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Andreas Stoch – ein Jahr zwischen Lob und Kritik

STUTTGART. Fast genau ein Jahr ist es her, dass Andreas Stoch (SPD) die umstrittene Gabriele Warminski-Leitheußer im Amt der Kultusministerin beerbt hat. Trotz generell überwiegender Sympathie bleibt Im Spagat zwischen Sparzwang und Bildungsreformen auch Stochs Kurs in der Kritik. Besonders die Vorgabe von 11 600 zu streichenden Lehrerstellen ist eine schwere Last für den Kultusminister.

Das Kultusministerium ist das kniffligste und zugleich öffentlichkeitswirksame Ressort, das Grün-Rot im Südwesten zu vergeben hat. Seit einem Jahr muss sich Andreas Stoch (SPD) mit vielfältigen Herausforderungen herumschlagen, die sich hinter Begriffen wie regionale Schulentwicklung, Inklusion, Ausbau von Gemeinschafts- und Ganztagsschulausbau sowie Schulfrieden verbergen.

Andreas Stoch - Kultusminister von Baden-Württemberg

Führt seit einem Jahr eines der schwierigsten Ressorts in Baden-Württemberg: Kultusminister Andreas Stoch (SPD). Foto: Sven Teschke/Wikimedia Commons (CC-BY-SA-3.0)

Seine Vorgängerin Gabriele Warminski-Leitheußer (SPD) hatte mangels Unterstützung aus der eigenen Fraktion Anfang 2013 das Handtuch geworfen. Dem seit 23. Januar 2013 amtierenden smarten Schul-Manager stärkt die Fraktion dagegen den Rücken. Sein Erfolg oder Misserfolg wird den Ausgang der Landtagswahl 2016 nicht unwesentlich beeinflussen.

Obwohl bildungspolitisch ein unbeschriebenes Blatt hat sich der ehemalige parlamentarische Geschäftsführer der SPD im Landtag nach Ansicht von Beobachtern gut in sein neues Themengebiet eingearbeitet. So meint die GEW-Landeschefin Doro Moritz er habe den Handlungsbedarf im Schulbereich sehr klar erkannt, bewältige ein großes Arbeitspensum und kommuniziere erfolgreich auch mit seinen Kritikern. «Darin unterscheidet er sich positiv von seiner Vorgängerin.»

Auch VBE-Landeschef Gerhard Brand lobt Ernsthaftigkeit, Verbindlichkeit und Fachkenntnisse des 44-Jährigen. Der Verband der Gymnasiallehrer (PhV) bescheinigt ihm handwerkliche Fähigkeiten, auch wenn er es war, des sich besonders über Stochs Vorschlag von Betriebspraktika für Lehrkräfte aufregte.

Doch ähnlich wie Brand meint PhV-Landeschef Bernd Saur, dass Stoch «das Bildungsschiff weiterhin auf falschem Kurs lenkt». Trotz der generellen Sympathie von Lehrern für SPD und Grüne hat Stoch es sich mit dieser Klientel weitgehend verscherzt. Die verschobene Altersermäßigung, die gekürzten Entlastung für außerunterrichtliche Tätigkeiten und die gestrichenen Anrechnungsstunden für Hausaufgabenbetreuung haben die Lehrer auf die Palme gebracht. Einschnitte für Beamten generell taten ihr Übriges. Selbst die eher wohlgesonnene GEW-Chefin sieht die Motivation der Lehrer wegen verschlechterter Arbeitsbedingungen schwinden.

Auf der anderen Seite steht Stoch unter Druck des grünen Koalitionspartners, der unbeirrt den Abbau von 11 600 Lehrerstellen bis 2020 fordert. Der bislang einzige Neuzugang im grün-roten Kabinett spricht vom «Spannungsverhältnis» zwischen Haushaltskonsolidierung und besserer Bildungsqualität. Dabei sei die von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) erstmals genannte Zahl «schwierig.»

