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Forscher fanden Vorboten einer Depression bei jedem achten Vorschulkind

LEIPZIG. Forscher der Universität Leipzig haben örtlich einen Kindergartenjahrgang auf Angst- und Depressionssymptome untersucht – und bei jedem achten Kind die Vorboten einer Depression festgestellt.

Eine unbeschwerte Kindheit? Haben viele Kinder nicht. Foto: goldsardine / Flickr (CC BY-ND 2.0)

Eine unbeschwerte Kindheit? Haben viele Kinder nicht. Foto: goldsardine / Flickr (CC BY-ND 2.0)

Wenn ein Fünfjähriger im Kindergarten wenig Interesse zeigt, sich am Spiel zu beteiligen,wird er zunächst kaum auffallen. „Die Aufmerksamkeit liegt eher auf Hyperaktivität und Aggression“, weiß Kai von Klitzing, Universitätsklinikdirektor und Professor für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters. Wenn ein Kind jedoch dauerhaft traurig ist, nicht spielen will oder lustlos in der Ecke sitzt, sollte man genauer hinschauen. Denn erwachsene depressive Menschen berichten häufig, dass ihre Krankheit schon im Kindesalter begann.“

Aktuell haben die Wissenschaftler in Leipzig auch die Eltern des Kindergartenjahrgangs nach Angst- und Depressionssymptomen bei ihren Kindern befragt. Demnach wiesen über 200 der untersuchten Kinder (zwölf Prozent) erhöhte Ängstlichkeit und depressive Verstimmtheit auf. Die Entwicklung etwa der Hälfte dieser Kinder war sogar schon stärker beeinträchtigt. Lagen Symptome wie Traurigkeit, Schlafstörungen, Gereiztheit oder Spielhemmung vor, wurden Kinder wie Eltern zu einer vertieften kinderpsychiatrischen Diagnostik eingeladen.

Besonders betroffen sind Kinder, deren Eltern selbst unter einer Depression leiden. Ein höheres Risiko haben aber auch diejenigen, die negative Lebenserfahrungen, wie Misshandlung und Vernachlässigung, schon in der frühen Kindheit erlebten. Andere Faktoren sind auch das Zerbrechen von Familien und früher Leistungsdruck. „Psychische Krankheiten sind in der Gesellschaft heute anerkannter als früher“, so der Psychotherapeut. „Dennoch glauben viele, die Kindheit sei sorgenfrei. Das ist aber eine Illusion.“ Dabei betont von Klitzing, dass nicht jedes Kind, das ängstlich ist, gleichzeitig depressiv wird. Phobische Symptome, wie Angst vor Dunkelheit und vor großen Tieren, seien genauso normal wie die anfängliche Angst und Traurigkeit, sich morgens vor dem Kindergarten von den Eltern zu trennen. „Ich finde es wichtig, die zu identifizieren, die wirklich leiden und echte Entwicklungsprobleme haben.“

Um rasch behandeln und einer Verstetigung vorbeugen zu können, hat von Klitzing zusammen mit seiner Kollegin, der Diplompsychologin Tanja Göttken, eine psychoanalytische Kurzzeitbehandlung für Kinder von vier bis zehn Jahren entwickelt und wissenschaftlich erforscht. In 25 Therapie-Sitzungen, von denen fünf mit und 20 ohne Eltern stattfinden, werden in Gesprächen und im Spiel unverarbeitete Konflikte des Kindes herausgearbeitet. „Es geht nicht darum, einfach die Symptom zu beseitigen, sondern für Kind und Eltern besser verständlich zu machen, welche ungelösten Entwicklungsaufgaben hinter den Symptomen stehen“, erläutert von Klitzing. In der Konfliktbearbeitung kommen sehr häufig Themen wie Trennung und Schuld auf. „Kinder fühlen sich rasch schuldig, wenn es Schwierigkeiten in der Familie, wie Partnerschaftsprobleme oder Krankheit der Eltern, gibt. Tief innerlich empfinden sie, dass es ihnen nicht besser gehen darf als den Eltern.“

Die Behandlung zeigte in einer kürzlich in der internationalen Fachzeitschrift „Psychotherapy“ veröffentlichten ersten Studie an 30 Kindern erstaunliche Erfolge: Bei allen Kindern verminderten sich die Symptome im Vergleich zur Kontrollgruppe deutlich, mehr als die Hälfte der Kinder war am Ende sogar völlig störungsfrei. Für die Therapeuten eine durchaus zufriedenstellende Entwicklung, die auch über sechs Monate nach Therapieende anhielt. „Dennoch wird ein Teil der Kinder eine längere psychotherapeutische Behandlung benötigen, um sich auch langfristig gesund entwickeln zu können.“

Das Expertenteam um den renommierten ärztlichen Kindertherapeuten und Ordinarius an der Medizinischen Fakultät forscht seit sieben Jahren zum Thema Depression im Kindesalter. Von Klitzing will den Weg bereiten für die Früherkennung einer Krankheit, die schwerwiegende soziale und ökonomische Folgen für die Gesellschaft hat. In Deutschland liegen die Kosten in Folge depressionsbedingter Frühverentungen bei geschätzten 1,5 Milliarden Euro jährlich. Nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit melden sich rund 300.000 Menschen im Jahr aufgrund ihrer Depression arbeitsunfähig, Tendenz steigend. News4teachers / mit Material des idw

Zum Bericht: Studie: Depressionen bei Kindern werden unterschätzt

3 Kommentare

  1. Birgit Schlegel

    Angesichts der steigenden Falle von Kinderpornographie finde ich das Foto hier einfach nur geschmacklos. Und wahrscheinlich sind viele Kinder auch depressiv weil sie sexuell missbraucht werden und oft die Taten u die Täter verharmlost bzw. Geschützt werden u dem Kind wird nicht geglaubt. Kein Wunder wird man da depressiv.

    • bitte nicht die kausalzusammenhänge umdrehen, auch wenn man über das foto streiten kann.

      insgesamt tendiert der artikel für mich stark in richtung werbung für den therapieansatz, weil ich 12,5% therapiebedarf wegen möglicher Depression viel zu viel finde. leider fehlt auch die genaue quelle des artikels, der einzige zur Psychotherapie mit 30 kindern, den ich spontan gefunden habe, ist von 1998, was den Eindruck der werbung für mich nur noch verstärkt.

      liebe redaktion, wenn ich mit meinem eindruck recht habe, sollten sie den artikel als anzeige kennzeichnen oder – noch besser – gar nicht erst veröffentlichen. mit der angst verdienen schon viel zu viele firmen viel zu viel geld von leuten, die es sich eigentlich nicht leisten können.

    • Das Foto hätte ich nie mit Kinderpornographie in Verbindung gebracht. Auch nach mehrmaligem Anschauen erschließt sich mir nicht, warum ich es tun sollte.

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