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Schulsanierungen: Die Inklusion kostet die Träger viele Millionen

COTTBUS/POTSDAM. Viel Geld ist in den vergangenen Jahrzehnten in die Sanierung von Schulen geflossen. Neue Heizungen, Fenster und Mensen wurden eingebaut – nun steht bereits die nächste Herausforderung an.

  Ferienzeit ist Bauzeit: Beispiel Brandenburg. Auch in diesem Jahr werden hier wieder Millionen in die Schulen gesteckt. Während zuletzt der Ausbau der Ganztagsschulen und die energetische Sanierung im Fokus standen, gerät nun zunehmend die Inklusion in den Blick der Schulträger. Aufzüge, stufenlose Zugänge, Behinderten-Toiletten – es gibt viel zu tun bis die UN-Konvention zur Gleichbehandlung von Menschen mit und ohne Behinderung auch baulich umgesetzt ist.

Für Barrierefreiheit müssen die Kommunen in den Schulen noch viel tun. (Foto: nonformality/Flickr CC BY-NC-SA 2.0)

Für Barrierefreiheit müssen die Kommunen in den Schulen noch viel tun. (Foto: nonformality/Flickr CC BY-NC-SA 2.0)

«Das ist ein Themenfeld, das ist noch nicht gegessen», sagt Monika Gordes, stellvertretende Geschäftsführerin des Städte- und Gemeindebundes Brandenburg. Ein Beispiel? «Nehmen Sie den Fahrstuhl: Wenn der wirklich von allen ohne Einschränkung genutzt werden soll, muss er sprechen können und ein Display haben.» Außerdem sei ein Fahrstuhl fehleranfällig und teuer in Anschaffung wie Wartung.

Wie es gehen kann, zeigt eines der Vorzeigeprojekte im Land: das Max-Steenbeck-Gymnasium in Cottbus. Zwei Jahre ist dort gebaut worden, um die Schule zu einem Modell in Sachen Energieverbrauch zu machen. Das Bundeswirtschaftsministerium und einige Forschungsinstitute begleiten das Vorhaben noch immer. Für 13,8 Millionen Euro wurden bis Ende 2012 unter anderem Fassaden gedämmt und ein neues Heizsystem eingebaut. Bei den umfangreichen Arbeiten kamen auch Aufzüge in den DDR-Bau aus den 1970er Jahren.

Nun erfüllt das Vorzeigegebäude nicht nur höchste energetische Standards, sondern auch die Anforderungen, die mit der Umstellung auf inklusive Schulen auf die Träger zukommen. Das ist bei weitem noch nicht überall so. Seit der Wende wurden zwar fast alle Schulgebäude im Land wenigstens einmal saniert. Milliarden wurden verbaut. Allenfalls einzelne Objekte sehen heute noch so aus wie in der DDR. Doch erst nach und nach wird die Inklusion bei Sanierungen mitgedacht und mit eingeplant.

Auch der erreichte Energiestandard fällt in den mehr als 800 Schulen ganz unterschiedlich aus. Während der Landkreis Oder-Spree für seine zwölf Schulen meldet, sie entsprächen alle der neuesten Energieeinsparverordnung, ist es andernorts wie in Elbe-Elster gerade einmal jede achte. Fragt man danach, an wie vielen Schulen seit 2008 gebaut wurde, sind es mal drei und mal drei Viertel.

Dabei flossen ab 2009 durch das in der Finanzkrise aufgelegte Konjunkturpaket II allein in Brandenburg noch einmal Hunderte Millionen zusätzlich in die Schulen. Der Steuerzahlerbund kritisierte zwar, damit seien mehr Instandhaltungsmaßnahmen als Zukunftsvorhaben umgesetzt worden. Gegen diesen Vorwurf verwahren sich aber Landesregierung und Kommunen.

Viele Studien zeigen indes, dass sich der Mehraufwand einer energetischen Sanierung auf lange Sicht für die Schulträger rechnet. Das haben auch die meisten Kommunen erkannt. «Es werden sogar Kredite dafür aufgenommen», sagt Gordes vom Städte- und Gemeindebund.

All die sinnvollen Baumaßnahmen ließen die Betriebskosten der Schulen aber nur selten sinken. Denn die Preissprünge bei Strom und Wärme haben die Einsparungen wieder aufgefressen. Hinzu kommt, dass der Energieverbrauch einerseits zwar sinkt. Andererseits werden jedoch neue Geräte wie Aufzüge, interaktive Tafeln oder Laptops in Betrieb genommen, die Strom verbrauchen. Einziger Trost: Ohne Umbau würden die Kosten noch höher liegen.

Schulsanierungen erstrecken sich oft über mehrere Jahre. Auch ohne Inklusion, Energieeffizienz und Ganztagsschule wäre das Vorhaben ein endloses. Regelmäßig stehen größere Sanierungen an. «Schulen sind wahnsinnig beansprucht», sagt Markus Manno, Schul- und Objektmanager im Landkreis Potsdam-Mittelmark. «Fußböden müssen fast jährlich wieder auf Vordermann gebracht werden.» Alexander Riedel/dpa

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