Startseite ::: Nachrichten ::: Urteil: Eltern dürfen nicht vorschnell über Religion der Kinder entscheiden

Urteil: Eltern dürfen nicht vorschnell über Religion der Kinder entscheiden

Gehören Eltern unterschiedlichen Religionen an und leben Kinder nach der Scheidung bei nur einem Elternteil, dürfen sie nicht verfrüht in eine der Religionsgemeinschaften eingegliedert werden. Das hat das Oberlandesgericht Hamm entschieden (Az.: 12 UF 53/12), wie die Arbeitsgemeinschaft Familienrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) mitteilt. Das Gericht entschied gegen die Taufe und Kommunion zweier Kinder, deren Vater einer anderen Glaubensgemeinschaft angehörte als die Mutter.

In dem verhandelten Fall lebten die zwei Kinder seit der Scheidung ihrer Eltern bei der Mutter. Die Mutter ist Christin, der Vater Moslem. Die Kinder gehörten noch keiner Religionsgemeinschaft an. Sie besuchten eine katholische Schule am Wohnort der Mutter und nahmen am Religionsunterricht teil. Die Mutter wollte die beiden Kinder katholisch taufen und sie an der Kommunion teilnehmen zu lassen. Der Vater war damit nicht einverstanden. Daraufhin beantragte die Mutter bei Gericht, ihr die alleinige Entscheidung über Taufe und Kommunion zu übertragen.

Justitia

Schüler haben keinen Anspruch auf einen geringen Ausländeranteil in ihrer Klasse urteilte das Berliner Verwaltungsgericht. Foto: dierk schaefer / flickr (CC BY 2.0)

Das Gericht erster Instanz gab der Mutter Recht. Der Vater legte Beschwerde gegen den Beschluss ein. Er sah die Gefahr, dass sich die Kinder mit dem christlichen Glauben identifizieren und sich folglich nicht mehr für die islamische Religion interessieren würden.

Vor dem OLG hatte der Vater Erfolg: Die frühzeitige Integration der Kinder in eine der beiden Religionsgemeinschaften entspreche nicht am besten dem Kindeswohl. Auch ohne Taufe und Kommunion könnten die Kinder weiter den Religionsunterricht besuchen. Erst nach dem 14. Geburtstag können sie selbst entscheiden, zu welcher der beiden Religionsgemeinschaften sie gehören möchten. dpa

18 Kommentare

  1. ja und wenn die beiden Eltern nun eine Veganerin und ein Fleischliebhaber wären …
    würden dann die Kinder bis zum 14. Lebensjahr nichts zu essen kriegen?

    So ein Urteil kann es wohl nur in Berlin geben. Gerade in der katholischen Kirche ist doch das Mitmachen und Dazugehören (z.B. bei der Kommunion) ein zentraler Punkt, und nur wer es erlebt hat, kann sich mit 14 begründet entscheiden, ob er oder sie es aus eigener Entscheidung weiterführen will. (Ich kenne viele, die es aus guten Gründen nicht weiter wollten…)
    Auch von Muslimen kann man ein wenig Toleranz erwarten.

    • Wie kann von Menschen, die in unserer Gesellschaft als Opfer gelten, Toleranz erwartet werden? Außer den Muslimen gibt es weitere Opfergruppen. Sie haben vorwiegend Rechte und die anderen Pflichten.
      „Toleranz“ ist zu einem Kampfbegriff für politische Begünstigung geworden und somit zum Gegenteil dessen, was die Allgemeinheit mit ihr verbindet. Typisch Neusprech: Positive Begriffe werden mit neuen Inhalten gefüllt, die immer weniger mit der ursprünglichen Bedeutung zu tun haben.
      Wer merkt schon die unterschwellige Gesinnungserziehung durch inhaltliche Veränderung sympathischer Schlüsselbegriffe?

