähen, noch einmal vier Semester für den Master dranzuhängen, ohne davon später Vorteile auf dem Arbeitsmarkt zu haben. Dadurch würden Lebenszeit und öffentliche Gelder verschwendet. «Das führt bei den jungen Menschen zu Enttäuschung und Frust», sagte der Wirtschaftswissenschaftler. «Auch der öffentliche Dienst ist in diesem Zusammenhang gefordert, den Bachelor endlich anzuerkennen.»

Der Abgeordnete aus dem Wahlkreis Wiesloch (Rhein-Neckar-Kreis) betonte: «Die Erwartungshaltung auf der Abnehmerseite muss sich ändern – nicht der Titel, sondern die erworbenen Kompetenzen und Qualifikationen sollten zählen.» Der Master-Titel diene vorwiegend dem Einstieg in eine akademische Karriere sowie als Voraussetzung für eine Promotion und sei für viele Berufsbilder gar nicht notwendig.

Küpper hielt dagegen und versicherte, die Wirtschaft unterstütze die zweistufige Studienstruktur. Aber es sei eine zunehmende Tendenz der jungen Menschen zu beobachten, sich nach dem Bachelor gleich für das Masterstudium einzuschreiben. Dies entspreche aber nicht dem Bedarf der Wirtschaft. Diese wünsche sich allerdings in einigen universitären Bachelor-Studiengängen längere Regelstudienzeiten.

Im Südwesten entscheidet sich nach Angaben des Grünen-Abgeordneten rund die Hälfte der Bachelor-Absolventen für ein Masterstudium, wobei die Studiengänge sehr unterschiedliche Übergangsquoten aufweisen. So setzen fast alle Medizin-Studenten sowie die Absolventen weiterer naturwissenschaftlicher Studiengänge ihr Studium nach dem Bachelor-Abschluss fort. Bei technischen Fächern oder Sozialpädagogik liege das Interesse dagegen bei unter 50 Prozent. (dpa)

(29.06.2013)

zum Bericht: Der Wirtschaft gehen die Lehrstellenbewerber aus

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