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Weiterer Zustrom erwartet: Lehrer-Ausbildung für Flüchtlingskinder wird ausgeweitet

ERFURT. Thüringen baut die Weiterbildung von Pädagogen aus, damit Flüchtlingskinder schneller Deutsch erlernen können. «Wir werden mit Beginn des neuen Schuljahres einen zweiten Kurs starten», sagte der Sprecher des Thüringer Instituts für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (Thillm), Rigobert Möllers, in Bad Berka. «Es gibt 70 Anmeldungen.» Die Paritätische Buntstiftung Thüringen verwies am Mittwoch darauf, dass allein 2014 schätzungsweise eintausend Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter als Flüchtlinge in den Freistaat gekommen sind.

Ziel sei es, die Pädagogen auf die unterschiedlichen Herausforderungen an ihren Schulen vorzubereiten, erläuterte Möllers. Die Deutschkenntnisse der Schüler «nichtdeutscher Herkunftssprache», wie es im Amtsdeutsch heißt, seien sehr unterschiedlich. Seit kurzem sind die ersten 15 speziell qualifizierten Lehrkräfte im Freistaat tätig.

Laut Bildungsministerium lernen derzeit insgesamt 4000 ausländische Kinder und Jugendliche in Thüringen. Aufgrund der politischen Lage sei mit mehr jungen Flüchtlingen aus islamischen Ländern zu rechnen, sagte Ministeriumssprecher Gerd Schwinger. «Wir konzentrieren uns darauf, ihnen und anderen Ausländer-Kindern in den Schulen Angebote zu machen, Deutsch als Zweitsprache zu erlernen.» Dies sei wichtig, damit sie auch dem Fachunterricht folgen und sich besser integrieren könnten.

Der Leiter des Staatlichen Schulamtes Weimar, Ralph Leipold, berichtet von Schulanfängern, die gutes Alltagsdeutsch sprechen, sowie 15-Jährigen, die noch nie eine Schule besucht haben und weder Lesen, Schreiben noch Deutsch könnten. Darauf müssten sich die Lehrer immer wieder neu einstellen. Ziel sei, dass die Kinder nach dem Erlernen der Alltagsbegriffe möglichst schnell in eine der Lerngruppen wechseln können.

In Mittelthüringen gibt es Leipold zufolge fünf Intensivkurse mit je zehn bis zwölf Kindern. Alle seien in Erfurt. Ein weiterer Kurs entstehe in Kürze in Weimar, da dort weitere Flüchtlingsfamilien erwartet würden.

Nach Ansicht der Paritätischen Buntstiftung Thüringen steht das Schulsystem vor völlig neuen Herausforderungen. Die Flüchtlingskinder bräuchten schnell guten Sprachunterricht etwa nach dem Beispiel der «Kindersprachbrücke» in Jena. Die wolle in diesem Jahr ein Modellprojekt in einer Stadt und auf dem Land starten. Dabei sollen ausgebildete Fachkräfte auf Honorarbasis oder bei den Trägern angestellt werden.

Ziel müsse ein flächendeckendes und kostengünstiges Netz mit Vorbereitungsklassen in Schwerpunktschulen sein, erklärte die Stiftung weiter. 2015 könnte noch Geld in den Landeshaushalt eingestellt, das System auf ganz Thüringen ausgedehnt werden. Der Geschäftsführer der Kindersprachbrücke, Wolfgang Volkmer, schätzt die Gesamtkosten auf 1,5 Millionen Euro. dpa

Zum Bericht: “Der alltägliche Wahnsinnn” – Deutschunterricht für Flüchtlingskinder

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