Philologen und SWK fordern „höhere Leistungsorientierung in allen Schularten“

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BRAUNSCHWEIG. Der Deutsche Philologenverband und Prof. Olaf Köller, mitverantwortlich für PISA in Deutschland, sprechen sich für mehr Leistungsorientierung an deutschen Schulen aus – und gegen den Plan der KMK, ein duales Lehramtsstudium zu ermöglichen. Gemeinsam mit Bundeselternratsvorsitzendem Dirk Heyartz traten sie zudem bei der von „Zeit“-Redakteur Thomas Kerstan moderierten Podiumsdiskussion „Quo vadis Bildung?“ am Gymnasium Raabeschule in Braunschweig zudem für eine verbesserte verbindliche Sprachförderung für die Schülerinnen und Schüler ein.

Die Leistungen der Schülerinnen und Schüler in Deutschland ließen zuletzt zu wünschen übrig – das soll sich ändern. (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

„Die für uns alle ernüchternden Ergebnisse der letzten PISA-Studie müssen Anlass sein, manches, was in den letzten Jahren entschieden wurde, kritisch auf den Prüfstand zu stellen“, befand Philologen-Bundesvorsitzende Prof. Susanne Lin-Klitzing. „Wir treten für eine stärkere Bestenförderung an allen Schularten, insbesondere aber am Gymnasium, ein. Das ist unsere originäre gymnasiale Aufgabe: eine bessere Förderung der Schülerinnen und Schüler hin zur fachlichen Leistungsspitze. Dazu brauchen wir mehr und neu die politische Unterstützung unserer Kultusministerinnen und Kultusminister, wir wollen die Rückendeckung, Schwierigeres zu behandeln und höhere Leistungen fordern zu dürfen.“

Köller, der auch Vorsitzender der Ständigen Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz (SWK) ist, meinte dazu: „Wichtig ist dazu der stärkere Fokus auf den Unterricht, die qualitätvolle, fachlich orientierte Unterrichtsentwicklung und eine von der Politik unterstützte positiv besetzte Diskussion über eine höhere Leistungsorientierung in allen Schularten. In der Mathematik- und Deutschdidaktik brauchen wir zudem konkrete Verbesserungsschritte zur Stärkung der diesbezüglichen Motivation der Schülerinnen und Schüler. In diesem Zusammenhang halte ich Veränderungen in der Lehrkräftebildung für ein einphasiges duales Lehramtsstudium insbesondere für die weiterführenden Schulen für nicht zielführend. Auch die Ständige Wissenschaftliche Kommission unterstützt diese Konzeption nicht, sondern spricht sich eindeutig für den kumulativ zu erwerbenden Kompetenzaufbau in zwei Phasen der Lehrkräftebildung aus.“

„Wir brauchen eine positiv besetzte Qualitäts- und Leistungsdebatte, damit künftig mehr Spitzenförderung auch politisch unterstützt wird!“

Hintergrund: Die Kultusministerkonferenz hatte vor den Osterferien ein Reformpaket für die Lehrkräftebildung beschlossen, um den massiven Lehrkräftemangel in den Griff zu bekommen. Mit dem Beschluss können die Länder Ein-Fach-Lehrkräfte ausbilden sowie duale Lehramtsstudiengänge mit integriertem Referendariat und Quereinstiegs-Masterstudiengänge einführen (News4teachers berichtete) – entgegen dem Rat der SWK, die zuvor ein Gutachten zur Lehrkräfteausbildung veröffentlicht hatte (News4teachers berichtete auch darüber). Von der Möglichkeit, flexiblere Wege in den Lehrberuf zu schaffen, versprechen sich die Kultusministerinnen und Kultusminister mehr Berufsnachwuchs.

Lin-Klitzing und Köller betonten dagegen die wichtige Rolle der Fachlichkeit im Studium. Man müsse alle Phasen der Lehrkräftebildung zusammen im Blick haben, aber keine universitären Inhalte in die dritte Phase – also die Fort- und Weiterbildung – auslagern.

Das einphasige duale Lehramtsstudium hingegen diene der Politik nur zur kurzfristigen Unterrichtsversorgung, nicht aber einer qualitätvollen Neuorientierung in der Lehrkräftebildung für alle Schularten. Lin-Klitzing plädierte für den Beibehalt des mehrgliedrigen Schulwesens und des Gymnasiums. Lin-Klitzing: „Wir brauchen eine positiv besetzte Qualitäts- und Leistungsdebatte, damit künftig mehr Spitzenförderung auch politisch unterstützt wird!“ Voraussetzung dafür seien auch verbesserte Arbeitsbedingungen für die Lehrkräfte.

Dirk Heyartz, Vorsitzender des Bundeselternrats, hob einen anderen Aspekt hervor: „Wir benötigen eine bessere Sprachförderung für alle Schülerinnen und Schüler, insbesondere für die zugewanderten, damit sie von Anfang an die schulischen Angebote besser aufnehmen und sprachlich aktiv am Unterricht teilnehmen können. Dazu brauchen wir in erster Linie die diagnoseindizierte, verbindliche vorschulische Sprachförderung in einem verbindlichen Bildungsplan sowie zusätzliche Sprachförderung für Schülerinnen und Schüler in den höheren Klassen. Wir wollen, dass unseren Kindern mit besserer politischer Planung mehr konkrete Unterstützung für ihren Bildungserfolg gewährt wird.“ News4teachers

Pisa-Forscher stellen „Niedergang des Gymnasiums“ fest – und machen die schlechte Unterrichtsqualität dafür verantwortlich

