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Hohe Abbrecherquoten bei Lehre oder Studium in MINT-Fächern

HANNOVER. Verbände, Unternehmen und Politik versuchen seit langem intensiv, Schüler für MINT-Berufe zu begeistern. Docht trotz bester Berufsaussichten, bricht ein großer Teil der jungen Menschen, Lehre oder Studium ab, berichtet die Arbeitsagentur zum Ende der IdeenExpo in Hannover.

In Niedersachsen schmeißen junge Menschen ausgerechnet in den sogenannten MINT-Berufen reihenweise ihre Lehre oder das Studium. Dabei sucht gerade die Industrie in den Bereichen Mathe, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) händeringend neuen Nachwuchs. Doch zwischen Harz und Küste bricht etwa in den Ingenieursstudiengängen gut jeder Vierte (zwischen 25 und 30 Prozent) sein Studium ab, in der betrieblichen Ausbildung ist es jeder Fünfte (20 Prozent). Das teilte die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit zum Ende der IdeenExpo am Sonntag in Hannover mit. Die am 24. August gestartete Mitmach-Messe soll junge Menschen für naturwissenschaftliche und technische Berufe begeistern.

MINT-Interessierte Jugendliche

Absolventen einer Lehre oder eines Studiums im MINT-BEreich haben beste Chancen auf eine Stelle. Foto: ME-Arbeitgeber / Flickr (CC BY 2.0)

Dass Unternehmen über den Fachkräftemangel klagen, ist bekannt. Die jüngsten Zahlen aus Niedersachsen verdeutlichen das Problem: Bei den Ingenieuren kommt auf eine gemeldete offene Stelle rechnerisch gerade einmal ein arbeitsloser Bewerber – und die Arbeitsagentur hat in der Regel noch nicht einmal Kenntnis über alle Stellenangebote.

Während bei den Ingenieuren das Verhältnis aus Arbeitslosen und Stellenangeboten 1:1 beträgt, kommen über alle Berufszweige hinweg rechnerisch sechs Bewerber auf eine offene Stelle. Noch schlimmer ist es laut der Behördenstatistik bei den sogenannten betrieblich ausgebildeten Technik-Fachkräften. So komme in der Betriebstechnik auf eine gemeldete Stelle rechnerisch noch nicht einmal ein Bewerber – es sind nämlich nur 0,7. Bei Technischen Zeichnern sei es sogar nur 0,4 und bei Fachkräften für IT- und Telekommunikation sogar nur 0,3.

Bei den Azubis sieht es laut Agenturstatistik nicht besser aus. In der Automatisierungstechnik komme auf eine Stelle zwar immerhin ein Bewerber, genauso bei den Mechatronikern. Doch bei Elektrikern liege das Verhältnis nur bei 0,7 und bei den Bau-Elektrikern bei 0,6.

«Ob Hochschulstudium oder betriebliche Ausbildung – in beiden Bereichen ist es schwierig, geeignete Bewerber und Absolventen zu finden», fasst Arbeitsagentur-Sprecher Michael Köster zusammen. Das hänge auch mit dem traditionellen Studien- und Berufswahlverhalten von Mädchen und Jungen zusammen. So bevorzugten die Jungen Berufe wie Kfz-Mechatroniker und Industriemechaniker. Auch Tischler, Fachkräfte für Lagerlogistik und Metallbauer seien unter den Top-Ten. Doch bei den Mädchen tauche in der Hitliste der Ausbildungsberufe kein technischer Beruf auf – und als einziges Handwerk nur Friseurin.

Für die Autoindustrie oder den Maschinenbau sind MINT-Berufe jedoch ein Schlüssel zur Wettbewerbsfähigkeit. Bei der Problembehebung verweist Sprecher Köster auf jüngste Erfolge bei den Studienanfängern im MINT-Bereich, deren Anteil relativ stark angezogen habe. Das deute darauf hin, «dass die Berufsberatung der Agenturen für Arbeit, unser gemeinsames Engagement in der Qualifizierungsoffensive Niedersachsen aber auch Veranstaltungen wie die IdeenExpo allmählich Früchte tragen».

Doch die hohen Abbrecherquoten machen einen zentralen Teil dieser Arbeit wieder zunichte. Laut Hochschul-Informations-System (HIS) sind Abbrecherquoten von rund einem Viertel jedoch keine Seltenheit. Nur Studierende der Fächer mit Staatsexamina – etwa Lehrer – liegen klar darunter. Das HIS betont in einer Analyse zum Thema, dass nicht wenige Studienanfänger in mathematisch-naturwissenschaftlichen sowie den ingenieurswissenschaftlichen Fächern regelmäßig «vor allem an den hohen Leistungsanforderungen zu scheitern» drohten. Zudem seien MINT-Stellen weniger teilzeitfreundlich, was Frauen abschrecke. (Heiko Lossie, dpa)

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