Startseite ::: Leben ::: Til Schweiger stellt seine neue Stiftung für benachteiligte Kinder vor – und will jetzt eine Schule bauen

Til Schweiger stellt seine neue Stiftung für benachteiligte Kinder vor – und will jetzt eine Schule bauen

BERLIN. Til Schweiger und die Flüchtlinge – das war ein Aufreger in diesem Sommer. Was macht der Filmemacher jetzt? Er hat seine neue Stiftung vorgestellt – die „Til Schweiger Foundation“ -, und die soll jetzt erst mal eine Schule für Flüchtlingskinder bauen.  

Mischt er jetzt die Bildung auf? Schauspieler und Filmemacher Til Schweiger. Foto: gdcgraphics / Wikimedia Commons (CC BY 2.0)

Mischt er jetzt die Bildung auf? Schauspieler und Filmemacher Til Schweiger. Foto: gdcgraphics / Wikimedia Commons (CC BY 2.0)

Eigentlich will Til Schweiger nichts über Angela Merkel und die Bundesregierung sagen. Dann macht er es doch. «Unsere Kanzlerin» habe zum Thema Flüchtlinge sehr lange geschwiegen, findet der Filmemacher. Jetzt habe sie seinen «tiefsten Respekt». Sie kriege von allen was um die Ohren, aber stehe zu ihrem Wort. «Dafür sage ich einfach nur: Chapeau!»

Gerade hat Schweiger (51) mit schlaflosen Nächten in Moskau seinen Kino-«Tatort» abgedreht. «Ich bin fix und fertig.» Bevor er eine Woche Urlaub machen will, ist er am Donnerstag in Berlin, um seine neue Stiftung für benachteiligte Kinder und Jugendliche vorzustellen. Die hatte er schon länger geplant, wie er erzählt. In der Flüchtlingskrise sollte es dann schnell gehen. 400.000 oder 500.000 Euro habe die Stiftung schon zusammen – 100.000 Euro laut „Süddeutscher Zeitung“ aus Schweigers Vermögen.

Til Schweiger und die Flüchtlinge: Das ist ein Aufreger. Sicherheitsleute untersuchen am Eingang des Saals die Laptops. Die Wand aus Fernsehkameras ist breit wie bei der Berlinale. Schweiger hat es manchmal nicht so mit der Presse. Am Donnerstag läuft es eher flauschig.

Dabei hat er Unterstützer wie Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth, Schauspieler Jan Josef Liefers, Rapper Thomas D. und ARD-Mann Thomas Schreiber. Sandra Maischberger moderiert. Einige Promis tragen wie Schweiger das blaue T-Shirt der Stiftung. Das Logo ist eine Acht mit Herz oben. «Never ending love», unendliche Liebe, liest Schweiger daraus.

Vizekanzler Sigmar Gabriel sitzt neben ihm. Er lobt, dass die Stiftung nicht nur für Flüchtlingskinder gedacht ist. Gabriel ahnt, dass es in Deutschland wegen der Milliardenhilfen für Ausländer noch mehr Neid geben könnte. «Das darf man nicht zulassen.»

Jan Josef Liefers, Schweigers «Tatort»-Kollege, erzählt von seiner Reise nach Syrien vor zwei Jahren. Er sagt, die Bürgerkriegsflüchtlinge müssten mit der größtmöglichen Gastfreundschaft begrüßt werden. «Ich bin schockiert, dass das so viele Menschen scheinbar anders sehen.»
Schweiger ist mit Filmen wie «Keinohrhasen» und «Honig im Kopf» Deutschlands erfolgreichster Regisseur und Schauspieler. Man kann den nuschelnden Beau mögen oder nicht: Er ist der Prominente, der sich am lautesten pro Flüchtlinge zu Wort gemeldet hat. Das macht er gerne als Kraftmeier, in Interviews und mit vielen Emoji-Bildchen im Internet. Die einen sagen: Schweiger ist ein Selbstdarsteller. Die anderen sagen: Schweiger packt an.

Der Beginn: Im Juli ärgerte sich Schweiger über das «empathielose Pack» und die Ausländerhetze auf seiner Facebook-Seite. Er kündigte an, beim Bau eines «Vorzeige-Flüchtlingsheims» in einer niedersächsischen Kaserne zu helfen. Auch SPD-Chef Gabriel wurde aufmerksam. Die zwei telefonierten und trafen sich. Ein Bild des Duos, abgekämpft vor einem Glas Wasser, machte die Runde.

Das Flüchtlingsheim in Niedersachsen stockt gerade. Es gab viel Hin und Her. Unklar ist, ob die Kaserne in Osterode im Harz wegen einer möglichen Schadstoffbelastung überhaupt nutzbar ist. «Ich bin ja ziemlich viel gegrillt worden wegen Osterode», sagt Schweiger bei der Pressekonferenz. «Wir geben diesen Traum nicht auf.» Es liege leider nicht in seiner Hand.

Erst einmal will Schweiger helfen, Gebäude in Osnabrück zu einer Schule umzubauen und verspricht, sich dort bald blicken zu lassen.  In dem ehemaligen Bundeswehrkrankenhaus, wo Schweiger seine Pläne verwirklichen will, leben derzeit rund 450 Flüchtlinge vor allem vom Balkan, aus dem Irak, Syrien und Afrika. „Wir haben viele Familien und Kinder, aber auch Alleinreisende“, sagte der Geschäftsführer des Diakoniewerks Osnabrück, Gerhard Töller, das Träger der Einrichtung ist.

Mit der Stiftung von Til Schweiger steht das Diakoniewerk in regem Kontakt. „Es gibt einen Ideenaustausch mit der Stiftung, wir wünschen uns Unterstützung für den Spracherwerb“, sagte Töller. Die Kinder und Jugendlichen sollten schnell Deutsch lernen, es werde derzeit nach geeigneten Räumlichkeiten für den Unterricht auf dem Klinikgelände gesucht.

Schweigers Stiftung will Projekte mit Symbolcharakter fördern, steht in der Satzung. Sie versteht sich als «schlagkräftig und unbürokratisch». Was er zu der heftigen Kritik sagt, die ihn begleitet, wird Schweiger gefragt. «Das ist man ja gewohnt in Deutschland.» Überrascht habe es ihn nicht. Klar nerve ihn das. Er fände es viel besser, wenn die Leute einfach mithelfen und sammeln würden. Immer das Schlechte zu suchen, das sei wirklich so eine deutsche Eigenart. dpa

4 Kommentare

  1. Vielleicht könnte Prof. Precht dort unterrichten.

    • Aber im Ernst: wenn Schweiger das wirklich macht und dabei auch nachdenkt, zeigt das erfreuliche und vorbildliche Tatkraft.
      Übrigens sind an vielen Orten auch weniger reiche Leute aktiv.

      • Natürlich sind auch weniger reiche Leute aktiv. Aber sich als Promi hinzustellen und sich den ganzen Anfeindungen auszusetzen, das macht auch nicht jeder.

  2. Ich bin sehr skeptisch, was sogenannte „Elternschulen“ anbelangt, weil sie dann doch zwar mit viel Idealismus, aber wenig Sachkompetenz geleitet werden.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*