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Immer mehr Kinder bekommen Ritalin – Hamburg ist Spitzenreiter

HAMBURG. Kinder mit ADHS, die in Hamburg leben, bekommen besonders viel Ritalin verordnet. Die Hansestadt ist im bundesweiten Vergleich Spitzenreiter bei der Verschreibung des umstrittenen Medikaments für Schulkinder mit der Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung. Das hat der Verband der Ersatzkassen (vdek) mitgeteilt. Bundesweit gilt: Die Zahl der jährlichen ADHS-Diagnosen stieg zwischen 2006 und 2011 um fast 50 Prozent.

Das ADHS-Medikament Methylphenidat, besser bekannt unter dem Markennamen Ritalin, wird immer öfter in Deutschland verschrieben. Foto: ADHD Center / Flickr (CC BY-NC 2.0)

Das ADHS-Medikament Methylphenidat, besser bekannt unter dem Markennamen Ritalin, wird immer öfter in Deutschland verschrieben. Foto: ADHD Center / Flickr (CC BY-NC 2.0)

„Die Verordnungsrate des Wirkstoffs in Hamburg liegt rund 50 Prozent über dem Bundesdurchschnitt,“ berichtet der vdek und stützt sich bei der Analyse auf die Auswertung seiner Arzneimittelabrechnungsdaten aus dem vergangenen Jahr. Der vdek vertritt die sechs Ersatzkassen Barmer GEK, Techniker Krankenkasse, DAK-Gesundheit, Kaufmännische Krankenkasse KKH, HEK-Hanseatische Krankenkasse und hkk.

Nimmt man als Vergleichswert die verordneten durchschnittlichen Tagesdosen des Wirkstoffs pro 1000 Kindern, die bei den Ersatzkassen versichert sind, nimmt Hamburg mit 18,6 Tagesdosen Ritalin den ersten Platz ein. In Berlin werden nur etwa halb so viele Dosen verordnet (9,8). Auf den zweiten und dritten Platz kommen Rheinland-Pfalz (16,7) und Bremen (15,1). In Mecklenburg-Vorpommern wurden 6,7 Tagesdosen verordnet und damit die wenigsten bundesweit. Der Bundesdurchschnitt liegt bei einer Tagesdosis von 12,1.

„Rund 5000 gesetzlich versicherte Hamburger Kinder und Jugendliche schlucken das verschreibungspflichtige Betäubungsmittel Methylphenidat täglich“, heißt es. Bei den sechs Ersatzkassen waren nach vdek-Angaben 2012 rund 4,52 Millionen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene versichert, davon knapp 127.200 in Hamburg.

Über die Gründe für die auffällig hohen Verschreibungsraten von Ritalin in einzelnen Bundesländern konnte der Krankenkassenverband zunächst noch keine Angaben machen. Medikamente wie Ritalin sollten nicht die erste Wahl bei der Therapie sein, sondern zurückhaltend verwendet werden, sagte Ralf Baade von der vdek-Landesvertretung Hamburg. „Ihr Einsatz sollte immer eingebettet sein in ein therapeutisches Gesamtkonzept.“

Nach dem Arztreport der Krankenkasse Barmer GEK von Ende Januar 2013 wurde im Jahr 2011 bei rund 750.000 Menschen ADHS diagnostiziert – ein Plus von 49 Prozent binnen fünf Jahren. Bekamen 2006 noch 32.000 der 10- bis 14-Jährigen Ritalin verordnet, waren es fünf Jahre später bereits 42.000. Dem Report zufolge gab es 13 Kreise in Deutschland mit auffällig hohen Diagnoseraten: Sechs Kreise in Unterfranken, drei in Teilen von Rheinland-Pfalz und auch Mannheim war darunter. Dort gebe es wohl besonders viele Kinder- und Jugendpsychiater, hieß es damals zur Begründung. dpa

Zum Bericht: 2Lehrerverband warnt: Schüler schlucken zu viele Pillen“

 

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