      • @ Reinhard:

        Es geht hier um einen Vater, der Muslim ist, nicht um DIE Muslime. EIN Mensch, der Muslim ist, hat einen Streit mit seiner Ex-Frau. plötzlich sollen aber ALLE Muslime tolerant sein bzw. schwingt in meinen Ohren ein Unterton mit, der ihnen per se Nichttoleranz unterstellt.

        Außerdem: Sehen Sie doch den Menschen als Einzelperson mit ner Menge an Eigenschaften und Identitätsmerkmalen, die ihn ausmachen und nicht automatisch als Muslim, dessen gesamte Identität und Handlungsantriebe sich auf seine Religionsangehörigkeit reduzieren lässt. Und der dann quasi automatisch und ohne Entscheidungsgewalt über sich selbst danach handelt.

        Würden Sie das bei einer Ausage über einen Christen oder Juden auch machen? Würden Sie sich in ihren Handlungen auf ein Merkmal reduzieren lassen wollen? Ich glaube nicht.

        @ Ketzer:

        Was soll man zu so viel krudem Zeug noch sagen? Ihre Aussagen entbehren jeglicher empirischer Grundlage und sind pure Unterstellung. Und außerdem in meinen Augen das, was man treffend mit „Hetze“ bezeichnet. Ihr Ton klingt sehr nach PEGIDA und AfD und das ist mehr als unangenehm.

        • Ich sehe schon, dass es um einen bestimmten Fall geht. Aber Sie sehen doch auch, dass solche Urteile immer eine Präzedenzwirkung haben – und die Folgerung, dass die Kinder dann erst mal gar keine Religion kennenlernen dürfen, wäre nur für Dawkins-Anhänger erfreulich.
          Aus genau solchen Gründen empfehlen alle Religionsgemeinschaften ja, sich Ehen mit Andersreligiösen sehr gut zu überlegen. Zwist dieser Art entgeht man nur dann, wenn beiden Partnern ihre Religion oder ihr Unglaube völlig und dauerhaft unwichtig ist, und das hat nicht mal Heinrich Heine dauerhaft durchgehalten.

          • Nachsatz: glücklicherweise gibt es unter Muslimen und Christen und vermutlich auch unter Atheisten genügend Beispiele für gelebte Toleranz, wo auch der geliebte Mensch einen anderen Weg einschlagen darf. Die landen ja nicht vor Gericht und werden so auch nicht bei News4T bekannt.

        • Vorsicht Georg! Mit Ihren Worten an Ketzer bestätigen Sie eindrucksvoll Ihren Hang zur Nazikeule gegenüber Andersdenkenden.
          Dass die Forderung nach „Toleranz“ heutzutage sehr einseitig zum Einsatz kommt und weitgehend zum Kampfbegriff geworden ist, haben doch die meisten Menschen längst mitbekommen.

          • Mmmh, ich frage mich, wo Sie 1. eine „Nazikeule“ sehen und 2. einen Hang von mir dazu ausmachen.

            Um zu hetzen muss man kein Nazi sein – dazu reicht auch schon viel weniger, z. B. ein vorurteilsbeladenes Bild von Menschengruppen, z. B. Muslimen. Und um bei PEGIDA und AfD mitzumarschieren, brauchts auch keine lupenreine braune Gesinnung

            Schade finde ich, dass Sie sich mit keinem Wort am pauschalisierenden und suggestiven Kommentar von ketzer stoßen, sondern sich ausschließlich an mir abarbeiten.

            Deshalb frage ich mich zweitens, was ich genau davon halten soll.

          • Dann fragen Sie sich mal weiter, Georg.
            Dumm stellen, gilt nicht. Ketzer haben Sie doch mit PEGIDA und AfD in Verbindung gebracht, um ihm rechte Gesinnung anzuhängen, die wiederum Assoziationen mit „Nazi“ hervorruft.
            „keine lupenreine braune Gesinnung“ wie Sie es nennen, ist eben doch eine braune.
            Einerseits vorzugeben, gegen „ein vorurteilsbeladenes Bild von Menschengruppen“ zu sein, andererseits diese Untugend selber zu pflegen, ist für mich pharisäische Heuchelei.