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Katze
1 Monat zuvor

„Wir brauchen eine positiv besetzte Qualitäts- und Leistungsdebatte, damit künftig mehr Spitzenförderung auch politisch unterstützt wird!“
Diese Erkenntnis teilen viele Kuk seit Jahrzehnten, schrieben Brandbriefe, führten Kämpfe gegen Windmühlen (Elfenbeintürme), versuchten verzweifelt wenigstens im gymnasialen Bildungsgang das Niveau nicht gänzlich abstürzen zu lassen und verweigerten z.T. den nicht zielführenden Methodenirrsinn und Weichspülkurs im Leistungs- und Anforderungsbereich.
Diese KuK wurden von Teilen der Schüler- und Elternschaft sowie einigen Schulleitungen als zu konservativ, renitent, verkrustet, diktatorisch usw. verunglimpft und mussten als Verweigerer der galoppierenden Noteninflation besondere Maßnahmen zur Erhaltung ihrer physischen und psychischen Gesundheit ergreifen, da ständige Auseinandersetzungen (auch juristische) um Noten und banalste Forderungen einen immer höheren Zeit- und Nervenaufwand kosteten. Eine Wertschätzung der fachlichen Kompetenzen dieser KuK als Vermittler von Wissen und Können erfolgte zunehmend weniger.

Prof. Bernhard Krötz: Zitat

„Indien strebt an die Weltspitze, Deutschland strebt davon weg. Und das spiegelt sich besonders deutlich in den Anforderungen wider, die in den beiden Ländern an Menschen gestellt werden, die ein mathematisches oder naturwissenschaftliches Studium beginnen wollen. Noch vor zwanzig Jahren konnten Sie mit einem deutschen Abitur, das Sie an einem deutschen naturwissenschaftlich ausgerichteten Gymnasium erworben hatten, bedenkenlos ein Studium der Mathematik oder Naturwissenschaften aufnehmen. Heute allerdings hat man die Anforderungen an deutschen Schulen derartig abgesenkt, dass zwar jeder das Abitur besteht, dann dafür aber völlig orientierungslos in den Seminaren an der Uni ist, weil ihm die elementarsten Grundlagen fehlen. Ganz anders die Inder: Die haben verstanden, dass die Überwindung der Armut im Land am besten über Bildung funktioniert und dementsprechend motiviert gehen sie zur Sache. Hier werden die jungen Leute gefordert und gefördert, und das zahlt sich aus.

Oder um es anders auszudrücken: Was man den jungen Leuten in Deutschland abverlangt, ist alberner Pipifax. Damit fahren wir unser ganzes Land gegen die Wand.“

Dieser Meinung teile ich vollkommen! Schade, dass von Politik und Bildungsideologen seit Jahrzehnten so bestellt wurde. Viele KuK liefer(te)n nicht gern.

Realist
1 Monat zuvor
Antwortet  Katze

Im Prinzip gebe ich Ihnen Recht, aber das Problem ist vielschichtiger:

Aus der Sicht eines Jugendlichen:

  • Die ganze Gesellschaft ist in einem „Möglichst wenig Arbeit für möglichst viel Geld“- Modus: Warum sich anstrengend, wenn der Staat doch bitte für einen zu sorgen hat, was er ja auch (bereitwillig) macht, der deutsche Staat wird ja hierbei von Menschen aus aller Welt als vorbildlich wahrgenommen
  • Die „freie Wirtschaft“ lockt die Leute mit 4-Tage-Woche, Work-Life-Balance, „Workcation“, Gleitzeit, Homoffice: Und das soll alles in Schule nicht gelten? Schüler als die einzigen (neben Lehrkräften), die von den „Segnungen“ des „Fachkräftemangels“ und der „Digitalisierung“ nicht profitieren sollen?
  • Alle Wetl setzt KI-Tools und Smartphones rund um die Uhr ein, zur Arbeitserleichterung und Kommunikation. Selbst im Bundestag „daddeln“ die Abgeordneten lieber mit dem Smartphone herum (einfach einmal Bundestags-TV sehen), statt der jeweils anderen Partei zuzuhören. Nur in der Schule darf man das alles nicht oder nur strengstens reglementiert?

Da fragen sich Jugendliche zu Recht, was das alles soll und warum Schule so „rückschrittlich“ ist.

Es gibt aber noch eine andere Seite: Wer soll denn diesen „hochqualitativen“, „fordernden“ Unterricht nach „indischem Vorbild“ im Bereich der Naturwissenschaften und Mathematik in Zulunft halten?

