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Zu viele Rechtschreibfehler: Philologen fordern anderen Deutschunterricht

MÜNCHEN. Die Kenntnisse deutscher Viertklässler in Sachen Rechtschreibung sind in den vergangenen vier Jahrzehnten deutlich schlechter geworden. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie. Der bayerische Philologenverband ist alarmiert – und fordert einen anderen Deutschunterricht in der Grundschule.

Die Rechtschreibung hat in den Schulen offenbar an Stellenwert verloren. Foto: Claudia-Hautumm / pixelio.de

Die Rechtschreibung hat in den Schulen offenbar an Stellenwert verloren. Foto: Claudia-Hautumm / pixelio.de

In einer bundesweit einzigartigen Längsschnittstudie haben der Siegener Germanistikprofessor Wolfgang Steinig und seine Mitarbeiter über einen Zeitraum von 40 Jahren untersucht, wie sich die Schreibfähigkeiten von Viertklässlern in Deutschland verändert haben. Neben der Orthografie haben die Bildungsforscher auch Textgestaltung, Grammatik und Wortschatz getestet. Erstes Ergebnis: Die Fähigkeit der Schüler, Texte orthografisch korrekt und grammatikalisch normgerecht zu schreiben, hat im Durchschnitt stark abgenommen.

Die ersten Daten der Untersuchung stammen von 1972. Damals habe Steinig vier Grundschulen in Dortmund und Recklinghausen besucht und Schülern der vierten Klassen einen zweiminütigen Amateurspielfilm gezeigt, berichtet die „Zeit“: Kinder streiten um eine Puppe, schließlich greift eine Frau ein. Im Anschluss sollten die Schüler aufschreiben, was sie gesehen hatten. In den Jahren 2002 und 2012 wiederholte Steinig das Experiment. Insgesamt hätten die Sprachwissenschaftler knapp 1000 Texte von Kindern ausgewertet.

Von sieben Fehlern auf 17

„Besonders deutlich fallen die Befunde zur Rechtschreibung aus: Die Zahl der Fehler pro hundert Wörter stieg von durchschnittlich sieben im Jahr 1972 auf zwölf im Jahr 2002 an und dann noch einmal auf 17 Fehler im Jahr 2012“, heißt es. Vor allem mit der Kennzeichnung von langen und kurzen Vokalen und mit den Regeln für die Groß- und Klein- sowie die Getrennt- und Zusammenschreibung hätten viele Kinder heute mehr Probleme als früher.

Allerdings gebe es in den vergangenen 40 Jahren auch positive Entwicklungen: So seien die Texte von 2002 nicht nur länger als die von 1972, sie zeigten auch einen beträchtlich vergrößerten Wortschatz, seien lebendiger geschrieben und spannender zu lesen. „Darin zeigen sich die Folgen eines Schulunterrichts, der von den siebziger Jahren an zwar immer weniger Wert auf ‚harte‘ Kompetenzen wie Rechtschreibung, Grammatik und Interpunktion legte, dafür aber die Kreativität der Schüler, ihre Freude am freien Schreiben und ihre Ausdrucksfähigkeit förderte“, heißt es.

Den Philologenverband beruhigt das nicht. Denn: „Wenn man die Gründe für diese Veränderungen betrachtet, kann auch dies kein Grund zur Freude sein.“ Steinig erkenne nämlich vorrangig soziale Faktoren als Ursache: Die Zunahme des Wortschatzes finde sich fast ausschließlich bei Mittelschichtkindern, die schlechtere Rechtschreibung betrifft in erster Linie Kinder aus sozial schwächeren Familien. Hierzu sagt der Vorsitzende der bayerischen Philologen,  Max Schmidt: „Unterricht, der das freie Schreiben statt das Einüben sprachlicher Normen bevorzugt, benachteiligt gerade die Schwachen. Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern brauchen Förderung, sie dürfen nicht zurückgelassen werden!“

Die daraus abzuleitende Forderung ist für Schmidt klar: „Die Grundschule muss hier auffangen, was zu Hause nicht geleistet werden kann. Nur so können sämtliche Bildungspotentiale ausgeschöpft werden. Dazu ist wieder mehr Deutschunterricht – beispielsweise statt des Englischunterrichts – an der Grundschule erforderlich! Und es ist dringend notwendig, das freie Schreiben mit einem stringenten Rechtschreibunterricht zu begleiten, der den Kindern Rechtschreibstrategien und Regeln an die Hand gibt!“ News4teachers

Zum Bericht: Lehrer-Sprecher Kraus fordert: Weg mit Englisch in der Grundschule

86 Kommentare

  1. Rechtschreiben ist es, wenn du der Lehrerin recht schreibst.
    In unseren Unterrichtsvollzugsanstalten wird ständig mehr Druck gtemacht.
    Von Druck werden nicht nur Talente nicht satt sondern matt und platt.
    Druck drückt alles und alle nach unten.
    In der neuen Ich-kann-Schule gilt das SOG-Prinzip.
    Sog richtet auf und ZIEHT NACH VORN.
    Auch Talente wie das, recht zu schreiben.
    Ich grüße freundlich.
    Franz Josef Neffe

    • Die Rechtschreibung ist keine Erfindung der Lehrerinnen. Übrigens, Sog kann auch nach unten ziehen, Druck nach oben drücken 🙂

      • mehrnachdenken

        @Grias Di
        Herr Neffe hinterlässt in diversen Foren immer einmal wieder seine gebetsmühlenartig vorgetragenen „Erkenntnisse“ aus der so genannten „Ich-kann-Schule“, die aber in Wirklichkeit überhaupt nicht exisitiert. Diskussionen zu seinen Thesen stellt er sich leider oft nicht, bzw. er beantwortet i.d.R. auch keine Nachfragen, so nach dem Motto: „Was ich Ihnen schon ‚mal sagen wollte, und dann bin ich aber auch ganz schnell wieder weg!“ Hinzu kommt, dass es zumindest mir nicht immer leicht fällt, seine „geistigen Ergüsse“ zu verstehen.

  2. Ich habe in der 5. und 6. Klasse einfach viel zu wenig Zeit, um Rechtschreibung zu üben – neben all dem anderen, was ich den Kindern in diesen Schuljahren beibringen soll. Im ganzen Schuljahr habe ich (am Ende einer Übungseinheit) gerade mal 4-5 Diktate geschafft. Das ist einfach viel zu wenig! Aber Rechtschreibüben braucht auch Zeit und die habe ich nicht.

    • Ich verstehe Ihre Probleme.
      Ich mache es immer so, dass ich das, was ich für weniger wichtig halte, relativ kurz und oberflächlich mit den Schülern behandle, um mehr Zeit zu haben für die Kulturtechniken. Meiner Meinung nach sind sie tatsächlich das, was die Kinder für ihr späteres Leben am dringendsten brauchen, sei es beruflich oder auch privat.
      Glücklicher Weise werden wir im Klassenzimmer ja noch nicht videoüberwacht, so dass mir keiner eine zu kurze oder „schlampige“ Arbeit an den Themen nachweisen kann, die ich für verzichtbar halte. Hauptsache, sie stehen als „durchgenommen“ im Protokoll.

  3. Grundschullehrerin

    Wenn Kinder dank der Methode „Lesen durch Schreiben“ im 1. und 2. Schuljahr schreiben können wie sie wollen, nicht auf richtige Rechtschreibung geachtet wird, alles Geschriebene „richtig“ ist, ist es kein Wunder, wenn danach massive Rechtschreibprobleme bei vielen Kindern auftreten. Erst ab dem 3. Schuljahr wird ernsthaft an der Rechtschreibung gearbeitet. Plötzlich ist das, was 2 Jahre lang richtig war, falsch geschrieben.
    Schlimm, wenn Eltern keine Wahl haben, nach welcher Methode ihre Kinder unterrichtet werden, weil das Schuleinzugsgebiet vorgeschrieben ist. Kinder, die innerhalb dieser 2 Jahre z.B. umzugsbedingt die Schule wechseln müssen und dann mit einer anderen Lehrmethode konfrontiert werden, haben es sehr schwer.

    • mehrnachdenken

      @Grundschullehrerin
      Diesen Artikel hat @klexel auch in das Form 4teachers gesetzt. Aufschlussreich, wie dort auf die Studie reagiert wird. Ein Beispiel soll das verdeutlichen:

      „nix noies im westen bzw. hätten die herren philologen sich
      auch mit der titelzeile freuen können, dass texte inhaltlich ausdrucksvoller geworden sind in den vergangenen jahren und nebenbei erwähnen können, dass grammatik mehr gewicht im unterricht erhalten muss, aber nein, es wird sich in bewährter manier über mangelnde rechtschreibkenntnisse ereifert…laaaaaangweieieilich bzw ihre forderungen entlocken mir einen unverzagten gähngruß sonst nix.“

      Damit kein falscher Eindruck entsteht: Dieser Beitrag wurde von einer Lehrkraft ins Forum gesetzt.