  2. Am besten ist keine religiöse Bildung (Bindung)! Religionen sind von Menschen frei erfunden und alle haben definitiv eine absolutistische Tendenz. Dogmatisch sowieso. Alles Übel – z.B. Religionskriege – zeugt davon. Seit dem Bestehen – insbesondere der abrahamistischen Religionen- darf es dann sogar nur noch „Einen“ geben – klar dass das Zoff gibt!
    Besser wäre die Kinder nicht mit dieser Gehirnwäsche zu indoktrinieren, statt dessen neutralen Geschichts- und Ethik-Unterricht und vor allem Aufklärung und Wissen vermitteln.
    Religion ist übrigens das Gegenteil von Wissen, sonst würde es ja nicht Glauben heißen. Denn: was wir wissen müssen wir nicht glauben, dafür gibt es eindeutige und nachvollziehbare Hinweise und Beweise – alles andere führt zum Streit, was wir auch an diesem Gerichtsstreit wieder einmal deutlich sehen können!

  3. Sehen Sie, PseudoPolitiker,

    dass ist der Unterschied zwischen Ihrem Bild von mir (und der Gruppe, in die Sie mich fleißig stecken) und der Realität.

    Ich habe von PEGIDA und AfD gesprochen und auch gemeint. Sie haben „Nazi“ reingelesen und schäumen los. Es gibt sehr wohl einen Unterschied zwischen den beiden Gruppen, auch wenn das Mitlaufenlassen von organisierten Nazis durch die Veranstalter von GIDA und AfD Demos (wie zuletzt in Rostock gesehen) diesen zumindest rein personell mittlerweile verschwimmen lässt.

    Das es Schnittmengen auf der Einstellungsebene gibt (Rassismus/“Ausländerfeindlichkeit“, Chauvinismus, Fantum für quasi autoritäre Herrscher wie Putin) werden auch Sie sicher nicht abstreiten wollen. Und genau diese Schnittmengen mit waschechten Nazis sind das Problem, weil es deren Positionen so herrlich anknüpfbar werden lässt.

    Und wenn ich Argumentationen höre, die genau für solche Einstellungen stehen, dann ist bei mir Schluss mit der „Toleranz“, weil mir dann als Demokrat und Humanist der Kamm schwillt.

    Ich empfehle Ihnen die Mitte-Studien der Uni Leipzig zur Lektüre. Die sind erkenntnisreich und schärfen den Blick.

    Hiermit möchte ich nochmal wiederholen, dass ich es schade und bedenkenswert finde, dass Sie sich an mir abarbeiten und den Kommentar von hetzer einfach so stehen lassen. Haben Sie kein Problem mit Gruppenkonstruktionen und anknüpfenden Abwertungen? Eine Antwort wäre schön. Danke!

    Ach und ein Letztes: Seien Sie bitte vorsichtig mit Unterstellungen, die gereichen Ihnen nicht zum Vorteil.

    • „Haben Sie kein Problem mit Gruppenkonstruktionen und anknüpfenden Abwertungen?“
      Hier die schöne Antwort: Doch damit habe ich ein Problem. Genau darum habe ich ja auch Ketzer, Pegida und die AfD in Schutz genommen, indem ich zum Ausdruck brachte: Wenn Sie auch „keine lupenreine braune Gesinnung“ unterstellen, so ist es doch eine braune.
      Was bedeutet denn „braune Gesinnung“ anderes als Nazi-Gesinnung?

      • Aber ein kleines bisschen braun ist jemand doch schon, der mit Neonazis, Glatzen und völkischen Fahnenträgern in einer Reihe marschiert und Leuten Beifall klatscht, die Ausländer als „Viehzeug“, „Gelumpe“ und „Dreckspack“ bezeichnen. Oder sind die vieeelen total netten Bürger, die da mitmarschieren, einfach zu dämlich, um zu erkennen, wem sie da hinterherlaufen? Könnte natürlich auch eine Erklärung sein.

        • Das ist der Sound der Entmenschlichung.