  • Vor zwanzig, dreißig Jahrens, vor der „Bacherloriserung“ der akademischen Ausbildung saßen die Gymnasiallehrkräfte in exakt denselben Vorlesungen wie die Diplomstudierenden (damals noch: „-studenten“) und haben exakt dieselben Klausuren geschrieben um ihre Leistungsnachweise („Scheine“) zu bekommen. Selbst das ist heute weichgespült: Spezielle Vorlesungen für Lehrkräfte mit Schwertpunkt Pädagogik und Didaktik, nach dem „Bachelor“ ein „Master in Education“ und wenig Fachstudium. Da ist am Ende die Lehrkraft genauso schlau wie das fachlich eingedampfte Schulbuch.
  • Die Folge: Wer ein hohes Fachinterese hat, hält sich vom Lehramt fern. Und warum sollte so eine Person so etwas auf Lehramt studieren, wenn sie am Ende doch nur mit Erziehung, Vermittlung von Deutsch-Kenntnissen, Gewaltprävention und dem Einhalten von Vorschriften beschäftigt ist? Das schreckt die meisten fachlich geeigneten Studierenden mittlerweile ab.
  • Die potentiell geeigneten Lehrkräfte sehen zudem die Arbeitsbedingungen aus Kaiser-Wilhelms-.Zeiten (streng hierarchisches Beamtensystem: „Ober“ sticht IMMER „Unter“),. baufällige Gebäude, magelhafter Gesundheits- und Arbeitsschutz, „Digitalisierung“, die technisch weder auf dem Stand der Technik ist noch ausreichend supported wird für produktive Arbeit, Gehaltsentwicklung seit zwanzig Jahren im Bereich der Fachkräfte (ab A13 / TV-L E13) abgehängt im Vergleich zur „freien“ Wirtschaft (dafür immer mehr „Sozialausgleich“), Sündenbock für jede gesellschaftliche Fehlentwicklung („Die Schule muss…“, „Die faulen S… müssen“, …), Geld für Rüstung scheint im Überfluss da zu sein, Geld für Schulen nicht („Stuhl dazustellen“), …
  • Während früher z.B: der Gymnasialschuldienst auch für promovierte (Natur-)Wissenschaftlicher eine berufliche Alternative war, ist er das heute kaum noch: Bezahlung, Ansehen, Schule als Reperaturbetrieb, … Selbst üromovierte Germanisten (ich schätze die Deuscthlehrkräfte, was die alles leisten müssen (ohne Witz!)), finden mittlerweile außerhalb der Schule VIEL bessere Bedinungen (in den 80er-/90er-Jahren hieß die Alternative oft: „Taxifahren“).

Nein, wir können und werden das „indiische Vorbild“ nicht mehr erreichen können. Da fehlt es an zu vielen Ecken und Kanten bei uns…. „Brace for impact“

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Realist

Ich gehe in nahezu allen Punkten mit.
Da braucht es auch keine großartigen Reformen der Ausbildung oder der Schulen, sondern mehr Ruhe ins System und vor allem viel mehr Personal.

Das bezieht sich auf folgenden Punkt:
„Und warum sollte so eine Person so etwas auf Lehramt studieren, wenn sie am Ende doch nur mit Erziehung, Vermittlung von Deutsch-Kenntnissen, Gewaltprävention und dem Einhalten von Vorschriften beschäftigt ist? Das schreckt die meisten fachlich geeigneten Studierenden mittlerweile ab.“

Braucht es nicht beides?
Ja, als Lehrkraft muss man fachlich versiert sein, aber eben auch pädagogisch. Das gehört zusammen, denn es geht ja um die Vermittlung der Inhalte. Dazu muss man die Inhalte weit über Schulniveau beherrschen, aber eben auch die Aspekte der Vermittlung.
Wer allein fachlich arbeiten will, sollte einen Arbeitsplatz suchen, bei dem das möglich ist – ganz ohne Pädagogik.
Meiner Meinung nach sollte man aufhören, den Pädagogischen Anteil schlecht zu reden und das Fachliche immer herauszustellen. Das trifft den Beruf nicht.
Vielmehr muss deutlich werden, dass es sich um eine Doppelqualifizierung handelt: Fach (mind. 2 Fächer) und zusätzlich Erziehungswissenschaften.

Dazu kommt aber noch etwas anderes.
Offenbar brauchen wir in den Schulen viel Zeit und Kraft für die auch genannten Punkte: Erziehung, Gewaltprävention, Konfliktbewältigung, Beratung, Begleitung und vieles mehr, zudem auch Betreuung.
Wenn dies alles auch Anteil von Schule haben soll oder muss, dann muss es dafür ein Berufsbild geben, dass diese Aufgaben übernimmt. Bisher mussten und müssen Lehrkräfte das zusätzlich zu den Aufgaben rund um Unterricht, Beurteilung, Beratung und Schulentwicklung übernehmen. Erziehung gehört mit zum Unterricht und zum Berurfsbild, es geht aber an vielen Stellen weit über das hinaus, was man als Klassenlehrkraft oder Fachlehrkraft bewältigen kann, auch und gerade, weil so viele Aspekte hinzugekommen sind.

An welcher Stelle werden diese Aufgaben in das Berufsbild integriert oder gibt es andere Professionen, die dies übernehmen können, um Lehrkräften mehr Zeit für den Unterricht zu belassen.
Gleiches gilt dann für Integration/ Sprachförderung/ Inklusion: Sind das Spezialisierungen von Lehrkräften, die dann dafür eingesetzt werden und von anderen (unterrichtlichen) Aufgaben freigestellt sind, weil sie ihre Arbeitszeit mit den anderen Dingen füllen? Oder sind das Inhalte, die andere Professionen erfüllen?

Was nicht funktioniert, ist, dass seit Jahrzehnten sämtliche Aufgaben in den Schulen wie auf einer Halde abgekippt werden und Lehrkräfte irgendwie sehen müssen, wie sie alles unterbringen und lösen.

Anders würde es aussehen, wenn diese vielen zusätzlich in Schule gebrachten Aufgaben von entsprechendem Personal übernommen würden.
Dann würde m.M.n. die fachlich interessierte Lehrkraft ihre Fächer vermitteln können, hätte auch den notwendigen pädagogischen Hintergrund für den Unterricht, könnte aber darüber hinaus gehende Anforderungen an die Inklusions-Fachkraft, die Sozialpädagog:innen, eine gut ausgestattete Verwaltung, die Erzieher:innen, die Therapeut:innen, die pädagogischen Assistenzen in der Klasse u.a. geben.