Schließlich müssten auch die grün-roten Reformen wie Einbeziehung behinderter Schüler in die Regelschule und der Ausbau von Ganztags- und Gemeinschaftschulen finanziert werden, argumentiert der vierfache Vater. In der Lehrerversorgung sieht die CDU im Landtag auch Stochs Achilles-Ferse. Bildungsexperte Georg Wacker findet, dass der Jurist auch nach einem Jahr im Amt nicht zum Anwalt der Schulen geworden sei. «Er müsste sich mehr dafür engagieren, dass durch rückläufige Schülerzahlen freiwerdende Stellen im System verbleiben.»

Stochs Leistung wird daran gemessen werden, wie er die in den vergangenen zwölf Monaten angeschobenen Projekte umsetzt. Dazu gehört auch die regionale Schulentwicklung – ein von der Vorgängerregierung vernachlässigtes Megathema. Die Arbeitgeber vermissen bei der prinzipiell begrüßten Gestaltung der Schullandschaft die Einbindung regionaler Akteure auch aus der Wirtschaft. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt mahnt, regionale Schulentwicklung und Einführung der Gemeinschaftsschule besser abzustimmen. Zudem müssten im grün-roten Zwei-Säulen-Konzept mit Gymnasien und integrativen Schulen unterschiedliche pädagogische Konzepte möglich sein.

Die Hoffnung, mit einem Geldsegen aus Berlin mehr Spielraum für Vorhaben im Land zu haben, hat Stoch fast begraben. Sonst wäre er ein «wenig weniger grauhaarig», gab der Mann mit noch immer recht dunklem Haar kürzlich einen Einblick in sein Innenleben. Verbandschef Brand meint, man sehe Stoch bereits die Bürde der Aufgabe an: «Es ist ein hartes Amt, dafür bezahlt er mit seinen Nerven.» (Julia Giertz, dpa)

zum Bericht: Kultusminister Stoch verteidigt Umbau der Schullandschaft im Südwesten

zum Bericht: Baden-Württembergs Kultusministerin Warminski-Leitheußer gibt auf

Ein Kommentar

  1. otto hangleiter ('Franzose' mit Leib und Seele - HZ vom 18.04.(!)2013), Mozartstraße 71, 89551 Königsbronn

    Sehr geehrter Herr Stoch!
    Vielleicht erinnern Sie sich an mich: Letzten Montag begegneten wir uns iim Kino in Heidenheim. um den neuen Elser-Film anzuschauen. Wir begrüßten uuns per Hnadschlag, ich hatte meine Stöcke dabei, welche ich seit meinen sechs OPs (1x Wirbelsäule und 5x Keime) noch eine zeitlang nehmen muss. Ich saß in der Mitte der Reihe hinter Ihnen und ich meldete mich zweimal zu Wort.
    Falls es Ihre Zeit erlaubt, würde ich Ihnen einmal kurz meine Situatuon und mein Anliegen schildern. Ich bin bestimmt nicht Bodo Ramelow (s. HZ v. 17.04.2015), aber die Dinge gehen inhalltlich in die gleiche Richtung.
    (Grobe persönliche und nicht haltbare Beschimpfungen und bei mir noch die Ausnutzung meiner Situation eines Gehbeeinträchtigten). Nie durch die Öffentlichkeit. Hier erfuhr ich stets Entgegenekommen und Begleitung (Gemeinde KBR, Gdeverwaltung, Behörden, ehem. Schüler und deren Eltern sowie die vielen lieben und hilfsbereiten Kollegen. Wenn nötig, kann ich mich hierbei sehr gut wehren.
    Es g eh tim Gurnd nur umm die Peerosn in der Familie, mit de rich siet bald 4 Jharen zusammnelebe. Für rmich war vieles unfassbar. Ich würde gern mit Ihrer Hilfe und Beratung meine Gedanken sortieren, bevor etwas Schliimmeres passiert.
    Ich danke Ihnen!
    Ihr Otto Hangleiter

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