          Und mit Menschen, die keine Menschen mehr sind, kann irgendwann alles gemacht werden.

        • Ihre These hat etwas Zwingendes. Allerdings gehen dort viele Leute aus der so genannten Mitte der Gesellschaft mit, denen ich nun nicht unbedingt eine Nähe zu Rechten unterstellen möchte.
          Sh. z.B. auch die Reaktion auf die Hetzrede des Deutsch – Türken, der lautstark aufgefordert wurde aufzuhören.
          Sehen Sie ab und zu auch gute politische Diskusionen wie z.B. auf Phönix. Dort versuchen politische Experten immer wieder aufs Neue dieses Phänomen zu erklären.

          Andererseits waren es genau die gut bürgerlichen Leute aus der Mitte der deutschen Gesellschaft, die Hitler unterstützten und letztlich mit an die Macht verhalfen. Bspw. erfuhr er einen großen Rückhalt von den Großgrundbesitzern im damaligen Osten Deutschlands.

          • Ist ja irgendwie auch lustig. Da demonstrieren Leute in Dresden, die augenscheinlich/angeblich Angst vor einer „Islamisierung“ haben (was offenbar mit einer erhöhten Verbrechensneigung gleichgesetzt wird) – und beklatschen mit dem Pegida-Organisatoren einen Mann, der laut Wikipedia wegen gewerbsmäßigen Einbruchs und Drogenhandels verurteilt wurde. Ein ehemaliger Berufsverbrecher also. Der Pegida-Organisator beklagt aktuell, er sei „Opfer des Staates“ (der Arme) – was ist eigentlich aus seinen Opfern geworden? Waren das Deutsche? Oder „nur“ Ausländer? Dann wäre es wahrscheinlich aus Sicht seiner derzeitigen Anhänger nicht so schlimm.

          • Genau das ist das, was von Leuten, die sich wissenschaftlich und professionell (mobile Beratungsteams, Orgas für Betroffene rechter Gewalt, Bildungsvereine) mit Rechtsextremismus beschäftigen immer wieder betont wird

            Es gibt große Schnittmengen und massive Radikalisierungen.

            Und das mit der Aufteilung von den bösen Rändern und der guten, demokratischen Mitte finde ich ohnehin vollkommen fehlleitend.

            Es sollte um Einstellungsmuster und nicht um irgendwelche politischen Richtungsangaben gehen. Antisemitismus z. B. gibts bei Rechten, in der Mitte und bei Linken.

            Der Vorteil wäre, das wir dann hier auch viel weniger Diskussionen hätten, weil wir uns nich gegenseitig in irgendwelche Schubladen sortieren würden.

            Und zu Pirincci: Ich habe mir die Rede angeschaut. Lautstark waren die Aufforderungen nicht. Es gab meiner Wahrnehmung nach nur ein, zwei Handvoll Stimmen, die gerufen haben.

            (bei 2:01:18)
            https://www.youtube.com/watch?v=RBYJmhTs-xQ

  4. Wenn ich „braune Gesinnung“ sage, dann sind damit echte Nazis, die Braunhemden, gemeint. Da ich von ketzer bisher nicht genug gelesen habe, werde ich mich also hüten, ihn so zu nennen, um genau so eine Diskussion wie die hier zu vermeiden. Ihre Vorwurf geht damit ins Leere und ich würde sagen, dass Sie meine Äußerung missinterpretieren.

    Was ich allerdings tue, ist auf Schnittmengen hinzuweisen. Damit labele ich niemanden als Nazi, mache aber deutlich, wo es Ähnlichkeiten in den Argumentationen und damit Einstellungen gibt. Und die finden sich eben genau bei den angesprochenen Einstellungsmuster.

    Wie gesagt: Werfen Sie einen Blick in die „Fragile Mitte“-Studie, vor allem Kapitel 3. Das ist aufschlußreich, erschreckend und erhellend.

    http://www.fes-gegen-rechtsextremismus.de/pdf_14/FragileMitte-FeindseligeZustaende.pdf

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*