Pädagogisch versierte Lehrkräfte könnten sich um Inklusion kümmern und würden nicht von Schule zu Schule hetzen, sondern hätten in der Schule Raum und Möglichkeit, die Inklusion umzusetzen, die Integration von noch nicht ausreichend Deutsch sprechenden Kindern und Jugendlichen zu koordinieren und an vielen Stellen im pädagogischen Bereich zu unterstützen.

Die Geiz-ist-geil-Mentalität hat sich niedergeschlagen in „viel-Arbeit-für-wenig-Leute (=Geld)“ in der Schulpolitik, statt guter Ausstattung ist alles zusammengeschrumpft und der selbst verursachte Mangel dirigiert die Möglichkeiten.
Warum sollte sich eine hochqualifizierte Lehrkraft, ob nun mit fachlichem oder pädagogischem Schwerpunkt, für eine Arbeitsstelle interessieren, bei der ihre Profession nicht unterstützt, sondern verheizt wird?

Lera
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

Viel Zustimmung, aber:

„Meiner Meinung nach sollte man aufhören, den Pädagogischen Anteil schlecht zu reden und das Fachliche immer herauszustellen.“

In den Grundschulen, die ich kenne, passiert das nie – sondern eben das genaue Gegenteil!

Fachlichkeit ist keinen Pfifferling mehr wert.

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Lera

Es ging doch um die Ausbildung und die Profession und nicht die Inhalte des Unterrichts.
Letztere sind vorgegeben und müssen vermittelt werden.
Ich kann ein „Weniger“ in den letzten Jahren nicht erkennen,Mist es nicht eher so, dass man viel Neues in die Curricula gesetzt hat und dazu die alte Erwartungshaltung kommt und glorifiziert wird?

Oder worauf beziehen Sie sich konkret, dass Ihre Erwartungen nicht erfüllt werden?

Philine
1 Monat zuvor
Antwortet  Realist

Ich gehe auch in fast allen Punkten mit Ihnen mit – wenn ich gewusst hätte, dass meine akademische Ausbildung zu einer Berufstätigkeit führt, die aus einem Mix von Bürohilfe, Amateur-Sozialpädagogin und Unterrichten auf dem Niveau des kleinsten gemeinsamen Nenners führen würde, hätte ich mich nie in dieses toxische Feld hineinbegeben, so schön der Beruf in seinem Grundgedanken auch ist.

Unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  Katze

Das wird sich aber nicht ändern, weil jede Erhöhung des Anspruchs eine signifikante Senkung des Abiturschnittes bedeuten und damit als Verschlechterung des Schulsystems gedeutet werden würde. Eventuelle kognitive Grenzen können dann noch schwieriger durch Fleiß kompensiert werden.

Nora
1 Monat zuvor
Antwortet  Katze

Zustimmung pur, werte Katze!!
Dazu müsste aber erst einmal klargestellt werden, ob die Schule vor allem der Kinderbetreuung dienen soll oder der Vermittlung von Wissen und Bildung. Hier hat seit Jahrzehnten ein gewaltiger Wandel stattgefunden zugunsten der Betreuung und zum Nachteil schulischer Bildung und Leistungsorientierung.
Mit vorwiegend Betreuung und „albernem Pipifax“ als Leistungsanforderung wird Deutschland tatsächlich gegen die Wand gefahren.

447
1 Monat zuvor
Antwortet  Nora

Hier, Frau Lehrerin, ich weiß was!

Bei mir läuft seit grob einem Jahr das absolute Anti-Experiment:
– maximal einen Minitext pro Stunde (wie gefordert)
– nix groß benoten ausser ich muss (Noten=böser Kapitalismus, immer dran denken!)
– „kompentenzorientiert“ auf Fehler eingehen wie ausm PäDaGoGiK-Lehrbuch (bissl verbale Rückmeldung, immer sandwi(t)ch-Taktik mit sinnlosem positiven Zeug davor & danach)
– viel Youtube (na ja, youtube eben, immer da, immer nah, immer korrekt globalisiert)
– viel „rEfLeKtiErEn“ und „affektive Lernziele“ (=über Gefühle quatschen)
– keine Hausaufgaben mehr (Hausaufgabenerlass beachten, bro!)
– p****einfache Arbeiten

Ergebnis:
– Lob
– Beliebtheit
– fröhliche Schülergesichter
– MASSIV weniger Arbeit
– MASSIV mehr Freizeit

Kurz gesagt:
Je fauler, affig-gefühlsbetonter und bildungsfeindlicher ich werde – um so mehr kommt tonnenweise positives feedback rein.
Dysfunktionales System belohnt dysfunktionales Verhalten.

Gefördert (also in echt) werden nur noch starke SuS, die das zu schätzen wissen…

Tja, was soll ich sagen?
Lektion gelernt.

Katze
1 Monat zuvor
Antwortet  447

Ja, so ist das.
Auch ich habe schon über diese Strategie nachgedacht. Ich würde in meinem MINT-Unterricht auch gern in fröhliche Schülergesichter schauen und positives Feedback („Liebesblicke“ nach 447) erhalten.
Bisher haben sich mir schon bei dem Versuch der affig-gefühlsbetonten, weichgespülten, geschwätzwissenschaftlichen, die kollektive Verblödung weiter vorantreibenden Gestaltung von Chemieunterricht als Katze die Nackenhaare aufgestellt und die Krallen leider nicht ein- sondern ausgefahren.

Ich pack das einfach (noch) nicht. Aber ich bin lernfähig und denke auch immer häufiger an das „Liefern“ nach Bestellung.
Wieder eine(r) mehr im Team Schneeflocke.

