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„Mathematik ist sexy“: 32-jähriger Mathe-Prof aus Münster erhält Förderpreis von einer Million Euro

MÜNSTER. Auf die Frage, warum für viele Menschen Mathematik so unsexy wirkt, antwortet Benedikt Wirth lachend (im Interview mit der Deutschen Welle jedenfalls): „Ich glaube da fragen Sie den Falschen. Für uns Mathematiker ist Mathematik natürlich sehr sexy – die ‚sexieste‘ Wissenschaft überhaupt.“ Bei Wirth scheint die Zuneigung zum Fach besonders ausgeprägt zu sein. Der Professor von der Uni Münster ist zur Förderung seiner Arbeit jetzt mit dem mit einer Million Euro dotierten Alfried-Krupp-Förderpreis ausgezeichnet worden.

Grunde ist Mathematik ähnlich wie die Rätselseiten in Magazinen", meint Benedikt Wirth. Foto: privat

Grunde ist Mathematik ähnlich wie die Rätselseiten in Magazinen“, meint Benedikt Wirth. Foto: privat

Seiner mathematischen Erforschung von Formen seien wegweisende Lösungen für komplexe Fragen unseres Lebens zu verdanken, sagte die Kuratoriums-Vorsitzende der Krupp-Stiftung, Ursula Gather, bei der Verleihung in Essen. Der 32-Jährige beschäftigt sich mit der mathematischen Betrachtung von Formen und deren Verbesserung. Seine Ansätze kommen etwa bei der Auswertung medizinischer Bilddaten zur Anwendung. Auch für die Produktion stellt Wirth mathematische Lösungen bereit, zum Beispiel bei der Konstruktion von Turnschuhen. Für mehr Interesse am Fach des Preisträgers warb Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD): „Mathematik erklärt die Welt und Mathematik kann neue Welten eröffnen“, sagte Kraft, bevor sie nun den Preis überreichte. Wer sich auf die Disziplin einlasse, könne, wie Wirth, neue Verbindungen zu anderen Wissenschaften knüpfen und zur Fortentwicklung zahlreicher praktischer Anwendungen beitragen.

Woher kommt die Scheu vieler Menschen vor der Mathematik. Wirth meint (gegenüber der Deutschen Welle): „Ich glaube, der schlechte Ruf kommt aus der Schule. Mathematik ist sehr schwierig, deswegen sind viele Schüler schlecht in dem Schulfach. Zumindest ist es sehr einfach, schlecht in Mathematik zu sein. Ich glaube, das schlägt dann häufig in Unmut und eine generelle Abneigung gegenüber der Mathematik um.“ Ihm selbst sei Mathe in der Schule leicht gefallen. „Im Grunde ist Mathematik ähnlich wie die Rätselseiten in Magazinen, bloß ist ein größerer Basisschatz an Techniken nötig. Solche Knobeleien in Magazinen erfreuen sich ja auch großer Beliebtheit“, meint er.

Ob es eine besondere mathematische Aufgabe gegeben habe, an der er sich ewig die Zähne ausgebissen habe, so wird Wirth gefragt. Antwort: „Nein, ewig nicht. Es gibt schon mehrere mathematische Probleme, an denen ich über eine Zeitspanne von vielleicht einem Jahr gesessen habe. Ein solches Beispiel: Wenn ich ein Bauteil habe, das eine bestimmte Last aushalten muss, dann kann man versuchen auszurechnen, wie die optimale Form dieses Bauteils aussieht. Das direkt auszurechnen ist viel zu kompliziert. Aber man kann bestimmte Eigenschaften von dieser Form beweisen: wie viel Material sie wirklich verbraucht, wie feingliedrig sie ist, solche Dinge. An dieser Aufgabe habe ich mir tatsächlich ein Jahr lang die Zähne ausgebissen, aber am Schluss hat es dann doch geklappt.“

Ob er denn eine Lieblingsformel habe? „Nein, Lieblingsformeln habe ich nicht. Aber generell ist es so: je einfacher die Formel und je kürzer, desto lieber ist sie mir“, sagt Wirth. Das zumindest dürfte Schülern nicht anders gehen.

Wirth war im Oktober an die Universität Münster berufen worden. Der gebürtige Kieler promovierte 2010 an der Universität Bonn, forschte und lehrte anschließend auch in Graz und an der New York University. Der Krupp-Förderpreis ist einer der höchstdotierten Preise für den wissenschaftlichen Nachwuchs in Deutschland. Mit 32 Jahren gehört Wirth zu den jüngsten im Kreis der mittlerweile 35 Preisträgern. News4teachers / mit Material der dpa

Zum Bericht: Präpariertes Gehirn des Mathematikers Gauß verwechselt

Ein Kommentar

  1. Der Satz „Zumindest ist es sehr einfach, schlecht in Mathematik zu sein.“ gefällt mir, weil er so wahr ist. Ohne Idee für die Lösung hat man keinen Erfolg bei einer Aufgabe und ohne Erfolg erwirbt man keine neuen Ideen. Gepaart mit der (mittlerweile) sehr geringen Geduldsspanne bei den Schülerinnen und Schülern wird aus dem andauernden Misserfolg leicht Frust und Hass auf das Fach.

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