Anzeige


Startseite ::: Politik ::: Reaktion auf den Brandbrief: Bündnis für Inklusion macht Druck auf die Politik

Reaktion auf den Brandbrief: Bündnis für Inklusion macht Druck auf die Politik

HAMBURG. Gegen die zunehmenden Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Inklusion in Schulen – und den wachsenden Widerstand insbesondere in der Lehrerschaft – hat sich in Hamburg jetzt ein Bündnis aus Lehrer- und Elternverbänden sowie Gewerkschaften gebildet. Dessen Forderungen richten sich vor allem an die Politik, konkret wird „eine deutliche Erhöhung der personellen, räumlichen und sächlichen Ausstattung der schulischen Inklusion“ verlangt, wie es in einem Memorandum heißt. Der Brandbrief einer Hamburger Schule zu den Problemen mit der Inklusion hatte unlängst bundesweit für Aufsehen gesorgt.

Wird ein Kind mit Down-Syndrom an einer Regelschule genauso gut gefördert wie an einer Förderschule? Foto: Rich Johnson / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Wird ein Kind mit Down-Syndrom an einer Regelschule genauso gut gefördert wie an einer Förderschule? Foto: Rich Johnson / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Zum „Hamburger Bündnis für schulische Inklusion“ haben sich 17 Organisationen zusammengeschlossen – von der GEW über den Deutschen Gewerkschaftsbund, die Hamburger Elternkammer, Elternvereine, Schulleiterverbände und andere schulpolitische Vereinigungen wie die Schülerkammer Hamburg. „Die größte Reform an Hamburgs Schulen seit Jahrzehnten soll ohne zusätzliche personelle und sächliche Mittel ins Werk gesetzt werden“, so heißt es in einer Presseerklärung der GEW. „Viele KollegInnen an den Grund- und Stadtteilschulen fühlen sich allein gelassen mit der Verantwortung für gelingende Inklusion, SonderpädagogInnen sollen für so viele Kinder zuständig sein, dass Förderung nicht gelingen kann. Denn eins ist klar: Ohne erhebliche zusätzliche öffentliche Mittel für die Inklusion wird das Ziel nicht zu erreichen sein: Das Recht jedes Kindes und Jugendlichen auf bestmögliche Förderung gemeinsam mit allen anderen.“

In dem Memorandum wird die „inklusive Schule“ als „Schule der Zukunft“ bezeichnet. „Sie erfordert ein grundlegend verändertes Verständnis von Schule und eine umfassende Unterrichts-und Schulentwicklung“, heißt es. Das bedeute im Einzelnen: die Übernahme der Verantwortung für jeden einzelne Schüler, die gezielte Entwicklung einer Lerngemeinschaft, „in der sich alle respektieren und gegenseitig unterstützen als Grundlage für ein erfolgreiches gemeinsames Lernen in Vielfalt“ und die Gestaltung des Unterrichts so, dass jeder Schüler „seine kognitiven, ästhetischen, motorischen, emotionalen, kommunikativen und sozialen Potentiale zu Entfaltung bringen kann“.

Rückmeldungen zu den Leistungen und Lernfortschritten, so fordert das Bündnis, hätten sich auf die individuellen Möglichkeiten und Entwicklungen „der einzelnen SchülerIn“ zu beziehen – und nicht nur auf die Bildungspläne. Gefordert sei darüber hinaus eine „intensive Zusammenarbeit der PädagogInnen in multiprofessionellen Teams“ sowie eine „entfaltete Partizipation von SchülerInnen, Eltern und schulischen MitarbeiterInnen“. Last but not least: „Die umfassende Realisierung einer inklusiven Schule erfordert eine inklusive Schulstruktur, die eine Aussonderung von SchülerInnen gegen ihren oder den Willen der Eltern ausschließt.“

Allerdings seien die derzeit herrschenden Rahmenbedingungen in Hamburg unzureichend. „Nach Berechnungen der GEW fehlen an den Stadtteilschulen 350 und an den Grundschulen 200 Stellen für eine gelingende Inklusion“, so rechnete Anja Bensinger-Stolze, Vorsitzende der GEW Hamburg, vor. Insgesamt entstünden zusätzliche Kosten von rund 30 Millionen Euro. Diese seien notwendig, um von der viel zu geringen systemischen Zuweisung endlich auf eine Zuweisung umzustellen, die sich an der tatsächlichen Zahl inklusiv zu beschulender Kinder orientiert. Bensinger-Stolze: „ Inklusion geht nicht im Sparmodus, das muss die Politik endlich einsehen.“

Lehrer und Eltern der Hamburger Stadtteilschule in Langenhorn hatten in einem Brief an Bildungssenator Ties Rabe (SPD) kritisiert, dass die ihnen zugewiesenen sonder- und sozialpädagogischen Ressourcen nicht ausreichen, um eine erfolgreiche Inklusion umsetzen zu können. „Aufgrund der hohen Zahl verhaltensauffälliger Schüler ist ein halbwegs normaler Unterrichtsalltag in vielen Klassen nur möglich, weil unsere engagierten Kollegen über ihre Belastungsgrenzen hinaus in vielen Stunden unbezahlter Mehrarbeit für das Gelingen der Inklusion in den Klassen kämpfen“, heißt es in dem Schreiben. News4teachers

Zum Bericht: Inklusion: Immer mehr Schulen kapitulieren – zwei neue Brandbriefe

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*