Der Zauberlehrling
1 Monat zuvor
Antwortet  Katze

Besser hätte es man nicht formulieren können.

Der Leistungsgedanke ist gegen die Kompetenzorientierung ausgetauscht worden.

Niemand der führenden Köpfe will zurück zur Leistungsorientierung mit der Folge, dass die zum Abitur notwendige Leistung nicht mehr jeder zweite erbringen kann.

Wichtig ist, dass wir pünklich im Unterricht sind und dieser als „gehalten“ in der Statistik vermerkt werden kann. Was wir da machen, ist doch seit einigen Jahren völlig egal. Nur gute Noten für jeden Mist raushauen und bloß keinen durchfallen lassen. Jeder muss mitgenommmen werden. Ich bin Lehrer und kein Sherpa im Himalaya.

Die „dual Studierten“ werden hinterher weniger Geld bekommen. Sowas gab’s auch schonmal vor 40 Jahren. Hießen in Baden-Württemberg dann Handels- bzw. Gewerbeschulräte und konnten über A12 nicht rauskommen ohne weiteren Aufstiegslehrgang. Schade um die jungen Kollegen, die sich an der Stelle vom KM hinter’s Licht führen lassen mit irgendwelchen fadenscheinigen Versprechungen.

Pober
1 Monat zuvor
Antwortet  Katze

Hm, etwas polemisch Ihr Beitrag. Ich habe noch in den 90ern/um 2000 mein Abitur gemacht, so unterschiedlich waren die Inhalte jetzt nicht. Ich habe Wirtschaft, WiPäd und Mathe studiert – ohne große Probleme. Was heute vielleicht fehlt: Beweisführung, Zeit um Inhalte zu vertiefen, Motivation. Zumal viele Themen als optional (bei uns in Hessen) eingestuft wurden.

Das eigentliche Thema ist, wie geprüft wird. Das Mathe-Abitur prüft heute viel Sprachverständnis, aber vergleichsweise wenig Mathe ab. Abiturprüfungen sind 3 Seiten ,Wall of text‘. Stichwort: (vermeintlicher) Anwendungsbezug.
Prüfungen in den 90ern waren viel stärker innermathematisch geprägt. Dadurch haben natürlich hauptsächlich diejenigen Mathe verstanden, die mit dieser Darstellung gut klarkamen. Gleichzeitig musste nicht so viel Zeit auf mathematische Übersetzung (Text in Mathe) verwendet werden, was mehr Raum zum reinen Rechnen schafft.

Was ich heute – weniger in der Oberstufe, als vielmehr in den mittlere n Bildungsgängen – feststelle, dass viele SuS keine Basiskompetenzen wie Kopfrechnen, Überschlagsrechnung insb mit Brüchen, Prozentvorstellungen und Klammerregeln mehr beherrschen. Das ist viel problematischer.

Lisa
1 Monat zuvor
Antwortet  Katze

Dafür heute bei News4teachers von Frau Simone Fleischmann:
„Erziehung und Bildung in der Schule heißt, wir müssen uns Zeit nehmen und die Konflikte auflösen. Es gilt herauszufinden: Was macht dem Schüler Angst? Vielleicht muss mehr Anti-Gewalt-Erziehung stattfinden, das ist dann vielleicht wichtiger als der Satz des Pythagoras.“
Ja, was denn nun????

Rainer Zufall
1 Monat zuvor

Ich verstehe nicht ganz, wie Bestenförderung die Kellereffekte von PISA ausgleichen sollen… Pronzipiell bin ich nicht dagegen, immerhin müssen diese künftigen Spitzenverdiener*innen dann 3 Rentner*innen mitfinanzieren…

Aber wäre auch hier nicht ein höherer Personalschlüssel generell hilfreich, um Differenzierung (auch nach oben) zu ermöglichen?

Walter Hasenbrot
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Das schaffen Sie doch mit Binnendifferenzierung …

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  Walter Hasenbrot

Aber was ist mit den anderen? Können Sie mir bitte nochmal versuchen mir zu erklären, inwiefern die Bestenförderung die schulartenübergreifenden Defizite ausgleichen sollen?
Sehe da eher überall Bedarf, nicht ausschließlich bei den personell noch halbwegs gut aufgestellten Gymnasien

uesdW
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

1 zu 3. Und was ist mit den Pensionen?

447
1 Monat zuvor

Ok, kühle Geschichte, Brüder (und Schwestern) an den Häppchen-Tischen der Verbände und Prof-Stellen.

Diese kühlen Geschichten glaube ich, WENN…
1. klar gefordert wird: „Noten gibt der Lehrer, der Widerspruch dagegen ist begründungspflichtig, NICHT umgekehrt.“
2. klar gefordert wird: „Wenn SuS zu schlecht für einen Abschluss sind, ist es ganz normal diesen nicht zu erhalten.“
3. klar gefordert wird: „50% und mehr Abiturquote ist zu viel und zeigt den Verfall des Bildungssystems.“

Ich warte dann mal (nicht) ab.

Spätestens in der Sekunde, wo es in den Konflikt mit Eltern geht – und man Lehrkräfte dann mit den entsprechenden rechtssicheren Mitteln dazu austatten müsste, das auch EINFORDERN ZU KÖNNEN da ist es blitzschnell vorbei mit der Leistungsorientierungsforderung“.