      Die o.g. Methode geht auf den schweizer Reformpädagogen Jürgen Reichen aus den 70er Jahren zurück. Auch wenn es durchaus Kinder gibt, die damit erstaunlich gut klarkommen, hat sie sich doch über die vielen Jahre für die meisten Kinder als vollkommen untauglich erwiesen, und ich sehe durchaus zwischen dieser Methode und den schwachen Rechtschreibleistungen von GS-SchülerInnen einen gewissen Zusammenhang. Ich kann einfach nicht verstehen, dass viele Pädagoginnen/Pädagogen immer noch nach dieser Methode unterrichten.
      Auch ohne Studium würde mir doch mein gesunder Menschenverstand sagen, dass diese Methode in die Irre führen muss. Nicht sofort korrigierte Fehlerwörter werden automatisiert, und es ist unglaublich mühselig – manchmal auch hoffnungslos – diese Fehlermuster später wieder zu löschen.
      Eltern mischen sich heutzutage teilweise mit unerträglicher Penetranz in schulische Angelegenheiten ein. In Bezug auf die unsägliche Methode „Lesen durch Schreiben“ würde ich es sehr begrüßen, wenn sie ihren großen Einfluss geltend machten und richtig Druck auf die Lehrkräfte und Schulen ausübten. Aber da scheint sich recht wenig zu bewegen.

      • Wer sich so äußert wie zitiert, hat keine Ahnung von Grundschulpädagogik und vom Wert guter Rechtschreibung. Nur das angeblich Interessante zählt, gute Technik stört da nur.
        Solche Leute nehme ich inzwischen nicht mehr ernst. Sie plappern gern nach, was angeblich modern ist, um als aufgeschlossen und fortschrittlich zu gelten.

      • @mehrnachdenken:
        vielen dank, dass ich hier von ihnen zitiert werde!
        aufschlussreicher erscheint mir vielmehr, dass von ihnen etwas bewertet wird ohne sich auch nur im ansatz, auf entsprechend nachweisbare studien oder evaluationen zu stützen, die mit der einen oder anderen methode den erfolgreichen oder weniger effektiven lernerfolg nachweisen. stattdessen – mit verlaub- etwas platte behauptungen, die ich aus meiner langjährigen erfahrung als deutschlehrerin so gar nicht bestätigen kann.
        es geht im fach deutsch um etwas mehr, als gemäß einer aktuell erklärten rechtschreibnorm schreiben zu können. man kann sich natürlich ganz prima daran festhalten, da es so schön einfach ist, entscheiden zu dürfen, was als falsch und richtig zu gelten hat und das gibt natürlich die gewünschte sicherheit im täglichen beurteilungsverfahren.
        vielleicht auch mal darüber nachdenken, dass reichen mit seiner methode- fern jeder schlichten zensur – kindern eine schreibmotivation ermöglicht, die ihres gleichen noch suchen muss. aus meiner erfahrung kann ich die befürchtung nicht bestätigen, dass dadurch fehler automatisiert werden, wäre schön, wenn kinder so schnell und einfach sich an alles erinnern würden, ist aber nicht so. ab klasse 2 und 3 ist auch nicht plötzlich falsch, was vorher richtig war, sondern die herangehensweise ist eine andere. vorher wurde lautgetreu geschrieben, um erstmal überhaupt das hörverstehen zu fordern. dass es dazu regelvereinbarungen gibt, bedeutet nicht, dass es dann falsch war, wie die kinder ein wort gehört haben.
        unsäglich empfinde ich den korrekturwahn, den ich bei zuvielen kollegInnen beobachten muss.

        @aufmüpfer
        sie müssen mich nicht ernst nehmen, nur weil sie mich nicht verstehen.
        mit ihrem beitrag kann ich leider nichts weiter anfangen, außer dass er mich abqualifizieren soll und ansonsten von vorurteilen und anmaßungen strotzt.
        wenn sie texte von kindern für scheinbar interessant erklären wollen und außer der heiligen rechtschreibung keinen anderen weg finden, um damit umgehen zu können, dann tut es mir einfach nur leid! ich empfehle diesbezüglich fachliteratur von prof. mechthild dehn, einer deutschdidaktikerin, von der ich seinerzeit viel gelernt habe zu dieser thematik.

        • mehrnachdenken

          @ d. bendixen
          Der „Buschtrommelfunk“ scheint bei 4teachers ja noch gut zu klappen, lach.
          Sie brauchen sich doch nicht für Ihren zitierten Beitrag aus dem Forum 4teachers bei mir zu bedanken. Vor dem Hintergrund Ihrer abqualifizierenden Worte zu der langjährigen Studie sollte Ihr Kommentar unbedingt einer größeren Leserschaft zur Kenntnis gebracht werden. Dabei ist ja dann auch noch sehr interessant, dass Sie meinen, sich persönlich über die geltenden Regeln der deutschen Rechtschreibung hinwegsetzen zu dürfen. Wie Sie es privat mit der Rechtschreibung halten, geht mich nichts an. Hier handelt es sich jedoch um ein öffentliches Forum, das zu einem hohen Prozentsatz auch von Lehrkräften gelesen wird. Wenn Sie meinen, mir Ihre Interpretation der Rechtschreibung zumuten zu können, dann nehme ich mir das Recht heraus, das ganz scharf zu kritisieren. Ich möchte ergänzen, dass sich andere User bei 4teachers über das Anliegen des Philologenverbandes noch weitaus despektierlicher geäußert haben. Zielführend ist diese abwertende Form der Auseinandersetzung mit einem sehr ernsten Thema nun überhaupt nicht.
          Es gibt seit langer Zeit eine sehr intensive und kontrovers geführte Diskussion über den Sinn oder Unsinn besagter Methode. Das wird für Sie aber bestimmt keine neue Info sein. Lesen Sie z.B. bitte folgenden Link:

          http://www.t-online.de/eltern/schulkind/id_61798378/lesen-durch-schreiben-methode-vorteile-kritik.html

        • Vielleicht verstehe ich Sie ja durchaus, teile allerdings nicht Ihre Meinung. „Lesen durch Schreiben“ mag einigen Kindern zu Anfang Spaß machen, doch wenn das mit einem Rattenschwanz verbunden ist, der vielleicht das ganze Leben anhält, finde ich die Sache unverantwortlich.
          Ältere Kollegen kennen noch die Ganzsatzmethode als entdeckendes Lesen. Sie wurde an den Hochschulen und auf Lehrgängen ähnlich enthusiastisch gefeiert wie gegenwärtig das Lesen durch Schreiben. Die Folge war eine sprunghafte Zunahme der Legasthenie. Erst als nicht mehr zu übersehen war, dass etliche Schülerjahrgänge im Lesenlernen enorme Defizite aufwiesen, wurde von der „kindgerechten“ – „hochmotivierenden“ – „kreativen“ Methode Abstand genommen. Leider zu spät für viele geschädigte Schülerjahrgänge.
          Meine Empfehlung als Lesestoff:

          http://www.welt.de/politik/deutschland/article13649071/Wenn-in-der-Schule-Falsches-richtig-ist.html

          http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/guenter-jansen-ueber-die-schlechte-rechtschreibung-viele-kinder-a-906458.html

          http://www.grundschulservice.de/Elternbrief%20Nr.%2013.htm

          http://www.lehrerforen.de/board924-eltern-fragen-lehrer/board20-eltern-und-schueler-fragen-lehrer/4043-kritik-an-der-methode-lesen-durch-schreiben/

          • mehrnachdenken

            @Aufmüpfer
            Vor allem beim Lesen des dritten Links (Grundschulservice.de – Elternbrief) fällt es einem wie Schuppen von den Augen. Es kann nicht wahr sein, wie diese selbst ernannten Experten die GS über zwei Jahrzehnte kaputt „reformiert“ haben!
            Hochinteressant, wie dieses Netzwerk aufgebaut wurde und wer da so die tragenden Säulen sind.
            Schlimm nur, dass diese Leute auch weiterhin ihre falschen Botschaften hinausposaunen dürfen!

        • In meinen Augen dient Sprache der Kommunikation. Wenn eine Kommunikation durch falsche Rechtschreibung so gestört wird, dass sie zu einer Einbahnstraße verkommt, dann hört bei mir die Freizügigkeit beim Thema Rechtschreibung auf. Ihren Text zu verstehen ist einfach, da sich die (bewusste) Ignoranz von Regeln zur Großschreibung, nicht auf die richtige Schreibung der Wörter auswirkt. Sie haben offensichtlich richtiges Schreiben gelernt und können bewusst entscheiden, an welcher Stelle sie die Rechtschreibregeln ignorieren oder gängigen Internetregeln unterordnen. Die Schüler können dies jedoch nicht, da sie von vorn herein die Regeln nicht beherrschen. Am schlimmsten empfinde ich die absurden Trennungen von Wörtern, die dann noch dank völlig falscher Buchstabenzusammensetzung zu einem Rätselspiel mutieren. Eins meiner Highlight war: Vodo foltaik. Sprache und Rechtschreibung verändern sich, aber es sollte innerhalb von zwei bis drei Generationen noch möglich sein, sich schriftlich zu verständigen.

