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Seiteneinsteiger sollen drohende Lücken im Nordosten schließen

SCHWERIN. Mit einem neuen Lehrerbildungsgesetz will Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsminister Mathias Brodkorb dem drohenden Nachwuchsmangel an den Schulen des Landes begegnen. Dabei soll der Zuzug aus anderen Bundesländern und der Seiteneinstieg erleichtert werden. Von der Opposition kommt deutliche Kritik.

Mecklenburg-Vorpommern erleichtert Junglehrern aus anderen Bundesländern und Seiteneinsteigern ohne pädagogische Ausbildung den Weg in die Schulen des Landes. Der Landtag beschloss am Donnerstag dazu ein neues Lehrerbildungsgesetz. Demnach werden Lehramtsabschlüsse aus anderen Bundesländern nach den Vorgaben der Kultusministerkonferenz nunmehr anerkannt.

Fürchtet, bald nicht mehr alle Lehrerstellen besetzen zu können: Mecklenburg-Vorpommerns Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD). Foto: Stefanie Link/Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern

Der Nachwuchsbedarf in Mecklenburg-Vorpommern steigt. Bildungsminister Brodkorb will mehr Zuzügler aus anderen Bundesländern gewinnen und Seiteneinsteigern den Weg in den Lehrerberuf erleichtern. Foto: Stefanie Link/Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern

«Das Land ist künftig auf gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer auch aus anderen Bundesländern angewiesen. Wenn sie sich bei uns bewerben, dürfen sie keine Nachteile haben», sagte Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD). Durch das altersbedingte Ausscheiden vieler Pädagogen in den kommenden Jahren steigt der Nachwuchsbedarf im Land enorm. Das Durchschnittsalter der rund 11 000 Lehrer liegt bei knapp 50 Jahren.

Brodkorb verteidigte auch die Änderungen zugunsten sogenannter Seiteneinsteiger. Viele hätten ihre Fähigkeiten über Jahre hinweg unter Beweis gestellt und seien von den Kollegen anerkannt, müssten aber dennoch zum Teile erhebliche finanzielle Schlechterstellungen hinnehmen. «Aus welchem Grund sollten wir solche Kollegen noch mit zusätzlichen Prüfungen behelligen», fragte der Minister. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit solle auch an Schulen gezahlt werden. Vor allem an Berufsschulen sind solche Fachkräfte oft die einzige Möglichkeit, Personallücken zu schließen.

Die Bildungsexpertin der Linken, Simone Oldenburg, hielt an ihrer Kritik fest. «Es ist nicht zu verstehen, warum sie die Einstellung von Seiteneinsteigern ohne angemessene fachliche Qualifikation extrem fördern», sagte sie und forderte eine Pflicht zur berufsbegleitenden Qualifizierung: «Es geht um Kinder. Da muss es eine Fortbildung geben.» Dem pflichtete auch die Grünen-Abgeordnete Ulrike Berger bei. Praktische Erfahrung könne angerechnet werden. Laut Brodkorb sind in Bedarfsfällen Fortbildungen vorgesehen. «Jeder, dem das Rüstzeug für den Unterricht fehlt, braucht eine Qualifizierung», sagte er.

Zudem beklagte Oldenburg, dass sich die Lehrerausbildung an den Universitäten in Mecklenburg-Vorpommern weiterhin an Schularten orientiere und nicht an Bildungsgängen. Einen Wandel hätten auch Fachleute in den Anhörungen gefordert, bei den Regierungsfraktionen damit aber kein Gehör gefunden.

Brodkorb wies die Kritik zurück und äußerte sich überzeugt, dass mit dem neuen Gesetz die Qualität der Lehrerausbildung steigt. So erhielten Lehramtsstudenten künftig Unterricht zum Datenschutz. Mentoren, die Referendare betreuen, müssen neben einem Lehramtsstudium auch eine fünfjährige Berufserfahrung vorweisen. Für die Betreuung der jungen Lehrer gebe es Anrechnungsstunden. (dpa)

zum Bericht: Gymnasiallehrerchef Meidinger warnt vor Seiteneinsteigern – “Lehrer ohne pädagogische Ausbildung sollten Ausnahmen bleiben”

zum Bericht: Lehrer ohne Studium: Brodkorb will Seiteneinsteiger gewinnen – und erntet Kritik

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