Wolfgang
1 Monat zuvor

Die PISA-Veranstaltung wurde aufgezeichnet. Die beiden Videos finden Sie unter
 
Referate
https://youtu.be/qdHB3JKA8s4
 
Diskusssionsrunde
https://youtu.be/hKwCkQrydJ8
 
 
 ========================
 
 
Hier der Pressebericht aus der Braunschweiger Zeitung vom 13.04.2024
 
Wie kann Schule besser werden? Ein Streitgespräch in Braunschweig
Studien belegen: Die Leistung von Schülern in Deutschland ist spürbar gesunken. Der Stadtelternrat hat Bildungsexperten um Rat gefragt.
 
Von Katja Dartsch
 
Braunschweig. Wie sollte es aussehen, das Bildungssystem der Zukunft? Wie können wir Unterricht weiterentwickeln? Darum ging es am Donnerstagabend in einem „Streitgespräch“, zu dem der Stadtelternrat in Braunschweig eingeladen hatte. Auf dem Podium in der Aula der Raabeschule im Heidberg saßen hochrangige Bildungsexperten. Doch obwohl das Thema eigentlich ein so wichtiges ist, blieb das Interesse hinter den Erwartungen zurück: Mehr als die Hälfte der Sitze im Publikum blieben leer.
 
Dabei ist es durchaus Gesprächsstoff in Elternkreisen, was in der Schule nicht optimal läuft: Es ist bekannt, dass Lehrkräfte fehlen, dass viel Unterricht ausfällt, dass der Sanierungsstau sich in vielen Schulgebäuden mehr als eindringlich bemerkbar macht, dass es immer mehr Kinder mit nicht ausreichenden Sprachkenntnissen in den Klassenzimmern sitzen, dass die Digitalisierung trotz aller Bemühungen noch nicht so läuft, wie man sich das wünscht. Die Probleme sind also hinlänglich bekannt. Aber welche Lösungen kann es geben?
 
Dass sich etwas ändern muss, in diesem Punkt waren sich die Experten einig. Denn internationale Studien wie IGLU und PISA belegen: Die Leistungskurve der Schüler und Schülerinnen in Deutschland nimmt ab. Vor 20 Jahren sprach man angesichts des nur mittelmäßigen Abschneidens von Deutschland im internationalen Leistungsvergleich vom „PISA-Schock“. In den Jahren danach fielen die Ergebnisse erstmal besser aus, dann sank die Leistungskurve wieder – und deutlich ist anhand der Zahlen zu erkennen, dass das Leistungsniveau mit der Corona-Pandemie nochmal rapide gesunken ist, und zwar unter das Ausgangsniveau von vor 20 Jahren. Nicht nur in Deutschland, sondern in sehr vielen Ländern.
 
„Wir können es uns in Deutschland uns nicht leisten, dass dieser Graph immer weiter runtergeht, dass jedes Jahr rund 200.000 Jugendliche keinen Ausbildungsplatz bekommen“, bilanzierte Professor Olaf Köller, Direktor des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) in Kiel. Der Abfall des Leistungsniveaus am Gymnasium sei dramatisch.
 
Alte Strukturen müssten nun aufgebrochen und neue Lernmethoden angewendet werden. Er stellte die Unterrichtsmethode „Flipped Classroom“ vor: Statt dass Lehrkräfte den Stoff in der Schule vermitteln und die Schüler zu Hause lernen und ihre Aufgaben machen, erfolgt die Vermittlung von Wissen hier genau andersrum: Die Lehrkräfte erstellen Material, etwa über Videos, die zu Hause angeschaut werden. Auf dieser Grundlage wird dann in der Schule gemeinsam geübt.
 
Professor Susanne Lin-Klitzing, Vorsitzende des Philologenverbandes, warnte davor, die Ergebnisse von Erhebungen wie der PISA-Studie überzubewerten: Oft würden kausale Zusammenhänge hergestellt, die die Studien gar nicht hergeben: „PISA sagt, was ist – aber nicht, was die Gründe dafür sind und was man tun kann, um die Ergebnisse zu verbessern“, stellte sie klar. Sie sprach sich ausdrücklich gegen ein „Gymnasium-Bashing“ aus, verteidigte das dreigliedrige Schulsystem und will verstärkt auf Leistung setzen. Zudem regte sie an, Kindern aus benachteiligten Familien mehr Unterstützung zukommen zu lassen, und zwar schon im vorschulischen Bereich. Stichwort Spracherwerb. Die Bundesländer müssten mehr voneinander lernen: Hamburg beispielsweise habe sich beim PISA-Test deutlich verbessert. Lehrkräfte müssten noch besser fortgebildet werden.
 
Dirk Heyartz, Vorsitzender des Bundeselternrats, merkte an, dass sehr viel zur Bildung geforscht werde: „Aber warum werden nicht mal die Eltern gefragt?“ Auch an der Diskussion beteiligten sich wenige Eltern. Vielleicht, weil die Beiträge insgesamt sehr akademisch blieben, weit entfernt von den alltäglichen Herausforderungen in Schulen.
 
„Das Kultusministerium war eingeladen, aber leider ist niemand gekommen. Dabei sitzen dort die Personen, die etwas ändern könnten“, *kritisierte Organisator Wolfgang Kuert. Immerhin saß Torsten Glaser, Leiter des Regionalen Landesamtes für Schule und Bildung Braunschweig, im Publikum.
 
Aber die, um die es eigentlich ging, waren bei der für Eltern gedachten Veranstaltung sowieso nicht anwesend und wurden demnach auch nicht nach ihrer Einschätzung gefragt: die Schüler.
 
