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Warum Jungen in der Schule schlechter sind und warum ein autoritativer Unterrichtsstil helfen könnte

LUXEMBURG. Es scheint ein weltweiter Trend zu sein, dass Jungen gegenüber Mädchen in der Schule ins Hintertreffen geraten. Forscher der Universität Luxemburg haben jetzt zwei mögliche Hauptursachen ausgemacht. Abhilfe könnte ein autoritativer Unterrichtsstil schaffen.

„Wir beobachteten eine starke Tendenz, dass sich Jungs mit schlechten Schulnoten von der Schule entfremden. Sie ist zu entfernt und wird als sinnlos angesehen“, so Andreas Hadjar, Professor für Erziehungssoziologie und Leiter der Studie. Zudem habe es einen klaren Zusammenhang gegeben, zwischen schlechten Leistungen und einer traditionellen Meinung über ihre Geschlechterrolle, nämlich, dass Männer Frauen „führen“ sollen. Jungs mit diesen Merkmalen neigten eher dazu, den Unterricht zu stören, und schnitten deshalb schlechter ab: Sie erzielten ein um rund acht Prozent schlechteres Jahresergebnis als der durchschnittliche männliche Schüler im gleichen Jahrgang.

Jungen mit schlechten schulischen Leistungen reagieren laut den Wissenschaftlern der Uni Luxemburg am besten auf einen autoritativen Unterrichtsstil. Foto: Lida Rose / flickr (CC BY-ND 2.0)

Jungen mit schlechten schulischen Leistungen reagieren laut den Wissenschaftlern der Uni Luxemburg am besten auf einen autoritativen Unterrichtsstil. Foto: Lida Rose / flickr (CC BY-ND 2.0)

Zwar ließen gleich viele Mädchen wie Jungs Anzeichen von Schulentfremdung erkennen, aber diese Einstellung hatte einen weit negativeren Einfluss auf die männlichen Jugendlichen. Traditionelle Ansichten über Männer- und Frauenrollen andererseits hatten gleichen Einfluss auf die schulischen Leistungen von Jungen und Mädchen, aber die Studie habe gezeigt, dass diese Meinung bei den Schülern viel weiter verbreitet sei als bei den Schülerinnnen.

Das Erklärungsmodell der Luxemburger Forscher könne dabei auch andere Faktoren einbeziehen wie die Meinungen von Peergroups und einen schlechten sozio-ökonomische Hintergrund der Familien. Diese hätten korrelierten ebenfalls in den Auswirkungen auf die Schulnoten, sofern sie eine Entfremdung von der Schule sowie eine traditionelle Rollenverteilung beeinflussten und demnach auch die schulischen Leistungen.

In der Studie untersuchten die Luxemburger Forscher mit Fragebögen, Gruppendiskussionen und Videoaufnahmen des Unterrichts das Verhalten von 872 Kindern, die meisten von ihnen Berner Schüler im Alter von 13 bis 14 Jahren. Diese Daten wurden mit den Ergebnissen von Tests und Klassenarbeiten verglichen.

Auf Basis der statistischen Analysen und der Beobachtung des Unterrichtsverhaltens haben die Wissenschaftler auch Lösungsansätze für das „Jungs-sind-schlechtere-Schüler-Syndrom“ skizziert. So stellten sie fest, dass Jungs mit schlechten schulischen Leistungen am besten auf autoritative Unterrichtsstile mit einer strukturierten, engagierten, aber kontrollierten Einstellung reagierten. Dies habe aber nichts mit überstrengen, autoritären Methoden zu tun.

Die Studie zeige, dass unangebrachte Unterrichtsstile Entfremdungsgefühle von der Schule bewirken oder verstärken können. „Lehrer mit einem autoritativen Unterrichtsstil interessieren sich klar für ihre Schüler, lenken sie und sind bei Problemen für sie da“, so Hadjar. „Diese Forschungsarbeit zeigt, dass Lehrer flexibel beim Umgang mit unterschiedlichen Persönlichkeiten sein müssen.“ (Universität Luxemburg, News4teachers)

• OECD-Bildungsbericht: The ABC of Gender Equality in Education: Aptitude, Behaviour and Confidence
• zum Bericht: OECD-Bericht: Mädchen mögen kein Mathe – das gilt besonders in Deutschland

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