  4. was geht denn hier ab?

    Wie glücklich viele Menschen wären, wenn sie sich genausowenig um die Angelegenheiten anderer kümmern würden wie um die eigenen.
    (Georg Christoph Lichtenberg)

    Es scheint so, dass jedem (auch d. bendixen) vorweg gesagt werden sollte, sich hier nicht (!) an einer inhaltlichen (!) Diskussion zu beteiligen. Die bestimmenden „Wortführer“ schauen auf Ausdrucks- und Formatmängel, legen eher Wert auf formale Umgangsformen – sie werden jedenfalls permanent moniert und in die Diskussion mit eingebracht – und bitte „eine gepflegte Wortwahl“ beachten.
    Wenn alles nicht so richtig passt – dann gibt es „Sperrfeuer“ aus mindestens 2 Positionen (mir fehlen die Worte und ein Symbol „kopschütteln“ z.B., um mich weiterhin abzuregen).

    • Sie stellen fest: „Die bestimmenden “Wortführer” schauen auf Ausdrucks- und Formatmängel, legen eher Wert auf formale Umgangsformen.“
      Ich stelle fest, dass Sie begründete Aussagen der angeblichen Wortführer weitgehend unter den Tisch fallen lassen und auf das reduzieren, was Sie beanstanden möchten. Ist das nicht auch Sperrfeuer, allerdings im Kleid von Objektivität?
      Mir ist offene Meinungsgegnerschaft lieber als eine im Trikot des Schiedsrichters.

  5. mehrnachdenken

    @konfuzius
    Offensichtlich haben Sie übersehen, dass mein Beitrag eine Fortführung und Ergänzung der Kommentierung von @Grundschullehrerin ist. Sie hat sich zuerst zu der Methode „Lesen durch Schreiben“ geäußert. Wen meinen Sie also, wenn Sie von „bestimmenden Wortführern“ sprechen?
    Meine Äußerungen zu der genannten Methode und die Linkhinweise bewegen sich ausschließlich auf der inhaltlichen Ebene. Ich vermisse beim Kommentar von @bendixen Sachlichkeit. Auch das ist eine inhaltliche Kritik. Schließlich empfinde ich ihre eigenwillige Schreibweise als Zumutung. Deshalb nehme ich mir das Recht heraus, das zu monieren. Alles klein zu schreiben hat nichts mit Form, sondern mit Inhalt zu tun. Was bleibt also von Ihren Vorwürfen übrig? Nichts!

    • @mehrnachdenken

      sie mokieren sich über meine schreibweise und emfinden diese als zumutung?
      das ist bedauerlich, da ich annehmen muss, dass sie dann ähnliche schwierigkeiten und probleme mit der englischen sprache haben – schade auch, dass sie die inhalt und form nicht weiter differenzieren mögen.
      aber das sind ihre entscheidungen, die ich akzeptiere.

      wenn sie sachlichkeit vermissen und meine argumente als vorwürfe empfinden, dann kann ich nur zu einem erneuten lesen meiner beiträge auffordern, wiederholen werde ich mich hier deswegen nicht.

      dank für den link, den ich beizeiten lesen werde.

      • zitat von bakunix aus besagtem 4teacher-forum, welches ich gern unterstreichen möchte:

        „Eine Anmaßung ist es, dass die Herren Philologen sich eine andere Schulart krallen, um dann mit dem Rohrstock zu drohen. Grundschulen werden nur als die Zulieferanstalten für die einzig wahre Schulart betrachtet, nämlich die ihrige. Man stelle sich nur mal kurz vor, ein GS-Lehrer-Verband würde eine Untersuchung der gymnasialen Leistungen vornehmen. Man kann sich nur annähernd die Empörung ausmalen, die die Herren Philologen über die angeblich stümperhaften wissenschaftlichen Versuche eines GS-Lehrer-Verbandes ausgießen würden, falls die Testung ein eher negatives Ergebnis zu Tage fördern würde. Ich muss diesen Herren ganz unphilologisch zurufen: Haltet endlich die Klappe. Betreibt ihr erstmal einige Jahre Inklusionsarbeit und packt mal euer pädagogisch-philologisches Leitmotiv (Such dir ’ne passende Schule!) in den Tornister, um es nie mehr vorzukramen.“

      • mehrnachdenken

        @ d. bendixen
        Sie verweisen auf die englische Sprache und rechtfertigen oder begründen damit wohl Ihre Entscheidung für die Kleinschreibung. Wir befinden uns aber nicht in einem englisch-sprachigen Forum, sondern in einem deutschen. Deshalb überzeugt mich das Argument nicht.
        Mit Ihrer Schreibweise – dann noch als Lehrkraft – fallen Sie auf, ja, in gewisser Weise provozieren Sie auch. In diesem Zusammenhang interessiert mich, ob Sie sich auch jenseits der Rechtschreibung über allgemeingültige gesellschaftliche Regeln hinwegsetzen? Bestimmt gehen auch Sie nicht mit einem Bikini in die Kirche oder auf eine Beerdigung. In bestimmten Berufsfeldern gibt es eine bestimmte Kleiderordnung. Wenn Sie sich da nicht anpassen, bekommen Sie Ärger. Bewerbungsmappen müssen vorgegebene Kriterien erfüllen. Schon gar nicht geht es, im Anschreiben alles klein zu schreiben. Ich vermute ‚mal, dass so eine Bewerbung ganz schnell aussortiert wird. Mit den Beispielen möchte ich verdeutlichen, dass wir uns auch im Jahr 2013 immer noch – ob wir das wollen oder nicht – bestimmten gesellschaftlichen Normen anpassen (müssen). Das trifft nach meinem Verständnis auch auf die Rechtschreibung zu. Übrigens kann ich durchgehend klein geschriebene Texte auch ganz schlecht lesen.
        Für sich haben Sie entschieden, alles klein zu schreiben. In der Schule – dann noch als Deutschlehrkraft – müssen Sie sich aber an die gesetzlichen Vorgaben halten. Wie kommen Sie damit klar? Ich stelle es mir nicht ganz leicht vor, die beiden Bereiche jederzeit und konsequent voneinander zu trennen. Vielleicht entgeht das auch Ihren SchülerInnen nicht und sie spüren zumindest, dass Sie die gültige Rechtschreibung im Innersten ablehnen.
        Auch ich lese mit Freude, was @kajakwolfi bei 4teachers geschrieben hat. Nach Ihren Worten spricht er Ihnen aus der Seele, obwohl Sie in Ihrer ersten Kommentierung von „ausdrucksvolleren Texten“ der heutigen Schülergenerationen schreiben. „Ausdrucksvollere Texte“, ja, möchte ich hinzufügen, das war einmal!
        Schön, dass bei 4teachers die Studie der Germanistikprofessoren inzwischen etwas differenzierter kommentiert wird.

        • Und schon haben wir wieder Endloskommentare, die mit dem Eingangsbeitrag nichts ,aber wirklich nichts zu tun haben.
          Kritik an der Form eines Kommentars wird keinen Schreiber dazu bringen, diese Form zu ändern, egal ob es gefällt oder nicht.
          Daraus auf die Art und Qualität des Deutschunterrichts zu schließen ist dermaßen kleinkariert und engstirnig und bringt niemanden weiter.
          In der Sache hat dieser Kommentar keinerlei neue Erkenntnisse gebracht, obwohl genau das wirklich von Interesse wäre.
          Aber wer nichts zu sagen hat, hängt sich eben an solchen Äußerlichkeiten auf.