Mit einem positiven PISA-Ergebnis schloss Zeit-Redakteur Thomas Kerstan, der das Streitgespräch moderiert hatte, die Runde: „Die Schulzufriedenheit der Schüler und Schülerinnen ist in den letzten Jahren gewachsen.“ Offenbar werde Schule von jungen Menschen nach den Erfahrungen in der Pandemie mehr wertgeschätzt: „Ein Punkt, aus dem die Lehrkräfte Kraft ziehen können“, findet Kerstan.

Hans Malz
1 Monat zuvor
Antwortet  Wolfgang

„Flipped Classroom“ als Lösung für alles – Da hat wohl jemand lange keine Schüler mehr gesehen. Oder nur am „Mariengymnasium“ in der Provinz. Die schwierigen Schüler müssen doch erstmal in die Lage versetzt werden selbständig zu lernen. Stattdessen schwafelt ein weltfremder Professor irgendwas von tollen Methoden… Gut so, dass sich das anscheinend kaum jemand antun wollte.

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Wolfgang

„Die Bundesländer müssten mehr voneinander lernen: Hamburg beispielsweise“

Die Bundesländer haben in den letzten Jahren immer wieder voneinander gelernt und abgeschrieben: wie man im Bildungsbereich Einsparungen vornehmen kann.

Sprachförderung gab es doch in vielen Bundesländern, vorgegebene verbindliche Testungen 18-24 Monate vor der Einschulung, Unterricht durch Lehrkräfte vor der Einschulung, dafür auch Schulpflicht. Wo ist das hin?
In NDS wurde es gestrichen, weil man die 500 VZ-Lehrkräfte dringend für den Unterricht benötigte.
Vorschulen gab es auch und Schulkindergärten. Wo sind die hin?
Und Förderungen, so es sie überhaupt zumindest per Zuweisung auf dem Papier geben müsste, werden ersatzlos gestrichen, sobald es zum weiteren Mangel kommt.
Das, was in Erlassen steht, ist nicht nutzlos, es wird gar nicht erteilt und kann deshalb gar keinen Nutzen entwickeln.

Man hat gestrichen, was irgendwie ging, statt frühzeitig dem Lehrkräftemangel entgegenzuwirken. Immer hat man gehofft, dass die Zahl der Schüler:innen möglichst bald sinkt und keine weiteren Investitionen notwendig sind … gleiches bei Schulgebäuden.
Jetzt gibt es Podiumsdiskussionen – mit welchem Ziel?
Welche Erfolge hatten die Diskussionen der vergangenen 20 Jahre?

Hamburg wird als Beispiel angeführt,
ja, Hamburg hat im Grundschulbereich 108 h in der Stundentafel, statt 96 oder 98 wie andere Länder,
Hamburg hat keine Dreigliedrigkeit, sondern Gymnasien und Stadtteilschulen,
Hamburg hat aber als größere Stadt auch einen Standortvorteil, schon weit länger A13 für alle bezahlt und nun eingedämmt, dass die Lehrkräfte in andere Bundesländer gehen könnten, um die Lehrkräfte vor Ort zu halten.

Statt immer nur zu gucken, was man noch einsparen kann, könnte man ja auch mal gucken, was andernorts noch in den Schulen ermöglicht wird.
Da haben Bundesländer Erzieher:innen für den Ganztag, die stets die Betreuung übernehmen,
es gibt in einigen Ländern flächendeckenden Ganztag, in anderen gar keine Plätze, auch keine Horte oder andere Möglichkeiten der Betreuung, nicht für Schüler:innen und nicht für Lehrkräfte, die wieder arbeiten gehen möchten, aber es gibt auch Schulen mit eigenen Horten/ Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder der Mitarbeiter:innen,
es gibt Förderlehrkräfte, Gesundheitsfachkräfte, Konrektor:innen auch an kleinen Schulen, Verwaltungsangestellte, die mehr als ein paar Stunden am Vormittag zur Hand gehen, IT-Kräfte … aber eben alles nur hier und da.

Und was es noch gar nicht gibt: eine Arbeitszeiterhebung für Lehrkräfte nach EU-Recht.
Wie wäre es mit einer Umsetzung, da können alle voneinander und miteinander lernen.
Dann wird deutlich, dass auch Modelle wie „Flipped Classroom“, Umsetzungen der Digitalisierung, Integration und Inklusion zusätzliche Arbeit bedeuten, die in der Arbeitszeit abgebildet wird, womit diese dann abgegolten ist und sich nicht ins Unermessliche, weil nicht gemessen, erweitern lässt.

Marhat
1 Monat zuvor

Mmh…. bei dem leistungsunabhängigen Selbstbewusstsein der meisten Schüler schwer umsetzbar.

… einmal in den Brunnen gefallen, …
Wie wieder da raus? … mit Seiteneinsteigern und Einfachlehrern mit universitärer Schmalspurausbildung.

Tigrib
1 Monat zuvor
Antwortet  Marhat

Tja, ich fürchte , den Kids bzw. Eltern geht es noch zu gut. Warum denn anstrengen?

Dejott
1 Monat zuvor

Vor allen Dingen müssen wir zunächst beim schwächsten Glied der Kette anfangen. Als erstes müssen die unteren Schulformen reformiert und unterstützt werden-mit ihren vielen, vielen sozialen Problemen.
Der Philologenverband zäumt das Pferd wie immer von hinten auf. Und er müffelt nach: Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, sing nicht ihre Lieder.

