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Auch Realschule lehnt geistig behinderten Jungen ab

WALLDORF. Nach dem Gymnasium im badischen Walldorf hat auch die im gleichen Schulzentrum beheimatete Realschule  die Aufnahme des elfjährigen Henri abgelehnt. Die Eltern hattensignalisiert, ihren Sohn im Rahmen eines entsprechenden Schulversuchs die Schule besuchen zu lassen. Nun fordern sie von Kultusminister Andreas Stoch den Versuch an der Realschule durchsetzen.

Wie die schulische Zukunft des geistig behinderten Schülers Henri aus Walldorf (Rhein-Neckar-Kreis) weitergeht, ist noch immer offen. Nach einem Gymnasium weigert sich nun auch die Realschule in demselben Schulzentrum, den Jungen nach den Sommerferien in der fünften Klasse aufzunehmen. Wie Henris Eltern mitteilten, lehnte es die Gesamtlehrerkonferenz der Realschule ab, einen entsprechenden Schulversuch einzurichten. Nach Angaben der Eltern war in einer kurzfristig einberufenen Konferenz abgestimmt worden, nachdem die Eltern dem Staatlichen Schulamt Mannheim Interesse an diesem Kompromiss signalisiert hatten.

Nach dem Gymnasium lehnte nun auch die Realschule in Walldorf die Aunahme des elfjährigen Henri in die fünfte Klasse ab (Symbolbild). Foto. Kari Reine / Wikimedia Commons (CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0)

Nach dem Gymnasium lehnte nun auch die Realschule in Walldorf die Aunahme des elfjährigen Henri in die fünfte Klasse ab (Symbolbild). Foto. Kari Reine / Wikimedia Commons (CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0)

Vier Realschullehrerinnen hätten sich schriftlich bereiterklärt, eine inklusive Klasse mit Henri zu unterrichten. «Das ist für uns als Eltern unfassbar», hieß es in der Mitteilung von Kirsten Ehrhardt und Norbert Hirt. Kultusminister Andreas Stoch (SPD) müsse den Schulversuch an dem Schulzentrum durchsetzen, zu dem Realschule und Gymnasium gehören. Die Diskriminierung ihres Kindes müsse ein Ende haben.

Die Eltern des Jungen mit Down-Syndrom betonten, ihr Wunsch sei weiterhin, dass Henri auf dem Gymnasium inklusiv unterrichtet werde. Auf diese Schule werden viele der Freunde des Kindes wechseln, das bislang in einer regulären Grundschule unterrichtet wurde.

Henri könnte dem Unterricht an einem Gymnasium geistig nicht folgen und hätte daher ein anderes Lernziel als das Abitur – es wäre einer der ersten Fälle dieser Art an einem Südwest-Gymnasium.

Die Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft «Gemeinsam leben – gemeinsam lernen», Claudia Heizmann, erklärte, die Entwicklung in Walldorf sei erschütternd. «Erst das Gymnasium, jetzt die Realschule – beide sitzen zu Gericht über einen kleinen Jungen mit Down-Syndrom und weisen ihn, fünf Jahre nach Geltung der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland, einfach ab. Wie lange will sich die grün-rote Landesregierung das noch anschauen?» (dpa)

Kommentar von Nina Braun: Die Grenzen der Inklusion: Der Fall Henri wird zum Politikum

zum Bericht: „Beschämend“: Landesbeauftragter rügt Gymnasium, das geistig Behinderten nicht aufnehmen will

2 Kommentare

  1. leider steht in dem artikel nicht, ob das kind dem realschulunterricht folgen kann. falls nein, hat die konferenz richtig entschieden. falls ja, muss es weitere gründe geben, die im artikel leider auch fehlen, und die stärker wiegen, als die unterrichtsbereitschaft der lehrerinnen.

  2. Richtig! Völlig überfüllte Realschulen und Gymnasien und auf der anderen Seite mittelschulen die teilweise keine 6. Klasse mehr stellen können weil alle Schüler abwandern in die höheren Schularten. Und dann soll ein an down-syndrom erkranktes Kind in das gymnasium/ die Realschule übertreten? Abgesehen davon, dass mittelschullehrer viel mehr inklusiv ausgebildet werden ist es doch völliger Schwachsinn ein Kind, das womöglich auch dem mittelschulunterricht nicht folgen kann in eine Schule zu schicken in der die Geschwindigkeit und stoffdichte es den Lehrern oftmals nicht einmal möglich macht auf gesunde, aber lernschwache Kinder einzugehen. Das hat auch nichts mit Diskriminierung zu tun. Kleinere Klassen und langsamerer Unterricht in der mittelschule können doch nur förderlich sein, das müssen doch auch die Eltern verstehen?

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