        • @mehrnachdenken

          nö, ich begründe weder meine schreibweisenwahl noch möchte ich sie mit irgendwas überzeugen – warum sollte ich das tun wollen?

          keine ahnung, wo sie leben, aber ich befinde mich durchaus in einem international sprachigem forum, verstehen sie echt kein englisch?

          und ja, ich setze mich liebend gern über allgemeingültige normen und regeln hinweg, wenn ich sie als unsinnig erachte.
          ihr bikini-kirchen vergleich zeugt von etwas phantasie, aber doch weit hergeholt zum eigentlichen thema, meinen sie nicht? kleiderordnungen mögen hilfreich sein für sie und ihre wertvorstellungen, aber bitte verschonen sie mich zukünftig damit. wenn sie für sich entschieden haben, sich lieber anzupassen, um ärger aus dem weg zu gehen, dann muss das nicht für alle gelten, gelle?

          fast schon rührend auch ihr exkurs über bewerbungsmappen…dann eine etwas hilflose brücke zurück zur rechtschreibnorm, naja.
          wenn sie meine texte schlecht lesen können, ist das bedauerlich, aber vielleicht trainiert das auch die geistige schärfe des differenzierten blickes, den sie angeblich so schätzen?

          dank auch für ihre sorge hinsichtlich meines klarkommens als deutschfachkraft, ich hab bisher keine nennenswerten probleme gehabt, mich privat freier auszudrücken als im dienst bzw. ich kann mich gut als mensch von meiner aufgabe als lehrkraft unterscheiden und das erwartet nicht nur mein dienstherr von mir.

          bitte keine unterstellungen, ich würde die gültige rechtschreibung ablehne,nur weil ich in meinem umgang mit ihr flexibler bin, das ist anmaßend und daneben geschossen.

          meine schülerInnen sind durchaus in der lage, ausdrucksvolle texte zu entwickeln, schade, dass sie offenbar das nicht erleben dürfen!

          • mehrnachdenken

            @d. bendixen
            Ich möchte noch auf einen sehr lesenswerten Link von @Aufmüpfer hinweisen, der wohl ein wenig untergegangen ist:

            http://www.grundschulservice.de/Elternbrief%20Nr.%2013.htm

            Nehmen Sie sich dafür ein wenig Zeit. Die dort aufgezeigten Zusammenhänge haben mich einigermaßen sprachlos gemacht.
            Jetzt weiß ich auch, warum es an den deutschen Grundschulen in den letzten 20 Jahren nur bergab gehen konnte.

        • @mehrnachdenken

          danke für den letzten, sehr umfangreichen link, den ich mit sicherheit in ruhe lesen werde.

          ich vermute, dass sie nicht an einer grundschule arbeiten, andernfalls kann ich mir diese pessimistische sichtweise, es sei an den grundschulen in den letzten 20 jahren nur bergab gegangen nicht herleiten.

          so eine missbilligende aussage ist eine schallende ohrfeige für all die sehr engagierten, hoch motivierten und professionell erfolgreich arbeitenden kollegInnen dort und ich empfinde sowas als haltlos hingerotzte frechheit, die ich auf so einem niveau nur von peinlichen eltern erlebt habe.

          etwas mehr respekt wäre der sache förderlich.

          • mehrnachdenken

            @d. bendixen
            Tja, so ist es halt um die Erfahrungen einer Lehrkraft bestellt, die ab der 5. Klasse alles wieder mühsam gerade rücken muss, was in den GS-Jahren offensichtlich leider ziemlich oft daneben läuft!!
            Ihr Ton wird immer pöbelhafter und beleidigender. Deshalb beende ich mit diesem Beitrag den gedanklichen Austausch mit Ihnen.

          • @mehrnachdenken

            wenn sie meinen dank, eine vermutung und den wunsch nach mehr respekt hinsichtlich der arbeit ihrer grundschulkolleginnen als pöbelhaft empfinden, dann sagt das mehr über sie als über mich.

            es war nie meine absicht, sie zu beleidigen – im gegenteil – ich habe ihre generelle abqualifizierung unserer arbeit als eine solche wahrgenommen und mir das verbeten!

            nun ja, jedeR so, wie er oder sie kann…

  6. @mehrnachdenken

    der von ihnen angezeigte link moniert primär einen nachteil der methode von reichen bei migrantenkindern.
    der weg „lesen durch schreiben“ muss doch nicht für alle der einzige und richtige sein!

    im anbetracht der inklusion, die ohne individualisierten unterricht gar nicht denkbar ist, sind wir doch eh alle gezwungen, diverse möglichkeiten des schriftspracherwerbs anzubieten! deswegen einen erfolgreichen zugang generell zu verteufeln und z.b. höchst einseitigen fibelunterricht zu glorifizieren, kann der sache nicht förderlich sein.

  7. zitat von kajakwolfi , der mir aus der seele schreibt:

    „Wenn es also nur die Rechtschreibung ist, die lausig ist, dann iss ja gutt!

    Der verbale Ausdruck und die Grammatik und -last not least der Inhalt- sind also super und in Mathe bestimmt auch die Rechenfähigkeit, und die „digitale Demenz“ ist nur ne Fata Morgana von Prof. Spitzer… wenn dann noch das Verhalten erstklassig ist und die als Betriebssystem im Hintergrund tätigen Familien kooperativ und vorbildlich sind, dann, ja dann wollen wir das Bisschen schlechte Rechtschreibung noch gerne in Kauf nehmen.
    Die RS überlassen wir dann gerne der Microsoft-Rechtschreibprüfung.“

  8. Ursula Prasuhn

    Mir missfällt, dass die Rechtschreibung so verächtlich gemacht wird, nur um eine Methode, die sich nachteilig auf die Orthographie der Schüler auswirkt, mit schwer nachprüfbaren anderen Werten zu begründen. So entsteht der Eindruck, als sei die Vernachlässigung der Rechtschreibung Voraussetzung für die Entfaltung wichtigerer Fähigkeiten und als sei schlechte Rechtschreibung fast schon Ausdruck besonderer Leistungsfähigkeit auf anderen Gebieten.
    Diese „Wertschöpfung“ auf Kosten der Rechtschreibung erscheint mir künstlich und gefährlich. Ich will auch begründen, warum.
    Den Kindern die reine Lesetechnik beizubringen, also das Zusammenziehen der Laute, ist für Lehrer und Eltern in der Regel eine simple Sache, die im Klassenverband maximal 1 Jahr dauert, im Elternhaus wegen der erhöhten Zuwendung sogar nur wenige Wochen oder Monate.
    Flüssiges und vor allem sinnentnehmendes Lesen braucht aber ein Vielfaches an Zeit, weil es mit dem Zusammenlesen der Laute bei weitem nicht getan ist. Kinder, die auf dieser Stufe verharren, beherrschen zwar die sture Anfangstechnik, kriegen aber wegen des immer neuen Entzifferns derselben Wörter kaum mehr den Inhalt längerer Sätze, geschweige denn Texte mit.
    Das eigentliche Lesen (flüssig mit Sinnentnahme) ist auf die Speicherung bekannter Wortbilder im Gedächtnis angewiesen, so dass häufig vorkommende Wörter nicht mehr erlesen, sondern auf Anhieb wiedererkannt werden. Wer diese Stufe nicht oder nur in Ansätzen erreicht, weil die Wortbilder nicht gleich bleiben, wird das Lesen nie wirklich beherrschen und um Texte einen Bogen machen.
    Beim „Lesen durch Schreiben“ werden feststehende Wortbilder für unwichtig, ja sogar hinderlich erklärt. Sie fehlen den Schülern aber schon nach kurzer Zeit zur Steigerung ihrer Lesefähigkeit. Jedes Kind kreiert beim „Lesen durch Schreiben“ seine eigene Schreibweise, die sich sogar von Mal zu Mal ändern kann, so dass auch Selbstgeschriebenes schon nach kurzer Zeit zur Herausforderung wird.
    Die Kinder bleiben unnötig lange gefangen in einer Anfangstechnik, die nicht nur verschenkte Zeit bedeutet, sondern Verfestigung von Defiziten sowohl in der Orthographie als auch im Lesen. Wie gesagt: Ohne feste Wortbilder bleibt Lesen in den Anfangsschuhen stecken.
    Beim Schreiben mögen Rechtschreibprogramme mangelnde Wortvorstellungen halbwegs ersetzen, doch woher kommt Hilfe beim Lesen, wenn Schüler in den ersten Schuljahren auf ein Gleis gesetzt werden, das sie u. U. nicht mehr oder zu wenig verlassen? Und das ist der Fall, wenn sie auf die „Microsoft-Rechtschreibprüfung“ angewiesen sind.
    „Lesen durch Schreiben“ ist m. E. eine irreführende These, solange sich das Schreiben nicht an gleich bleibende Wortbilder durch korrekte Rechtschreibung hält. Da das nicht der Fall ist, wird die Lesekompetenz der Kinder durch diese Methode keineswegs gefördert. Im Gegenteil, sie wird behindert.

    • mehrnachdenken

      Frau Prasuhn, wunderbar verständlich und nachvollziehbar haben Sie erklärt, warum die Methode „Lesen durch Schreiben“ viele Kinder daran hindert, fehlerfrei zu schreiben und flüssig zu lesen.
      Warum konnten selbsternannte Experten wie bspw. der schweizer Reformpädagoge J. Reichen so einen Unsinn verbreiten und viele – ja nicht dumme LehrerInnen – folgen ihm sogar bereitwillig?