Tigrib
1 Monat zuvor

Was ich derzeit in meinem Unterricht tue ist zum Großteil:
Konflikte klären,
verhaltensoriginelle Kinder im Zaum halten,
dafür sorgen, dass jeder mit Material (Stifte, Hefte, Bücher) versorgt ist,
diskutieren, dass man z.B. jetzt wirklich den Spiegel, die Schere etc. aus der Hand legt,
motivieren, zumindest die Pflichtaufgaben zu lösen,
Kontrollieren, dass sie sich tatsächlich gemacht wurden…
(Liste beliebig erweiterbar)

Wie bitte schön soll da Qualität rauskommen?

Marc
1 Monat zuvor

Bestenförderung hieße aber auch dass wir wieder zulassen müssen, dass Menschen unterschiedliche Realeinkommen und Lebensstandards erreichen. Also die Schere weiter auseinander gehen darf. Dazu sehe ich die Gesellschaft noch nicht wieder fähig. Aktuell ist man noch zu sehr im Gleichmachermodus. Leute mit Geld werden eher verachtet oder als elitär abgestempelt und Leute ohne Geld mit immer neuen und mehr Leistungen an die Mittelschicht angedrückt.

vhh
1 Monat zuvor

Beunruhigend an den Pisa-Ergebnissen ist nicht der Spitzenbereich. Herausragende SuS sind immer noch gut, Probleme gibt es in der Breite mit grundlegenden Fähigkeiten. Das wird eine ’stärkere Bestenförderung, besonders am Gymnasium‘ wohl kaum ändern. Handwerker und Techniker, Pfleger und Erzieher (bitte selbst gendern) haben meist mittlere Abschlüsse, eher selten ein Spitzenabitur.
Fokus auf Unterricht ist ein schlechter Witz, wer jemals ein Sommerhalbjahr mit Feiertagen, Abiturtagen, Wandertagen, Sommerfest, Sportwettkämpfen usw mitgemacht hat, kann leider darüber nicht mehr lachen. Das sind meist Vorgaben von ‚oben‘, von den Leuten, die auf dem Podium über Fokus auf Unterricht reden.
Die SWK meint, durch eine bessere M- und D-Didaktik im Studium könne die Motivation gesteigert werden. Übersetzung: ihr macht jetzt falschen Unterricht, weil ihr es nicht besser wisst. Jede/r wüsste Verbesserungen, aber wenn die KMK ihre Schwerpunkte entsprechend beschließt, materielle Voraussetzungen fehlen, ist das wie ein auf den Rücken gebundener Arm.
Sprachförderung gibt es noch nicht einmal für zugewanderte SuS in ausreichendem Umfang, wie dann für alle?
Was Frau Lin-Klitzing will, ist das Gymnasium als Eliteförderung. „wir wollen die Rückendeckung, Schwierigeres zu behandeln und höhere Leistungen fordern zu dürfen“ – gut, und was passiert mit dem ‚Ausschuss‘? Ab in die Restschule mit den 80%, die im Gymnasium nicht gewünscht sind? Viel Spaß, haltet mal eine Gesellschaft am Laufen, die nur aus Elite und Hilfskräften besteht, sowohl ökonomisch als auch sozial. Früher gingen ausreichend Ressourcen an Haupt- und Realschulen, oder auch später Gesamtschulen u.ä., heute bedeutet diese Eliteförderung nur, dass der größte Hai am meisten bekommt.

GriasDi
1 Monat zuvor
Antwortet  vhh

Wie schafft die Schweiz das nur mit ihren 20 %.

GriasDi
1 Monat zuvor
Antwortet  Redaktion

Macht Deutschland auch.

vhh
1 Monat zuvor
Antwortet  GriasDi

Es geht nicht darum, wie die Schweiz oder ‚die Wirtschaft‘ etwas schafft. Es geht um bestmögliche Förderung für alle, nicht Konzentration der sowieso schon unzureichenden Ressourcen auf eine Eliteförderung. Ich finde zehn mittlere Abschlüsse plus Ausbildungsvertrag befriedigender als eine Schülerin, die den Eingangstest für Harvard schafft (selbst wenn das natürlich großartig ist und ich mich ehrlich für sie freue). Auch Philologen sollten das eigentlich nicht anders sehen, aber Frau Lin-Klitzing sitzt eben zusätzlich im Elfenbeinturm.

447
1 Monat zuvor
Antwortet  vhh

Stimme Ihnen zu – mit einer Ausnahme: Es sollte BEIDES gehen.

Dazu braucht es eben reichlich Mittel, die auch eingesetzt werden wenn man weiß: Ist zu viel.
Richtig Gießkanne.

Die eine Harvard-SuS könnte der nächste Gates sein – brauchen wir.
Die zehn Azubis brauchen wir auch, denn bis wir die grob 1 zu 1 Mio. echten Erfinder gefunden haben muss die Gesellschaft noch Strom, Wasser und Straßen haben.

vhh
1 Monat zuvor
Antwortet  447

Absolut, Problem ist wirklich das entweder…oder.

Philine
1 Monat zuvor

Mit der Leistungsorientierung wird das nichts mehr, weil das Leistungsprinzip praktisch nur noch verbal existiert. Wachsweiche Schulleitungen und PolitikerInnen auf Stimmenfang haben das Ihre dazu beigetragen.

Philine
1 Monat zuvor

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass der Leistungszug an deutschen Gymnasien vor allem deshalb ins Stocken geraten ist und schließlich ganz Halt gemacht hat, weil „von oben“ mal mehr, mal weniger massiv Druck ausgeübt wurde, „wohlwollend“ zu bewerten. Eine vorteilhafte Statistik und Zufriedenheit bei Eltern und Schülern waren – und sind – eben das Wichtigste.