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Gewalt-Forscherin: Einige Amokläufe in Deutschland wurden verhindert

ULM. Mehrere Amokläufe in Deutschland sind nach den Worten der Kriminologin Britta Bannenberg in den vergangenen Jahren durch rechtzeitiges Eingreifen verhindert worden. «Selbstverständlich sind Taten verhindert worden – nur wird das natürlich meist nicht publik», sagte die Wissenschaftlerin, die als wichtigste Amok-Forscherin in Deutschland gilt, der «Südwest Presse». «Wir können das sicher sagen, weil wir etliche Fälle untersucht und Akten analysiert haben.»

Oft werden Amok-Drohungen an Schulwände gesprüht. Foto: Jörg Klemme, Hamburg / pixelio.de (1)

Oft werden Amok-Drohungen an Schulwände gesprüht. Foto: Jörg Klemme, Hamburg / pixelio.de (1)

Seit dem Amoklauf von Winnenden und Wendlingen im Jahr 2009 sei die Sensibilität an Schulen stark gewachsen, Drohungen werde deshalb meist gründlich nachgegangen. «Dadurch sind einige aufgefallen, die schon sehr weit waren in ihrer Planung. Da lagen die Waffen und der Abschiedsbrief schon bereit», sagte Bannenberg der Zeitung. Durch längere Aufenthalte in der Psychiatrie seien diese Jugendlichen aber zumeist sehr gut therapierbar und würden von den Mordfantasien Abstand nehmen.

Bannenberg ist Professorin für Kriminologie an der Universität Gießen. Nach dem Amoklauf von Winnenden und Wendlingen arbeitete sie im «Expertenkreis Amok» der Landesregierung Baden-Württemberg mit.

Zum fünften Jahrestag des Amoklaufs von Winnenden hat der Stuttgarter Regierungspräsident Johannes Schmalzl die Bürger ermuntert, weiter freiwillig ihre Waffen abzugeben. Seit 2009 seien in Baden-Württemberg rund 166.000 Waffen abgegeben und vernichtet worden, sagte Schmalzl. «Ich appelliere an alle, die sich Gedanken über ihre Waffe machen, diese Waffe bei den zuständigen Behörden abzugeben.» Am 11. März 2009 hatte Tim K. in der Albertville-Realschule mit der Waffe seines Vaters acht Schülerinnen, einen Schüler und drei Lehrerinnen getötet. Auf seiner Flucht nach Wendlingen erschoss der 17-Jährige drei Menschen und sich selbst.

Anfang 2009 waren in Baden-Württemberg noch rund 900.000 Waffen registriert, jetzt sind es laut Schmalzl rund 18 Prozent weniger. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst des Regierungspräsidiums hatte im Jahr 2009 insgesamt rund 92 Tonnen landesweit zurückgegebene Waffen vernichtet. dpa

Zum Bericht: Fünf Jahre danach: Weiße Rosen für die 15 Opfer des Amoklaufs

 

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