      • Die Lehrer tun dies, weil sie es an der Universität so beigebracht bekommen und entsprechend nichts anderes wissen. Entsprechend ist eine Klage darüber keine Anklage der Grundschullehrkräfte – das Problem besteht auf einer höheren Ebene.

        Ich empfehle dazu sehr die Arbeiten der Grundschuldidaktikerin Christa Röber, die nicht nur das Problem beschreibt, sondern auch eine Alternative anzubieten hat, die leider bisher erst in wenigen Grundschulen durchgeführt wird – vielleicht mag der ein oder andere Grundschulkollege sich ja einmal damit auseinandersetzen – vieles ist auch online einzusehen:
        https://www.ph-freiburg.de/ew/homepages/roeber.html

    • Alles höchst interessant und völlig richtig und nachvollziehbar. Zwei Ergänzungen möchte ich anfügen, auch wenn sie etwas spät kommen…
      Rechtschreibung, und zwar, korrekte Rechtschreibung ist ein Bildungswert an sich. Lernende finden schließlich auch in allen anderen Disziplinen einen Faktenbestand vor, den es aufzunehmen und zu verstehen gilt. Hierauf richtet sich lernen, auch wenn es konstruktivistisch verstanden wird. Diesen Grundsatz sollten Kinder m.E. schon frühzeitig verinnerlichen.
      Da helfen auch keine Hinweise auf „eigene“ Regeln oder darauf, mit Regeln selbstbestimmt umgehen zu wollen und nur anzuerkennen, wenn sie „sinnvoll“ sind. Das ist gefährlicher Unfug. Die Schüler werden nun mal nach 4, 6, 8, 9/10 und 12/13 gewogen nach dem, was sie (auch) an objektiv nachvollziehbaren Kenntnissen wie die Rechtschreibung erworben haben. Um meinetwegen beim „einwenden“ zu bleiben statt beim „einwänden“ muss man ja schon ganz viel verstanden haben. Anarchie ist schön und gut. Nicht gelernt zu haben ist aber etwas ganz anderes.
      Hier scheinen viele Lehrer aus Grundschulen zu diskutieren, die vom Rechtschreiberwerb wahrscheinlich mehr verstehen als Kollegen an weiterführenden Schulen. Als ein solcher möchte ich aber doch darauf hinweisen, dass fehlerhafte Rechtschreibung, auch bei schwachen Schülern, längst nicht das entscheidende Defizit im Umgang mit Sprache ist. Insoweit haben die Reformdidaktiker Recht. Katastrophale Fehlerbilder in 5 verbessern sich im Laufe der folgenden 3 oder 4 Jahre häufig, ohne dass es einen nennenswerten R- Unterricht gäbe. Ich sage nicht, dass das zufriedenstellend ist aber: Die eigentlichen Probleme am Ende der Sekundarstufe I bis ins Abitur liegen woanders: Satzbau, Wort- und v.a. Ausdrucksschwächen, Zeichensetzung und dergleichen mehr! In textlastigen Abiturfächern wie Deutsch, Biologie, Geschichte, Sozial- oder Erziehungswissenschaften werden für diesen Bereich der „Darstellung“ bis zu 30% der Gesamtnote gegeben und zwar per Standard- Beurteilungsbogen. Was tun, wenn die Fachkompetenzen hergestellt sind, das „Wort“ aber fehlt, um sie auch angemessen darzustellen? Eine Problematik, an der sich viele Lehrer und Schüler die Zähne ausbeißen. Übrigens mache ich selbst immer wieder die Erfahrung, dass Probleme in Mathematik ganz häufig Sprachprobleme sind. Insofern plädiere ich natürlich für einen stringenteren Rechtschreibunterricht aber auch global für einen höheren Stellenwert von Lese- und Spracherziehung in allen Fächern (und natürlich zuhause!).

      • Christian Möller

        Was Sie schreiben, Jagothello, kann ich nur dick unterstreichen. Lese-, Sprach- und Rechtschreiberziehung gehören zusammen.
        Dem Rechtschreiben in den vergangenen Jahrzehnten einen immer geringeren Stellenwert zuzubilligen, war darum eine Todsünde.

  9. Im neuen Spiegel ist ein Artikel gerade zu diesem Thema. Zahlreiche Studien scheinen mittlerweile zu belegen, dass die „neue Art“ das Schreiben zu lehren völlig in die Hose gegangen ist. Gerade Kinder aus „bildungsfernen“ Schichten werden durch diese Art benachteiligt, auch das Lesen entwickelt sich dadurch wesentlich schwächer, so dass dies auch Nachteile für alle anderen Fächer mit sich bringt.

    • na, das ist doch prima, dass wir dann endlich den sündenbock für die tendenz des allgemeinen leistungsabfalls der gegenwärtigen schülerinnengeneration gefunden haben: herr reichen ist schuld daran!
      gehts es noch einfacher?
      abgesehen davon ist der spiegel-artikel durchaus lesenswert.

      • Ursula Prasuhn

        @d. bendixen
        Die Schuldfrage erübrigt sich, denn der oder die Erfinder fragwürdiger Methoden können nichts bewirken ohne Anhängerschaft in den Schulen.
        Hat diese dann Schuld? Auch hier wäre ein Ja falsch, denn ohne Erfinder keine Anhängerschaft.
        Eine generelle Schuldzuweisung ist Unsinn und wurde hier nach meinem Wissen auch von keinem vorgenommen.
        Wichtiger ist, dass sich alle Erzieher (angefangen von den Eltern bis hin zu den Lehrern) nicht jede Erziehungs- oder Lernmethode aufschwatzen lassen, die vieles verspricht und aus scheinbar berufenem Mund kommt. Wer wäre denn besser geeignet zur Prüfung schöner Theorien auf ihre Tauglichkeit als die Praktiker mit ihrem fachlichen und kinderpsychologischen Erfahrungswissen?
        Ein praxisferner Professor oder promovierter „Fachmann“ ist für mich keineswegs mehr Unterrichtsexperte als ein praxiserprobter Lehrer. Darum wünsche mir manchmal, Lehrer würden sich selbst mehr trauen bzw. zutrauen und stärker auf die eigene Sicht der Dinge setzen anstatt diese aufzugeben, wenn eine „höhere“ Autorität – meist aus dem Wissenschaftsbereich – dazu aufruft.

        • Gut und richtig gesagt, aber was tun, wenn man Ihrem Wunsch folgt und dafür nur Häme und Verachtung erntet? Dann wird man als ewig Gestriger bezeichnet, als einer, der in der Zeit stehengeblieben ist, der sich dem Fortschritt verweigert oder zu starrsinnig und bequem ist, sich auf Neues einzustellen.
          Mut und Charakterstärke sind eine gute Sache, doch wenn sie ständig bombardiert werden mit unfairen, heute aber Anerkennung verschaffenden Mitteln, dann ist irgendwann Schluss mit Mut zur eigenen Meinung. Dann haben die selbsternannten Gurus samt Anhänger endgültig das Sagen.

        • @ursula prashuhn
          dann sind wir uns ja einig, dass herr reichen zumindest allein unschuldig ist, allerdings konnte ich mich des eindrucks nicht erwehren, dass ihm allerhand übel in die schuhe geschoben werden soll.

          ich sehe nicht, dass sich pädagogisch tätige jede lern-und erziehungsmethode aufschwatzen lassen und falls sie mit dem besagten praxisfernen prof. den herrn reichen meinen, so war dieser alles andere nur nicht fern der praxis – im gegenteil: er hat aktiv mitgearbeitet nicht nur in einer hamburger schule, sondern auch am institut für lehrerbildung.

          • „…er hat aktiv mitgearbeitet nicht nur in einer hamburger schule, sondern auch am institut für lehrerbildung.“
            Das ist nicht vergleichbar mit dem Alltag und den Erfahrungen als Lehrer und Klassenlehrer.

          • @aufmüpfer
            zur info über die person j. reichen:

            „Er studierte an der Universität Basel und wurde Lehrer.

            Er entwickelte nach dem Kernsatz: „Kinder lernen umso mehr, je weniger sie belehrt werden“[1] das in Deutschland weitverbreitete, gegen die Verwendung der klassischen Fibel gerichtete Konzept Lesen durch Schreiben (mit Hilfe der Anlauttabelle) und vermittelte dieses Konzept am Hamburger Institut für Lehrerfortbildung. Zugleich war er als Lehrer tätig.

            Er erlag 2009 einer schweren Krankheit.“

            wenn sie seine arbeit nicht mit der eines fach-oder klassenlehrers vergleichen können, dann liegt das sicher nicht an den gegebenen fakten, die mehr als vergleichbar sind.

