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Deutscher Lehrerverband: Vier Ursachen des Lehrermangels

BERLIN. Nach Ergebnissen des Hochschul-Bildungs-Report 2020 hat sich die Lage bei der Lehrer-Bildung in Deutschland gegenüber dem Vorjahr noch einmal deutlich verschlechtert. „Die Politik und die Gesellschaft müssen endlich aufwachen und sich darum bemühen, dass die Tätigkeit als Lehrkraft wieder als attraktiver Beruf wahrgenommen wird!“, sagt der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus. 

Den Mangel an Lehrkräften sieht der Präsident vor allem in vier Problembereichen begründet:

  1. Der Lehrerberuf gelte zunehmend als Frauenberuf, insbesondere im Grundschulbereich, deshalb müssten verstärkt wieder männliche Studierende für das Lehramt gewonnen werden.
  2. Besonders in den Mangelfächern im MINT-Bereich wanderten qualifizierte Leute, die vielleicht sogar auf Lehramt studiert haben, in Berufsbereiche mit besseren Bedingungen in die Wirtschaft ab.
  3. In den Bildungssystemen vieler Länder in Deutschland fehle es an Leistungsanreizen wie Beförderungsmöglichkeiten und Leistungsprämien, die Berufstätigen eine attraktive Entwicklung ihrer Karriere bieten.
  4. Gesellschaft und Politik müssten sich fragen lassen, ob die Misere nicht auch durch die verbreiteten Diskurse über Lehrer als angebliche Halbtagsjobber und Faulenzer entstanden sei, die dem Ansehen der Lehrkräfte in der Öffentlichkeit geschadet habe. So gewinne man nicht die besten und engagiertesten Abiturienten für den Lehrerberuf. Außerdem sei das Lehramt zunehmend mit sozialpädagogischen Inhalten überfrachtet, indem Schule immer mehr zur gesellschaftlichen Reparaturanstalt umgewidmet werde.

Eine Änderung des gesellschaftlichen Ansehens der Lehrkräfte könnte zu zahlreichen und hochqualifizierten Bewerbern führen. Das hätten die Gegebenheiten in verschiedenen europäischen Ländern bewiesen, in denen die Anzahl der Bewerber für ein Lehramtsstudium regelmäßig die Anzahl der möglichen Studienplätze übersteige.

Kraus wies auf ein weiteres, nach eigenen Angaben verwandtes Problem hin, das von der Politik ebenfalls größtenteils ignoriert werde: „Zunehmend fehlt es an Bewerbern für Schulleiterstellen. Mögliche Kandidaten sind oft nicht mehr bereit, den Mangel an Personal und Sachmitteln an den Schulen zu verwalten und die ohne Rücksprache mit den Betroffenen geplanten sogenannten Bildungsreformen umsetzen zu müssen.“

Ein Kommentar

  1. In der Wirtschaft wird Leistung gefordert und auch entsprechend bezahlt. Zusätzlich wird auch der Arbeitsplatz mit allen notwendigen Arbeitsmitteln ausgestattet.
    In der Schule hat man jede Menge Stress und teilweise eine miserable Arbeitsplatzausstattung. Viele sagen sich, dass es besser ist, woanders zu arbeiten.
    Es gilt der Spruch: “Wenn man mit Erdnüssen bezahlt, muss man sich nicht wundern, wenn Affen für ihn arbeiten.”

    PS: Ich habe in der Wirtschaft gearbeitet und bin aus verschiedenen persönlichen Gründen Lehrer geworden.

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