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BLLV veröffentlicht Umfrage zum neuen Grundschullehrplan

MÜNCHEN. Er ist noch in Arbeit und sorgt bereits für Unruhe: Der neue Grundschullehrplan. Vor allem die Vorgehensweise des Kultusministeriums stosse bei vielen Lehrkräften auf Kritik, meldet der Bayrische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV): Sie fühlen sich zu wenig eingebunden. Der LehrplanPlus rückt die Kompetenzen der Schüler, die sie am Ende eines Schuljahres haben sollen, in den Mittelpunkt. Das finden die Lehrkräfte zwar gut, doch sie wissen auch, dass ein solcher Lehrplan bestimmte Rahmenbedingungen erforderlich macht. Diese sind an den Grundschulen aber nicht gegeben und daran wird auch der neue Lehrplan nichts ändern.

„Die Kritik hat uns veranlasst, im April 2013 eine Internetbefragung durchzuführen“, informierte  BLLV-Präsident Klaus Wenzel in München. An der Befragung beteiligten sich rund 2500 Grundschullehrerinnen und -lehrer aus ganz Bayern. Die Ergebnisse spiegeln die Bedenken der Lehrerschaft wieder: So wünschen sich fast 100 Prozent einen Lehrplan, der es möglich macht, die „Nachhaltigkeit des Gelernten“ zu stärken und die „Möglichkeiten individueller Förderung“ auszuweiten. Nur ein Viertel räumen der Realisierung individueller Förderung aber gute Chancen ein. „Die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist auch in vielen weiteren Punkten enorm“, sagte Wenzel. Sie führe bei vielen zu Demotivation und Frust. So erkläre sich auch, dass die Meinungen zum neuen Lehrplan geteilt sind: Während gut die Hälfte (53 Prozent) lieber mit dem bisherigen Lehrplan weiterarbeiten würde, geben 55 Prozent an, sich ‚mehr oder weniger’ auf den neuen Lehrplan zu freuen. Zehn Prozent stehen ihm ablehnend gegenüber.

„Für diejenigen, die den neuen Lehrplan ablehnen, dürften Mühen und Belastungen im Vordergrund stehen, möglicherweise begleitet von geringen Hoffnungen auf bessere Lernerfolge bei den Schülern“, sagte Wenzel. Die Befragung mache nicht nur deutlich, dass die Meinungen auseinandergingen, sie zeige auch, dass viele bis heute nicht wüssten, was sie erwartet. „Das nährt Spekulationen und Ängste.“ Wenzel forderte das Kultusministerium auf, rasch für Klarheit zu sorgen. „Die Pädagogen haben ein Recht darauf, zu erfahren, was auf sie zukommt.“

Wenn der neue Lehrplan ein Erfolg werden soll, dann muss das Kultusministerium auch dafür sorgen, dass alle Grundschullehrerinnen und -lehrer die Rahmenbedingungen vorfinden, die zur Umsetzung eines kompetenzorientierten Lehrplans nötig sind“, stellte er klar. Dazu gehörten zahlreiche Bausteine, wie zum Beispiel individualisierte Förderpläne für jedes Kind, eine neue Feedbackkultur oder die kritische Auseinandersetzung mit der Vergabe von Noten – „an der wird nicht gerüttelt, obwohl sie kompetenzorientierten Unterricht erschwert, wenn nicht unmöglich macht.“

Ein interessantes Ergebnis der BLLV-Befragung sieht Wenzel auch darin, dass 51 Prozent der Befragten eine Reduzierung der Stofffülle im neuen Grundschullehrplan erwarten, weitere 31 Prozent halten eine Reduzierung für „wichtig“. Das Thema überbordender Lehrpläne sei nicht nur an den Gymnasien virulent: „Wir überfrachten unsere Kinder bereits an den Grundschulen mit zu viel totem Faktenwissen und wundern uns, wenn sie die Lust am Lernen verlieren. Das muss dringend überdacht werden.“

Neben klaren Kompetenzbeschreibungen wünschen sich über die Hälfte der befragten Grundschullehrkräfte (56 Prozent) lediglich Rahmenvorgaben durch den neuen Lehrplan. Diese sollten dann an der jeweiligen Schule konkretisiert und ergänzt werden dürfen. Fast alle wollen Migrantenkinder besser integrieren (98 Prozent) und Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf besser unterstützen (92 Prozent). Dazu, und zur Einführung kooperativer Lernformen in Kleingruppen – für sie sprechen sich 93 Prozent der Befragten aus – bedarf es aus Sicht der Befragten aber mehr Lehrerwochenstunden (97 Prozent). Das Bildungsverständnis bayerischer Grundschullehrerinnen und -lehrer ist eindeutig: Im Vordergrund steht der Wunsch nach mehr Individualisierung, Nachhaltigkeit, Handlungsorientierung und selbständigem Lernen. „All das erfordert natürlich entsprechende Rahmenbedingungen, vor allem Personal und Zeit“, betonte Wenzel. Unter den gegebenen Umständen sei eine Umsetzung nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich. Die Pädagogen fühlten sich blockiert: „Dreiviertel der Befragten sehen ‚kaum bis keine Möglichkeit’, an ihrer Schule den Inklusionsgedanken umsetzen zu können. Gleiches gilt für die Individualisierung (71 Prozent) und für die Integration von Migrantenkindern (62 Prozent).“

Der LehrplanPlus sieht auch ein digitales Lehrplaninformationssystem, kurz LIS vor. 90 Prozent der Befragten halten dies für durchaus sinnvoll und wichtig. „Das zeigt“, so Wenzel, „dass Lehrerinnen und Lehrer Hilfestellungen bei der Anwendung neuer Unterrichtsmethoden wollen.“ Generell seien der Fortbildungsbedarf und der Ruf nach Unterstützung groß. Dem müsse das Kultusministerium möglichst rasch Rechnung tragen. Bei den Fortbildungen müsse allerdings über die Form nachgedacht werden: Pflichtfortbildungen seien wenig effektiv.

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