  10. @d.bendixen
    „Kinder lernen umso mehr, je weniger sie belehrt werden“
    Diese allzu bekannte These ist für mich halb richtig und halb falsch. Selbstentdecken kann gut sein, aber auch schlecht, wenn das Prinzip überstrapaziert wird wie beim „Lesen durch Schreiben“.
    Das Rad immer wieder neu und selbst zu erfinden, macht längst nicht immer Sinn, zumal dann, wenn die Erfindung mit nachhaltigen Fehlern und Schwächen behaftet ist.
    Außerdem wollen Kinder oft vorhandenes Wissen einfach nur übernehmen und nicht auf alles selbst kommen müssen. Dazu löchern sie einen geradezu mit Fragen.

    • @aufmüpfer

      na, dann halten wir doch einfach maß, anstatt die prinzipien überzustrapazieren – da sind wir doch durchaus d´accord!

      mir fällt dazu noch ein satz von piaget ein, der immer wieder gern zitiert wurde während meines studiums:
      „verstehen heißt erfinden!“ die nachhaltigkeit des lernprozesses ist um ein vielfaches effektiver, wenn ich mit der für mich geeigeneten methode selbst auf die lösung gekommen bin, da die identifikationsebene dorthin zwangsläufig eine viel intensivere ist. dass kinder dabei aktiv begleitet werden müssen, um auch antworten auf fragen zu erhalten ist doch eine selbstverständlichkeit.

      • Die Fragen beim sog. selbstentdeckenden Lernen meinte ich doch gar nicht. Die stehen ja wieder nur im Dienst von Methode und Ziel nach Lehrplan. Sehen Sie doch einfach mal ab von der Schule.
        Selbstentdeckendes Lernen findet meiner Meinung nach am nachhaltigsten, wirksamsten und freudigsten in der Freizeit statt, sei es beim Spielen, Ausprobieren, Nachahmen, Kräftemessen oder sonstwas. Sei es allein, mit Geschwistern, Eltern….oder Freunden. Es wird allein entdeckt oder gemeinsam, nach freier Wahl und Lust und Laune. Kein Außenstehender gibt vor, was entdeckt werden soll.
        Schade nur, dass die wichtige Freizeit immer mehr verschult wird.
        Wohlweislich sage ich: Mir ist bewusst, dass Freizeit oft auch Medienkonsum bedeutet.
        Den zu bekämpfen ist dann die Aufgabe und nicht Abschaffung der entdeckungs- und erfahrungsreichen Freizeit für alle.
        Vermutlich schütteln Sie jetzt nur den Kopf.

        • @aufmüpfer

          gern lenke ich meinen blick auf die außerschulische welt, ob da effektiver selbstentdecken gelernt wird, vermag ich nicht zu beurteilen.
          ihren letzten beitrag kann ich mich anschließen und wüsste nicht, warum ich irgendwas daran schütteln sollte.

  11. Wie sagte ein Forscher, der die Reichen-Methode untersuchte. Mit dieser Methode zu arbeiten grenzt an unterlassene Hilfeleistung.

  12. Guten Abend!

    Ich bin Logopäde und habe mich hier ein wenig durchgewühlt. Jetzt möchte ich auch einen Beitrag zu einem erstaunlichen Austausch unter gebildeten und fair diskutierenden Menschen leisten (und diesen mit ein wenig Ironie beginnen).

    Ja, der Herr Reichen. Ich bin ein begeisterter Anhänger seiner Methode und wünsche mir sehr viel mehr kämpferische Menschen wie d.bendixen. Denn die Kinder, die konsequent nach dieser Methode unterrichtet wurden, bilden einen wesentlichen Teil der Grundlage meiner wirtschaftlichen Existenz. Was ich hier täglich an vermeidbaren Rechtschreibfehlern durchaus intelligenter und schulfähiger Kinder präsentiert bekomme ist unfassbar. d.bendixen kann ich gerne auch die statements zweier gymnasiastinnen der 8. klasse zukommen lassen die nach eigener aussage die folgen dieser methode bis in eben diese klasse zu erleiden hatten einschließlich des ständigen frusts durch nachhilfe etc (die schreibweise müsste angemessen sein, irritiert mich aber all zu sehr).

    Eine völlig genervte Mutter fragte mich mal: „Warum sollen meine Kinder denn 2 Jahre glauben, dass ein falsch geschriebenes Wort richtig ist? Ich lasse sie doch auch nicht zwei Jahre lang in dem Glauben, dass 3×3 = 8 ist!“

    Es wird zusätzlich zu den bisherigen Argumenten völlig ignoriert, dass andere Grundannahmen völlig illusorisch sind. Selbständigkeit im Arbeiten bei Erst – und Zweitklässlern? Die Möglichkeit der LehrerInnen, jedes Kind individuell zu fördern? Angemessene auditive Fähigkeiten als Voraussetzung für die Umsetzung dieser Methode?

    Also, wer sich mal mit der Realität beschäftigt statt schon regelrecht fanatisch eine Methode zu feiern, die nach einer beträchtlichen Fülle von Meinungen aus verschiedensten Quellen völliger Humbug ist wird bittere Tränen weinen angesichts der Vielzahl von Kindern, die noch immer gezielt zu Lese-Rechtschreib Versagern ausgebildet werden

    • @uwefischer

      willkommen im kreise der akademisch, fair diskutierenden ironiefreundlichen unter uns grinsenden!
      ihren beitrag habe ich mit interesse gelesen, da mir der stil gefällt!

      mit gefallen lese ich weiter, dass sie mich als „kämpferisch“ empfinden?
      wie schmeichelhaft.
      immer noch besser als kompromisslos und eindimensional vermute ich mal.

      schauen sie doch bitte auf der seite „4teachers“ in ein entsprechendes forum, wo KollegInnen die vor- und nachteile der reichen methode differenziert diskutieren bzw. ich halte es für eine ausgemachte illusion, dass allein ein weg zum schriftspracherwerb verantwortlich gemacht werden kann für die miserablen rechtschreibkenntnisse vieler kinder und jugendlichen. wäre bissel zu simpel, meinen sie nicht?

      im übrigen erlebe ich in meinem schulalltag täglich selbstständig arbeitende erst- und zweitklässler, sogar vorschülerInnen sind in der lage allein zu arbeiten, wenn ihre lernumgebung entsprechend vorbereitet gestaltet und wir uns als lernbegleiterInnen anbietend aufmerksam zur verfügung stehen, wäre schon schlimm, wenn es anders wäre.
      individuelle förderung ist mit der realisierung der inklusion eine notwendigkeit und wird vom dienstherren vorausgesetzt.

      hier feiert auch niemand fanatisch und realitätsfern eine methode, sondern verteufelt sie nicht generell und sieht durchaus ihre vorteilhaften möglichkeiten als auch ihre schwachstellen.

      mit einer schwarzweißen verallgemeinerung ist niemandem geholfen, am allerwenigsten den betroffenen.

      gegrüßt auf hoffentlich weiteres!

      • Hallo, zusammen,
        ich möchte nur kurz und abschweifend diese illustre „Runde“ mit meiner Schulerfahrung vor ca. 40 Jahren beglücken, als ich im Gymnasium (Klasse 11) aus Protest (wogegen, weiß ich heute nicht mehr???) alles klein schrieb wie im Englischen:
        Unter meine 1. Deutschklausur schrieb meine damalige neue Lehrerin, unter die Note —Gut — ohne weitere Kommentare oder sonstige Bemerkungen:
        Helft den hungernden Vögeln.
        Helft den Hungernden vögeln.
        Der Sinn von R- Schreibung leuchtete umgehend ein!
        Grüße an alle Kleinschreiber 🙂

    • Sehr guter Kommentar, Herr Fischer! Sie sprechen mir aus der Seele. Allerherzlichsten Dank!

  13. Die Methode „Lesen durch Schreiben“ und ähnliche pädagogische Ansätze werden hier mit einer herrlichen Glosse durch den Kakao gezogen:

    http://www.stolzverlag.de/dbdocs/doc501-die-armen-methode.pdf

  14. „Moderner Unterricht zerstört Zukunftschancen“ lautet ein Artikel, den ich soeben mit größtem Interesse gelesen habe. Das „Lesen durch Schreiben“ spielt dabei eine zentrale Rolle.
    http://www.freiewelt.net/interview/grundschulmisere-moderner-unterricht-zerstoert-zukunftschancen-10002803/

  15. Mathias Leenders

    Rechtschreibung ist größtenteils irrelevant.

    • Christian Möller

      Ich kann Ihre Meinung beim besten Willen nicht ernst nehmen, werter Herr Leenders. Sie scheinen mir dem linken kultur- und bildungsfeindlichen Spektrum verhaftet.
      Falls Sie Lehrer sind, bedaure ich Ihre Schüler, die wahrscheinlich nicht nur unnötige Schwächen in der Rechtschreibung aufweisen, sondern auch im Lesen. Beide Diszipline bedingen einander.
      Übrigens gilt das flüssige, sinnentnehmende Lesen bei den Pisa-Tests der OECD als Königsdiszipin, was seine überragende Bedeutung unterstreicht.

