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GEW: Schleswig-Holsteins Inklusionskonzept lässt viele Fragen offen

KIEL. Rund ein halbes Jahr nach seiner Veröffentlichung erscheint das Inklusionskonzept der schleswig-holsteinischen Landesregierung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft immer noch als „ein Sammelsurium von Fragezeichen“. So formulierte es der Landesvorsitzende der Gewerkschaft, Matthias Heidn, auf dem Fachtag des Bildungsausschusses zum Thema Inklusion im Landtag.

Landtag Schleswig-Holstein

Landeshaus Kiel, Sitz des schleswig-holsteinischen Landtags. Foto: arne.list/flickr (CC BY-SA 2.0)

„Wo sollen die Lehrerstellen herkommen, damit Inklusion gelingen kann? Wie soll der konkrete Einsatz der so genannten Schulassistentinnen und -assistenten aussehen? Welche Mindestqualifikation sollen sie mitbringen? Wer wird ihr Arbeitgeber? Welche konkrete Rolle spielen die so genannten Zentren für Inklusive Bildung (ZIB)? Was passiert mit den übrigen Förderzentren? Gäbe es hier keine Redezeitbegrenzung von zwei Minuten könnte ich den Fragenkatalog noch erheblich verlängern. Überall fehlt es im Konzept an den notwendigen Konkretisierungen“, sagte Heidn laut einer Pressemitteilung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Einziger Lichtblick aus seiner Sicht: die angekündigte Schaffung von 50 zusätzlichen Stellen für Sonderschullehrerinnen und -lehrer. „Für das Gelingen der Inklusion sind das zwar noch viel zu wenig. Aber das ist immerhin ein konkreter und guter Anfang!“

Die Erwartungen seiner Gewerkschaft beschrieb der GEW-Landesvorsitzende folgendermaßen: „Mehr Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen, mehr Doppelbesetzungen, kleinere Klassen sowie multiprofessionelle Teams aus verschiedenen pädagogischen Berufen.“ Nach Berechnungen der GEW seien 1000 zusätzliche Lehrerstellen für die Inklusion erforderlich. So wie es jetzt aufgrund der schlechten Rahmenbedingungen an vielen Schulen laufe, gehe Inklusion zu Lasten von Lehrkräften und Kindern.

Was die berufliche Qualifikation der schulischen Assistenzkräfte betreffe, halte die GEW mindestens das Niveau einer Erzieherin für erforderlich, so der Gewerkschafter. Arbeitgeber solle das Land werden, da diese Kräfte ergänzende Aufgaben im Unterricht wahrnähmen. Aus Sicht seiner Gewerkschaft dürften sie allerdings nicht als Ersatz für die bisherigen Schulbegleiter betrachtet werden, weil Schulbegleiterinnen und Schulbegleiter nach wie vor für die individuellen Bedürfnisse mancher Kinder gebraucht würden. 2012 gab es laut GEW in Schleswig-Holstein rund 1100 Anspruchsberechtigte für Schulbegleitung.

Unterstützung erhält die Landesregierung von der Gewerkschaft für ihre Absicht, auch in Zukunft Kinder mit bestimmten Förderbedarfen an Förderzentren unterrichten zu lassen. Für Kinder mit bestimmten Handicaps, so Matthias Heidn, seien Förderzentren auch in Zukunft ein guter Weg.

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