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Studie: Lehrerbildung ist praxisnäher geworden – aber Mentoren fehlen

GÜTERSLOH. Lehramtsstudierende wünschen sich mehr Praxisbezug im Studium. Zwar gibt es mittlerweile deutlich mehr entsprechende Angebote, doch diese sind weder zwischen den Ländern noch den Hochschulen untereinander abgestimmt, auch ihre Wirkung ist nicht ausreichend erforscht. Zu diesem Ergebnis kommt der Monitor Lehrerbildung in seiner aktuellen Publikation „Praxisbezug in der Lehrerbildung – Je mehr, desto besser?!“ und fordert unter anderem eine bessere Betreuung durch Mentoren.

Der „Praxisschock“ beim Einstieg in den Lehrerberuf ist unbestritten. Darauf haben die Länder und Hochschulen in Deutschland mit unterschiedlichen Maßnahmen reagiert. Doch nach einheitlich umgesetzten Standards sucht man vergeblich, wie die aktuelle Auswertung des Monitors Lehrerbildung zeigt. Ob im zweiten oder siebten Semester, in 14 Wochen, an 65 Tagen oder mit 30 Leistungspunkten, gemessen oder gezählt werden die Praxisphasen in jedem Land anders. Die Zuständigkeiten sind nicht eindeutig, in einigen Ländern sind die Hochschulen, in anderen die Studienseminare oder Zentren für Lehrerbildung verantwortlich, was einen Praxisbezug aus einem Guss erschwert.

Lehrer

Der Nachwuchs wünscht sich schon im Studium mehr Praxisbezug. Foto: younma / Flickr (CC BY-SA 2.0)

Dies ist ein zentrales Ergebnis des Monitor Lehrerbildung in seiner aktuellen Publikation „Praxisbezug in der Lehrerbildung – Je mehr, desto besser?!“. Das gemeinsame Projekt der Bertelsmann Stiftung, des CHE Centrum für Hochschulentwicklung, der Deutsche Telekom Stiftung und des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft hat sich zum Ziel gesetzt, die Diskussion über die Lehrerbildung mit aktuellen Fakten zu untermauern und Unterschiede zwischen den Ländern und Hochschulen sichtbar zu machen.

Als Erfolgsfaktor identifiziert der Monitor Lehrerbildung eine bessere Verzahnung von Schulpraxis und Hochschulstudium und empfiehlt insbesondere den verstärkten Einsatz von Lehrkräften aus dem Schuldienst in der Lehramtsausbildung und bei der Betreuung der Studierenden. Den Bedarf nach gut ausgebildeten Mentorinnen und Mentoren begründet Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung: „Gute Schule ist guter Unterricht und der wird durch gute Lehrer gemacht. Regelmäßiges und persönliches Feedback für angehende Lehrer von erfahrenen Pädagogen sollte ein verbindlicher Bestandteil der Ausbildung werden.“

Auch bei den Praxisphasen fordern die Projektpartner des Monitors Lehrerbildung künftig eine engere Kooperation aller Akteure, wie sie beispielsweise in Nordrhein-Westfalen vorgesehen ist. Dort soll das Praxissemester zwar von den Hochschulen verantwortet, aber dennoch mit den Schulen und Studienseminaren gemeinsam durchgeführt werden. Gleichzeitig sprechen sich die Initiatoren des Monitors Lehrerbildung für eine bessere Evaluation und Erforschung der Wirkung von Praxisphasen aus.

Ein zentraler Punkt ist die Erfahrung außerschulischer Praktika innerhalb des Lehramtsstudiums, wie Dr. Ekkehard Winter, Geschäftsführer der Deutsche Telekom Stiftung, erläutert: „Fasst man den Praxisbegriff weiter und nimmt die Lebens- und künftige Arbeitswelt der Schülerinnen und Schüler in den Blick, so fällt auf, dass hierzu kaum Konzepte zur Integration in die Lehramtsausbildung vorliegen. Notwendig wäre hier ein erweiterter Praxisbegriff, der künftigen Lehrkräften einen Perspektivwechsel ermöglichen kann.“

Der Monitor Lehrerbildung ist die bundesweit einzige Datenbank zum Lehramtsstudium. Unter www.monitor-lehrerbildung.de sind insgesamt mehr als 8000 relevante Daten und Fakten zur ersten Phase der Lehrerbildung abrufbar. Zu ausgewählten Themen veröffentlicht der Monitor Lehrerbildung Sonderpublikationen aufgrund von stetig aktualisierten Daten und qualitativen Erhebungen, so wie die im März 2013 erschienene Broschüre „Mobilität in der Lehrerbildung – gewollt und nicht gekonnt?!“. Der Monitor Lehrerbildung ist ein gemeinsames Projekt von der Bertelsmann Stiftung, dem CHE Centrum für Hochschulentwicklung, der Deutsche Telekom Stiftung und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. nin

Ein Kommentar

  1. An der Universität Passau, Fachbereich Katholische Religionslehre, ist diese enge Verzahnung bereits gegeben. Praktikumslehrer (=Mentoren) treffen sich jedes Jahr 2-mal mit den Fachleuten der Uni, enge Zusammenarbeit über das Praktikum hinweg, schöner gehts eigentlich nicht. Allerdings fehlt die Einbeziehung der Mentoren in die Bewertung. Die ist vom Gesetz her nicht vorgesehen. Eine tolle Schaustunde bringt die benötigten Punkte! Auch wenn sie dann in realiter in die Hose geht!
    Oder wenn der Student halt gar kein Gespür für die Lernenden hat.
    Der Praktikumslehrer darf (=muss) halt dann am Ende des Praktikums jeden Praktikanten eine Stunde lang beraten, was angesichts einer Stunde Ermäßigung pro Woche und mehr als 5 Praktikanten zu einem Zeitproblem wird.
    Lehrerbildung gehört auch raus an die Schule. Mit Bewertung und Beratung durch erfahrene Lehrkräfte!

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