    • mehrnachdenken

      @ M. Leenders
      Genau, und sowieso plädieren Sie bestimmt auch dafür, die Sprache in Wort und Schrift abzuschaffen. Scheint Ihnen nur lästig zu sein. Vielleicht fühlten Sie sich auch in der Zeit viel wohler, als die Menschen noch Mammuts erlegten. Damals brauchten sich die Erdbewohner über die Rechtschreibung und so einen „Blödsinn“ noch nicht den Kopf zu zerbrechen.
      Diese kleine satirische Replik sei mir gestattet auf das hoffentlich ebenso nicht ernst gemeinte Posting von
      M. Leenders.
      Sollte der Satz von ihm aber tatsächlich ernst gemeint sein, würde ich mich über weitere Erklärungen und Begründungen freuen.

    • Mathias Leenders

      Antworten sind größtenteils irrelevant.

  16. @mehrnachdenken
    Der Link von Sophia hat mich zu interessanten Kommentaren geführt, u. a. denen von „lebeque“.
    Hier ein Ausschnitt aus seinem bislang letzten Kommentar, der Sie vermutlich interessiert.

    „…Brügelmann, der wegen fehlender Ausbildung niemals an einer Grundschule hätte unterrichten dürfen und können, blieb ohne ‘handwerkliche’ Praxis Theoretiker ein Leben lang. Da konnte es passieren, dass seine Lehren immer abstruser wurden, zumal er auch kein Fachstudium in einer der an der Erforschung des Schriftspracherwerbs beteiligten Einzelwissenschaften wie der Fachdidaktik Deutsch, der Sprachwissenschaft oder der Psychologie absolviert hatte. Ein Professor der Medizin, der ohne Fachstudium Medizin, ohne Approbation, ohne je eine Blinddarmoperation selber durchgeführt zu haben, vor Medizinstudenten träte, um ihnen zu erklären, wie nach modernsten wissenschaftlichen Erkenntnissen ein Blinddarm zu entfernen sei, würde ausgelacht – ohne Ende. Ohne hinreichenden theoretischen Hintergrund und ohne eigene praktische Erfahrung Professor zu sein in Studienrichtungen, die auf die späteren praktischen Tätigkeiten in bestimmten Berufen hin ausgelegt sind, ist undenkbar und indiskutabel. In der Medizin ließen sich im Übrigen die Folgen einer Lehre mit bedenklichen Inhalten schon bald durch die fatalen Auswirkungen für die Patienten belegen.
    Professoren in Sachen Grundschulpädagogik müssen solche Risiken nicht befürchten. Die Folgen obskurer pädagogischer Lehren auf der Basis weltabgehobener Ideologien werden in ihrem ganzen Ausmaß zumeist erst an den weiterführenden Schulen deutlich erkennbar, zudem wird – zumindest zunächst – kein Kind daran körperlich leiden oder gar sterben müssen…
    Zur Frage, wie sind diese reformpädagogischen Konzepte eigentlich entstanden: Sie sollten mehr Oelkers lesen, seine Bücher, seine Veröffentlichungen im Internet zur Reformpädagogik. Sie könnten erfahren, dass viele der bekanntesten Refompädagogen ziemlich absonderliche Figuren waren, die ihre Konzepte den Eltern und Kindern aufzwängten. Es heißt, dass viele von ihnen ‘Reformpädagogik’ vortäuschten und sie ihre zurechtgeschneiderte ‘Pädagogik’ für ihre eigenen Zwecke und Bedürfnisse missbrauchten. Dazu gehören auch einige der bekanntesten, aber das wissen Sie sicherlich schon. Heute steht der Vorwurf im Raum, die reformpädagogischen Konzepte mit ihrer Fülle von Lehr-/Lernmaterialien dienten in erster Linie wirtschaftlichen Interessen.

  17. mehrnachdenken

    @ Aufmüpfer

    Vielen Dank für den sehr interessanten Kommentar von „lebeque“. Mit dem Hinweis auf ähnliche Zustände in der Medizin wird doch dieser Methoden-Irrsinn noch mehr entlavt.
    Prof. Brüggelmann gab dem Spiegel kürzlich ein Interview, in dem er starr an seinen Positionen festhält.
    Ja, wer will sich schon eingestehen, sein ganzes Leben an einer falschen oder zumindest fragwüdrigen Methode festgehalten zu haben.

    http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/rechtschreibung-hans-bruegelmann-erklaert-den-spracherfahrungsansatz-a-907998.html

  18. @mehrnachdenken
    Dies sind die beiden folgenden Kommentare, die uns Lehrern schwer zu denken geben sollten.

    geli sagt:
    5. Juli 2013 um 09:14
    Ich verstehe die Lehrer nicht. Wie können bzw. konnten sie sich massenweise auf so hirnrissige Wege der Reformpädagogik einlassen?
    Wer – wenn nicht sie – sollte Mogelpackungen sonst durchschauen können?

    Anne sagt:
    5. Juli 2013 um 09:51
    “Es ist nicht ratsam, erst etwas Leichtes, aber Falsches zu lernen”
    So ist es. Schreiben nach Gehör, so ein Schwachsinn!
    Fragt niemand, woher die vielen Legastheniker kommen?
    Eltern wehrt Euch!!!!

    • mehrnachdenken

      @ zu geli
      Ja, diese Frage stelle ich mir auch seit vielen Jahren. Lesen wir doch z.B. die Kommentare von bendixen, dann sehen wir doch, dass es nach wie vor viele „Jünger“ gibt, die diesen Methoden-Gurus hinterherlaufen und unerschütterlich an der Wirksamkeit der Methoden festhalten.

      • mehrnachdenken

        @ zu Anne
        Auch diesem Kommentar stimme ich zu. Wie ich an anderer Stelle bemerkte, mischen sich Eltern heutzutage massiv in viele Belange der Schule ein und können dabei auch zu einer großen Belastung werden. In Bezug auf die diskutierte Methode wundert mich auch, dass es noch nicht zu einem regelrechten „Aufschrei“ der Eltern gekommen ist.

        • @mehrnachdenken

          es ist etwas lächerlich, mich als hinterherlaufenden „jünger“ zu bezeichnen.

          ich plädiere nachwievor für methodenvielfalt, alles andere sind einbahnstrassen, die unterschiedlichen lerntypen nicht gerecht werden können.

          vielleicht haben wir einfach unterschiedliche erfahrungen hinsichtlich des lernerfolges gemacht, deswegen sollte man nicht beginnen, sich zu diskreditieren.

  19. @bendixen
    Ich muss gestehen, dass mich bisher Ihre Kleinschreibung aller Wörter auch gestört hat, weil sie mir das Lesen etwas erschwerte. Diesmal machen Sie noch den ein oder anderen zusätzlichen Fehler.
    Wer so wenig Wert legt auf die Rechtschreibung und Achtung vor dem Leser, bei dem vermute ich eine grundsätzliche Abneigung gegen korrekte Rechtschreibung oder den nicht ungeschickten Versuch, eine eigene Rechtschreibschwäche zu kaschieren unter dem Motto: Ich könnte ja auch anders, wenn ich denn nur wollte.
    In jedem der möglichen Fälle ist nachvollziehbar, dass Ihnen die Methode „Lesen durch Schreiben“ nicht gegen den Strich geht, weil für Sie der Lernerfolg nicht in guter Rechtschreibung besteht. Und zu schlechter Rechtschreibung führen in der Tat viele Methoden und Nachlässigkeiten.

    • @stefan b.

      achtung vor dem geneigten leser bzw. der leserin drückt sich also ihrer ansicht nach allein in der großschreibung mit aktuell anerkannter rechtschreibnorm aus?

      da bewegen wir uns in der tat in verschiedenen schreibenden welten.

      • Wenn es keine Normen gibt, ist ein Zusammenleben unmöglich.

      • Durchgängig schlampige Rechtschreibung kommt mir wie pubertäre Auflehnung gegen Regeln und Gebräuche vor.
        Lehrer sollten nicht nur wegen ihres Alters solch jugendliches Cliquenverhalten bei sich selbst ablehnen, sondern auch wegen ihrer Aufabe, den Schülern das Richtige beizubringen und Vorbild zu sein.
        Oder gehört Anbiederung bei den Schülern durch eigene schlechte Rechtschreibung zur Neo-Reformpädagogik?
        Bei den Lehrern wundert mich manchmal gar nichts mehr.

  20. mehrnachdenken

    @ Stefan B.

    Einfach nur grandios formuliert!!

  21. Sie sagen es, Grias Di, aber wie bei der fragwürdigen Methode „Lesen durch Schreiben“ kann sich da jedes Schlitzohr auf die „höheren Werte“ von vernachlässigter Rechtschreibung berufen.
    Mir jedenfalls widerstrebt es, etwas in einer Form zu schreiben, die den Leser frustriert. Der soll ja immerhin meine Meinung zur Kenntnis nehmen und mir somit einen Gefallen tun.
    Keine Schwieigkeiten hätte ich bei Schreibern mit dem Bekenntnis, dass sie wegen Schwächen in der Groß- und Kleinschreibung grundsätzlich alles klein schreiben.
    Schwierigkeiten habe ich allerdings mit Leuten, die so tun, als diene ihre falsche Rechtschreibung höheren Werten.

  22. Der nächste verwendet dann eigene Symbole für die jeweiligen Buchstaben, weil ihm die bisherigen nicht mehr gefallen.

    • mehrnachdenken

      Diese bewusste Kleinschreibung scheint ja selbst in einem ausgewiesenen Lehrerforum kaum jemand zu stören. Was da privat passiert, geht mich nichts an. Wenn ich mich in die Öffentlichkeit begebe, habe ich mich auch beim Schreiben gewissen Normen anzupassen. Da stimme ich Grias Di voll und ganz zu.

      • es heißt: scheint kaum JEMANDEN zu stören… da wollen wir dann auch mal kleinlich sein…

        • Wenngleich der Beitrag schon fast ein Jahr her ist:

          Der Duden verzeichnet bzgl. des angekreideten Pronomens:
          „Akkusativ: jemanden, auch(!): jemand“

          Ja, der Duden ist deskriptiv, aber wennschon kleinlich, dann auch richtig! 😉

  23. mehrnachdenken

    Ja, da bedanke ich mich aber ganz herzlich für das aufmerksame Lesen. Nach dem Schreiben meines Beitrages fiel mir der Fehler auf, aber manchmal erfasst mich eben auch eine gewisse Trägheit. Zudem kann ich mich ja offensichtlich auf Sie verlassen.
    Gehören Sie nicht auch zu der Fraktion der permanenten Kleinschreiber bei 4teachers? Im Gegensatz zu Ihnen versuche ich aber korrektes Deutsch zu schreiben. Dabei unterlaufen mir natürlich auch Fehler. Der Unterschied zwischen uns besteht aber darin, dass ich mich ernsthaft darum bemühe, möglichst korrekt zu schreiben, während Sie und andere User bewusst die Regeln der Rechtschreibung missachten.

  24. mehrnachdenken

    der gefangene floh.
    Was kann das nun heißen? Bei der Kleinschreibung wird es nicht deutlich. Erst die Großschreibung bringt Klarheit:

    1. Der Gefangene floh.
    2. Der gefangene Floh.

    • 1. Der Gefangene floh.
      2. Der gefangene Floh.
      Dieses Beispiel wird immer wieder gerne genommen, zieht aber nicht.
      Beispiel 1 ist ein vollständiger Satz, am Ende steht ein Punkt.
      Beispiel 2 ist kein vollständiger Satz, müsste noch vervollständigt werden, und der Punkt am Ende ist falsch.

      So kann man durchaus auch sinnentnehmend lesen, selbst wenn alles klein geschrieben wird. Es ist ja nicht verboten, beim Lesen auch nachzudenken.

    • Wo ich rein privat schreibe, schreibe ich oft auch in konsequenter Kleinschreibung (nur Eigennamen nicht). Was immer alle vergessen, die dagegen mit ihren vermeintlichen Missverständnissen wettern, beim Sprechen und Hören, in der mündlichen Kommunikation also, gibt es es normalerweise diese Probleme auch nicht, dass jemand nicht erkennt, ob „der Gefangene floh“ oder über einen „gefangenen Floh“ gesprochen wird!!! Der KONTEXT macht alles klar, sodass wir auch in der Regeln problemlos verstehen, ob mit dem GERICHT ein Essen oder eine Institution der Justiz gemeint ist (hier hilft uns auch die Schreibweise nicht!).

  25. @mehrnachdenken
    Ich denke, es geht hier nicht um Verstehen-Können, sondern um Verstehen-Wollen, darum sind all Ihre Überzeugungsbemühungen umsonst.
    Jeder hat sich von d. bendixen und klexel inzwischen ein Bild machen können. Lassen wir es doch stehen, wenn sie selbst das so wollen.
    Weiteres Hin und Her braucht es nicht mehr. In der Sache sowieso nicht.

    • mehrnachdenken

      Sie haben ja so Recht.

      Ich wandle das o.g. Beispiel ein wenig ab, und es wird mehr als deutlich, wie schwierig es ist, diesen kleingeschriebenen Satz sofort zu verstehen.

      der gefangene floh, aber der gefangene floh kann das nicht.

      Der Gefangene floh, aber der gefangene Floh kann das nicht.

      Dieser Satz würde sich ganz gut als Nomenübung eignen.

  26. Meiner Meinung nach kann es nicht darum gehen, ob Substantive / Nomen groß- oder kleingeschrieben werden. Das ist unerheblich! Gehen wir davon aus, dass wir seit etwa 1000 Jahren etwas haben, was wir als Deutsch bezeichnen können und dieses auch schriftlich fixiert wurde, so wurden Substantive im Deutschen immer noch länger kleingeschrieben als groß. Sinnvoll ist es natürlich, wenn es eine einheitliche Rechtschreibung gibt und nicht jeder schreibt, wie er will. Das macht die Kommunikation, die schriftliche, unnötig kompliziert. Allerdings haben wir ja erst seit gut 100 Jahren eine einheitliche Rechtschreibung. Über all die Jahrzehnte hinweg war sie nicht star und steif, sondern wurde verändert und angepasst – oft wurde erlaubt, was bereits gelebte Wirklichkeit war. Die Dänen übrigens waren, bevor sie die Großschreibung der Substantive abschafften, bereits massenweise privat zur Kleinschreibung übergegangen. Womöglich passiert das nun gerade im Deutschen, denn Kleinschreibung ist in bestimmten Bereichen (SMS, Chats, Internetforen) bereits gelebte Realität und keine Ausnahmeerscheinung mehr!

  27. Ich finde auch, dass gross-/kleinschreibung überbewertet ist.

    • Martin Schuster

      Mir würde ein Buch erheblich mehr Schwierigkeiten bereiten, wenn alles kleingeschrieben wäre. Und das ist nicht Befindens-, sondern Tatsache.

  28. Ich bin kein Lehrer, aber mir leuchtet nicht ein, warum das bekanntlich gute (fotografische) Gedächtnis von Kindern (beim Memory-Spielen wird’s deutlich) nicht dazu führen soll, dass ihnen sich die wiederholt gezeigte richtige Schreibweise von Wörtern dann auch – quasi spielerisch und ohne Pauken – einprägt. Genauso lernt man doch auch Fremdsprachen
    (im späteren Alter ewas mühsamer): man sieht die richtige Schreibweise und merkt sie sich. Dann kann sie später abgerufen werden. Und im Unterricht muss das dann gelegentlich korrigiert werde, was soll daran so schlimm sein? Niemandem wird bei uns zugemutet, sich die Schreibweise englischer oder französischer Wörter vom reinen Hören selbst auszudenken. In anderen Sprachen mag das anders sein (angeblich bei finnisch), aber leider gibt es auch im Deutschen deutliche Unterschiede zwischen Klang und Schreibweise von Wörtern. Man denke nur an bunt und Bund, Tat und Tod, Gerhard und Gerhart, Leere und Lehre. Darauf kann niemand von selbst kommen, sondern man muss einmal sehen, wie es richtig geht. Gute Grammatik-Kenntnisse können helfen (z.B.: wie lautet der Plural?), aber die will man bei Erstklässlern bestimmt nicht voraussetzen. Ich denke, genau so habe ich das mal in den ersten Schuljahren gelernt:
    einfach die richtige Schreibweise merken. Dafür muss die richtige Schreibweise aber erstmal mitgeteilt werden.

  29. Was ich leider beobachte, ist, dass seit der Rechtschreibreform viele Menschen nicht mehr wissen, wie etwas geschrieben wird. Vor allem eben auch Erwachsene. Mit Schülern habe ich weniger Kontakt. Und umso schlimmer finde ich, dass selbst in Zeitungen, Büchern usw. die Schreibweise nicht stimmt. Dadurch werden Menschen noch mehr verunsichert, und wie sollen dann Schüler lernen, was richtig ist? Ich spreche hier vor allem von ß und ss. Warum werden Bücher und Zeitungen gedruckt, die einfach konsequent überall statt „ß“ ein „ss“ verwenden, obwohl es nicht korrekt ist? Besonders ärgerlich bei Worten, die dann eigentlich eine andere Bedeutung haben, wie Maße und Masse. Sorry, aber darüber kann ich mich jedes Mal wieder aufregen…

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